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08
10
2018

Thomas Härtel, Vizepräsident Berlin - Foto: Juergen Engler

Schulbauoffensive heißt Sportstättenoffensive – Thomas Härtel

By GRR 0

Für den Berliner Sport ist die anlaufende Schulbauoffensive eine große Chance. In den kommenden Jahren entstehen über 60 neue Schulen.

In den Investitionskosten von insgesamt 5,5 Milliarden Euro ist auch die Finanzierung der Schulsporthallen enthalten. Rund 350 neue Hallenteile sollen nach den bisherigen Planungen des Senats entstehen. Um Zeit und Kosten zu sparen, werden Typensporthallen in zwei Ausführungen gebaut: eine kleinere Dreifeldhalle mit bis zu 60 Zuschauerplätzen und eine größere Halle mit bis zu 199 Plätzen.

Rein zahlenmäßig kann mit diesem Vorhaben viel Druck vom Berliner Sport genommen werden. Denn die Nutzungszeiten an öffentlichen Sportstätten werden immer knapper.

Der LSB meldet Jahr um Jahr einen neuen Mitgliederrekord –  wir bewegen uns auf die Marke von 660.000 Mitgliedschaften zu. Unsere Vereine sind vielerorts gezwungen, Aufnahmestopps zu verhängen. Die Investitionen in Schulsportanlagen sind daher hoch willkommen, um den Vereinssport in den Nachmittags- und Abendstunden sowie am Wochenende zu gewährleisten.

Die kürzlich veröffentlichte Sportverhaltensstudie belegt, dass eine große Mehrheit der Berliner erwartet, dass dringend in die öffentliche Sport-Infrastruktur investiert werden muss.

Es geht jetzt darum, die Investitionen an den Schulstandorten nachhaltig  auch für den Vereinssport sinnvoll einzusetzen. Leider hat der Senat vor einiger Zeit eine gute Gelegenheit verstreichen lassen, die Sportstätten im Einklang mit den Bedürfnissen des organisierten Sports zu planen. Der LSB wurde nicht am Ausschreibungstext für die Typensporthallen beteiligt und konnte erst später und auf unser Drängen hin Einfluss auf den Prozess nehmen.

Der LSB hat daher im Frühjahr 2018 eine Veranstaltung durchgeführt, um sich die Planungen für die Typensporthallen von der Senatssportverwaltung vorstellen zu lassen und den anwesenden Vertretern von Verbänden und Vereinen die Möglichkeit zum fachlichen Input zu geben. Dabei hat sich vor allem gezeigt, dass im Hinblick auf Wettkampfgerechtigkeit und Barrierefreiheit noch vieles nicht zufriedenstellend ist bzw. noch einige Unklarheiten bestehen. Nach unserem Verlangen ist der LSB jetzt auch im Landesbeirat Schulbau präsent und vertritt dort die Interessen des Sports.

Neben den Typensporthallen spielen auch die Schulgebäude selbst eine wichtige Rolle für die Bewegungsförderung. Der LSB setzt sich für die Einrichtung von Mehrzweckräumen ein, die auch für den Vereinssport genutzt werden können. Sportvereine brauchen nicht immer eine genormte Sporthalle, sondern sind sogar froh, wenn sie einzelne Angebote in einem kleineren Rahmen durchführen können.

Und es geht uns auch um eine „bewegte Schule“, in der Bewegungsförderung zum Schulalltag gehört. Der LSB wird genau zu diesem Thema gemeinsam mit der Bildungsverwaltung eine Fachtagung durchführen, bei der Konzepte für eine „bewegte Schule“ vorgestellt und diskutiert werden sollen.

Große Sorgen bereitet uns auch der Mangel an ungedeckten Sportstätten. Rein rechnerisch besteht Bedarf an über 120 zusätzlichen Großspielfeldern! Wir wissen, dass der Platz in unserer Stadt knapp ist. Dennoch müssen wir uns dafür stark machen, dass dieser Bedarf die notwendige Beachtung findet. Und im Zuge der Baumaßnahmen kann es sogar vorkommen, dass vorhandene ungedeckte Sportanlagen zeitweise überbaut werden oder ganz wegfallen. Der Gewinn an Sportflächen durch neue Sporthallen wäre konterkariert, zumal die zweitweise Überbauung durchaus dauerhaften werden kann. Wir müssen  daher darauf achten, dass auch in solchen Fällen das Parlament laut Sportförderungsgesetz über einen möglichen Wegfall eines Sportplatzes zu entscheiden hat.

Eine Erweiterung eines Schulstandortes darf nicht zu einer umgekehrten Entwicklung führen. Keine Aufgabe einer Sportfläche ohne Ersatz!

Wir befinden uns am Anfang eines weitreichenden Prozesses. Die Baumaßnahmen starten erst langsam und es werden noch einige Jahre vergehen, bis das Projekt abgeschlossen ist. Jetzt haben wir das Zeitfenster, um Einfluss zu nehmen und standortbezogen passende Lösungen zu finden. Wir haben kürzlich in einem Schreiben alle Mitgliedsverbände und Berliner Sportvereine über das Thema informiert und gebeten, die besonderen Anforderungen in Bezug auf einzelne Standorte mit unserer Unterstützung auch vor Ort einzubringen.

Auch die Bezirkssportbünde tragen hier eine große Verantwortung. Sie sind diejenigen, die die einzelnen Maßnahmen – etwa im bezirklichen Sportausschuss – erfahren und begleiten können. Umso wichtiger war und ist es uns, sie mit Mitteln für hauptamtliches Personal zu unterstützen.

Wenn wir alle an einem Strang ziehen, gewinnt auch der Sport!

Thomas Härtel
Vizepräsident – LSB Berlin in Sport in Berlin – Sept./Oktober 2018

 

author: GRR