FIFA World Cup 2026 - mit Trump und Infantino (ganz r.) - sreenshot: Horst Milde
FIFA Fußball WM 2026 – Einige Sieger, viele Verlierer? Prof. Dr. Helmut Digel – sport-nachgedacht.de
Zur Geschichte des Internationalen Sports gehört schon seit längerer Zeit ein ausgeprägter Größenwahn, der dadurch zum Ausdruck gebracht wird, dass bei jedem neuen Sportereignis dem Zuschauer von den Massenmedien erklärt wird, dass er bei dem größten, wichtigsten und einmaligsten Ereignis des Sports dabei sein darf.
Noch im Jahr 2022 wurde die Fußball-WM von Katar als die bislang größte Fußball-WM dargestellt. Sie hatte nach Meinung der Befürworter in Größe, Symbolkraft, Kosten und Folgewirkungen Maßstäbe gesetzt. Dabei gab es wie bei allen früheren Fußball-Weltmeisterschaften Gewinner und Verlierer.
Die ökonomische Bilanz hätte schon immer mit dem ökologischen Schaden beglichen werden können und es war notwendig, dass man die Akteure benennt, die materiell bei diesen Großereignis die größten Gewinne erzielt haben.
Betrachten wir zunächst unter diesen Gesichtspunkt die WM in Katar, so könnte die Gewinner-Verlierer-Bilanz etwa folgendermaßen aussehen:
Gewinner und Verlierer der „größten Fußball-WM“ Katar 2022“
Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar war nicht nur ein sportliches Großereignis, sondern auch ein globales Milliardenprojekt. Sieger war auf den ersten Blick der Fußball selbst: Die FIFA erzielte im Zyklus 2019–2022 einen Rekordumsatz von 7,5 Milliarden US-Dollar, 2022 allein 5,769 Milliarden US-Dollar, und schloss das Jahr mit einem Nettoergebnis von 2,368 Milliarden US-Dollar ab. Verlierer waren hingegen jene, die die sozialen, finanziellen und ökologischen Folgekosten zu tragen hatten und z.T. noch zu tragen haben: die Arbeitsmigranten, die öffentliche Debatte über Menschenrechte, die Steuerzahler im Gastgeberland und letztlich das Klima.
Ökonomischer Schaden
Der volkswirtschaftliche Schaden kann weniger in einer einzigen klar bezifferbaren Verlustsumme, resultierend aus der Summe für Bau-, Infrastruktur- und Folgekosten, festgemacht werden. Allein Katar soll nach damaligen Schätzungen über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren bis zu 220 Milliarden US-Dollar in Vorbereitungen investiert haben, also in Stadien, Verkehrswege, Hotels und städtische Aufwertung. Solche Summen können zwar kurzfristig Nachfrage erzeugen, sie binden aber Kapital in Prestigeinfrastruktur, deren langfristige Auslastung unsicher bleibt. Für die Volkswirtschaft ist das riskant, weil ein Teil der Investitionen keinen breiten, dauerhaften Produktivitätsgewinn erzeugt, sondern vor allem dem singulären Event dient.
Gleichzeitig wurden Gewinne stark konzentriert. Die FIFA profitierte durch Rekordeinnahmen aus Medien-, Marketing-, Hospitality- und Ticketrechten, und Sponsoren und Partner konnten ihre globale Sichtbarkeit monetisieren. Der finanzielle Ertrag floss also vor allem zu Institutionen und Wirtschaftsunternehmen mit hoher Marktmacht, nicht proportional zu den durch die WM entstandenen gesellschaftlichen Lasten. Genau darin liegt die asymmetrische Struktur solcher Mega-Events: Die Kosten Werden im Gastgeberland sozialisiert, die Gewinne auf wenige konzentriert, gewissermaßen privatisiert.
Ökologischer Schaden
Ökologisch war die WM ein schwerer Rückschritt für die Klimabilanz des internationalen Fußballs. Die FIFA selbst bezifferte die erwarteten Emissionen der WM 2022 auf bis zu 3,6 Millionen Tonnen CO2, wobei mehr als die Hälfte aus Reisebewegungen stammen sollte. Andere Analysen und spätere Berichte stellten diese Angaben als zu niedrig oder als „creative accounting“ dar und verwiesen darauf, dass die tatsächliche Belastung deutlich höher gelegen habe. Damit wurde die Veranstaltung zu einem Symbol für das Spannungsverhältnis zwischen Wachstumslogik des Sports einerseits und Klimaschutz andererseits.
Hinzu kommt, dass nicht nur die unmittelbaren Turnieremissionen zu zählen sind, sondern auch die Bau- und Folgewirkungen. Neue Stadien, deren Klimatisierung,, Transportketten und internationale An- und Abreisen verursachen Emissionen, die sich nicht einfach durch PR oder Kompensationsversuche neutralisieren lassen. Wenn eine Sportgroßveranstaltung in der öffentlichen Wahrnehmung als nachhaltig verkauft wird, obwohl ihre Emissionen mehrere Millionen Tonnen ausmachen, entsteht ein Glaubwürdigkeitsverlust, Um den sich allerdings beim Fußball niemand kümmert.
Monetäre Gewinner
Auf der Gewinnerseite lassen sich mehrere direkt oder indirekt Beteiligte finden. Die FIFA war der größte Gewinner mit Rekordeinnahmen und einem ausgebauten finanziellen Polster für künftige Turniere und Förderprogramme. Allein die Weltmeistermannschaft Argentinien erhielt ein Preisgeld in Höhe von 44 Millionen US-Dollar aus einem Gesamtpool von 440 Millionen US-Dollar. Auch Spieler und Vereine profitierten indirekt, etwa über Leistungsprämien, Werbeverträge und Verbandszahlungen an Ausbildungsvereine.
Besonders sichtbar waren die Profite einzelner „Stars“ und Marken. In den damals kursierenden Finanzschätzungen galt Kylian Mbappé als höchstverdienender Spieler, mit sehr hohen Einnahmen aus einem Arbeitsvertrag mit seinem aktuellen Heimatverein und aus Werbeverträgen, auch wenn solche Summen nicht unmittelbar aus der WM stammen, so sind sie doch Folge eines gesteigerten Marktwertes.. Sponsoren wie Adidas, Coca-Cola, Qatar Energy oder Qatar Airways erhielten weltweite Sichtbarkeit und „Reichweite“ und verbanden ihre Marken mit dem Prestige des Turniers. Auch Katar selbst gewann politisches und symbolisches Kapital: internationale Aufmerksamkeit, Imageaufwertung und die Demonstration geopolitischer Handlungsfähigkeit.
Bilanz des Turniers
Die WM 2022 zeigte, wie „modern“ sich organisierte Fußballgroßereignisse darstellen können: ökonomisch hochrentabel für wenige, gesellschaftlich teuer für viele. Zu den Gewinnern zählen FIFA, Sponsoren, Medienunternehmen, ausgewählte Spieler, Verbände und das Gastgeberland als geopolitischer Akteur.
Zu den Verlierern gehörten einige Nationalmannschaften, die früh das Turnier zu verlassen hatten. Allen voran Deutschland, dass sich darüber hinaus bei seiner Teilnahme durch geradezu lächerliche politische Aktionen – „angeführt“ von der damaligen Bundesministerin des Innern und für Heimat – präsentierte. Angesichts der Peinlichkeit dieser Auftritte wurde Deutschland weltweit nicht nur als politischer „Spielverderber“ wahrgenommen, sondern hat auch gegenüber dem Gastgeberland Katar einen erheblichen politischen Schaden angerichtet.
Die wichtigeren Verlierer jedoch waren die Umwelt, die Glaubwürdigkeit des Nachhaltigkeitsdiskurses und jene Bevölkerungsteile, die die Folgen der Investitionen und Emissionen mit zu tragen hatten. Nicht zu vergessen sind die vielen ausländischen Arbeitskräfte, die in Katar schon seit Jahrzehnten einer zügellosen kapitalistischen Ausbeutung ausgeliefert sind an der sich nicht nur Katar, sondern auch viele internationale Bauunternehmen, unter anderem auch solche aus Deutschland bereichert haben.
Gerade deshalb ist die als größte Fußball-WM aller Zeiten angekündigte WM von Katar 2022 nicht nur ein sporthistorischer, sondern auch ein ökonomischer und ökologischer Lehrfall. Sie beweist, dass Erfolg im modernen Fußball oft in Geld und Reichweite gemessen wird, während die wahren Kosten in unsichtbarem Kapitalverbrauch, gesteigerten Emissionen und beschädigter Reputation liegen. Der eigentliche Preis des Spektakels war damit höher als jeder Pokalwert.
FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte keine Skrupel nach den angeblich „größten Weltmeisterschaften 2022“ bereits ein Jahr später die nächsten „größten Weltmeisterschaften 2026“ anzukündigen. Und noch während der eben zu Ende gegangenen Weltmeisterschaften spricht der bereits von den noch größeren Fußballweltmeisterschaften 2030 und 2034.
Betrachten wir nun im Vergleich zu der Weltmeisterschaft 2022 in Katar, die Weltmeisterschaft 2026 in Mexiko, Kanada und USA und fragen ebenfalls nach den Gewinnern und Verlierern, so kann die vorläufige Bilanz wie folgt aufgemacht werden:
Gewinner und Verlierer bei der „allergrößten“ Fußball-WM Kanada, Mexiko und den USA 2026
Die WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada ist ein weiteres Fallbeispiel dafür, wie ein Mega-Event gleichzeitig gigantische Gewinne und erhebliche Kosten erzeugt. Gewinner sind vor allem FIFA, Sponsoren, Medienpartner, herausragende Spieler,Trainer und Schiedsrichter und die Gastgeberstädte mit starken Tourismuseffekten; Verlierer sind Klima, öffentliche Haushalte, Anrainerstädte und jene, die die sozialen Folgekosten zu tragen haben.
Nach der Niederlage bei der Fußball-WM 2022 in Katar gehört Deutschland einmal mehr zu den großen Verlierern der WM 2026, nachdem sie bereits in der Runde der letzten 16 ausgeschieden sind. Der DFB vermeldet durch das frühe „Aus“ein Defizit von circa 10 Millionen €..
Ökonomische Bilanz
Die FIFA hat für den Turnierzyklus 2023–2026 Einnahmen von rund 13 Milliarden US-Dollar kalkuliert; für das Turnier selbst werden etwa 8,9 bis 11 Milliarden US-Dollar Einnahmen genannt. Dazu kommen Einnahmenrekorde bei Sponsoring, Hospitality und TV-Rechten, die den Wettbewerb zum bislang lukrativsten Sportereignis der Geschichte machen. Auf der anderen Seite stehen öffentliche Ausgaben für Sicherheit, Verkehr, Umbauten und Organisation, die sich in den Host Cities auf Milliarden summieren und nicht immer in langfristige Wertschöpfung übersetzt werden können.
Volkswirtschaftlicher Schaden
Der volkswirtschaftliche Schaden besteht weniger aus einem einzelnen Buchungsposten als aus der Verteilung von Kosten und Nutzen. Viele Städte müssen in Transit, Sicherheit, Stadionanpassungen und temporäre Infrastruktur investieren, während ein erheblicher Teil der Wertschöpfung an FIFA, TV-Anstalten, Vermarkter und internationale Dienstleister fließt. Hinzu kommt, dass Mega-Events lokale Preise für Hotels, Mobilität und Dienstleistungen erhöhen und damit Verdrängungseffekte erzeugen können. Besonders kritisch ist, dass kurzfristige Konsumimpulse langfristige Alternativkosten verdecken: Öffentliche Mittel, die in ein Turnier fließen, fehlen an anderer Stelle etwa bei Bildung, Gesundheit oder Wohnungsbau. Über den Produktivitätschaden, den die Fußballweltmeisterschaft hervorgerufen hat, gibt es nur Schätzungen. So geht z.B. das Handelsblatt von einem Schaden von 17 Milliarden $ global aus. Die Verteilung ist dabei regional sehr ungleich (11,7 Mrd. USD für die USA,1,34 Mrd. USD für Deutschland).
Es handelt sich dabei um Umfrage- und Modellschätzungen, nicht um direkt beobachtete GDP-Buchungen; die Methode verbindet Selbstangaben zu Fehlzeiten/Präsenzverlusten mit Durchschnittslöhnen und Arbeitsstunden. Manche Studien berücksichtigen auch kurzfristige Produktivitätssteigerungen (Stimmungsaufhellung bei Siegen).
Der volkswirtschaftliche Schaden einer WM entsteht durch
Absentismus: Mitarbeiter kommen zu spät, bleiben weg oder nehmen Urlaub für Spiele; das reduziert die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden.
Leistungsabfall: Arbeitnehmer sind während/ nach Spielen unkonzentriert oder wegen Feierlichkeiten beeinträchtigt.
Sekundäre Effekte: höhere Krankmeldungen („Hangover“, Schlafmangel), Logistik-/Service-Unterbrechungen, reduzierte Geschäftszeiten in stark betroffenen Branchen.
Klimabilanz
Ökologisch ist die WM 2026 nach heutigem Stand ein „Rekordbrecher“ in die falsche Richtung. Mehrere Studien gehen von mindestens 9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent aus, in ungünstigeren Szenarien wurde sogar eine Emmissionslast von 15 Millionen Tonnen errechnet. Als Haupttreiber gilt der Luftverkehr zwischen den weit auseinanderliegenden Spielorten. Damit würde das Turnier die Emissionen früherer Weltmeisterschaften deutlich übertreffen. Der entscheidende Punkt ist somit struktureller und organisatorischer Natur: Nicht neue Stadien, sondern die kontinentale Streuung, die Steigerung der Anzahl der Spiele und die Reiseabhängigkeit machen die Veranstaltung klimapolitisch so problematisch.
Monetäre Gewinner
Zu den klaren Gewinnern zählt die FIFA selbst, die über Medienrechte, Sponsoring, Ticketing und Hospitality enorme Einnahmen erzielt. Ein besonders großer Teil kommt von Partnern wie Adidas, Coca-Cola, Visa und Hyundai/Kia, deren Markenpräsenz bei einem globalen Publikum unmittelbar in wirtschaftlichen Wert übersetzt werden kann. Auch die 48 teilnehmenden Verbände profitieren über Preisgelder und Ausschüttungen; der Sieger erhält ein Rekordpreisgeld von 50 Millionen US-Dollar, und der gesamte Preisgeldtopf liegt bei 871 Millionen US-Dollar. Für Spieler, Top-Teams und Vermarkter entstehen zusätzliche Gewinne durch Werbeverträge, Boni und mediale Reichweite, die weit über das eigentliche Turnier hinausreichen.
Wer sind die großen Profiteure, wer die großen Verlierer?
Wir haben gesehen, dass mit einer Fußballweltmeisterschaft viele Rechnungen aufgemacht werden können. Einige dieser Rechnungen davon sind bestens aufgegangen. Doch manche Gewinner können dabei auch gleichzeitig Verlierer sein. Dies gilt vor allem für jene Rechnungen, die von Trump und von Infantino für diese WM aufgestellt wurden.
Für Infantino sind diese Weltmeisterschaften sein größter Erfolg als Präsident der FIFA den er bislang erreichen konnte. Dafür wird er ganz sicher bei der nächsten Präsidentenwahl „belohnt“. Seine Wiederwahl kann nach dieser WM als gesichert gelten. Es war die „größte Weltmeisterschaft aller Zeiten“. Es wurden mehr Zuschauer in den Stadien gezählt als jemals zuvor. Die Einschaltquoten waren weltweit herausragend, und der wirtschaftliche Erlös war der höchste, den die FIFA jemals mit einer WM erzielt hat. Die Produkte des FIFA- Merchandising haben über mehrere Monate, die gesamte Konsumwelt auf jedem der fünf Kontinente geprägt.
Trump hat ebenfalls seine Ziele erreicht, die er mit dieser Weltmeisterschaft verbunden hat. Aus der ganzen Welt sind Gäste angereist, um bei dieser Weltmeisterschaft dabei zu sein. Der amerikanische Tourismus, die amerikanische Tourismusindustrie hat während der WM einen ihrer größten Erfolge erlebt. Für die Gäste sind dabei hohe Kosten während ihres Aufenthalts entstanden. Für Trump war dies ein willkommener Beitrag, um der angeschlagenen Wirtschaft in den USA ein wenig auf die Beine zu helfen. Trump hat gezeigt, dass letztlich er entscheidet, wer wo und wann in dem Vereinigten Staaten mit wem Fußball spielt, wer in sein Land einreisen darf und wer nicht und welche Ethnien in seiner MAGA-Welt willkommen sind und welche Menschen man als weniger „wertvoll“ betrachtet.
Donald Trump hatte bis zum Endspiel kein Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft besucht, und das aus gutem Grund: Seine Berater haben ihm von einem Besuch abgehalten, da die lautstarke Besucherresonanz der angeschlagenen Gesundheit des US Präsidenten wohl kaum entgegenkommen würde. Sie machten sich Sorgen, dass ein Besuch ihres Präsidenten ein Pfeifkonzert von unendlicher Dauer zur Folge gehabt hätte, so wie zuletzt im Madison Square Garden als er ein Basketballspiel der New York Knicks verfolgte. Beim Endspiel konnte dies durch eine gekonnte Dramaturgie und weitreichende Sicherheitsvorkehrungen verhindert werden.
Und doch hat der amerikanische Präsident auf beispiellose Weise in die Fußball-WM eingegriffen: Trump hat, nachdem der beste Spieler der USA, Folarin Balogun, im Spiel gegen Bosnien-Herzegowina eine rote Karte gesehen hat, zum Telefonhörer gegriffen und seinem Freund Gianni Infantino, von Trump stets „Johnny“ genannt, klar gemacht: Diese rote Karte möge die Fifa bitte schön „überprüfen“ und die fällige Sperre gegen den amerikanischen Stürmer zurücknehmen, damit Balogun im Achtelfinale gegen Belgien doch spielen kann. „Trumps Wille geschieht“ kommentierte die SZ diese „heilige Tat“ des sich selbst zum Gott erkorenen Regenten.
Auf Seiten der Medien gibt es große und kleinere Gewinner. Die Werbebranche hat dank einer Regeländerung der FIFA auf jeden Fall ihren Marktbeleben können. Die für jede Spiel eingeführte High Variation Break war für Sie ein großer Lotterie Gewinn. Hydration war dabei selbst dann notwendig, wenn die Stadiontemperatur auf 22° abgesenkt war und die Veranstaltung unter einem Dach stattgefunden hat.
Frühestens 20 Sekunden nach dem Pfiff des Schiedsrichters durften die Sender in die Werbung gehen, 30 Sekunden vor dem Ende der „Cooling Break“ mussten sie wieder auf den Rasen schalten. In der Zeit dazwischen wird Geld verdient: „Erstmalig Werbung im Spiel möglich“, verkündet das ZDF in einer Präsentation für potenzielle Werbekunden. „Exklusivblock im Vollbild von ca. 90 Sekunden Länge. Platzierungen in den Trinkpausen bei nicht-deutschen Spielen sind schon ab 1200 Euro pro Sekunde umsetzbar“, schreibt das ZDF zu den Kosten.
Beim Spiel von Cristiano Ronaldos Portugiesen gegen DR Kongo (1:1) waren es dagegen schon 3650 Euro pro Sekunde. Die ARD verkaufte für „ihre“ Spiele ein „Cooling Break Paket“ mit sechs Spots zu je 30 Sekunden für rund 6000 Euro. Wer bei einem deutschen Sechzehntelfinale sein Produkt in einer der beiden Pausen im Fernsehen sehen will, musste dann aber schon richtig tief in die Tasche greifen: 17.825 Euro pro Sekunde – für 20 Sekunden waren 356.500 Euro fällig. Durch die Erlöse aus der Werbung wird „die Beitragslast für die Haushalte gesenkt“, schreibt das ZDF.
Nicht alle Gastgeber einer WM gewinnen bzw. verlieren gleichermaßen. Städte mit bestehender Infrastruktur und hohem Tourismuspotenzial, etwa New York/New Jersey, Los Angeles, Mexico City oder Miami, können deutliche Zusatzumsätze erzielen. Gleichzeitig fallen diese Effekte ungleich aus: Je besser eine Stadt bereits ausgestattet ist, desto eher kann sie zusätzliche Nachfrage bedienen, ohne die Kosten explodieren zu lassen. Die Gewinner sind also oft die, die schon vor dem Turnier wirtschaftlich stark sind.
Die größten Verlierer dieser WM sind das Klima und die Glaubwürdigkeit des internationalen Sports. Wenn ein Turnier mit Millionen Tonnen Emissionen als nachhaltiges Event vermarktet wird, entsteht ein Reputationsschaden für den gesamten Sport. Zu den sozialen Verlierern gehören außerdem Beschäftigte in der Eventökonomie mit prekären Bedingungen, Steuerzahler mit Vorfinanzierungslasten und Wohnungs- und Verkehrsnutzer in den Host Cities, die die Zusatzbelastungen tragen. Auch kleinere Verbände und Länder, die nicht im Fokus der Vermarktung stehen, profitierten deutlich weniger als die großen Akteure des globalen Fußballs.
Neben dem Klima, der Volkswirtschaft und neben den Lasten, die der Steuerzahler wegen dieser WM zu tragen hat, gehören auch einzelne Personen und Institutionen bzw. Organisationen zu den großen Verlierern dieser WM. Ihre Liste wird von Bundeskanzler Merz angeführt, der einmal mehr ohne fachliche Kompetenz und wie so oft sehr vorschnell, sich zum Spiel der Deutschen Mannschaft zu Wort melden musste und dem Nationaltrainer und der nationalen Mannschaft für ihre gute Leistungen bei dieser WM gratulierte. Ähnlich skurril war die Gratulation durch FIFA Präsident Infantino mit einem Post zum deutschen Aus bei der Weltmeisterschaft.
Am Tag nach dem Ausscheiden schickte der Schweizer via Instagram eine Botschaft an das DFB-Team, mit 4:5 nach Elfmeterschießen an Paraguay gescheitert war. Infantino sah „unvergessliche Leistungen“ beim DFB Team:„Vielen Dank, DFB-Team. Der viermalige Weltmeister setzte sich in einer stark besetzten Gruppe durch und sorgte mit unvergesslichen Leistungen und dramatischen Momenten dafür, dass diese FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft etwas Besonderes wurde“, stand in Infantinos Post, der außerdem eine Slideshow mehrerer Bilder Deutschlands bei der WM umfasste.
„Eure Reise endete zwar in einem packenden Elfmeterschießen, doch es war uns eine Ehre, euch als Teil dieser FIFA- Fußball-Weltmeisterschaft dabei zu haben“.
Einer der größten Verlierer dieser Fußball-Weltmeisterschaft ist Deutschland und der Deutsche Fußballbund (DFB). Das frühe „WM-Aus“ der deutschen Nationalmannschaft hat sportliche, finanzielle und wirtschaftliche Folgen in zweistelliger Millionenhöhe. Für den DFB ist ein Verlust von mehreren Millionen Euro an Prämien‑ und weiteren Einnahmen zu bilanzieren. Außerdem sind breitere Negativeffekte für den Handel, für die Gastronomie, für die Sponsoren und selbst für die Börse zu verzeichnen.
Die Teilnahme- und Siegprämien für spätere Runden wären substanziell gewesen; für das Erreichen des Sechzehntelfinals gab es knapp 10 Millionen Euro, Für jede weitere Runde hätte es weitere 3,5 Millionen Euro pro Runde gegeben, sodass dem DFB durch das frühe Aus mehrere Millionen Euro an möglichen Prämien verloren gegangen sind. Medien und Verbandskreise berichten, dass dem DFB durch das vorzeitige Ausscheiden ein deutliches Minus droht; der Verband hatte ohnehin knappe Bilanzen und hat nun mit weiteren hohen Belastungen durch Turniervorbereitung und Infrastrukturkosten zu rechnen.
Die Gastronomie und Public Viewing mit ihrer Außengastronomie, Kneipen und Veranstalter von Public‑Viewing‑Events verloren durch das frühe Ausscheiden erwartete Zusatzumsätze; in Studien zur WM wurde insgesamt von einem Zusatzumsatz von 67 Millionen Euro für die Gastronomie in Deutschland gesprochen – ein großer Teil davon fällt durch das frühe Ausscheiden weg.
Im Einzelhandel haben die Umsatzimpulse bei Lebensmitteln, Sportartikeln und Fan Waren sofort abgenommen, sodass der saisonale Kaufanlass nur sehr gering ausgefallen ist; Statistiken zeigen generell nur moderate WM‑Effekte im Einzelhandel. Die geringere Sichtbarkeit und kürzere Werbezeiten mindern den Marketingwert für Sponsoren (DFB‑Partner, Ausrüster, Medienrechte), was mittelbar Vertragsverhandlungen und Aktivierungspläne belastet.
Einzelne DAX‑Werte (z. B. große Sportartikelhersteller) reagierten mit Kursverlusten unmittelbar nach dem Ausscheiden; das zeigt kurzfristige Markteinflüsse auf Unternehmensbewertungen. Auch die Sportlichen und strukturelle Konsequenzen, die DFB aus dem frühen Ausscheiden zu tragen hat, sind ebenfalls mit hohen Kosten verbunden. Trainerwechsel, Evaluationen und neue Kaderplanungen erzeugen zusätzliche Kosten (Abfindungen, Berater, strukturelle Reformen), während gleichzeitig Einnahmen fehlen.
Das Ausscheiden selbst bedeutet auch einen langfristigen Wertverlust: Das wiederholte frühe Ausscheiden hat die nationale Marke „Deutscher Fußball“ geschwächt, die Sponsorenbindung erschwert und mittelfristige Einnahmenpotenziale vermindert. Der DFB ist in der Rangliste der 10 besten Fußball Nationen nicht mehr vertreten.
Das Gesamtschadenbild besteht aus direkten verlorenen Prämien in Millionenhöhe für den DFB, spürbaren aber regional begrenzten Umsatzverlusten für Gastronomie und Handel sowie kurzfristigen Effekten auf Sponsoring‑Werte und Aktien – die Summe der volkswirtschaftlichen Effekte dürfte sich (je nach Annahmen) im niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbereich der ursprünglich erwarteten WM‑Impulswerte verschieben, konkret aber für Deutschland deutlich kleiner ausfallen als die ursprünglich geschätzten positiven Effekte.
Vorläufige Bilanz
Die WM 2026 ist ein Paradebeispiel für die Doppelgesichtigkeit moderner Sportgroßereignisse: ökonomisch hochprofitabel für eine kleine Gruppe, volkswirtschaftlich nur bedingt rational und ökologisch extrem teuer. Ihre Gewinner lassen sich in Milliarden, ihre Verlierer in Emissionen, Belastungen und Folgekosten messen. Genau darin liegt die eigentliche Botschaft dieser WM: Der sportliche Glanz wächst, aber der Preis dafür wächst mit ihm und hinterlässt dem Steuerzahler immer höhere Lasten.
Der Manchester-Kapitalismus lässt grüßen: Im Weltfußball unter der Führung von Infantino wird ein eine radikale Form des Laissez Fair -Kapitalismus betrieben: möglichst freie Märkte, sehr wenige staatliche Eingriffe und ein starker Fokus auf Unternehmens Interessen. Ausgebeutet wird letztlich der Steuerzahler.
Letzte Bearbeitung: 20. Juli 2026
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