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04
07
2026

Symbolbild - Olympische Flagge - Foto: Horst MIlde

Kirstin Coventry – Ein Jahr voller Überraschungen – Prof. Dr. Helmut Digel – sport-nachgedacht.de

By GRR 0

Ich muss gestehen, ich hatte angesichts ihrer Voraussetzungen nicht viel von ihr erwartet.

Für das Amt einer Präsidentin des IOC sind sportliche Erfolge bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen üblicherweise eine völlig unzureichende Voraussetzung, um den komplexen Anforderungen gerecht zu werden, die für die Leitung der Olympischen Spiele und der Olympischen Bewegung notwendig sind.

Ihre sportpolitischen Vorerfahrungen als Ministerin für Sport in ihrem Heimatland Simbabwe sind kaum weniger angetan, dass man sie als Qualifikationskriterium für dieses Amt bezeichnen könnte. Wer weiß wie unbedeutend dieses Ministerium in der Regierung Mugabe gewesen ist, den konnte es eigentlich nur überraschen, dass sich Coventry für das höchste Amt des Olympischen Sports bewerben konnte, und dann auch noch das Mandat bereits in der ersten Abstimmungsrunde erfolgreich erreichte.

Ein Jahr nach ihrer Wahl muss ich erkennen, dass ich mich getäuscht habe. Wenngleich ihre öffentlichen Auftritte aus Anlass der Winterspiele in Milano/ Cortina wenig überzeugend waren. Ihre öffentlichen Darlegungen wiesen erhebliche Mängel auf, und man musste befürchten, dass dem IOC Jahre der Führungslosigkeit bevorstehen.

Nach der ersten von ihr geleiteten 146. IOC-Session wurde ich jedoch eines Besseren belehrt. Diese IOC-Session gehört ohne Zweifel zu den wichtigeren in der jüngeren Geschichte der Olympischen Bewegung, und die von ihr angestrebten Beschlüsse sind nahezu durchgängig wegweisend. Für die olympische Bewegung können sie teilweise sogar als revolutionär bezeichnet werden. Coventry scheint bereits in ihrer ersten Amtszeit Themen anzupacken, die man lange wohl vor sich hergeschoben hat, und wo bei vielen IOC-Mitgliedern der Mut und vielleicht auch die Kompetenz gefehlt hat, endlich zu klaren Regelungen zu kommen.

Nicht jede der neuen Entscheidungen muss dabei gutgeheißen werden, so zum Beispiel die noch zu erläuternde Entscheidung der „Bonuszahlung“ bei Olympischen Spielen an jeden teilnehmenden Sportler[1]. Doch auch diese Entscheidung kann durchaus als wegweisend und als dringend notwendig bezeichnet werden.

Doch nun der Reihe nach. Bei der IOC-Session in Lausanne gab es unter dem Slogan „Fit for the Future“ insgesamt fünf wichtige Themenfelder:

„Athletes“,
 
„Olympic Games“,

„Olympic Movement“,

„Olympic Impact“,

 „Engagement and Revenues“.

Zu jedem dieser Themen wurden mehrere Entscheidungen getroffen. Die wichtigsten sollen im Folgenden in ihren zentralen Inhalten wiedergegeben werden.

> Die dabei neu entstandene IOC-Programmatik ist das Resultat eines intensiven Konsultationsprozesses, an dem nahezu die gesamte olympische Bewegung beteiligt gewesen ist. In neun Arbeitsgruppen wurde der „Fit for the Future“- Prozess initiiert und vorbereitet. Im Zentrum dieses Beteiligungsprozesses sollte dabei das Prinzip „Athletes First“ stehen.

Einführung eines Stipendiums für alle Olympischen Athletinnen und Athleten

Dem „Athletes First“ Prinzip entspricht vor allem die Entscheidung, dass zum ersten Mal in der Geschichte der Olympischen Spiele jeder Athlet und jede Athletin bei Olympischen Spielen einen Zuschuss von 10.000 $ unter der Maxime „Fit for the Future Olympian Grant“ erhalten soll. Dieses Stipendium wurde eingeführt, um die Olympischen Athleten und Athletinnen während ihrer sportlichen Karriere zu unterstützen. Hierzu wird ein Fond von 140 Millionen $ für jede Olympiade bereitgestellt. Die Regelung gilt rückwirkend auch für die Olympischen Spiele Milano / Cortina 2026.

Ca. 14.000 Olympioniken pro Olympiade sollen für jede Ausgabe der Spiele, an denen sie teilnehmen, diesen Zuschuss erhalten. Das Geld wird über die nationalen Olympischen Komitees verteilt. Wenn ein Olympionike sich entscheidet, sich nicht zu bewerben, bleibt seine Zuteilung im Fond, um sie künftigen Olympioniken zugutekommen zu lassen. Entscheidend ist, dass der Zuschuss keine derzeitige IOC- Unterstützung für die NOKs und für die Internationalen Sportverbände oder für das olympische Solidarität Programm ersetzen wird.

IOC-Athletensprecher Paul Gasol sagte: Dieses Stipendium steht jedem Olympioniken zur Verfügung. Nicht nur den Medaillengewinnern. Nicht nur Athleten aus bestimmten Ländern. Jeder Olympionike erhält es. Obwohl die Karriere jedes Sportlers anders ist, hat jeder Olympionike Opfer gebracht, um die Olympische Bühne zu erreichen. Jahre der Hingabe, Jahre harter Arbeit, Jahre, in denen er an einen Traum geglaubt habe. Das ist kein Preisgeld. Es geht darum, die Karriere und das Engagement anzuerkennen, das es braucht, um Olympionike zu werden. Für den Zuschuss können sich alle Athleten bewerben, die mit einer AA-Akkreditierung[2] an den Olympischen Spielen teilgenommen haben und keinen Verstoß gegen die Anti- Dopingregeln aufweisen oder gegen den Ethik-Codex des IOC verstoßen haben. Teilnehmer der Jugend Olympischen Spiele sind nicht teilnahmeberechtigt. Das IOC wird nun den Antrags- und Bereitstellungsmechanismus für den Zuschuss entwickeln. Ziel ist es, das Bewerbungsverfahren für Milano/Cortina 2026 Athleten bis Ende dieses Jahres zu öffnen, wobei die ersten Zahlungen für 2027 geplant sind.

Damit wurde einer Einführung von Preisgeldern erneut eine Absage erteilt, was angesichts der hohen und nicht selten sehr außergewöhnlichen Einnahmeverhältnissen der Medaillengewinner in den jeweiligen Olympischen Sportarten mehr als angebracht gewesen ist. Allerdings hätte man sich gewünscht, dass dabei auch offengelegt wird, welche Einsparungen zu Gunsten dieses Fonds im Etat des IOC in der Zukunft vorgesehen sind. Zumal die mittelfristige Absicherung des IOC-Haushalts in der vergleichbaren Weise wie dies in der Vergangenheit der Fall war, zukünftig kaum noch möglich sein wird. Irritierend ist auch, dass bei dieser Mittelvergabe der Begriff „Stipendium“ verwendet wird und die Athletinnen und Athleten der Olympischen Jugendspiele von dieser Stipendiaten-Förderung ausgeschlossen sind, obwohl gerade sie es sind, die es am dringendsten benötigen würden. Wie zu erwarten, gibt es schon jetzt Forderungen, die Unterstützung zu erhöhen und zusätzlich Preisgelder wie in der Leichtathletik einzuführen. Bleibt nur noch, dass sich olympische Veteranen zu Wort melden, um rückwirkend ihr Stipendium von 10.000 $ einzufordern. Die Tür für eine Debatte über die Entlohnung der Olympischen Athleten wurde weit aufgestoßen.

Einstweiliger Stopp des Vergabeverfahrens für Olympische Jugendspiele

Die Nichtberücksichtigung der Athleten der Olympischen Jugendspiele bei der Vergabe des IOC- Athletenstipendiums könnte möglicherweise damit zusammenhängen, dass der Session von der Präsidentin mitgeteilt wurde, dass das weitere Vergabeverfahren für zukünftige Olympische Jugendspiele unterbrochen wird, um zu klären, welche Ziele und welche Aufgaben Olympische Jugendspiele für die weitere Entwicklung des modernen Olympismus haben sollen. Die Kosten, die für die Ausrichtung von Olympische Jugendspielen entstanden sind, sind ohne Zweifel erheblich, und der Erfolg dieser Spiele – einer Initiative, die auf IOC Präsident Jacques Rogge zurückzuführen ist – scheint mehr als zweifelhaft zu sein. Die entsprechende Kritik wurde frühzeitig diesbezüglich an das IOC herangetragen, doch wurde sie bis heute nur bedingt berücksichtigt. Insofern kann es als sinnvoll bezeichnet werden, dass nun der Bewerbungsprozess für weitere Spiele unterbrochen wird, bis geklärt ist, welchen Sinn diese Spiele haben sollen.

Fortschreibung der Olympischen Charta

Ein dritter wichtiger Entscheidungsbereich betraf die Olympische Charta. Hier wurden die Prinzipien der Neutralität innerhalb der Olympischen Bewegung und die sog. „Governance Regeln“ modernisiert und aktualisiert.

Strategischer Dialog mit potentiellen Gastgebern zukünftiger Olympische Spiele

Das vierte Entscheidungsfeld der jüngsten IOC- Session hat sich auf den Auswahlprozess zukünftiger olympischer Gastgeber bezogen. Hierbei wurde eine neue Prüf-Phase im Bewerbungsverfahren, der so genannte „strategische Dialog“ eingeführt, der gemeinsam mit Bewerbern zu führen ist, bevor über die Eignung der Bewerbung endgültig abgestimmt wird. Der Zeitpunkt für die Wahl des nächsten Olympischen Gastgebers für die Spiele 2036 wurde für Mitte des Jahres 2029 festgelegt.

Einführung eines SRY – Gentest

Der vorletzte Entscheidungspunkt betrifft die Teilnahme von Frauen bei Olympischen Spielen und hat zum Ziel, die weibliche „Kategorie“ bei Olympischen Spielen zu sichern und zu schützen. Die diesbezügliche Entscheidung wurde von der Exekutive des IOC bereits vor zwei Monaten getroffen. Der künftige Test für die Teilnahme an Frauenwettbewerben bei Olympischen Spielen ist nach der neuen IOC-Regel ein einmaliger SRY-Gen-Test per Speichelabstrich, Wangenschleimhaut-Abstrich oder Blutprobe. Erreicht werden soll damit, die weibliche Kategorie künftig auf „biologische Frauen“ zu begrenzen. Dieser Test ist als „once-in-a-lifetime“ gedacht, also in der Regel nur einmal pro Athletin vorgesehen, und er soll ab den Olympischen Spielen in Los Angeles 2028 gelten.

Olympiastadion Berlin  – Foto: Horst Milde 

Die rechtlichen Probleme, die mit der Einführung dieses neuen Verfahrens verbunden sind, lassen sich nur bedingt vorhersagen. Dem IOC drohen vor allem Menschenrechtsklagen, datenschutzrechtliche Verfahren und Anfechtungen wegen Diskriminierung. Mehrere juristische und menschenrechtliche Stellungnahmen warnen, dass der SRY-Test mit Rechten auf Gleichbehandlung, Privatsphäre, körperliche Integrität und Selbstbestimmung kollidieren könnte.

Reform des Olympischen Programms

Die wohl wichtigsten Entscheidungen der jüngsten IOC- Session betrafen die Zukunft des olympischen Programms. Hierzu hat die Mitgliederversammlung als einen ersten Schritt eine neue Methodik zur Definition des Olympischen Programms genehmigt, die in vieler Hinsicht wegweisend sein kann. Entscheidend wird dabei eine sogenannte disziplinbasierte Evaluation sein, wobei die Definition einer „Disziplin“ besonders zu beachten ist:

Definition einer olympischen „Disziplin“

„Eine olympische Disziplin ist ein oder sind mehrere „Events“ innerhalbeiner Sportart, die entweder ein eigenes Spielfeld oder eine bedeutende Änderung eines gemeinsamen Spielfeldes mit einer weiteren olympischen Disziplin erfordert und die in der Regel eine eigene Gruppe von Athleten beinhaltet“.

Neben dem Begriff der „Disziplin“ wird es weiterhin die Begriffe „Sportart“ und „Event“ geben. Ein „Event“ ist dabei jeder Wettbewerb, bei dem es eine olympische Goldmedaille zu gewinnen gibt. Eine Disziplin kann eine einzelne Sportart beinhalten. Es kann aber auch ein Teil einer Sportart als Disziplin definiert werden.

Für die Winterspiele wurde folgendes vereinbart:

Als „Single Disziplin Sports“ gibt es derzeit: Biathlon, Curling, Eishockey, Rodeln. Sportarten mit mehreren Disziplinen sind die folgenden: Bobsleigh mit Bob und Skeleton; Eislauf mit Eiskunstlauf, Shorttrack und Eisschnelllauf; Skifahren mit Alpinskifahren, Aerials, Big Air, Cross, Cross-Country, Halfpipe, Nordische Kombination, Buckelpiste, Snowboard Alpin, Slope Style, Skispringen.

Für die Winterspiele werden somit sieben Sportarten und 20 Disziplinen unterschieden.

Für die Sommerspiele wurde die nachfolgende Unterscheidung beschlossen:

Es gibt ab 28 Sportarten und 47 Disziplinen. Sportarten, die nur eine Disziplin aufweisen, sind die folgenden 18:

Archery, Badminton, Boxing, Fencing, Football, Golf, Handball, Hockey, Judo, Modern Pentathlon, Rowing, Rugby, Sailing, Table Tennis, Taekwondo, Tennis, Triathlon, Weightlifting.

Die 10 Multi Disziplinsportarten sind „Aquatic“ mit Swimming open water, Swimming, Diving, Water Polo, Artistic Swimming; „Athletics“ mit Track and Field, Marathon, Race Walk; „Basketball“ mit Basketball und 3 × 3 Basketball; „Canoe“ mit Sprint und Slalom; „Cycling“ mit BMX Freestyle, BMX Racing, Mountainbike, Road, Track; „Equestrian“ mit Eventing, Dressage, Jumping; „Gymnastics“ mit Artistic, Rhythmic, Trampoline; „Shooting“ mit Target Shooting und Shotgun; „Volleyball“ mit Beach-Volleyball und Volleyball, „Wrestling“ mit Greek/Roman und Freestyle.

Jede Disziplin soll nun gesondert einer Evaluation unterzogen werden, wobei zu prüfen ist, ob die Disziplin weiter bei zukünftige Olympischen Spielen Teil des Programms ist oder ob auf eine Disziplin angesichts ihrer geringen „Attraktivität“ zukünftig verzichtet werden muss. Die Kriterien zur Evaluation sind offenzulegen. Der Prozess der Disziplin Bewertung soll transparent gestaltet werden, so dass auch neue Disziplinen aus neuen Sportarten eine faire Chance haben, um sich gegenüber bestehenden Disziplinen durchzusetzen bzw. bewähren zu können.

Als Rahmen für die Evaluation wurden folgende Evaluationsthemen vorgegeben:

01 Integrity, Fairness, Sustainability and Safety

02 Global Appeal

03 Cost and Complexity
 
04 Athlete Participation

05 Host Country Kontext

Die Evaluation selbst soll in zwei Stufen erfolgen. Dabei wird jeweils die „Platzhalter Disziplin“ mit der „Kandidaten Disziplin“ nach denselben Kriterien verglichen.

In der ersten Stufe, „Flag Review“ genannt, geht es um die Überprüfung der Nachhaltigkeit der alten im Vergleich zur neuen Disziplin. Als Nachhaltigkeitskriterien werden dabei genannt: „Governance“, „Anti Doping“, „Integrity of Competitions“, „Athlete Health and Safety“.

In der zweiten Stufe, der sog. „Core Evaluation“, werden die Themen „Global Appeal“ mit den Kriterien „Games Time“, „Popularity“, „Assessment“; „Cost and Complexity“ mit den Kriterien „Venue Infrastructure and Corresponding Ticketing Revenue“, „Operational Complexity“, „Broadcast Cost and Complexity“ und das Thema „Athlete Participation“ mit den Kriterien „Universality and Partizipation, Gender Equality“ evaluiert.

Über den Erhalt einer Disziplin oder deren Ausschluss aus der Olympischen Programmfamilie und der damit verbundenen Entscheidung zu Gunsten einer neuen Disziplin befinden die IOC- Session und das IOC- Executive Board. Wenn eine Disziplin aus dem Programm entfernt wird, so können die NOKs aus dem „Olympic Solidarity Programm“ für die ausgeschlossene Disziplin noch einen Zuschuss für den folgenden Olympischen Zyklus erhalten. Nach einem Olympischen Zyklus kann eine ausgeschlossene Disziplin den Antrag auf Wiederaufnahme stellen.

Die Entscheidung, dass das jeweilige Organisationskomitee der Spiele maximal vier Disziplinen für die Sommerspiele und maximal zwei Disziplinen für die Winterspiele vorschlagen darf, wird beibehalten. Es kann sich dabei um ergänzende Disziplinen in den bestehenden Sportarten handeln oder um Disziplinen aus Sportarten, die bislang nicht olympisch gewesen sind. Allerdings dürfen dadurch die Kosten und die Komplexität der Spiele nicht zusätzlich belastet werden.

Für die geplante Programmreform wurde damit allerdings nur ein erster wichtiger Schritt gewagt und alle weiteren Schritte, die sich als wesentlich schwieriger erweisen werden, stehen noch bevor. Auf welche Gesamtteilnehmerzahl sollen zukünftige olympische Spiele beschränkt werden? Wer entscheidet über die Anzahl der Events in den einzelnen Sportarten bzw. Disziplinen? Wie verbreitet in der Welt muss eine Disziplin bzw. eine Sportart sein, damit sie auch zukünftig olympisch sein darf? Welche Strukturen muss eine Disziplin/Sportart in einer teilnehmenden Nation aufweisen, damit man die Disziplin/Sportart als verbreitet in dieser Nation bezeichnen kann? Wie stark wird der ökonomische Wert einer Sportart im Evaluationssystem gewichtet? Mit welchen Kriterien wird der ökonomische Wert einer Disziplin beziehungsweise einer Sportart ermittelt und bewertet?

Für jedes der genannten Themen und der bislang ausgewählten Kriterien steht noch eine nachvollziehbare Operationalisierung an, bevor dies am Ende wirklich zu einem transparenten System führt, auf dessen Grundlage über das olympische Programm

Die Reihe der Fragen könnte allein für diesen besonderen Reformschwerpunkt noch lange fortgeführt werden. Hinzukommen Fragen, die sich auf den Charakter zukünftiger, olympischer Spiele beziehen, wenn man gleichzeitig dabei die Parole „Athletes first“ im Blick hat. Der Ausweitungsprozess der Spiele ist bislang eher ungeordnet erfolgt. Je mehr Städte, Regionen oder gar Länder an der Ausrichtung von olympischen Spielen beteiligt sind, desto weniger wird es möglich sein, das Gemeinschaftserlebnis der Athleten bei Spielen im Sinne eines gemeinsamen „Athleten-Dorfes“ zu ermöglichen. Auch hier bedarf es klarer Festlegungen und Begrenzungen.

Man erkennt, dass Kirstin Coventry mit ihrem Reformprozess erst am Anfang steht und die Bewährungsprobe noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Dennoch muss anerkannt werden, dass sie am Ende ihres ersten Amtsjahres bereit war, in eine schwierigere Reform-Phase der Olympischen Bewegung einzutreten. Man darf nur hoffen, dass sie hierzu auch die notwendige Unterstützung der Nationalen Olympischen Komitees und der Olympischen Fachverbände erhält.

Letzte Bearbeitung: 27. Juni 2026

Anhang:

Die 146.IOC-Session wurde mit einer Rede der IOC-Präsidentin eröffnet. Für den interessierten Leser soll sie hier im Wortlaut wiedergegeben werden.

„Dear colleagues and friends,

Every generation of Olympic leaders carries a responsibility. A responsibility to strengthen what makes our Movement so special. To keep our values strong. To keep athletes at the heart of everything we do. And to ensure that the Olympic Movement continues to inspire and remain relevant in a changing world.

That responsibility now belongs to all of us. And I believe we should approach this moment with both confidence and excitement. Because every new chapter begins with opportunity. An opportunity to reflect honestly. To learn. To adapt. And to build something even stronger together. As many of you know, one of the biggest reasons I chose to run for IOC President was because I wanted to give back to the Movement that has given me so much.

It taught me resilience. It taught me discipline. It taught me that we are always stronger when we support one another. That our success is shared. That we are only as strong as our weakest link. And that we achieve more when we lift one another up.

Like every athlete learns very quickly, success is never something you can take for granted. The moment you stop learning, stop improving and stop adapting, you fall behind.

The best athletes understand this. The best teams understand this. You can only evolve if you are honest about your weaknesses. In fact, that is oft believe the same is true for our Olympic Movement. That is what Fit for the Future is about.

It is our new strategic direction for the years ahead. A direction designed to ensure that our Movement remains strong, relevant and impactful.

Responsible leadership is not about waiting for the world around us to change first. It is about making bold decisions. Thinking long term. Preparing early. And moving forward together.

Like every athlete knows, we can only grow if we are willing to challenge ourselves honestly. And yes, growth will take us out of our comfort zone. But if we want to remain strong for future generations, then we must continue to evolve.

We must adapt when necessary. And we must be prepared to make difficult decisions. None of us owns this Movement alone. We are temporary guardians of something so much bigger than ourselves.

Our responsibility is to build on the strong foundations that have been laid by those who came before us. Our responsibility is to prepare for generations that will follow us. Fit for the Future is designed to build on those strengths. It was designed as a genuine opportunity to listen, to reflect and to shape the future of our Movement together.

Over the past months, athletes, IOC Members, National Olympic Committees,International Federations, Organising Committees, partners and many others across our Movement have contributed to this process.

We started this journey together during our Pause and Reflect session at the Olympic Museum on my first day in office – exactly one year ago. I remember that day very clearly. Like any new beginning, there was a little uncertainty. I still remember feeling a little nervous. I did not know exactly where the conversation would lead. Or how this approach would be received. But what struck me immediately was the openness in the room. The willingness from all of you to engage honestly. To listen. And to contribute.

Standing here with all of you one year later, I want to thank you for embracing that spirit from the very beginning. Since then, what has given me the greatest confidence is not only the quality of ideas that have emerged, but the openness and honesty with which you have engaged. You have spoken candidly. You have challenged us to think differently. You have shared concerns, ideas and ambitions for our future. And through discussions, working groups, surveys and exchanges, you have made your voices heard.

While there were many different perspectives, one message emerged consistently: the importance of staying focused on our core. On what matters most: athletes, sport, the Games, and our values.

For that, I sincerely thank all of you. That openness is a strength. Even this morning, many of you were once again contributing through our workshop and discussions together.

This process continues to evolve through dialogue, listening and shared responsibility.I firmly believe that the way we have approached this process matters just as much as the outcome itself.

Because the kind of Movement we want for the future must also be reflected in how welead.

A Movement that listens. A Movement that brings people with it. A Movement that puts athletes at the centre. A Movement that is confident enough to evolve.

We may not always agree on everything — and that is okay. What matters is that we continue moving forward together with the best interests of our Movement at h Today is an important milestone. But it is not the end of this journey. Fit for the Future is not a document that will sit on a shelf. It is a living document. A compass. A mindset. A commitment that we will continue listening, learning and adapting as the world around us evolves.

Because this is not only about us. It is about our children. And their children.

We are living through a time of enormous change. Geopolitical tensions. Rapid technology change. New expectations from younger generations. A world that is increasingly divided.

And that is exactly why sport matters more than ever. Because this is the power of sport: it gives us hope for our future. But we cannot assume that future generations will automatically connect with our Movement in the same way that previous generations did. Relevance can never be taken for granted. That is why this moment matters so much.

None of us can predict exactly what the world will look like in 10 or 20 years from now. But what we can do is ensure that the Olympic Movement remains agile, prepared and guided by clear values.

Already now, we are beginning to see what our Fit for the Future approach looks like in practice. And sometimes, that means having the courage to make difficult decisions. That is why we took the decision to strengthen the protection of the female category in elite sport. Because at the Olympic Games, fairness and athlete safety must remain at the heart of competition.

That is why we decided to pause the election process for the future Youth Olympic Games. Because before deciding what comes next, we first need to be clear about how we best engage, support and inspire the next generation in a rapidly changing world.

And in the same spirit, we will also take important decisions today about the future shape of our Movement. On the future shape of the Olympic programme.On the evolution of the Future Host election process. And on strengthening the principle of neutrality – to keep athletes and sport free from political pressure.

All these decisions we should always take with the same goal in mind: ensuring that our Movement remains relevant, sustainable and fit for the future.

And I believe that we have every reason to feel optimistic about the future ahead of us. At a time when the world is so divided, sport still has a unique ability to unite people. To inspire. To create hope. To remind us of our shared humanity.

Young people around the world are still looking to sport for inspiration, meaning andconnection. But we have to earn their trust. That is an extraordinary responsibility. And it is an extraordinary opportunity. Throughout our history, every generation of Olympic leaders has been called upon to respond to the challenges of their time. President Rogge approached leading our Movement like the surgeon he was – with discipline and focus.Our Honorary President Bach, as we all know, always challenged us to “change or to be changed” – together.

Each of our Presidents has built on the foundations laid by those who came before them. Each helped prepare our Movement for the future. More than 130 years ago, Pierre de Coubertin had a bold idea. When he founded our Movement at only 29 years of age, he believed that sport could change the world. At the time, that idea seemed ambitious. Perhaps even impossible to some. But the Olympic Movement exists today because people like him had the courage to believe in something bigger than themselves.

Now it is our turn. Our turn to be bold. To be brave. Our turn to keep evolving.

Our turn to ensure that the Olympic Movement remains as relevant and inspiring for future generations as it has been for ours. Our turn to leave the Movement stronger for those who will follow us.

And now, let us all look ahead.

[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird gelegentlich auf „gendergerechte“ Sprachformen – männlich weiblich, divers – verzichtet. Bei allen Bezeichnungen, die personenbezogen sind, meint die gewählte Formulierung i.d.R. alle Geschlechter, auch wenn überwiegend die männliche Form steht.

[2]
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein von Helmut Digel. Permanenter Link des Eintrags. Bearbeiten

Prof. Dr. Helmut Digel
Jochbergweg 1
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Tel. 00498641 6997330

 

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