Berliner 10 km Lauf für Gefangene in der JVA Plötzensee - Logo: German Road Races e.V. (GRR)
Nach Absage wegen amtlicher Unwetterwarnung jetzt NEU: 10. Berliner 10 km Lauf für Gefangene in der JVA Plötzensee am Dienstag, 20. Oktober 2026 um 14.00 Uhr – Therapeutische Maßnahme und Antidepressivum – Horst Milde
Am Dienstag, 20. Oktober 2026 startet um 14.00 Uhr in der JVA Plötzensee der zehnte Lauf für Inhaftierte und Externe Teilnehmer:innnen. Der Lauf wird nachgeholt weil bei der Veranstaltung am 4. September eine „Amtliche Unwetterwarnung“ die Veranstalter leider zu einer Absage zwang.
Nach dem 52. BMW BERLIN-MARATHON am 27. September 2026 findet mit dem 10. Berliner 10 km Lauf für Gefangene ein weiterer traditioneller Lauf der Berliner Laufszene statt.
Während beim Marathon über 56.000 Teilnehmer vor einem Millionenpublikum die 42,195 km-Strecke absolvieten, findet der Berliner 10 km Lauf für Gefangene mit einem integrierten 5 km Lauf für Einsteiger am 20. Oktober in der JVA Plötzensee hinter „verschlossenen Türen“ statt.
Rettung durch Organisationsbeitrag der „externen Teilnehmer“
Hilfe erhielten die Organisatoren im Vorjahr durch die Teilnahme von „externen Teilnehmer:innen“. Durch ihren Organisationsbeitrag für die Teilnahme an einer aussergewöhnlichen Laufveranstaltung in einer aussergewöhnlichen Umgebung konnte der Lauf jedoch gerettet werden.
Für die Anmeldung der „Externen“ sind wie im Vorjahr zwei Schritte nötig:
1. Meldung als Teilnehmer:in (mit Vor- und Familiennamen, Geburtsdatum und Personalausweis- bzw. Reisepass-Nummer) per Email an die JVA Plötzensee an: sozialearbeit@jvapls.berlin.de
2. Nach einer Bestätigung der Anmeldung ist der Anmeldebetrag von 25.00 Euro (pro Anmeldung) auf das Konto von German Road Races e.V.: IBAN: DE 36 47650130 1800080291 – Sparkasse Paderborn-Detmold-Höxter – WELADE3LXXX – Verwendungszweck: „Gefängnislauf 2026“ zu überweisen.
Bei einer Überweisung für weitere Teilnehmer müssen alle namentlich im Verwendungszweck in der Überweisung angegeben werden. Diese komplizierte Anmeldeformalität erklärt sich aus der Vorschrift, dass JVA-Anstalten keine Geldzahlungen annehmen dürfen.
Die Hoffnung ist gewiss groß, dass die „externen Teilnehmer“ mit ihren Beiträgen die Veranstaltung wieder mitfinanzieren. Dafür erhalten die Teilnehmer einen exklusiven Zugang zu einer nicht alltäglichen Laufveranstaltung. Sie erhalten dafür ein auf 30 Stück limitiertes Erinnerungs-T-shirt mit dem Logo der Veranstaltung und natürlich die Urkunde mit Zeit und Platzierung
Die Premiere des Berliner 10 km Lauf für Gefangene fand 2014 in der JVA Plötzensee mit 25 Gefangenen und 12 „externen“ Teilnehmern statt. 2024 nahmen 35 Gefangene (davon 3 Frauen) und 30 Externe Läufer teil. Wegen der geringen Beteiligung wurde eine Verlegung in den Herbst beschlossen, um den Inhaftierten mehr Trainingszeit in der Vorbereitung zu geben.
Jetzt „scharren die Inhaftierten mit den Füssen“ sagt die Verwaltung der JVA, weil sie gut trainiert sind und sich auf der Laufstrecke in frischer Luft ihre Psyche und Seele stärken können.
Prominentester „Externer“ Teilnehmer und Unterstützer beim 10 km Lauf war im Vorjahr Mark Milde, der Race-Director des BERLIN-MARATHON.

Erinnerungs-Urkunde für die „Retter“ und ehrenamtlichen Helfer des Laufes – Foto: Horst Milde
Der Streckenrekord der Männer liegt bei 37:20 Minuten (Felix H./ 2022), bei den Frauen bei 47:33 Minuten (Mohamad K./2016). Die Laufstrecke ist eine 1.000 m-Runde auf dem Gelände der JVA Plötzensee und der Jugendstrafanstalt, die beim 10 km Lauf zehnmal, beim 5 km-Lauf fünfmal absolviert werden muss.
Vermessen wurde die Strecke vom World Athletics/AIMS-A-grade-Vermesser John Kunkeler, der u.a. auch die Laufstrecke des BERLIN-MARATHON und des Berliner Halbmarathon vermisst. John Kunkeler ist auch traditionell der Moderator der Veranstaltung.
Da die Strecke wettkampfgerecht vermessen wurde, könnten „Rekorde“ auch offiziell anerkannt werden, zumal die Aufsicht offizielle Kampfrichter des Berliner Leichtathletik-Verbandes (BLV) haben.
Mit einem Führungsfahrrad werden die Läufer:innen übrigens von Reinhard Roecher, Marathonläufer und ehemals Bediensteter der JVA Plötzensee, geleitet. Er muss dabei schon kräftig in die Pedale treten, um bei dem hohen Lauftempo der Führungsgruppe die Strecke für Überholvorgänge frei zu halten.
Dr. Erdmute Nieke vervollständigt das Quartett der Organisatoren, sie wird für die Ausgabe der Startnummern ebenso verantwortlich zeichnen, wie für die Siegerehrungen mit Urkundenverleihung.
Neben der allgemeinen Organisation durch die Verantwortlichen der sozialpädagogischen Abteilung der JVA Plötzensee ist German Road Races (GRR) e.V. für die sportliche Organisation zuständig und stellt für dieses Event neben externen Helfern auch Ehrenpreise zur Verfügung.
Wie bei jeder Laufveranstaltung gibt es auch beim „Knästelauf“, wie der Lauf ursprünglich hieß, Ehrenpreise. Die ersten Drei (der Gefangenen) erhalten Siegespreise von German Road Races, zudem die sehr begehrten Jacken des BERLIN-MARATHON. Ein schweizer Mäzen und Marathonläufer lobt für die beiden Sieger:in jeweils eine große Tafel Lindt Schokolade aus, die Platzierten erhalten LINDT Leckerli. Alle Teilnehmer:innen erhalten von der Zeitmessfirma Sofort-Urkunden mit Namen, Rang und Zeit.
Die Anstalt mit der schnellsten Mannschaft, als auch die Anstalt mit den meisten Teilnehmern erhält jeweils einen Ehrenpreis von German Road Races.
Die Sportbediensteten der sieben Berliner Anstalten erhalten, wie schon in den Vorjahren, für die Häftlinge als besonderen Anreiz für das intensive Training eine grössere Anzahl T-Shirts vom BERLIN-MARATHON.
Zur Unterhaltung der Besucherinnen und Besucher spielt die „hauseigene Band“ der JVA Plötzensee „Notorius booknumbers“, bestehend aus Inhaftierten und dem Musiklehrer Jürgen Bailey.
Die positiven Effekte von sportlichen Aktivitäten von Gefangenen mit ihren eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten sind unstrittig und bieten eine besondere Motivation. Laufen und Lauftherapie im Gefängnis sind ein Stresspuffer und sollen den Gefängnisstress der Inhaftierten mindern.
Wissenschaftlich bewiesen ist die antidepressive und stressreduzierende Wirkung des Laufens und ein zudem ein wichtiger Bestandteil zur Resozialisierung. Die Stärkung eines positiven Selbstbildes und die Verbesserung der Wiedereingliederungschancen durch sinnvolle Freizeitgestaltung im Laufsport in der Haft sind wichtige Faktoren, die als therapeutische Maßnahme und als Antidepressivum in der Resozialisierung inzwischen auch von der Justiz anerkannt werden.
Diese Lauf-Veranstaltung ist nicht nur für die Berliner Justiz eine besondere Veranstaltung – und damit ein besonderes „Aushängeschild“ der Justiz – sondern auch für German Road Races (GRR) eine beispielhafte Musterveranstaltung, den Laufsport allen Mitgliedern unserer Gesellschaft als Seelentherapeutikum näher zu bringen.
Als gemeinsames Ziel der Organisatoren für den 20. Oktober 2026 ist die Teilnahme von mehr als 70 Inhaftierten und hoffentlich entsprechend externen Läuferinnen und Läufer.
Horst Milde
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