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MARATHON MÜNCHEN by Brooks 2026 - Siegestor - Foto: Olver Farys

Marathon München by Brooks – München im Marathonfieber: Über 40.000 Anmeldungen zeugen von einer großartigen Teilnehmer-Entwicklung in der bayerischen Landeshauptstadt – Wilfried Raatz berichtet

By GRR 0

Gute Präsenz deutscher Laufasse um Nina Reuter – Wohin geht die Zukunft des Marathons?

Marathon-Europameister Richard Ringer konnte gelassen dem bunten Treiben auf dem Coubertinplatz und dem Olympiapark und vor allem dem Auftritt seiner noch vor wenigen Wochen bei den Europameisterschaften in Birmingham im gleichen Wettbewerb eingesetzten Laufkollegen zuschauen.

Und wurde Zeuge einer unerwarteten deutschen Dominanz von Nina Reuter vor Katharina Saathoff und Kirsten de Baey-Ruszin, während auf der Halbmarathondistanz die männlichen Kollegen Tom Thurley und Erik Hiille dem Schweden Emil Millàn de la Oliva und auf der 10 km-Strecke Niklas Buchholz dem Belgier Sander Vercauteren den Vortritt lassen mussten.

Mit 40.930 Anmeldungen hat der Marathon München by Brooks neue Maßstäbe gesetzt. Die 40.000-Marke ist geknackt, über alle Wettbewerbe hinweg. Der neue Boom zeigt sich unter anderem beim namensgebenden Marathon mit 12.000 Anmeldungen, fast eine Verdoppelung gegenüber 2025.

Doch bleiben wir bei den reellen Zahlen: 9113 beendeten den Marathon, 11.239 den Halbmarathon und 3.164 den 10 km-Lauf.

Einen wichtigen Stellenwert im Konzept der Laufstatt Event gGmbH hat das Laufangebot für den jungen Nachwuchs: Sehr zur Freude von Florian Kraus vom Referat für Bildung und Sport der Landeshauptstadt waren beim ersten Münchener Schullauf am Freitagnachmittag 3800 Schüler angemeldet, am Samstag ging es eng getaktet auf dem Hans-Jochen-Vogel-Platz mit dem Dallmayr Coffee Run über 4,2 km und den Schülerläufen mit Distanzen von 400 m bis 4,2 km weiter.

Und dies inmitten des Runners Festival auf dem inzwischen umbenannten Coubertin-Platz mit Ausstellern aus Sport, Gesundheit und Lifestyle und der Bühne von Radio Charivari.

Der Marathon München by Brooks ist aber nicht nur Action im Olympiapark, sondern er spielt sich in vielen Teilen der Landeshauptstadt ab. 53 Cheering Zones sorgten für die rechte Anfeuerung wie die vorsichtig geschätzten 150.000 Zuschauer an der Strecke, vorbei an den bekannten Sehenswürdigkeiten wie dem Siegestor, dem Odeonsplatz und dem Marienplatz, durch den Englischen Garten und das Werksviertel und letztlich zum Ziel am Olympiasee vor dem mächtigen Olympiaturm.

Szenefoto – Foto: Oliver Farys

Beeindruckt von der großartigen Resonanz waren am Sonntagfrüh am Start des Marathons auf dem Spiridon-Louis-Ring vor allem die Promis wie den neuen DLV-Vorstandsvorsitzenden Volker Herrmann, Bayerns Justizminister Josef Schmid und den BLV-Vorsitzenden Gerhard Neubauer.

Wachsam wie immer als „amtliche Aufsicht“ dabei Willi Wahl, der nach 26 Jahren in der Verbandsspitze als Vizepräsident Wettkampforganisation und Breitensport bzw. Laufwart seine „Abschiedsvorstellung“ an der Spitze des läuferischen Geschehens per Rad gegeben hatte. Aufmerksamer Beobachter aber auch Wolfgang Konrad, der langjährige Chef des Wien-Marathons.

Aber: Verstehe die Münchener wer will! Nachvollziehbar sind die Vorgänge um die Ausrichtung des Marathons in München kaum.

Um was geht es dabei? Mit Gernot Weigl musste der 25 Jahre als Chef des München Marathon auf Betreiben des für die Genehmigung zuständigen Kreisverwaltungsreferats 2025 das Marathonzepter an den Bewerber Laufstatt Event gGmbH kostenfrei abgeben. Unter der Federführung der Geschäftsführer Fabian Schäfer und Laura Bauer entwickelten sich im Zuge des allgemeinen Laufbooms die Anmeldezahlen rasant, über 28.500 ist man nun in der bayerischen Metropole auf nunmehr 40.930 angelangt. Läufer aus 130 Nationen haben dabei gewiss der deutschen Olympia-Bewerberstadt ein Allzeithoch und ein treffliches Argument für Großveranstaltungen in München geliefert. Wenngleich nicht alles reibungslos ablief, dazu aber später.

Doch damit ist die Tür für die Agentur Laufstatt mit dem Marathon München by Brooks auch für die dritte Ausrichtung im Jahr 2027 keineswegs offen! Per Losverfahren wird gemäss einem Stadtratsbeschluss über einen Ausrichter für die Jahre 2027 und 2028 entscheiden. Um die Posse komplett zu machen: Dem Vernehmen nach sind 16 Anträge für die Ausrichtung eingereicht.

Über die Qualität der Bewerber ist dabei nichts ausgesagt. Wenn wir allerdings ehrlich sind, welche Agentur oder Vereinsgemeinschaft ist in der Lage, aus dem Stand heraus innerhalb von zehn oder elf Monaten eine tragfähige und stressresistente Organisation auf die Beine zu stellen? Die Laufstatt Event eGmbH hat bewiesen, dass man auch in München auch einen massentauglichen Marathon auf Augenhöhe mit Hamburg, Köln, Hannover und Frankfurt organisieren kann, Berlin als Branchenkrösus dabei außen vor.

Falls der Laufstatt Event gGmbH die Losfee hold sein sollte, dann werden die Macher Schäfer & Bauer allerdings an einigen Stellschrauben kräftig drehen müssen. So zum Beispiel bei der Startnummern-Ausgabe, bei der die Teilnehmer bis zu zwei Stunden anstehen mussten. Oder bei der Streckenführung, als in der Schnittmenge zwischen Marathon, Halbmarathon, Staffel-Wettbewerb und den am Werksviertel gestarteten 10 km-Läufer selbst die Führungsfahrzeuge bzw. -Räder den Überblick verloren. Eine deutliche Kennung der Startnummern wäre selbst für die versierte Moderation hilfreich gewesen. Selbst die eigentlich überaus erfahrene Zeitmessfirma hatte zeitweise den Überblick verloren und veröffentlichte fehlerbehaftete Ergebnisse.

Gehen wir endlich den sportlichen Leistungen beim 40. München-Marathon auf die Spur. Beim namensgebenden Marathon war die Entscheidung bei den Männern eine Auseinandersetzung zwischen ostafrikanischen Läufern. Mit einem Hausrekord durfte letztlich der Äthiopier Alazar Terefa nach 2:10:51 Stunden jubeln. Mit weitem Abstand folgte der Kenianer Hosea Tuwei nach 2:15:03 sowie Gebre Melsea Mulu (2:24:46) und mit Jaakko Järvi aus Finnland (2:28:11) dem schnellsten Europäer.

Bester deutscher Läufer wurde auf Position sieben der für die LG Erlangen startende Oliver Tzschoppe (2:29:44) vor seinem Teamkollegen Felix Wunderlich (2:30:24), zugleich die Ersten der integrierten Bayerischen Meisterschaften.

Gespannt durfte man vor allem auf das Aufeinandertreffen der Vorjahressiegerin Nina Reuter mit den ebenfalls bei der EM gestarteten Schwedin Hanna Lindholm und ihrer DLV-Teamkollegin Katharina Saathoff sein. „Mein Trainer Kuno Hottenrott hat mir eine pB („persönliche Bestzeit“, so der Insider-Fachbegriff) mit auf den Weg nach München gegeben“, so Nina vor dem Start. Doch es sollte anders kommen, denn schon im Englischen Garten stellten sich muskuläre Probleme ein, sodass sie vornehmlich die zweite Streckenhälfte im „roten Bereich“ durchlaufen musste. „Die letzten Kilometer waren schon sehr hart, zumal ich nicht mehr wusste, wie groß mein Vorsprung sein würde!“ bekannte die in Kassel lebende Polizistin. Mit 2:32:01 gelang ihr aber erneut der Sieg in München – und einem beträchtlichen Vorsprung auf Katharina Saathoff, die nach 2:37:17 Stunden als Zweite das Ziel erreichte.

„Nachdem ich vor Birmingham schon Fu0ßprobleme hatte und das Rennen eher wegen der Mannschaft durchgelaufen bin, möchte ich erst richtig regenerieren und plane deshalb erst wieder im Frühjahr bei den Deutschen Meisterschaften in Hannover den nächsten Marathon!“ Eigentlich war Konstantin Wedel als persönlicher Tempomacher für Hanna Lindholm vorgesehen, doch nach ihrem vorzeitigen Ausstieg war Kirsten de Baey-Ruszin Nutznießerin, denn der routinierte Langstreckler aus Nürnberg zog die 35jährige Athletin von Munich Athletics mit 2:39:18 erstmals unter der 2:40-Marke. Die frühere Triathletin ist längst eine feste Größe im Trailmarathon geworden, denn wie 2025 wurde sie hinter Laura Hottenrott beim Jungfrau-Marathon Zweite und zudem Siebte beim Marathon du Mont Blanc – und wurde nun auch mit einer Wunschzeit im Straßenmarathon belohnt.

Top 3 der Frauen – Foto. Wilfried Raatz 

Am Podium vorbei lief mit Rebecca Robisch eine frühere Top-Triathletin, die in ihrer Nach-Triathlon-Karriere auch zweimal beim Köln-Marathon siegreich war. Inzwischen arbeitet Rebecca als Triathlon-Coach und wurde „so nebenbei“ Vierte in München mit 2:46:38 Stunden. Im weiteren Feld lief mjt Corinna Harrer-Oswald ein früheres Laufass ein, das für sich behaupten kann, auf allen Strecken von 400 m bis zur Marathondistanz auf höchstem Niveau deutsche Meistertitel gewonnen zu haben. 2012 verpasste sie um 21 Hundertselsekunden das olympischen 1500 m-Finale. Nach mehreren Verletzungen stieg sie über die 10.000 m-Strecke auf die Marathondistanz um – und wurde 2021 sogar in München Deutsche Meisterin. Und kehrte heuer als Zehnte in 2:55:26 Stunden an die Stätte des einstigen Erfolgs zurück.

Dem Duell zwischen (Marathon-)Meister und Vizemeister (Tom Thurley und Erik Hille) stand über die Halkbmarathondistanz der Schwede Emil Millan de la Oliva im Weg, der sich schon vor der Streckenhälfte von der deutschen Gruppe (mit dem späteren Zweiten Hannes Burger und dem Berglauf-Ass Tobias Ulbrich) lösen und zu einem sicheren Sieg laufen konnte. Mit 1:03:23 lief er nur vierzig Sekunden über seine persönliche Bestzeit. Hinter dem mit 1:04:58 Stunden Bestzeit laufenden Hannes Burger holte Tom Thurley für seinen neuen Verein Munich Athletics Rang drei.

„Ich muss mit dem Ergebnis zufrieden sein, auch wenn ich eigentlich schneller laufen wollte!“ Für den Berliner war 2026 allerdings ein „Traumjahr“, schließlich wurde er in Hannover Deutscher Marathonmeister und holte in Birmingham mit dem Team die Silbermedaille. „Mit dem Titelgewinn in Hannover wurde ein Traum wahr. Jetzt bin ich mit 2026 durch und freue mich schon auf die Titelverteidigung im kommenden Frühjahr. Die Strecke kenne ich ja schon….“.

Im Gegensatz zu Tom möchte Erik in diesem Jahr noch eine Schippe darauflegen. „Ich komme aus einer 200 km-Woche und bin in der Vorbereitung auf Valencia. Deshalb muss ich mit der 1:06:50 zufrieden sein!“. Dort möchte der auch im Berglaufbereich erfolgreiche „Rookie der deutschen EM-Mannschaft“ (wie er lächelnd zum Besten gab) als Jungfrau-Marathon-Sieger 2025 (und Zweiter 2026) eine Endzeit von 2:11:00 Stunden anpeilen. „In Birmingham wurde ich Achtundzwanzigster und mit dem Team Zweiter – für mich mit jetzt 38 Jahren die größten sportlichen Gefühle!“

Bei den Frauen lief die Dänin Kathrine Hojgaard über die halbe Marathondistanz ein einsames Rennen an der Spitze und gewann mit zwei Minuten Vorsprung vor Laura Schön (1:21:05) und Lena Ritzel (1:21:13). Wie Erik Hille ist auch sie in Valencia am Start: „Für mich war dies ein guter Test. In Valencia möchte ich eine 2:35 laufen!“

Exzellent Marathon laufen kann auch Tereza Hrochová. In Birmingham wurde die Tschechin Neunte und ist mit 31:05 Minuten auch 10 km-Rekordhalterin – in München musste sie sich nach 32:47 Minuten allerdings der Österreicherin Lisa Redlinger beugen, die als EM-Starterin über 5000 m seit Sonntag auch Rekordhalterin der Alpenrepublik über die 10 km-Strecke mit starken 31:48 Minuten ist. Bei den Männern wurde der Hindernis-EM-Finalist Niklas Buchholz in 29:29 hinter dem Belgier Sander Vercauteren (29:13) Zweiter, der junge Regensburger Elias Kolar wurde in diesem Wettbewerb Dritter.

Der Marathon München by Brooks 2026 ist herum, die nächsten Wochen werden in München nicht minder spannend wie die spannenden Rennen um Podiumsplätze, persönliche Bestmarken oder alleine das Ankommen bei einem großen Lauftag in der weissblauen Landeshauptstadt.

Wilfried Raatz

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