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Relevante Gesundheitsstudien für Deutschland Teil 2: Fazit und Folgerungen – Dr. Dr. med. Lutz Aderhold
Gemeinsame Leitmotive aus den Studien
| Bereich | Konkrete Erkenntnisse |
| Lebensstil & Prävention | Sehr wenige Menschen erreichen einen wirklich gesunden Lebensstil; Sitzzeiten, Bewegungsmangel, Stressbewältigung und Ernährung sind kritisch. |
| Psychische Gesundheit | Hohe Belastung durch Stress; steigende depressive Symptome in der Bevölkerung. |
| Gesundheitskompetenz | Über 50 % mit eingeschränkter Gesundheitskompetenz: Barriere für Prävention. |
| Frühe Prävention | Gesundheitsrelevante Verhaltensmuster von Kindern und Jugendlichen müssen früh adressiert werden. |
| Systemische Faktoren | Daten zeigen sozioökonomische Ungleichheiten in Gesundheitsstatus und -verhalten. |
Die Gesamtlage zeigt ein zwiespältiges Bild:
- Deutschland hat eine starke Daten- und Forschungsbasis (NAKO, RKI, OECD usw.).
- Die OECD-Daten zeigen, dass Lebensstilrisiken (Alkohol, Rauchen) und systemische Herausforderungen (Vermeidbare Krankenhausfälle, Screening-Lücken) bestehen.
- Die RKI-Mental-Health-Daten belegen hohe Belastung, vor allem Stress, depressive und Angst-Symptome.
- Es bestehen erhebliche Präventionsdefizite bei Lebensstil, Stress, Bewegungsverhalten und Gesundheitskompetenz.
- Eine wirksame Gesundheitsstrategie muss Bildung, Lebensstil, strukturelle Rahmenbedingungen und soziale Gerechtigkeit verbinden.
Nur ein ganzheitlicher, gesamtgesellschaftlicher Ansatz kann die Krankheitslast senken und die Prävention nachhaltig stärken – von der Schule über den Arbeitsplatz bis zur Kommune.
Was folgt daraus für Deutschland?
WAS NICHT MEHR REICHT:
- Reine Informationskampagnen ohne Strukturänderung,
- Freiwillige Prävention ohne Anreize oder Standards,
- Trennung von körperlicher und mentaler Gesundheit,
- Prävention erst im Erwachsenenalter.
Gesamteinschätzung
Die Studienlage ist eindeutig: Die aktuellen nationalen und internationalen Studien (RKI, OECD, NAKO, TK, DKV, WHO) zeigen ein konsistentes Bild:
- Hohe Krankheitslast durch nicht-übertragbare Erkrankungen (Herz-Kreislauf, Diabetes, psychische Erkrankungen)
- Die Krankheitslast wird durch Stress, Bewegungsmangel, Ernährung und soziale Faktoren getrieben.
- Psychische Belastung auf Rekordniveau
~22 % depressive Symptome, ~66 % stark gestresst - Gesundheitskompetenz defizitär
>50 % eingeschränkt
- Deutschland gibt sehr viel Geld aus (OECD), erzielt aber nur mittlere Präventionsergebnisse.
- Mentale Gesundheit ist der größte blinde Fleck der bisherigen Präventionspolitik.
Was Deutschland jetzt tun muss
- Mentale Gesundheit zur nationalen Leitpriorität machen,
- Alltagsprävention strukturell verankern (Stadt, Schule, Arbeit),
- Gesundheitskompetenz systematisch aufbauen,
- Soziale Ungleichheiten abbauen,
- Prävention datenbasiert steuern und evaluieren.
Kurzformel:
Weniger Appelle – mehr Struktur.
Weniger Reparatur – mehr Prävention.
Weniger Sektorendenken – mehr Lebenswelt.
Kernaussage:
Deutschland behandelt Krankheiten gut – verhindert sie aber zu wenig.
Strategisches Ziel 2030
Reduktion der vermeidbaren Krankheitslast um ≥20 %
durch strukturelle Prävention, mentale Gesundheitsförderung und Stärkung der Gesundheitskompetenz
Top-6-Prioritäten (nach Wirkung und Umsetzbarkeit)
1. Mentale Gesundheit als Leitpriorität
Warum: Größter einzelner Treiber von Arbeitsausfällen, Frühverrentung und Multimorbidität
Maßnahmen:
- Nationale Präventionsstrategie mentale Gesundheit.
- Stressprävention als Pflichtbestandteil betrieblicher Gesundheitsförderung.
- Niedrigschwellige, digitale und kommunale Angebote.
Wirkung: hoch | Kosten: moderat | Zeithorizont: kurz- bis mittelfristig
2. Bewegung im Alltag strukturell verankern
Warum: Bewegung wirkt gleichzeitig auf Herz, Stoffwechsel und Psyche.
Maßnahmen:
- Bewegungsfreundliche Städte & aktive Mobilität.
- „Bewegte Schulen & Kitas“ bundesweit, Bewegungsangebote an Arbeitsplätzen.
- Sitzzeit-Reduktionsprogramme in Beruf und Schule.
Wirkung: sehr hoch | Kosten: moderat | Co-Benefits: Klima, Lebensqualität
3. Gesundheitskompetenz systematisch aufbauen
Warum: Ohne Verständnis keine nachhaltige Prävention
Maßnahmen:
- Verpflichtendes Schulfach „Gesundheit & Lebenskompetenz“.
- Digitale Gesundheitskompetenz für Erwachsene (Präventionswissen).
- Zielgruppenspezifische Programme für sozial Benachteiligte.
Wirkung: hoch | Kosten: moderat | Langfristiger Hebel
4. Ernährungspolitik von Appellen zu Strukturen führen
Warum: Adipositas & Diabetes steigen trotz Informationskampagnen
Maßnahmen:
- Verbindliche Qualitätsstandards für Schul- & Kitaverpflegung.
- Ernährungsbildung (Kochen, Label-Verständnis).
- Reduktion von Zucker & hochverarbeiteten Lebensmitteln, Tabak und Alkohol.
Wirkung: hoch | Politischer Aufwand: mittel
5. Soziale und strukturelle Ungleichheiten adressieren
Warum: Gesundheit ist nicht nur medizinisch, sondern auch sozial bedingt.
Maßnahmen:
- Gesundheitsförderung dort stärken, wo Präventionsbedarfe am höchsten sind: niedrigere Bildungs- und Einkommensgruppen.
- Angebote für benachteiligte Gruppen, kulturell sensible Interventionen.
- Auch in diesem Zusammenhang: Stärkung der Gesundheitskompetenz.
Wirkung: hoch / Politischer Aufwand: mittel
6. Prävention datenbasiert steuern
Warum: Gute Daten – aber zu wenig Steuerung
Maßnahmen:
- Ausbau RKI Mental Health Surveillance.
- Verknüpfung RKI–NAKO–GKV-Daten.
- Verpflichtendes OECD-Benchmarking für Präventionsziele.
Wirkung: mittel-hoch | Kosten: gering | Effizienzgewinn: hoch
Politische Kernbotschaft
Prävention ist Infrastrukturpolitik.
Sie entscheidet über Produktivität, soziale Stabilität und finanzielle Nachhaltigkeit des Gesundheitssystems.
Jeder investierte Euro in evidenzbasierte Prävention spart mittelfristig 2–5 € an Krankheits- und Folgekosten.
Was könnten die nächsten Schritte sein?
- eine Nationale Präventions- und Mental-Health-Strategie 2030
- klare Zielindikatoren (Bewegung, Stress, Gesundheitskompetenz)
- jährliches öffentliches Monitoring
Zusammengefasst:
Deutschland verfügt über wertvolle empirische Grundlagen aus einer ganzen Reihe von Gesundheitsstudien, die aber in präventionspolitische Maßnahmen besser integriert werden müssen.
Fokus sollte auf soziale Ungleichheiten, Gesundheitskompetenz und bewegungsfreundliche Umweltgestaltung liegen, um echte gesundheitliche Wirkungen in der Bevölkerung zu erzielen.
Literatur:
Hinweise und Links bei den einzelnen Studien (Teil 1).
Diese Übersicht wurde unterstützt durch KI (ChatGPT).
Dr. Dr. med. Lutz Aderhold

Dr. Dr. Lutz Aderhold – Foto: privat
Relevante Gesundheitsstudien für Deutschland Teil 1: Übersicht – Dr. Dr. med. Lutz Aderhold
Keine Haftung für Läufer bei offiziellen Laufveranstaltungen – Dr. Dr. med. Lutz Aderhold
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