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Paul Schmidt - Foto: Horst Milde

Zweifacher Olympiateilnehmer und langjähriger Bundestrainer: Paul Schmidt zum 95. Geburtstag am 9. August 2026 – Prof. Dr. Detlef Kuhlmann

By GRR 0

Er ist mittlerweile der älteste noch lebende deutsche Olympiateilnehmer von Rom 1960:  

Paul-Gerhard („Paul“) Schmidt, einer der besten 800-m-Läufer seiner Zeit und ehemaliger Bundestrainer für die Mittelstrecke der Männer im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), vollendet am Sonntag, dem 9. August, in seiner Wahlheimat Baden-Baden das 95. Lebensjahr.

Die Läufer- und Leichtathletikfamilie gratuliert zu diesem besonderen Ehrentag ganz herzlich!

Paul Schmidt wurde in Groß-Nebrau (Westpreußen, heute Polen) geboren und kam mit seiner Familie nach Schröttinghausen, einem Stadtteil von Bielefeld. Beim benachbarten TV Werther 04 (Kreis Gütersloh) begann Paul mit dem Turnen und spielte Handball draußen auf dem Großfeld: „Gerade die vielseitige turnerische Ausbildung mit den koordinativen Elementen war für mich eine wertvolle Basis, die mich später als Läufer vorangebracht hat“, erinnert sich Paul Schmidt rückblickend an den Beginn seiner großen Karriere im Sport, die bewegungsaktiv bis heute anhält.

Zum Laufen kam der Jubilar, als er als Schüler ganz unbedarft bei einem Turn- und Sportfest in Herford einen Waldlauf über 3.000m überlegen gewann: „Das war eine Initialzündung, fortan war ich als Autodidakt mein eigener Trainer, nahm aber gern Ratschläge von Experten an“. Dazu gehörte auch Bert Sumser (1913-2009), damals Cheftrainer bei Bayer 04 Leverkusen und später u.a. Trainer vom Sprinter Armin Hary (geb. 1937) und Kurt Bendlin (1943-2024).

Paul Schmidt kam über Vereinsstationen bei der Bielefelder Turngemeinde von 1848 und dem OSC bzw. DSC Arminia Bielefeld 1956 zum OSV Hörde nach Dortmund, wohin er nach einer Zwischenstation beim FSV Frankfurt (1960) bis zur Beendigung seiner Karriere 1961 zurückkehrte. Apropos Karriere: Dazu gehören vier Titel als Deutscher Meister (1956 bis 1958 und 1961) über 800m auf der Aschenbahn und in der Halle. Paul Schmidt startete 1956 bei den Olympischen Spielen in Melbourne über seine Paradedistanz, schied aber im Vorlauf aus. Bei den Spielen in Rom 1960 wurde er 4. und verpasste Bronze nur um eine halbe Sekunde.

Bei den Leichtathletik-Europameisterschaften 1958 in Stockholm errang er Bronze, ebenso 1962 in Belgrad, wo Manfred Matuschewski (geb. 1939) aus Jena gewann. Paul Schmidt bestritt in den Jahren 1955 bis 1964 insgesamt 45 Länderkämpfe für den DLV. Beim legendären ASV-Sportfest in Köln verbesserte er am 20. September 1959 den über 20 Jahre alten deutschen Rekord über 800m von Rudolf Harbig (1913-1944) um 0,4 Sek. auf 1:46,2 Min.

Zu seinen weiteren persönlichen Bestzeiten gehören u.a. 47,8 Sek. über 400m, 2:20,4 Min. über 1.000m sowie 3:42,5 Min. über 1.500m. Und in seiner alten Heimat hält er bis heute den historisch ältesten bzw. längsten Kreisrekord mit 2:22,6 Min. über 1.000m, erzielt 1955 als Armine mit DLV-Trikot in Göteborg – mit einem Schmunzeln könnte man daraus schließen, Paul Schmidt sei mit 95 immer noch der schnellste Mann von Bielefeld! Kein Wunder also, dass die Bielefelder „Neue Westfälische“ anlässlich seines 95. Geburtstages einen großen Artikel (Autor: Gunnar Feicht) betitelt mit: „Ein Leben voller Rekorde“.

Paul Schmidt (vorn) vom OSV Hörde (Dortmund) gewinnt ein 800-m-Rennen vor dem Hallenser Hubert Hermann (M) Anfang der 50er Jahre. Paul Schmidt gehörte zu den erfolgreichen bundesdeutschen Athleten in den 50er Jahren. Er gewann 1956, 1957, 1958 und 1961 die Meistertitel über die 800 m. Hubert Hermann, Bruder des erfolgreicheren DDR-Langstrecklers Siegfried Hermann, sicherte sich 1954 den DDR-Meistertitel über die 1.500 m. – Foto: Hanns-Peter Beyer – dpa-picture alliance

Paul Schmidt arbeitete zunächst Maurer und als Kaufmännischer Angestellter, absolvierte nach seinem Abschied vom aktiven Sport eine damals mögliche Sonderausbildung für Spitzenathleten mit Studium zum staatlich geprüften Turn- und Sportlehrer an der Universität des Saarlandes. Im DLV wirkte Paul Schmidt von 1965 bis 1996 über 30 Jahre („Rekorddienstzeit“) hauptberuflich als ein äußerst erfolgreicher und gefragter Bundestrainer.

Zu seinen Top-Athleten gehörten damals u.a. Walter Adams (1945-2023), Franz-Josef Kemper (geb. 1945), Bodo Tümmler (geb. 1943), Thomas Wessinghage (geb. 1952), Willi Wülbeck (geb. 1954) und Paul-Heinz Wellmann (geb. 1952):

DLV Bundestrainer Paul Schmidt (r.) mit Bodo Tümmler (m) 2018 und mit seinem Heimtrainer Wolfgang Meller+ (lks) bei einem privaten Treffen in Berlin – Foto: Horst Milde 

„Paul war ein exzellenter Trainer mit großer Selbstdisziplin, der sich ständig fachlich weiterbildete und uns als mündige Athleten früh gefördert hat“, erinnert sich Prof. Dr. Franz-Josef Kemper (Frankfurt), als Aktiver selbst u.a. 1966 Europarekordhalter über 800m und dreifacher Weltrekordinhaber.

Paul Schmidt hat sich auch als Fachbuchautor („Trablaufen. Ein Ausdauersport für Herz und Kreislauf“, Reinbek 1977) zusammen mit Fernsehredakteur Manfred Blödorn einen Namen gemacht. Der DLV hat den Jubilar u.a. mit der DLV-Nadel in Gold (1977) und dem Rudolf-Harbig- (1961) sowie dem Hanns-Braun-Gedächtnispreis (1995) ausgezeichnet.

Das größte Geschenk an seinem Ehrentag darf sich Paul Schmidt selbst übereichen, nämlich als geistig und körperlich fitter Senior an den Start in das neue Lebensjahr gehen zu können!

Prof. Dr. Detlef Kuhlmann

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