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2025

Der Berliner Neujahrslauf startet auf dem Pariser Platz und führt über den Boulevard "Unter den Linden" um den Berliner Dom und zurück - Foto: Horst Milde

Zwei Berliner Lauf-Klassiker zum Jahreswechsel – Die Hauptstadt feiert mit dem 50. Silvesterlauf und dem 54. Berliner Neujahrslauf Events mit besonderer historischer Bedeutung. Horst Milde berichtet

By GRR 0

Zum Jahreswechsel 2025/2026 ist die Berliner Laufszene auf zwei Klassiker fokussiert: Den 50. Berliner Silvesterlauf (seit 1977) und den 54. Berliner Neujahrslauf als sport- und welthistorische Einmaligkeit (seit 1990).

Der 50. Berliner Silvesterlauf begann seine lange Geschichte 1977 als Berglauf (über den Teufelsberg) und wurde sogleich wieder abgesagt, da Straßen und Wege durch Eis und Schnee für die Teilnehmer unpassierbar waren.

Der Lauf wurde auf den 12. März 1977 (!) verschoben, den der in Berlin studierende Norweger Inge Simonsen (SCC) gewann. Dieser ging übrigens 1981 zusammen mit dem US-Amerikaner Dick Beardsley als erster Sieger des London-Marathons in die Annalen des zu den weltweit bekanntesten Marathonläufen ein.

Ermuntert durch den großen Erfolg verlegte man den 2. Berliner Berglauf auf den 31.12.1977 und gab ihm den Namen „Sylvesterlauf“. Später bekam er den naheliegenden Untertitel „Pfannkuchenlauf“.

Die Ausschreibung zum 1. Berliner Berglauf am 23. Januar 1977 – Foto: Horst Milde  

Beide Veranstaltungen gehören seit Jahrzehnten für die Berliner Bevölkerung zur Tradition des Jahresabschlusses, zumal beide Läufe die bewegte Geschichte (Ost- und West-) Berlins widerspiegeln.

Verantwortlich für die beiden Ausnahme-Veranstaltungen waren  natürlich voraus denkende Organisatoren samt Generationen von Mitarbeitern, die diese Läufe etablierten und in einer Einzigartigkeit entwickelten.

Der Berliner Silvesterlauf zählt zu den größten seiner Art in Deutschland – wild, bunt und oft fantasievoll kostümiert geht es am 31. Dezember für die Teilnehmenden durch den Grunewald.

Durch den Grunewald über Drachenflieger- und den Teufelsberg
Die Hauptstrecke des Berliner Silvesterlauf führt über rund 10 Kilometer durch den Grunewald und hat es in sich: Mit dem Drachenfliegerberg (99 Meter Höhe) und dem Teufelsberg (120 Meter Höhe) sind zwei der höchsten Erhebungen Berlins Teil der Strecke. Wer es etwas kürzer mag, wählt die etwa 6 Kilometer lange Variante, die nur über den Teufelsberg führt.

Die Läuferschlange beim Anstieg auf den Drachenfliegerberg des Teufelsbergs – Foto: Horst Milde 

Start und Ziel liegen direkt vor dem Mommsenstadion.
Der Renntag beginnt um 12:00 Uhr mit dem 4-Kilometer-Lauf (ab Jahrgang 2017). Um 12:30 Uhr fällt der Startschuss für die 6 Kilometer (ab Jahrgang 2011), bevor um 13:00 Uhr der Hauptlauf über gut 10 Kilometer (ab Jahrgang 2009) startet. Traditionell gehen viele Teilnehmende kostümiert an den Start, die kreativsten Outfits werden ausgezeichnet.

Im Ziel warten Pfannkuchen und die beliebten Finisher-Medaillen, erstmals in Pfannkuchenform. Auch in diesem Jahr setzt der Berliner Silvesterlauf konsequent auf Nachhaltigkeit: Die Versorgung erfolgt ausschließlich über Mehrwegbecher.

Neu ist zudem, dass die Startunterlagen-Ausgabe am Veranstaltungstag ab 10:00 Uhr vor dem Mommsenstadion stattfindet.

Wichtig: Alle Distanzen sind ausgebucht, Nachmeldungen sind nicht möglich. Wer keinen Startplatz ergattern konnte, erhält mit dem Berliner Neujahrslauf jedoch eine sportliche Alternative zum Jahresstart.

Kuriositäten und Fotos sind im Beitrag „Wie aus dem Berliner Berglauf der Berliner Silvesterlauf wurde – Absage bei der Premiere am 23. Januar 1977, jetzt ein Berliner Traditionslauf und Klassiker!“ auf der GRR-Website zu finden (siehe unten)

Der 54. Berliner Neujahrslauf am 1. Januar 2026 zeigt wie keine andere Berliner Veranstaltung die Geschichte von Berlin (West und Ost), da sie die damalige politische und sportpolitische Bedeutung dieses Laufes symbolisiert.

Denn nur wenige Tage nach dem Mauerfall am 9. November 1989 hatte der Lauf nach 30 Jahren der Trennung von Ost- und West-Berlin „historische Dimensionen“. Denn zum ersten Mal konnten die Teilnehmer wieder durch beide Teile Berlins und – durch das Brandenburger Tor laufen.

Die Idee zu diesem Berliner Neujahrslauf hatte der britische Times-Journalist Michael Coleman, der am 10. November 1989 in früher Morgenstunde den Berlin-Marathon-Chef Horst Milde aus London anrief und erklärte, dass man in Berlin unbedingt einen Neujahrslauf am 1.1.1990 vom Olympiastadion zum Roten Rathaus organisieren müsse.

In West-Berlin gab es zum Jahreswechsel bisher nur den Silvesterlauf „Rund um den Teufelsberg“ des SC Charlottenburg, ein Neujahrslauf stand bis dato nicht im Terminkalender. „Das war im „laufträchtigen“ West-Berlin bis dahin eine noch unbekannte Veranstaltungsform“, erinnert sich Horst Milde.

Die Startnummer für den „Ersten Gesamt-Berliner Neujahrslauf 1990“ mit den Ein- und Ausgangsstempeln der Grenztruppen der DDR am Brandenburger Tor – Foto: Horst Milde 

Für die LäuferInnen aus Ost-Berlin war ein Neujahrslauf allerdings nichts Neues. Der Berliner Rundfunk mit dem bekannten DDR-Journalisten Heinz-Florian Oertel an der Spitze organisierte schon seit 1972 zusammen mit dem DTSB (Anm.: Der Deutsche Turn- und Sportbund war die Zentrale für den Sport zuständige Massenorganisation der DDR) den Berliner Neujahrslauf im Berliner Volkspark Friedrichshain nach dem Muster des berühmten Silvesterlaufes in Sao Paulo.

Der erste Start von DDR- und Ost-Berliner Läufern in West-Berlin, nach 28 Jahren der Trennung durch
Mauer und Stacheldraht, beim Berliner Cross-Country-Lauf am 12. November 1989 war letztlich der
Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung des Laufsports in Berlin und in Deutschland.

Beim anschließende Kaffeetrinken bei Horst Milde mit den Ostberliner Läufern Roland Winkler und Detlef
Dalk sowie Gerd Engel aus Stendal wurden Pläne für die Zukunft geschmiedet, die die Lauflandschaft in Deutschland maßgeblich beeinflussen sollten.

Berliner Neujahrslauf als Charity-Event für die Björn Schulz Stiftung

Am 1. Januar 2026 fällt um 12:00 Uhr der Startschuss für den Berliner Neujahrslauf, perfekt für alle, die mit Bewegung ins neue Jahr starten oder ihre Fitnessziele weiter verfolgen wollen. Die 4 Kilometer lange Strecke führt vom Pariser Platz zum Berliner Dom und zurück und wird wie gewohnt entspannt im Joggingtempo absolviert.

Berliner Neujahrslauf – vorbei am Zeughaus und der Neuen Wache – Foto: Horst Milde

Die Teilnahme ist kostenlos, die Organisatoren von SCC EVENTS bitten jedoch um eine Spende für die Björn Schulz Stiftung. Die Stiftung unterstützt Familien mit krebs-, chronisch- oder schwerstkranken Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Spenden werden direkt bei der Startnummernausgabe gesammelt.

Wer am Neujahrstag nicht vor Ort sein kann oder bargeldlos spenden möchte, kann dies bequem über die Online-Spendenaktion auf der Website der Björn Schulz Stiftung nachholen.

Anmerkung: Die einmalige und unglaubliche Geschichte der beiden Laufveranstaltungen und seine historische Bedeutung für spätere Generationen, so unterschiedlich diese auch angelegt waren, sind in ausführlichen Beiträgen auf der Website von German Road Races zu lesen.

Horst Milde mit Material von SCC Events

Wie aus dem Berliner Berglauf der Berliner Silvesterlauf wurde – Absage bei der Premiere, dem 23. Januar 1977 – jetzt ein Berliner Traditionslauf und Klassiker! Horst Milde berichtet

Erster Gesamt-Berliner NEUJAHRSLAUF am 1. Januar 1990 um 14.00 Uhr – Start auf der Strasse des 17. Juni – Horst Milde berichtet

25. Berliner Gänsebraten verdauungslauf am Zweiten Weihnachtsfeiertag, Freitag, dem 26.12.2025 – Berliner Lauftradition mit Kultcharakter – Horst Milde berichtet

61. Berliner Cross-Country-Lauf des SCC im Grunewald – Neue Strecke „anspruchsvoll und herausfordernd“ – Horst Milde berichtet

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author: GRR