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21
02
2026

Sportschulen – Sport-Gymnasien – Eliteschulen des Sports - Foto: Joint Photographic Experts Group/Lothar Pöhlitz

Sportschulen – Sport-Gymnasien – Eliteschulen des Sports – Aufgaben, Ziele und das Talentangebot passen nicht mehr – Lothar Pöhlitz*

By GRR 0

Aus einem S. Flohr-WELT-Interview mit der Direktorin des Sport-Gymnasiums Oberhof / Thüringen Sina Griebenow

Viele Medaillengewinner bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften haben unser Gymnasium besucht

Die Bedingungen sind optimal – Da Internatsschule fällt der Schulweg weg. die Trainingsstätten wie der Eiskanal oder die Skihalle sind nur wenige Meter entfernt.

Schulstart ist um 7.10 Uhr. Vor der ersten Stunde gibt es in der Kantine Frühstück, nach dem Unterricht Mittagessen. Wir haben eine sehr gute Küche, da Ernährung im Leistungssport eine große Rolle spielt. Danach beginnt das Training. Von 19 bis 20 Uhr ist Hausaufgabenzeit, ab 22 Uhr ist Nachtruhe. Bei dem Programm erleben viele diese Uhrzeit nicht mehr.

Der Alltag ist durchorganisiert. Jüngere Schüler haben also fünf bis sieben Trainingseinheiten in der Woche. Die Schüler in der Oberstufe sieben bis zwölf. Beim Langlauf müssen die Schüler zum Beispiel auf eine vom Verband festge-legte Kilometerzahl in der Woche kommen. Dazu haben die Schüler normalen Unterricht, sechs bis sieben Stunden am Tag.

Die Schüler kommen zur siebten Klasse zu uns. Sie müssen die entsprechende Sportart schon in einem Verein trainieren und sportliche Kriterien erfüllen, die der jeweilige Verband vorgibt. Sie müssen eine Kaderzugehörigkeit, sportliche Leistungsnach-weise, Perspektive und Entwicklungsmöglichkeiten haben (Aufnahmekommission / schulische Eignung)

Natürlich brauchen sie auch die schulische Eignung. Wir sind ein klassisches Gymnasium, haben aber auch einen Regelschulteil, sodass unsere Schüler auch einen Realschulabschluss machen können. Die Bildungsempfehlung bekommen wir aus den Grund-schulen.

Leider ist das Angebot nicht mehr so das sie bei uns Schlange stehen. Die Breite an Talenten wie noch vor mehr als 20 Jahren, als wir die Hochphase unserer Erfolge hatten, ist nicht mehr so gegeben. Das ist schon erschreckend, wie viele Kinder sich nicht mehr richtig bewegen, viele Fünftklässler können keine Rolle rückwärts, trauen sich einst natürliche Bewegungsabläufe nicht mehr, weil die Eltern Angst um sie haben und sie überbeschützen. Die fahren nicht mehr mit dem Fahrrad zur Schule, dürfen nicht auf Bäume klettern, die Draußenzeit für Kinder wird immer weniger.

Wir haben leider nicht mehr einen riesigen Pool an Kindern, die im Verein Sport treiben und aus dem wir die größten Talente fördern können. Das schränkt die motorischen Bewegungs-möglichkeiten einer ganzen Generation ein und wird sich demnächst auch im Medaillenspiegel bemerkbar machen.

Die Schüler wollen aber auch verstehen was bei bestimmten Trainingsprozessen mit ihrem Körper passiert. Sie interessieren sich für Ernährung und Regeneration, deswegen haben wir auch Sporttheorie als Abiturfach. Denn wenn man Sachen versteht, dann stehst du auch viel mehr dahinter, als wenn es dir einfach vorgegeben wird.

Unsere Schüler wissen schon, dass sie zur sportlichen Elite gehören können und für ihren Traum vom Leistungssport viel investieren müssen. Das tun sie aber auch.

Der allergrößte Teil wird natürlich nicht Olympiasieger, nicht weltbekannt und kann auch nicht davon leben. Sie gehen nach ihrem Abschluss einen ganz normalen beruflichen Weg, studieren oder kombinieren ihren Sport mit einer Anstellung, beispielsweise bei der Bundeswehr oder Polizei.

Wir messen Erfolg hier ja nicht nur an Medaillen.

Ich glaube, dass unsere Schüler härter im Nehmen und selbständiger sind, auch später im Berufsalltag. Sie haben mehr Biss und lassen sich nicht so schnell hängen. Viele Ehemalige haben mir erzählt, wie besonders und prägend ihre Schulzeit für sie war.

Nicht zuletzt bleiben viele von ihnen der Schule lange verbunden.

Fazit aufbereitet von Lothar Pöhlitz*

© Lothar Pöhlitz – Dipl.- Sportlehrer für Leistungssport / Sportwissenschaftler / 1959-1971 Trainer, Cheftrainer beim SC Chemie Halle / Nachwuchs-Ver-bandstrainer / 1971 – 1979 Leiter des Wissenschaftlichen Zentrums für Lauf – Trainingsmethodik der DDR / 1980-1998 Sprint-Trainer Bayer LEV, Trainer LG Olympia Dortmund / DLV-Bundestrainer Mittelstrecke – Langstrecke – Marathon / 3x Olympiatrainer für Deutschland – 1984 in Los Angeles, 1988 in Seoul und 1996 in Atlanta – 4 Lauf-Fachbücher

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