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06
01
2026

Symbolbild -Foto: Horst Milde

Praxiserprobte Gestaltung von Wettkampfwochen in einer Doppelperiodisierung – Von Lothar Pöhlitz*

By GRR 0

Persönliche Bestleistungen, p.B. – sollen immer auch Trainingsziele sein. Wer zum Training geht und besser werden will muß stets bemüht sein, möglichst oft, auch schon nach dem Training, das p.B. in sein Protokoll schreiben zu können.

Aber letztendlich zeigen die Wettkämpfe, unabhängig vom Jahreszeitraum, ob mit dem absolvierten Training, der psychophysischen Belastung der angestrebte Ausbildungsstand der Rekord- oder Sieg-Taktik erreicht wurde.

Vor allem für die Mittelstrecken und kurzen Langstrecken hat sich eine Doppelperiodisierung mit einer ersten Leistungsausprägung im Januar / Februar bei 95-97% des Jahresleistungszieles bewährt. Das bedeutet das bestimmte Prinzipien in der Belastungs – Erholungs – Wochengestal-tung sowohl nach der VPI als auch für die VP II und UWV gelten

Vorrangige Ziele sind die p.B. und natürlich Siege oder das Podium bei den verschiedensten Meisterschaften im Sommer, den Qualifikation für besondere Aufgaben, im Nachwuchstraining immer wieder die persön-liche Bestleistung, auch in den Unter- und Überdistanzen.

Zu beachten für junge Läufer ist das jeder Wettkampf mit Ausbil-dungsaufgaben „bedeutend“ ist, immer Bewährungssituationen beinhal-tet. Deshalb müssen sie auch wissen das Niederlagen selbstverständlich Bestandteile in der Auseinandersetzung mit ihren Gegnern sein können. Die Trainer übersehen nicht das dies ein wichtiger Teil der mentalen Vor- bzw. Nachbereitung ist und die jungen Läufer Fehler nicht mit Absicht machen.

Deshalb: Niederlagen akzeptieren, erst einmal eine Nacht über der Meisterschafts-Enttäuschung schlafen und mit Abstand über Schwächen und Konsequenzen vor dem nächsten Training reden

Zu jedem Zeitpunkt im Jahrestrainingsaufbau sollten Tests, Laktat-kontrollen, Kontrollläufe oder Trainings-Wettkämpfe Gewohnheit werden, vor allem das „abzufordern“ was in den letzten Wochen schwerpunkt-mäßig geübt wurde damit es auch für die nächsten Wochen motiviert.

Rituale der Wettkampfvorbereitung schaffen

Prinzipien können nicht früh genug vermittelt werden, beispielsweise sind bei der Vorbereitung vor allem intensiven Trainings und der Wettkämpfe, nicht nur bei Jugendlichen, nicht geringe Reserven zu erschließen. In der Einlaufarbeit sieht man nicht selten, auch weil „nicht überwacht“, dass sie nicht von der Bedeutung dieser zu wenig abwechslungsreich immer wiederkehrenden vorbereitenden „Arbeit“ für das nachfolgende Training oder den Wettkampf überzeugt sind. Ihre Bedeutung für das Ergebnis wird unterschätzt und vielen ist die Exaktheit der Übungsausführung bei der Koordination, Gymnastik oder anderen Übungen für deren Wirkung nicht bewusst.

Rituale der Wettkampfvorbereitung“ sind im Training zu schaffen und der Trainer ist dabei. „Das war gut, aber Du kannst noch besser“ beinhaltet die aktuell positive Wertung und zugleich die Aufgaben für demnächst.

Leistungsausprägung – Transformation – Tapering

Erfolge oder Misserfolge bei Wettkampfhöhepunkten werden oft in den letzten 10-14 Tagen vor dem Wettkampf „produziert“. Der Um-setzung des absolvierten Trainings in diesem Zeitraum durch Körper und Geist in die Wettkampfleistung kommt deshalb eine oft unterschätzte Bedeutung zu und erfordert entsprechende methodische Schritte. Leistungstransformation ist individuell und beruht auf Erfahrungen und „Experimenten“.

Was sie heute im Training zeigen, können viele erst in 2-3 Wochen im Wettkampf abrufen.

Sammle deshalb Erfahrungen mit der individuellen Leistungsausprä-gung im Februar schon für den Sommer. Es ist die Phase der weiteren Intensivierung zum Wettkampf hin bei zu reduzierender Gesamtbelastung (Superkompensation). Zuviel Ruhe tut aber der Leistungsausprägung oft auch nicht gut. Die Energiespeicher müssen geladen und die „Spritzigkeit“ durch verstärkte (erprobte) regenerative Maßnahmen verbessert werden.

Die Verallgemeinerung individueller Bestlösungen ist für alle der Weg. Jede Trainingsphase bereitet auf die nachfolgende vor, die Letzte vor der Saison zielt vor allem auf die „Zuspitzung in den Qualitäten“ bei gleichzeitiger Verstärkung der Maßnahmen zur Sicherung der gewollten Regeneration. Dazu gehört aerobe Stabilisierung und Erhaltung der Fit-ness.

Die letzten 7-12 Tage vor Höhepunkten und die Gestaltung der letzten 3 – 5 Tage vor dem Wettkampf entscheiden und sollten im Erfolgsfall zum individuellen Ritual werden, das den Athleten Sicherheit in die Rennen mitgibt.

Vergessen Sie auch nicht bei Wettkampfserien (VL, ZWL, HF, F) ihren Athleten täglich „zu bewegen“. Raus aus dem Bett, morgens und abends ein kleines Läufchen, Gymnastik, ein paar Steigerungen und ablenken, lassen sie sich etwas einfallen, sammeln sie früh Erfahrungen, jede Per-sönlichkeit ist anders.

Praxiserprobte Gestaltung von Wettkampfwochen

Grundschema für Wettkampfwochen mit 1 – 2 Qualitäts – TE (Q1-2)*

Die Trainingswirkung in Wettkämpfe nicht übersehen

Wenn aber die Wettkampfgestaltung die Ausbildung stört, zu viele Rennen „irgendwann“ dazu zwingen wichtiges Training zu streichen, die Wett-kämpfe von den Anforderungen her nicht in die Trainingsphase passen, nicht trainingsergänzend wirken oder man zu weit weg vom Wettkampf-höhepunkt unnütze Reisezeiten einplanen muss, sollte man optimieren. Längere wettkampffreie Zeiten, vor allem in den ersten Wochen des neuen Trainingsjahres, sind in allem Altersbereichen für den Ausbildungs-fortschritt von entscheidender Bedeutung.

Im Juni – August auch Zwischenwettkampftraining sichern

In der längeren Sommer-Wettkampfphase muss dem Zwischenwett-kampftraining eine größere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die Hauptaufgaben bestehen in der regelmäßigen Auffrischung des aerob anspruchsvollen Basisniveaus, in der Regenerationsunterstützung, der genutzten Physiotherapie oder in der Stabilisierung der wettkampfspe-zifischen Ausdauer. Beachte auch das die Ende April absolvierte letzte Kraft-Trainingseinheit im August ihre Wirksamkeit verloren hat.

Nach 3-4 Wettkämpfen in 2 Wochen sollte ein etwa 10-14tägiges Zwischenwettkampftraining – für die Spitze auch in der Höhe – folgen.

Qualifikationsrennen für Höhepunkte erfordern neue Überlegungen

Zu oft hat man den Eindruck, dass die frühen Qualifikationstermine für EM, die EM-Teilnahme und die OS innerhalb der Sommersaison, abweichend von langjährigen Gewohnheiten, dem einen oder der anderen nicht erwartete Schwierigkeiten bereiteten. Da man davon ausgehen muss, dass sich auch im neuen Olympiazyklus eine solche Wettkampfgestaltung wiederholt ist eine eingehende Analyse der Vorbereitung innerhalb der VP II angeraten.

Geht man einmal davon aus das vor allem die Phase der Inten-sivierung, der Ausprägung der wettkampfspezifischen Leistungsfähigkeit nicht beherrscht wurde, weil die Qualifikationsrennen mit hohen wsA – Anforderungen „überraschend“ früh kamen und die notwendig hohen Trainingsgeschwindigkeiten fehlten, muss zukünftig darüber nachgedacht werden in solchen Jahren vor allem mit Mittelstrecklern das Training im März / April bereits so zu gestalten wie es sonst in den Monaten April / Mai erfolgte.

Immer wieder bestätigen langjährige Erfahrungen das „Nachnomi-nierungen in letzter Minute“ trainingsmethodisch nur sehr schwer beherr-schbar sind und nur selten – kurz nach der mental außerordentlich anstrengenden Jagd nach der Norm – beim Höhepunkt die Läufer nicht fähig sind – auch wegen der fehlenden geistigen Frische – eine hohe sportliche Form abzurufen.

Vielleicht sollte man für solche speziellen Jahre noch einmal über die schon erfolgreich praktizierten Formen der Gestaltung der Phase nach dem ersten Höhepunkt – der EM – nach den Prinzipien einer UWV nachdenken. Das würde aber zwischen EM bis zu den Vorläufen bei den OS einen Zeitraum von mindestens 5 Wochen für Langstreckler und 6 Wochen für Mittelstreckler erfordern, dann könnte man die 3 ersten Wochen dieser Phase sogar unter den Bedingungen mittlerer Höhe absolvieren.

Wochengestaltung in Vorbereitung auf Wettkampfhöhepunkte (Beispiel Mittelstrecke / 800 m)

Wettkampfspezifisch – wettkampfnah in Strecke & Geschwindigkeit

Trainingsstrecken „schnell“ zwischen 1200 – 1600 m – auch ansteigend oder im Tempowechsel für die Mittelabschnitte von längeren Rennen- und zur Ausprägung der wettkampfspezifischen Leistungsfähigkeit sind von außerordentlicher Bedeutung. „Wettkampfnah in Strecke und Geschwin-digkeit“ gilt für alle Mittel- und Langstrecken. Auf Dauer sind nur der/die erfolgreich der/die in jedem Rennen „hellwach und bei der Musik sind“ wenn die Post abgeht und nicht verpassen, wenn der Favorit einmal mit hohem Tempo von vorn allen anderen schon „früh den Zahn zieht“!

Einlauf“arbeit“ muß alle Funktionssysteme in Bereitschaft versetzen

Beobachtungen lassen den Schluss zu, dass bei der unmittelbaren Vorbereitung auf Wettkämpfe, vor allem in den schnellen Laufdisziplinen, die Anforderungen des nachfolgenden Rennens, die dafür notwendige Erhöhung der Körpertemperatur, die Aktivierung des Bewegungssystems, des Stoffwechsels und des zentralen Nervensystems, zu wenig berücksichtigt werden. Oft sieht man, dass der Organismus auch nicht oder zu wenig auf die Präzision der erforderlichen motorischen Hand-lungen und der Koordination des Gesamtsystems in der nachfolgend geforderten Geschwindigkeit vorbereitet wird.

Warmmachen bzw. Einlaufen vor nachfolgenden Trainings- oder Wettkampfbelastungen muss in ihrem Ergebnis eine optimale Leistungs-bereitschaft für die geforderte Leistung vom ersten Moment an ermög-lichen. Dies setzt eine aktive, in den Anforderungen ansteigende „Erwärmung“ voraus, die alle Funktionssysteme des Organismus einschließt und die von Beginn des Trainings oder des Wettkampfes an auf Betriebstemperatur ist und zu Höchstleistungen bereit und fähig sind.

Die mentale Vorbereitung auf den Wettkampf ist der wichtigste Teil der notwendigen Aktivitäten, die Vermittlung von Aufgaben um eine optimale Leistungsbereitschaft für die persönliche Bestleistung oder auch für die individuell aktuell mögliche Höchstleistung zu erreichen.

Deshalb sollte die letzte Stunde vor dem Wettkampf allein, ohne Gegnerkontakt, nach den erprobten Gewohnheiten und Ritualen ablaufen.

Lothar Pöhlitz

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*Lothar Pöhlitz – Dipl.- Sportlehrer für Leistungssport / Sportwissenschaftler / 18 Jahre – 1980-1998 DLV-Bundestrainer Mittelstrecke – Langstrecke – Marathon / 3x Olympiatrainer für Deutschland 1984 in Los Angeles, 1988 in Seoul und 1996 in Atlanta

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