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02
2026

Olympische Wnterspiele Milano and Cortina 2026 - Logo

Olympische Winterspiele in Italien 2026: Eine sportliche Bilanz – Dr. Dr. med. Lutz Aderhold

By GRR 0

A) Deutsche Bilanz – und was wir von anderen Nationen lernen können

Mit einer imposanten Schlussfeier in der Arena von Verona endeten die 25. Olympischen Winterspiele. Die Winterspiele in Mailand/Cortina sind sportpolitisch ein Weckruf. Ja, Deutschland hat geliefert – 26 Medaillen (8/10/8) und Rang 5 –, aber das offiziell ausgegebene Anspruchsdenken („Top 3“) wurde verfehlt.

Gleichzeitig zeigt der Blick nach Norden, wie groß der Abstand im Systemischen ist: Norwegen gewinnt 41 Medaillen (18/12/11) – mit einer Bevölkerung, die in etwa der von Berlin-Brandenburg entspricht.

1. Die deutsche Bilanz: stark – aber zu einseitig

Deutschlands Erfolg ist in Italien erneut sehr stark in den technisch geprägten Eiskanälen (Bob/Rodeln/Skeleton) verankert. Das kann man als Stärke feiern – oder als Warnsignal lesen: Wenn ein großer Teil der Medaillen aus wenigen Sportarten kommt, wird das Gesamtergebnis anfällig (Regeländerungen, Materialentwicklung, verletzungsbedingte Ausfälle, Generationswechsel). Allerdings zeigen auch andere Länder Konzentrationen bei einzelnen Disziplinen: Niederlande beim Eisschnelllauf, Frankreich beim Biathlon.

Die Spiele lieferten dafür Anschauungsmaterial: Im Bob gab es zum Abschluss noch einmal deutsche Dominanz (u. a. Lochner mit Gold im Vierer). Aber genau diese Konzentration ist das Problem: Wo Deutschland Breite braucht (z. B. in mehreren Schneesportarten, Ausdauer-/Nordisch-Disziplinen, Nachwuchsdurchlauf), bleibt das Bild gemischt – und die „vielen vierten Plätze“ werden dann zur gefühlten Dauerdiagnose. Mit 14 vierten Plätzen liegt Deutschland an der Spitze. Ein vierter Platz bei Olympischen Spielen ist sehr gut, aber es ist eben „der erste Verlierer“. Der Fokus liegt ganz klar auf den Medaillen.

2. Norwegen: 41 Medaillen – kein Wunder, sondern Design

Norwegens Ergebnis wirkt immer wieder „unfair“, ist aber vor allem: konsequent gebaut.

Was fällt auf:

  • Sportkultur + Nachwuchslogik: Norwegen setzt im Kinder- und Jugendsport stark auf Teilnahme, Freude, späte Spezialisierung und Kostenbegrenzung – weniger frühe Selektion, weniger „Aussieben“ mit 13/14. Das erhöht die Basis, senkt Drop-out und stabilisiert den Talentfluss. 
  • Infrastruktur und Zugänglichkeit: Öffentliche Investitionen und eine breite, kommunale Sportinfrastruktur sind kein „Nice-to-have“, sondern der Nährboden für Spitzenleistung. 
  • Zentraler Performance-Motor: Mit Olympiatoppen hat Norwegen eine etablierte, sportfachlich ausgerichtete Elite-Struktur, die Wissen bündelt (Training, Medizin, Diagnostik, Wettkampfsteuerung) und zugleich kooperativ mit Verbänden arbeitet. 
  • Fokussierung statt Statussport: Norwegen ist in teuren Materialschlachten (z. B. Bob) nicht führend – nicht aus Unfähigkeit, sondern weil das System bewusst auf Disziplinen setzt, die zur Kultur, Infrastruktur und Talentbasis passen. 

Kurz: Norwegen gewinnt nicht „trotz“ seines Modells, sondern wegen dieses Modells.

3. Was Deutschland daraus lernen kann (ohne Norwegen zu kopieren)

Deutschland braucht keine romantische „Wir-müssen-wieder-mehr-Skilaufen“-Debatte, sondern eine nüchterne Reformfrage: Wie wird aus Geld, Personal und Infrastruktur verlässlich Leistung – in mehr Sportarten, nachhaltiger und athletenzentrierter?

Lernpunkt A: Breite ist Leistungsvorsorge

Deutschland fördert Spitzenleistung oft zu spät breit und zu früh hart selektiv. Wer früh durchs Raster fällt, ist weg – und kommt selten zurück. Norwegen hält mehr Menschen länger im System. Das ist keine Kuschelpädagogik, sondern Talent-Risikomanagement.

Lernpunkt B: Steuerung muss sportfachlich sein – nicht verwaltungslogisch

Die deutsche Spitzensportförderung ist berüchtigt für Komplexität, Zuständigkeitsgeflechte und Bürokratie. Genau hier setzt das geplante Sportfördergesetz an: Es soll erstmals eine spezialgesetzliche Grundlage schaffen und die Förderung systematischer regeln – inklusive der geplanten Spitzensport-Agentur als zentrale Instanz. 

Gleichzeitig zeigt die DOSB-Stellungnahme, dass der Entwurf in Teilen als zu politisch/verwaltungsgetrieben kritisiert wird (u. a. Fragen der Autonomie, Entscheidungswege, Entbürokratisierung, flexible Mittelverwendung). 

Das ist der Kernkonflikt: Mehr Steuerung ist sinnvoll – aber nur, wenn sie sportfachlich ist und schneller macht, nicht langsamer.

B) Notwendige Maßnahmen: Was jetzt konkret passieren muss

1. Sportfördergesetz: ja – aber mit „Leistungsfähigkeit“ im Gesetzesvollzug

Ein Sportfördergesetz ist überfällig, weil es Planungssicherheit und klare Zuständigkeiten bringen kann.
Damit es nicht zur nächsten Verwaltungsschicht wird, braucht es drei harte Leitplanken:

  • Entbürokratisierung messbar machen: weniger Anträge, schnellere Bewilligungen, mehrjährige Budgetlinien.
  • Sportfachliche Unabhängigkeit absichern: Governance so bauen, dass Expertise entscheidet – nicht Ressortlogik. (Genau hier setzt die DOSB-Kritik an.) 
  • Evaluation mit Konsequenzen: Das Gesetz sieht Bericht/Evaluation vor – entscheidend ist, dass daraus auch Umsteuerung folgt, nicht nur Papier. 

2. Spitzensport-Agentur:

Die Agentur ist sinnvoll, wenn sie:

  • Förderentscheidungen bündelt,
  • sportwissenschaftliche/medizinische Services skaliert,
  • Datenkompetenz (Wettkampf- und Belastungssteuerung) in die Fläche bringt,
  • und gleichzeitig Verbände nicht entmündigt, sondern befähigt.

Wenn sie stattdessen ein Durchlauferhitzer für Vergabe- und Kontrollprozesse wird, verliert Deutschland weitere Jahre.

3. Trainer*innen, Stützpunkte, Dual Career: das Fundament sanieren

Medaillen entstehen nicht aus PowerPoint, sondern aus:

  • stabilen Trainerkarrieren (Bezahlung, Weiterbildung, Perspektiven),
  • modernen Stützpunkten (Diagnostik, Regeneration, Schnee-/Eiszeiten),
  • verlässlichen dualen Wegen (Ausbildung/Studium/Beruf + Spitzensport).

Gerade im Winter ist Infrastruktur ein Multiplikator: Wer Trainingszeit „organisieren“ muss, trainiert weniger.

4. Breite Jugendförderung als Leistungspolitik verstehen

Was Norwegen vormacht: Zugang, Kostenkontrolle, späte Spezialisierung – das ist kein Gegensatz zur Spitze. Es ist der Unterbau.
Deutschland sollte:

  • Talente länger im System halten (weniger frühes Aussortieren),
  • Übergänge U18 → U23 konsequenter absichern (die „Verlustzone“),
  • und stärker regionale Winter-Ökosysteme fördern (Schule–Verein–Stützpunkt–Uni).

5. Strategische Priorisierung: nicht alles, aber das Richtige

Deutschland muss nicht in jeder teuren Materialdisziplin Weltspitze sein und gleichzeitig alle Schneesportarten breit tragen. Es braucht eine klare Strategie:

  • Welche Sportarten sind Kultur-/Infrastruktur-fit?
  • Wo lohnt sich Technologie, wo eher Talentbreite?
  • Wo ist das Medaillenpotenzial real – und wo ist es politischer Selbstbetrug?

Fazit

Deutschland war in Italien nicht „schlecht“ – aber zu abhängig von einzelnen Medaillenclustern und strukturell zu oft im Modus: viel Aufwand, zu wenig Hebel. Norwegen zeigt, dass nachhaltiger Erfolg aus breiter Teilhabeklarer sportfachlicher Steuerung und konsequenter Infrastruktur- und Nachwuchslogik entsteht. 

Wenn das Sportfördergesetz kommt, entscheidet nicht die Existenz des Gesetzes über die Zukunft – sondern ob es Komplexität reduziert, Expertise stärkt und Tempo erzeugt. Sonst bleibt es bei einer deutschen Winter-Konstante: Weltklasse – aber zu oft knapp daneben.

C) Reformbausteine für eine wirksame Spitzensportstrategie (Winter) mit klarer Zuständigkeit von Bund, Ländern, DOSB/Verbänden und Kommunen

1. Governance und Steuerung (Sportfördergesetz und Agentur)

Ziel: Weniger Bürokratie, mehr sportfachliche Entscheidungskompetenz, klare Verantwortlichkeiten.

  • Bund
    • Sportfördergesetz mit klar definierten Zielen (Top-8-Quote, Nachwuchs-Durchlaufquoten, Trainerbindung).
    • Einrichtung einer unabhängigen Spitzensport-Agentur mit sportfachlichem Beirat.
    • Mehrjährige, planbare Förderlinien (4–8 Jahre statt Jahreslogik).
    • Verbindliche Evaluation mit Korrekturmechanismus.
  • DOSB / Spitzenverbände
    • Verbindliche Zielvereinbarungen je Sportart.
    • Transparente Kader- und Förderkriterien.
    • Jährliche Leistungsberichte (Finalteilnahmen, Talentquote, Verletzungsquote).
  • Länder
    • Abstimmung der Landesförderung mit Bundeszielen (keine Parallelstrukturen).
    • Mitfinanzierung von Landesleistungszentren.

2. Traineroffensive 2030

Ziel: Professionalisierung und Bindung von Trainerinnen und Trainern als Schlüsselfaktor.

  • Bund
    • Co-Finanzierung eines nationalen Trainer-Tarifmodells.
    • Steuerfreie Fortbildungsbudgets.
    • Zentrale Trainerakademie (Trainingswissenschaft, Datenanalyse, Sportpsychologie).
  • Länder
    • Verbeamtungsähnliche Modelle oder langfristige Verträge für Landestrainer.
    • Finanzierung von Nachwuchstrainerstellen.
  • Verbände
    • Klare Karrierepfade (Nachwuchs → Bundestrainer).
    • Austauschprogramme mit Erfolgsnationen (z. B. Norwegen).

3. Nachwuchs- und Talententwicklung (Modell „Breite vor früher Selektion“)

Ziel: Talentverlust zwischen 14–21 Jahren reduzieren.

  • Bund
    • Förderprogramm „Übergang U18–U23“ (Stipendien + Trainingspauschale).
    • Dual-Career-Förderung (Studium, Ausbildung, Bundeswehr/Polizei).
  • Länder
    • Ausbau von Eliteschulen des Sports.
    • Kostenbegrenzung im Nachwuchs (Ausrüstungsfonds).
  • Kommunen
    • Niedrigschwelliger Zugang zu Wintersportinfrastruktur.
    • Kooperation Schule–Verein.
  • Verbände
    • Spätere Spezialisierung fördern.
    • Mehr Wettkampfformate im Jugendbereich statt früher Kaderdruck.

4. Infrastruktur und Technologie

Ziel: Trainingsqualität sichern, technologische Rückstände vermeiden.

  • Bund
    • Investitionsfonds für Wintersportstätten (Eiskanäle, Schanzen, Indoor-Anlagen).
    • Nationale Plattform für Leistungsdaten und Sporttechnologie.
    • Zentrale sportmedizinische Kompetenzzentren.
  • Länder
    • Modernisierung regionaler Stützpunkte.
    • Sicherung von Schnee- und Eiszeiten (Subventionen).
  • Kommunen
    • Erhalt kommunaler Sportanlagen.
    • Kooperation mit regionalen Unternehmen.

5. Strategische Sportarten-Priorisierung

Ziel: Konzentration auf realistische Medaillenpotenziale.

  • Bund + DOSB
    • Datenbasierte Potenzialanalyse je Sportart.
    • Clusterbildung (z. B. Eiskanalsport, Nordisch, Ski alpin).
    • Flexible Umschichtung bei Erfolgs- oder Strukturdefiziten.
  • Verbände
    • Klare Entwicklungspläne (8-Jahres-Zyklen).
    • Internationale Benchmarking-Partnerschaften.

6. Athletenzentrierte Förderung

Ziel: Planungssicherheit und soziale Absicherung.

  • Bund
    • Mindestförderbetrag für A-/B-Kader.
    • Altersvorsorge-Modell für Spitzenathlet*innen.
    • Psychologische Betreuung standardisieren.
  • Länder
    • Wohnraum- und Infrastrukturhilfen für Kaderathlet*innen.
  • Verbände
    • Individuelle Karriereplanung.
    • Transparente Leistungsanforderungen.

7. Kulturwandel im Leistungssport

Ziel: Mehr Nachhaltigkeit statt kurzfristiger Medaillenlogik.

  • Bund + DOSB
    • Erfolgskennzahlen erweitern (Finalplätze, Nachwuchsquote).
    • Anti-Doping und Ethik als Qualitätsmerkmal.
  • Verbände
    • Weniger Frühselektion.
    • Förderung weiblicher Trainer- und Führungskräfte.

Kernbotschaft

Deutschland braucht kein Mehr an Papier, sondern:

  1. Klare Zuständigkeiten
  2. Langfristige Finanzierung
  3. Trainer- und Nachwuchsfokus
  4. Strategische Priorisierung

Nur dann wird aus einer „soliden Bilanz“ wieder eine strukturell erfolgreiche Wintersportnation.

D) Talente finden und mehr Bewegung für alle: Was Deutschland konkret ändern muss

Die entscheidende Frage ist nicht nur: Wie fördern wir Spitzensport? Sondern zuerst: Wie entdecken wir Talente – und wie sorgen wir dafür, dass sie überhaupt entstehen?

Norwegen zeigt: Leistung beginnt mit täglicher Bewegung in der Schule und einer breiten, niedrigschwelligen Sportkultur.

1. Wie findet man Talente systematisch?

Talent ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis aus früher Bewegungserfahrung, breiter Basis und kluger Diagnostik.

A) Flächendeckende sportmotorische Tests in der Schule

Modell:

  • Einheitliche sportmotorische Tests in Klasse 3–6
  • Erfassung von Koordination, Schnelligkeit, Sprungkraft, Ausdauer
  • Digitale Auswertung mit Weiterleitung an regionale Stützpunkte

Zuständigkeit

  • Länder: Integration in Lehrpläne, Durchführung
  • Bund: Finanzierung einer zentralen Datenplattform
  • Verbände: Sichtungstage für auffällige Talente

Vorteil: Talente aus nicht-akademischen oder sportfernen Haushalten werden sichtbar.

B) Talent-Tage und offene Sichtungsformate

  • Regionale „Sport-Discovery-Days“
  • Multisport-Ansatz statt früher Spezialisierung
  • Kooperation Schule–Verein–Leistungszentrum

Wichtig:
Keine frühe Festlegung auf eine Sportart mit 10 oder 11 Jahren.
Späte Spezialisierung (wie in Norwegen) reduziert Drop-out.

C) Datenbasiertes Monitoring statt Bauchgefühl

  • Zentrale Athleten-Datenbank (Leistungsentwicklung über Jahre)
  • Vergleichsbenchmarks mit internationalen Standards
  • Wissenschaftliche Begleitung (Trainingsbelastung, Wachstum, Verletzungsrisiko)

Problem heute: Viele Talente gehen zwischen 15 und 19 verloren – genau in der Übergangsphase Schule → Ausbildung/Studium.

2. Mehr Sport in der Schule: Der Schlüssel zur Basis

In Norwegen ist tägliche Bewegung integraler Bestandteil des Schulalltags. Die Idee: Bewegung ist kein Extra, sondern Bildungsauftrag.

Warum das wirkt:

  • Mehr motorische Grundfähigkeiten
  • Höhere Wahrscheinlichkeit, Talent überhaupt zu entwickeln
  • Bessere Konzentration und Gesundheit
  • Weniger soziale Ungleichheit

3. Reformvorschlag: „Bewegungsstunde Deutschland“

Maßnahme: 60 Minuten Bewegung pro Schultag

Nicht zwingend Leistungssport – sondern:

  • klassischer Sportunterricht
  • Bewegte Pause
  • Vereinstraining in Kooperation
  • Wintersportmodule in entsprechenden Regionen

Zuständigkeit

  • Länder: Schulrechtliche Umsetzung
  • Bund: Investitionspaket für Hallen und Sportlehrer
  • Kommunen: Infrastruktur und Hallenzeiten

4. Warum Deutschland hier strukturell hinterherhinkt

  • Sportunterricht fällt oft aus (Lehrermangel)
  • Hallenzeiten sind knapp
  • Sport gilt als „Nebenfach“
  • Frühe Selektion schreckt Kinder ab
  • Vereinsbeiträge und Ausrüstungskosten steigen

Währenddessen setzt Norwegen auf:

  • Breite Teilhabe
  • Kostenkontrolle im Jugendbereich
  • Weniger Leistungsdruck im Kindesalter

5. Konkrete notwendige Maßnahmen

Kurzfristig (1–3 Jahre)

  • Verpflichtende 3. Sportstunde bundesweit
  • Bundesprogramm „Trainer in die Schule“
  • Talent-Scan in Klasse 4 und 6
  • Investitionspaket Sportstätten

Mittelfristig (4–8 Jahre)

  • 60 Minuten tägliche Bewegung
  • Nationale Talentdatenbank
  • Stipendienprogramm U18–U23
  • Trainer-Tarifoffensive

Langfristig (8+ Jahre)

  • Kulturwandel: Sport = Bildungsziel
  • Infrastruktur auf skandinavisches Niveau
  • Mehr Trainerstellen als Verwaltungsstellen

Entscheidender Punkt

Mehr Medaillen sind kein Selbstzweck.
Aber 
ohne tägliche Bewegung entsteht keine Spitze.

Norwegens 41 Medaillen sind kein Geheimnis – sie sind das Resultat von:

  1. Breiter täglicher Bewegung
  2. Später Spezialisierung
  3. Klarer sportfachlicher Steuerung
  4. Gesellschaftlicher Wertschätzung von Sport

Fazit

Wenn Deutschland Talente finden will, muss es:

  • Sport zur Pflichtaufgabe der Bildungspolitik machen
  • Talentsichtung systematisieren
  • Den Übergang Jugend → Leistungssport absichern
  • Und Sport wieder als gesellschaftliche Infrastruktur begreifen

Ohne mehr Bewegung in der Schule bleibt jede Spitzensportreform Kosmetik.

E) Ohne tägliche Bewegung keine Medaillen

Warum Deutschland ein Schul-Sport-Gesetz braucht

Deutschland diskutiert regelmäßig über Medaillenziele, Trainerstellen und Förderstrukturen. Doch die zentrale Voraussetzung für internationale Wettbewerbsfähigkeit wird politisch unterschätzt: tägliche Bewegung im Kindesalter.

Während Länder wie Norwegen Bewegung systematisch in den Schulalltag integrieren und damit eine breite sportliche Basis schaffen, fällt in Deutschland Sportunterricht häufig aus, Hallenzeiten fehlen, und Sport gilt bildungspolitisch als Nebenfach.

These dieses Papiers:
Ohne gesetzlich verankerte tägliche Bewegung in der Schule bleibt jede Spitzensportreform unvollständig. Deutschland braucht ein 
Schul-Sport-Gesetz als bildungspolitisches Fundament der Leistungssportstrategie.

I. Das strukturelle Problem

1. Sport ist nicht systemrelevant – aber müsste es sein

  • Unterrichtsausfall im Fach Sport überdurchschnittlich hoch
  • Lehrkräftemangel besonders ausgeprägt
  • Investitionsstau bei Sportstätten
  • Bewegungsdefizite bei Kindern steigen

2. Talente entstehen nicht im Stützpunkt, sondern im Alltag

Kein Kind wird mit 15 zum Leistungssportler, wenn es mit 8 nie richtig gelaufen, gesprungen oder balanciert ist.
Motorische Basiskompetenzen entstehen im Grundschulalter – oder gar nicht.

II. Was erfolgreiche Nationen anders machen

Norwegen verfolgt ein klares Prinzip:

  • Bewegung als Teil des Bildungsauftrags
  • Niedrige Zugangshürden
  • Späte Spezialisierung
  • Breite vor Selektion

Das Ergebnis: hohe Sportbeteiligung, stabile Nachwuchspyramide, nachhaltige Spitzenerfolge.

Nicht das Medaillenziel steht am Anfang – sondern die tägliche Bewegung.

III. Kernforderung: Das Schul-Sport-Gesetz

1. 60 Minuten Bewegung pro Schultag (Primarstufe verpflichtend)

Inhaltlich flexibel kombinierbar:

  • Klassischer Sportunterricht
  • Bewegte Lernformen
  • Bewegte Pause
  • Kooperation mit Sportvereinen
  • Regionale Wintersportmodule

Zuständigkeit

  • Länder: Schulrechtliche Umsetzung
  • Bund: Infrastruktur- und Investitionsfonds

2. Nationale sportmotorische Testung (Klasse 3 und 6)

Ziel: Talente sichtbar machen – unabhängig vom Elternhaus.

  • Einheitliche Testverfahren
  • Digitale Auswertung
  • Weiterleitung an regionale Stützpunkte

Vorteil:
Soziale Selektion wird reduziert, Potenziale werden früh erkannt.

3. Infrastruktur-Offensive Sportstätten

Ohne Hallen keine Bewegung.

  • Bundes-Investitionsprogramm
  • Modernisierung von Turnhallen
  • Energetische Sanierung
  • Sicherung von Schnee-/Eiszeiten in Wintersportregionen

4. Trainer in die Schule

  • Kooperation Schule–Verein verpflichtend fördern
  • Honorarmodelle für Vereinstrainer
  • Regionale Bewegungskoordinatoren

IV. Warum das mehr ist als Sportpolitik

Tägliche Bewegung bedeutet:

  • Bessere Konzentration
  • Weniger Adipositas
  • Mehr soziale Integration
  • Bessere psychische Stabilität
  • Höhere Leistungsfähigkeit

Spitzensport ist dabei ein Nebeneffekt einer gesunden Bewegungskultur.

V. Finanzierung und Realismus

Ein Schul-Sport-Gesetz kostet Geld.
Aber Bewegungsmangel kostet mehr:

  • Gesundheitsausgaben
  • Produktivitätsverluste
  • Nachwuchsschwäche im Spitzensport

Investitionen in Bewegung sind langfristig günstiger als spätere Reparaturpolitik.

VI. Politischer Realismus: Föderalismus nutzen statt blockieren

Deutschland braucht keine Zentralisierung des Schulwesens.
Aber es braucht:

  • Gemeinsame Mindeststandards
  • Bund-Länder-Pakt Bewegung
  • Langfristige Finanzierungsgarantien

VII. Schlussfolgerung

Ohne tägliche Bewegung:

  • Keine breite motorische Basis
  • Keine nachhaltige Talententwicklung
  • Keine internationale Wettbewerbsfähigkeit

Ein Schul-Sport-Gesetz wäre keine Symbolpolitik –
sondern die strukturelle Grundlage für:

  • Gesundheitsprävention
  • Bildungsgerechtigkeit
  • Leistungsfähigkeit
  • und künftige Medaillenerfolge

Politischer Leitsatz

„Spitzensport beginnt im Klassenzimmer.“

Dieser Beitrag wurde partiell unterstützt von KI/ChatGPT

Weitere Hinweise zum Thema finden Sie auch in den Beiträgen:

https://news.germanroadraces.de/relevante-gesundheitsstudien-fuer-deutschland-teil-1-uebersicht-dr-dr-med-lutz-aderhold/

https://news.germanroadraces.de/relevante-gesundheitsstudien-fuer-deutschland-teil-2-fazit-und-folgerungen-dr-dr-med-lutz-aderhold/

https://news.germanroadraces.de/deutschland-wieder-fit-machen-fuer-steigerung-der-lebensqualitaet-verbesserung-der-gesundheit-staerkung-des-zusammenhalts-erhalt-der-demokratie-dr-dr-med-lutz-aderhold-prof-dr-dr-med/

Dr. Dr. med. Lutz Aderhold 

author: GRR