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2026

Olympische wWnterspile Milano and Cortina 2026 - Logo

Olympische Winterspiele haben eine sichere Zukunft – sport-nachgedacht.de – Prof. Dr. Helmut Digel

By GRR 0

Für viele, die begeisterte Skiläufer[1] sind, sind die Olympischen Winterspiele alle vier Jahre ein begeisterndes Sportereignis, das man in der Vergangenheit sehr gerne gesehen hat, bei dem man vielleicht auch einmal selbst dabei gewesen ist und an die man sich immer wieder auch sehr gerne erinnert.

Man denkt an großartige athletische Leistungen bei herausragenden Wettkämpfen und würdevolle Eröffnungs-und Schlussfeiern. Man hat dabei wundervolle Winterlandschaften wie jene von Lillehammer im Blick. Man redet über berühmte Abfahrten am Patscherkofel in Innsbruck, auf der Tofana in Cortina d` Ampezzo oder auf der Kandahar in Garmisch.

Viele der eigens erbauten Olympischen Skisprungschanzen sind Zeitzeugen einer außergewöhnlich sportarchitektonischen Kunst. Olympische Spiele haben in den schönsten Skigebieten der Welt, in USA, Canada, Japan, Frankreich, Russland etc. stattgefunden. Nicht zuletzt sind es die großartigen Leistungen von vorbildlichen Athleten und Athletinnen, die unsere Erinnerungskultur von diesem besonderen kulturellen Ereignis prägen: es sind Namen wie Toni Sailer, Karl Schranz, Pirmin Zurbrüggen, Ingemar Stenmark, Alberto Tomba, Rosi Mittermaier, Bode Miller, Jean-Claude Killy, Markus Wasmeier die die alpinen Rennen geprägt haben. Bolkart, Recknagel, Goldberger, die deutschen Adler u.v.m. haben die Skisprungwettbewerbe ausgezeichnet.

Kilius- Bäumler und Katarina Witt rufen Erinnerungen an den Olympischen Eiskunstlauf wach. Noch viele weitere Namen von Olympischen Helden und Heldinnen müssten hier erwähnt werden.

Für mich ist es eine ganz besondere Freude, dass mit der Vergabeentscheidung des IOC im Jahr 2019 die Olympischen Winterspiele wieder nach Europa zurückgekehrt sind und in diesen Tagen in Italien und hier vor allem an den historischen Wintersportorten in Cortina d´ Ampezzo, in Bormio, Livigno, in Val di Fiemme und in Antholz stattfinden. Für die Wintersportarten, die in Hallen ausgetragen werden, ist die zweitgrößte Stadt Italiens, Milano, der Gastgeber

Meine Fahrten auf Skiern auf der Tofana gehören zu den schönsten Ski Erlebnissen, die mir bislang vergönnt waren. Für mich wäre es eine Freude, wenn auch meine Kinder und Enkelkinder in den nächsten Jahrzehnten ähnliche Erlebnisse und Erfahrungen mit Olympischen Winterspielen verbinden könnten.

Mit dem Austragungsort Mailand bin ich wohl weniger glücklich. Doch habe ich angesichts der Größe der heutigen Winterspiele lernen müssen, dass die Ausrichtung von Winterspielen ohne die Beteiligung einer größeren Stadt nicht mehr möglich ist. Spiele wie jene von Lillehammer 1994, von St. Moritz 1948 und 1936 von Garmisch-Partenkirchen gehören der Geschichte an. Man kann sich zwar nostalgisch an sie erinnern, doch sie sind als Modell für die Weiterentwicklung der Olympischen Winterspiele wohl kaum tauglich.

Nun hat wenige Wochen vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Cortina in der deutschen Öffentlichkeit das längst üblich gewordene „Bashing“ gegen den modernen Olympismus und gegen die Durchführung von Winterspielen begonnen. Ein Medium übergreifender Abgesang auf die Winterspiele hat begonnen und wird wohl auch bis zur Eröffnungsfeier anhalten.

Meinungen der Kritiker

Die NZZ berichtet am 20.1.2026 über eine Umfrage von „Watson“ in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut „Demoscope“ nach der 51 % der Schweizer Bevölkerung Olympische Winterspiele im eigenen Land ablehnen. Die Ausrichtung von Spielen wird dabei vor allem deshalb kritisch gesehen, weil dem Internationalen Olympischen Komitee unterstellt wird, dass ihm die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung und der Umwelt weniger wichtig sind als der maximale Profit. Deshalb würden Olympische Winterspiele für die lokale Bevölkerung mehr Last als Nutzen bedeuten. In der Überschrift des NZZ- Artikels wird dem IOC „Korruption und Gigantismus“ vorgeworfen.

Dabei hätte die Schweiz beim IOC einen privilegierten Zugang für eine Kandidatur der Winterspiele 2038. Würde sie eine Bewerbung einreichen, hätte sie den Zuschlag nahezu sicher. Seit seiner Gründung hat das IOC seine Heimat in Lausanne und es gibt mehrfach das Versprechen, dass man sich bei der Schweiz bedanken möchte, wenn diese bereit wäre, die Olympischen Winterspiele erneut auszutragen.

In der deutschen Zeitung „Der Tagesspiegel“ wird am 23.1.2026 mit der Überschrift „Steigende Temperaturen gefährden Olympia im Winter zunehmend“ darauf hingewiesen, dass es immer weniger Frosttage bei immer höheren Durchschnittstemperaturen gibt und somit die Spiele an vielen klassischen Wintersportarten gefährdet sind.

In einem „pro und contra“ der SZ vom 24. Januar wird vom „Contra-Anwalt“ der Spiele die Meinung vertreten, dass es Olympische Winterspiele nach 2026 nicht mehr geben sollte, da sie mehr schaden als nutzen.

Wer wissen will, ob Olympische Winterspiele in den Alpen einen nachhaltigen Nutzen für die dort lebende Bevölkerung haben, der sollte mal nach Sestriere, Cesana und Pragelato in Italien fahren. Dort fanden vor 20 Jahren die alpinen Wettkämpfe der Olympischen Winterspiele „Torino 2006“ statt. Heute – so der Kritiker – „verrotten die extra gebauten Skisprungschanzen und die Bobbahn in den Bergen vor sich hin“. Und in Sestiere wurde das „Olympische Dorf“ in Zweitwohnungen umgewidmet, die nur wenige Wochen im Jahr genutzt werden und sonst leer stehen.

In Bezug auf die Bobbahn der bevorstehenden Spiele wird angemerkt, dass für die neue „Betonschlange“ in den Bergen von Cortina 120 Millionen ausgegeben wurden.

In Antholz hat der Südtiroler Größenwahn dazu geführt, dass, anstatt das Stadion mit geringem Aufwand Olympia tauglich zu machen, für 58 Millionen € „ein Riesenpalast aus viel klimaschädlichem Beton“ praktisch neu gebaut wurde. Hinzu kam eine neue Beschneiungsanlage mit einem großen Speichersee, für den ein intakter Wald abgeholzt werden musste – „und das an der Grenze zu einem Naturpark“. Nach Olympia 2026 sollte es deshalb „keine Winterspiele mehr in den Alpen geben. Durch die Geldmaschinerie, die wie ein finsterer Adler über dem Sportereignis kreist, schaden sie mehr, als sie nutzen. Sie konterkarieren eine nachhaltige Entwicklung und damit eine lebenswerte Zukunft künftiger Generationen“.

Es ist notwendig, dass man sich mit einer berechtigten journalistischen Kritik an der Weiterentwicklung der Olympischen Winterspiele auseinandersetzt. Genauso notwendig ist es jedoch, dass man Fake-Nachrichten über die Spiele entgegentritt und sie als solche benennt, was sie sind, nämlich Stimmungsmache bis hin zu Falschbehauptungen selbsternannter Experten,

Dass nach der Durchführung von olympischen Winterspielen mehrfach „weiße Elefanten“ zurückgeblieben sind, kann von niemandem bestritten werden. Eine ungenutzte Skisprungschanze, eine zerfallene Bobbahn sind jedoch keine Argumente, um die Weiterentwicklung von Olympischen Winterspielen infrage zu stellen. Sie sollten viel mehr Anlass sein, dass man zukünftig solche Fehler vermeidet. Fehlinvestitionen hat es nicht nur im Bereich des Sports gegeben, sie sind vielmehr typisch für die Weiterentwicklung von modernen Gesellschaften. Der Wintersportort Sestriere stellt sich heute im Übrigen völlig anders dar, als ihn der Kritiker sieht.

Die saisonale Nutzung von Zweitwohnungen ist nicht nur ein Problem dieses Ortes, sondern ist überall in beliebten Urlaubsorten anzutreffen. Der Vorwurf der Korruption war vor zehn Jahren noch zutreffend, wurde jedoch durch die konsequente Reformpolitik im IOC längst überwunden. Die aktuelle mediale Kritik am Olympismus und den Olympischen Spielen bezieht sich auf Situationen, die innerhalb der Olympischen Bewegung schon seit mehreren Jahren nicht mehr anzutreffen sind.

Der Klimawandel mit seinen steigenden Temperaturen gefährdet ohne Zweifel eine mögliche Ausrichtung olympischer Winterspiele an vielen klassischen Wintersportorten. Es war deshalb das IOC selbst, unter der Führung seines damaligen Präsidenten Dr. Thomas Bach, das wissenschaftliche Analysen bei führenden Klimaforschern in Auftrag gegeben hat, um Klimarisiken zu prüfen. Das IOC verzögerte daher bewusst seine Bewerbungsentscheidungen über zukünftige Winterspiele.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Zukunft der Olympischen Winterspiele

Folgt man den Erkenntnissen der beauftragten Klimaforscher, so sind in fast der Hälfte der Wintersportorte, die das IOC auf seiner bisherigen Kandidatenliste hat, bis Mitte des Jahrhunderts keine Olympischen Spiele in ihrer bisherigen Form mehr möglich. Von 93 Orten, die bisher infrage gekommen sind, bleiben wegen des Klimawandels noch 52 Gastgeber für Olympische Winterspiele und 22 für die anschließendenParalympischen Winterspielespiele übrig.

In ihren Modellen gehen sie bereits davon aus, dass der Schnee aus Kanonen kommt und nicht vom Himmel fällt. Denn ohne Schneekanonen schrumpft die Zahl der Orte, an denen noch geeignete Bedingungen für Wintersportwettkämpfe angetroffen werden können, bereits ab dem Jahr 2030 auf sieben bzw. auf fünf Orte.

Auf der Grundlage von sehr soliden Forschungsbefunden wird von Experten in Bezug auf die Winterspiele in Cortina hingewiesen, dass die Temperaturen im Februar im Vergleich zu den ersten Winterspielen im Jahr 1956 um 3° gestiegen sind. Die Zahl der Frosttage hat um 19 % abgenommen. Für den zweiten Hauptstandort Mailand, in dem die Wettbewerbe des Eiskunstlaufs, des Eisschnelllaufs und das Eishockeyturnier ausgerichtet werden, haben sich die Temperaturen in diesem Zeitraum um 3,2° erwärmt.

Es ist auch längst erwiesen, dass die Alpen sich sehr viel schneller erwärmen als andere geographische Regionen angesichts der höheren Reflektionen durch die Sonnenstrahlen und angesichts ihrer dunklen Böden. Die Temperaturen auf den Kontinenten steigen ohnehin stärker als die der Meere.

Dies alles hat ohne Zweifel sichtbare Auswirkungen auf das Vorhandensein von natürlichen Winterlandschaften. Die mittlere Schneehöhe sank in den Jahren 1971 bis 2019 um 8,4 % pro Jahrzehnt, die Dauer der schneebedeckten Saison verringert sich um 5,6 % pro Jahrzehnt, so ein Forschungsteam der Universität Trento im Journal „Cryosphere“.

In keiner der mir bekannten wissenschaftlichen Studien zur Zukunft der Olympischen Winterspiele wird jedoch deren Zukunft von keinem der beteiligten Wissenschaftler grundsätzlich infrage gestellt. Einige Forscher empfehlen vielmehr in ihrer Expertise u.a. die Olympischen Spiele um 2-3 Wochen auf Ende Januar /Anfang Februar vorzuverlegen und die Dauer der Spiele von 16 auf 20 Tage zu verlängern, um mehr Flexibilität bei der Verschiebung von Wettbewerben bei widrigen Wetterbedingungen zu bekommen. Ferner empfehlen sie ein Rotationsystem zwischen den klimatisch zuverlässigsten Austragungsorten einzurichten. Außerdem wird eine Veränderung des Wettkampfprogramms angeraten. Durch die Verlegung der Wettkampfzeiten auf frühe Tageszeiten sollten niedrigere Temperaturen für die Durchführung der in der freien Natur stattfindenden Wettkämpfe ausgenutzt werden.

Ist jemand bereit, die heute vorliegenden wissenschaftlichen Expertisen vollständig zu lesen und die dort vorgetragenen Befunde und Argumente gewissenhaft zu überprüfen, so wird er erkennen müssen, dass in diesen Expertisen nicht ein Ende der Olympischen Winterspiele vorhergesagt wird. Im Zentrum der Untersuchungen steht lediglich die Frage nach der Zukunft des natürlichen Schnees, die ohne Zweifel kritisch zu betrachten ist.

Die Durchführung zukünftiger Olympischer Wintersspiele- das wissen die Wissenschaftler und konstatieren es auch entsprechend – ist nicht an die Voraussetzung von natürlichem Schnee gebunden. Selbst wenn es keinen Maschinenschnee beziehungsweise technischen Schnee geben würde, der anstelle des natürlichen Schnees erzeugt wird, kann es Olympische Winterspiele geben. Deren Programm und Charakter würde sich allerdings ganz wesentlich von den bislang bekannten Olympischen Winterspielen unterscheiden.

Benützt man die wissenschaftlichen Expertisen über die Zukunft der Olympischen Winterspiele für jenes, wozu sie eigentlich gedacht waren, nämlich für eine grundlegende Reform der Spiele, so sind sie eine hilfreiche Anleitung für eine ganze Reihe von wichtigen Empfehlungen, die die Verantwortlichen für die Zukunft der Olympischen Winterspiele zu befolgen haben. Einige dieser Empfehlungen sollen im Folgendenaufgelistet werden:

Empfehlungen zur Reform der Spiele

Weiterentwicklung der künstlichen Beschneiung.

Sie muss effizient und klimafreundlich organisiert werden. Künstliche Beschneiung ist auf eine ökologisch verträgliche Weise möglich, wenn sie durch gezielte Maßnahmen den Ressourcenverbrauch minimiert und ihre Emissionen senkt.

Energieeffizienz

Verwendung erneuerbarer Energien wie Wasserkraft, Solar oder Wind für Pumpen und Kompressoren reduziert CO₂-Emissionen drastisch – bis zu 200 g CO₂ pro Kubikmeter. Moderne Schneelanzen und effiziente Kanonen sparen bis zu 30% Energie durch bessere Zerstäubung.

Sparsamer Umgang mit dem Wasser

GPS-gestützte Systeme messen Schneehöhen präzise und vermeiden Überbeschneiung eine Einsparung von 20% Wasser wir dadurch möglich. Additive wie Feldspat erhöhen das Umwandlungsverhältnis von Wasser zu Schnee auf 90% und ermöglichen Produktion bei milderen Temperaturen. Regenwasser oder recyceltes Schmelzwasser aus Speicherteichen schont Grundwasser.

Flexiblere Vergabe der Spiele

Vergabe der Spiele an zwei oder auch drei Staaten mit „alpiner“ Geographie, die ihre Landesgrenzen miteinander teilen.

Einsparmöglichkeiten für das Budget der Ausrichter von Winterspielen

Ausrichtung der Spiele nach einem Organisationsmodell, das ohne neue Infrastrukturen auskommt, aus einem von privaten Akteuren getragenen Budget finanziert wird

Sowie durch die Streckung der Gelder der öffentlichen Hand über mehrere Haushaltsjahre finanziell abgesichert wird. Dadurch können die jährlichen Kosten erheblich reduziert werden.

Ständiger Austausch von Best Practice-Modellen

Nachhaltiges Schneemanagement: Beschneiung nur bei optimalen Bedingungen (< -5 °C), begrenzte Flächen und Integration in Alpenkonventionen. Langfristig Diversifikation, z.B. durch die Entwicklung von ganzjährig begehbaren Wanderwegen, beschilderten (Schneeschuh-)Wanderrouten, die auch ohne Schnee genutzt werden können, sowie durch Naturerlebnispfade.

Erprobung textiler Pisten

Effizientere Kanonen sparen wohl Wasser, doch der Wasserbedarf ist in vielen Regionen zu hoch und kann durch die Niederschläge oft nicht ausgeglichen werden. Die Produktion von Maschinenschnee verändert immer häufiger den Grundwasserstand und den Wasserabfluss durch intensiven Wasserverbrauch und verändertes Schmelzverhalten. Sie führt zur Entleerung lokaler Reservoirs und verzögert die Versickerung, was langfristig den Stand des Grundwassers mindert.

Kritiker fordern deshalb strengere zeitliche Regulierungen und Erprobung von Alternativen wie textile Pisten in Anlehnung an das Matten Skispringen.

Chancen, die sich durch die maschinelle Beschneiung für die Durchführung von Olympischen Winterspiele eröffnen

Will man die olympischen Wettbewerbe, die bis heute bei Olympischen Winterspielen in der freien Natur ausgetragen wurden und werden, aufrechterhalten und weiter entwickeln so ist technische Beschneiung essenziell für deren Zukunft. Ohne technischen Schnee sind Spiele nicht mehr planbar, da der natürliche Schnee mit hoher Wahrscheinlichkeit immer weiter abnimmt. Olympische Wettbewerbe auf technischem Schnee bedeuten ohne Zweifel eine Umweltbelastung. Doch besitzen sie auch einige Vorteile, die für die Weiterentwicklung des Olympismus und für die Sicherung der Ideale von Olympischen Spielen sehr wichtig sein können. So ermöglichen sie sehr viel fairere Wettkämpfe als dies in der Vergangenheit der Fall war.

Der Einfluss von hohen oder niedrigen Startnummern kann erheblich vermindert werden und die Sicherheit der Wettkämpfe ist dank des technischen Schnees sehr viel besser zu garantieren, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Mit Kunstschnee können auch die Wettbewerbe vor unvorhersehbaren Wetterkapriolen geschützt werden, und durch ihren Einsatz kann die Dauer der Skisaison sogar sehr genau reguliert werden. Die Skisaison ist in jüngster Zeit dadurch eher länger geworden als kürzer.

Zusammenfassende Einschätzung der Zukunft olympischer Winterspiele

Mit Blick auf die Befunde und Erkenntnisse zur Durchführung Olympischer Winterspiele kann zu Recht behauptet werden, dass der massenmediale Abgesang zu den Winterspielen weder angebracht noch begründet ist. Er folgt vielmehr einer massenmedialen Tendenz zur Skandalisierung und zum Populismus, ohne dass der Berichterstattung empirisch fundierte Sachverhalte zu Grunde liegen. Die wichtigsten Erkenntnisse aus den bis heute vorgelegten Studien zur Zukunft der Olympischen Winterspiele lassen sich mit den folgenden abschließenden Punkten zusammenfassen:

Effiziente, klimafreundliche Beschneiung ist Pflicht: Weniger Wasser, grüne Energie und präzise Planung. Das IOC fordert Nachhaltigkeit, um Abhängigkeit zu minimieren.

Nur noch wenige Orte in den Alpen gelten für die nächsten Spiele als klimasicher bis 2050. Langfristig droht ein Mangel an europäischen Kandidaten. Das IOC plant deshalb flexiblere Termine, um die Spiele zu sichern.

Trotz des Klimawandels gelten die Olympischen Winterspiele als zukunftssicher, weil Klimaschutzmaßnahmen und IOC-Reformen die Verfügbarkeit geeigneter Austragungsorte sichern.

Studien zeigen, dass bei niedrigen oder mittleren Treibhausgasemissionen bis in die 2050er-Jahre hinein es weiterhin möglich sein wird, dass Regionen in Europa, Nordamerika und Asien Winterspiele austragen können; selbst frühere Gastgeberorte bleiben dann nutzbar. Bei hohen Emissionen sinkt die Zuverlässigkeit bis 2080, doch das „Pariser Klima-Abkommen“ (2015), die globale Erderwärmung auf deutlich unter 2°C, möglichst auf 1,5° zu senken, reduziert Risiken für faire Wettkämpfe durch stabilere Schneeverhältnisse.

Die Olympische Agenda 2020+5 erhöht Flexibilität, indem Spiele über mehrere Regionen verteilt oder bestehende Infrastruktur genutzt werden können, was den Klimadruck mindert. Zusätzlich priorisiert das IOC CO₂-Reduktion und bewertet Gastgeber klimabasiert.

Kunstschnee, effizient produziert mit moderner Technik und geringem Wasserverbrauch, macht Spiele planbar; ohne ihn wären sie unsicher. Eine Vorverlegung um 2–3 Wochen steigert – nach einigen Szenarien – die Anzahl schneesicherer Orte von 22 auf 38.

Niedrige bis mittlere Klimaszenarien mit begrenzter globaler Erwärmung sichern die Zukunft der Olympischen Winterspiele am besten, wenn sich vor diesem Hintergrund ausreichend schneesichere Austragungsorte um die Durchführung bewerben.Bei niedrigen Treibhausgasemissionen (vgl. Paris-Abkommen-konform) bleiben viele Orte in Europa, Nordamerika und Asien bis 2050 und darüber hinaus zuverlässig nutzbar, da warme Wetterphasen seltener auftreten und die Schneequalität stabil bleibt. Dies reduziert Risiken für faire Wettkämpfe und stabilisiert touristische Interessen selbst früherer Gastgeberorte.

Im mittleren Emissions-Szenario gelten in den 2050er-Jahren noch etwa 50 von 93 potenziellen Orten für Olympische Winterspiele als schneesicher, gegenüber 42 in den 2080er-Jahren; für Paralympics sind es 22 bzw. 16 Orte. Kombiniert mit Anpassungen wie Kunstschnee bleibt die Machbarkeit hoch.

Hohe Emissionsszenarien machen hingegen die Spiele unsicher, da die Anzahl der Orte rapide abnimmt.

Nordamerika und hochalpine Regionen in Asien sowie Skandinavien gelten bis 2050 als am ehesten schneesicher für Olympische Winterspiele, dank natürlicher Schneebedingungen und geringerer Erwärmungseffekte in höheren Lagen.

Regionen wie die Rocky Mountains (USA/Kanada) bleiben zuverlässig nutzbar, da sie in niedrigen bis mittleren Klimaszenarien ausreichend kalte Temperaturen und natürlichen Schnee bieten, selbst bei Erwärmung. Orte wie Lake Placid oder Whistler profitieren von stabilen Bedingungen bis 2050.

Hochgelegene Gebiete in Japan, Kasachstan und den chinesischen Tien Shan bleiben schneesicher, mit vielen potenziellen Austragungsorten, die faire Wettkämpfe ermöglichen. Diese Regionen zeigen in Studien die höchste Anzahl geeigneter Orte unter Klimaschutzszenarien.

Innerhalb Europas sind Skandinavien (z. B. Norwegen, Schweden) und Gletscherregionen in den Alpen (z. B. Schweiz, Österreich über 2000 m) robust, während niedrigere Alpenlagen unsicherer werden. Gletscher wie Stubai oder Zermatt bieten Langlebigkeit durch Kunstschnee-Kombination.

Die hier hervorgehobenen Befunde sind vorrangig auf die Durchführung von Olympischen Winterspielen in der bisherigen Form ausgerichtet. Es muss abschließend deshalb noch einmal darauf hingewiesen werden, dass es auch Olympische und Paralympische Winterspiele mit einem völlig neuen Programm, mit neuen Austragungsorten und mit neuen Austragungsmodalitäten geben kann, wozu allerdings Kreativität, Intelligenz und neue Talente im Bereich der Organisation erforderlich sind. Olympische Winterspiele können deshalb durchaus mit einer gesicherten Zukunft rechnen, wenn die Verantwortlichen dies wollen und zu den notwendigen Reformarbeiten bereit sind.

Die Kritiker, die die Entwicklung der Olympischen Winterspiele infrage stellen, sollten sich deshalb berufen fühlen, sich auf eine kreative und konstruktive Diskussion unter Berücksichtigung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse einzulassen, bei der Vorschläge zur Reform der Olympischen Winterspiele angestrebt werden.

Gefordert sind dabei auch das deutsche Nationale Olympische Komitee im DOSB und die deutschen Wintersportverbände, die gemeinsam mit dem dafür zuständigen Forschungsinstitut, dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft in Bonn, einen Wettbewerb ausloben sollten, über den kreative Ideen zur Weiterentwicklung der Olympischen Winterspiele erarbeitet werden.

Deutschland könnte auf diese Weise zeigen, dass sie nicht die belehrenden Kritiker des Weltsport sind, sondern dass sie bereit sind, an der Weiterentwicklung des Olympischen Sports mitzuwirken.

Letzte Bearbeitung: 28.1.2026

[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird gelegentlich auf „gendergerechte“ Sprachformen – männlich weiblich, divers – verzichtet. Bei allen Bezeichnungen, die personenbezogen sind, meint die gewählte Formulierung i.d.R. alle Geschlechter, auch wenn überwiegend die männliche Form steht.
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein von Helmut Digel. Permanenter Link des Eintrags.

Prof. Dr. Helmut Digel
Eberhard Karls Universität Tübingen
Institut für Sportwissenschaft
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