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04
2026
Credit: VCM / Roman Pfeiffer

Credit: VCM / Roman Pfeiffer

Internationale Elite ist bereit für den VCM

By GRR 0

Große Lauf-Power, viel VCM-Erfahrung und eine zweifache Paralympics-Siegerin

Optimistische Topathleten und spannende Geschichten beim VCM 2026

Die voraussichtlichen Hauptdarstellerinnen und Hauptdarsteller beim Vienna City Marathon 2026 versprühen beim heutigen Pressetermin Optimismus und lassen spannende sportliche Entscheidungen erwarten. Der Marathon-Sonntag verspricht faszinierende Geschichten.

Wenn Betty Chepkemoi sich an den 6. April 2025 erinnert, wird ihr heute noch warm ums Herz, obwohl die Luft in Wien an jenem Sonntag außergewöhnlich kalt war. „Wenn ich Bilder von damals sehe, erwecken sie immer noch große Emotionen in mir“, erzählt sie bei der heutigen Pressekonferenz. „Ich denke sehr oft an diesen fantastischen Augenblick, als ich über die Ziellinie gelaufen bin.“

Dieser Moment veränderte ihr Leben, denn der VCM 2025 bedeutete ihren Durchbruch. Ausgestattet mit einer starken Halbmarathon-Vorleistung überraschte sie in ihrem zweiten Marathon mit einer Siegerzeit von 2:24:14 Stunden, immer noch ihr schnellster Marathon.

Seither hat die 26-Jährige einen Namen in der Szene. Im Herbst 2025 gelang ihr in La Rochelle ein weiterer Marathonsieg. Um Marathonerfolg Nummer drei in Serie feiern zu können, braucht die Kenianerin am Sonntag angesichts der starken Konkurrenz eine Topleistung. Dessen ist sie sich bewusst: „Meine Form ist besser als vor einem Jahr“, kündigt sie an. Die sportlichen Hauptrivalinnen Chepkemois kommen aus Äthiopien und bringen zwei besondere Geschichten mit zum Vienna City Marathon.

Paralympics-Siegerin als VCM-Champion?

Tigist Gezahagn hat in ihrer noch jungen Karriere einen besonderen Meilenstein erreicht. 2021 in Tokio war sie die erste Paralympics Siegerin der Geschichte aus Äthiopien. Ihren Erfolg von damals im 1.500m-Lauf in der Kategorie der Sehbeeinträchtigten (T13) wiederholte sie drei Jahre später in Paris 2024.

Doch die 26-Jährige wollte ein starkes Zeichen setzen und ihre sportliche Leidenschaft in der offenen Klasse ausleben. Der Marathon bot die richtige Bühne dafür. Kapitel zwei ihrer Karriere ist bereits jetzt von Erfolg gekrönt: 2025 beim Ljubljana Marathon und im Jänner 2026 beim Doha Marathon lief sie jeweils zum Sieg und steigerte in der Hauptstadt des Katar ihre persönliche Bestleistung auf eine Zeit von 2:21:14 Stunden.

Mit eingeschränkter Sicht

Diesen Top-Wert möchte Gezahagn am Sonntag gerne steigern und ihren dritten Marathon binnen sechs Monaten gewinnen. Auf diesem Weg muss sie einige zusätzliche Herausforderungen möglichst harmonisch lösen. Eine ist die Getränkeentgegennahme, bei der sie sich ausschließlich auf die richtigen Zurufe verlassen muss, um nach der richtigen Flasche greifen zu können. Denn bei der Laufgeschwindigkeit kann sie weder Form, Farbe noch Beschriftung rechtzeitig erkennen, wie sie mit Hilfe der Übersetzung durch den Schweizer Marathonrekordhalter und mittlerweile Manager, Tadesse Abraham, erklärt.

Auch verlässt sie sich darauf, dass sie vor Begebenheiten auf dem Marathonkurs von den Tempomachern rechtzeitig akustisch gewarnt wird, Streckenbegrenzungen und Umrisse helfen ihr bei der Orientierung. Im Alltag genießt die Äthiopierin die tatkräftige Unterstützung ihrer Trainingskolleginnen.

Chepkemoi, Tesfaye, Gezahagn target course - record in Vienna - Credit:  VCM / Roman Pfeiffer

Chepkemoi, Tesfaye, Gezahagn target course record in Vienna – Credit:  VCM / Roman Pfeiffer

Die Schwester der Barcelona-Sensation

Die schnellste Marathon-Bestleistung im Feld weist Haftamnesh Tesfaye auf. Die 31-jährige Äthiopierin ist die ältere Schwester von Fotyen Tesfay, die mit ihrer Sensationsleistung beim Barcelona Marathon Mitte März die Marathon-Welt förmlich aus den Angeln gehoben hat. Mit einer erstaunlichen Zeit von 2:10:51 Stunden markierte sie die zweitbeste Marke der Geschichte hinter dem Chicago-Weltrekord von Ruth Chepngetich.

Bis vor der Pandemie habe sie ein ähnliches Niveau gehabt wie ihre Schwester, die nun nicht nur die innerfamiliäre Nummer eins, sondern auch die äthiopische Marathonrekordhalterin ist. Haftamnesh Tesfaye hat 2018 in Dubai mit einer starken Leistung von 2:20:13 Stunden im Marathon debütiert und neun Monate später mit Platz zwei beim Frankfurt Marathon überzeugt. Seit dem Osaka Women’s Marathon 2020 fehlt jedoch jegliches Marathon-Ergebnis: erst der Pandemiepause geschuldet, dann aus erfreulicheren Gründen. Tesfaye ist zweifache Mutter, ihre beiden Söhne sind drei und fünf Jahre alt und halten ihr aus Äthiopien aus die Daumen für Sonntag.

„Ich bin sehr gut in Form und würde mich freuen, wenn ich einen weiteren Marathonsieg in unsere Familie holen könnte“, so die 31-Jährige. Trotz der langen Wettkampfpause fühlt sich die Äthiopierin gerüstet für ihr Comeback über die 42,195 Kilometer. Ihre Rückkehr ins Wettkampfgeschehen glückte im Oktober 2025 mit einem Sieg beim Trento Halbmarathon.

Flanagan vor 20. Marathon

Faith Chepkoech aus Kenia hat schon einmal in Wien für eine Überraschung gesorgt. Als damals völlig unbekannte Läuferin lief sie vor zwei Jahren sensationell als Zweite ins Ziel. Auch heuer agiert sie aus einer Außenseiterrolle. Für spannenden internationalen Touch sorgen die japanische Siegerin des Hokkaido Marathon 2025, die erst 24-jährige Aiwa Sakaguchi, sowie US-Routinier Lindsay Flanagan. Die 35-Jährige kehrt nach einer von Problemen in der hinteren Oberschenkelmuskulatur dominierten letzten Saison zurück und kann es kaum erwarten, bis am Sonntag das Startsignal ertönt: „Wien ist eine wunderschöne Stadt, ich habe die ersten Tage hier sehr genossen und freue mich sehr auf das Rennen.“

Die erfahrene Marathonläuferin aus dem US-Bundesstaat Illinois bestreitet ihren bereits 20. internationalen Marathon. Ihren größten Erfolg feierte sie als Siegerin beim Gold Coast Marathon. Ihren schnellsten Marathon lief sie 2024 beim Chicago Marathon in einer Zeit von 2:23:31 Stunden. Zweimal hat sie die US-Leichtathletik bei Weltmeisterschaften vertreten, 2023 in Budapest gelang mit Platz neun eine ansprechende Platzierung.

Eine Spitzenplatzierung strebt auch Mary Zeneida Granja aus Ecuador an. Sie ist Südamerikameisterin im Halbmarathon 2024 und die zweitschnellste Marathonläuferin der Geschichte aus ihrem Heimatland. Aufgewachsen ist sie in den Anden auf einer Meereshöhe von rund 2.750 Metern – prädestiniert für Ausdauersport. Nach der Absage durch die Finnin Camilla Richardsson ist die aus der Nähe von Trondheim stammende Hanne Mjöen Maridal aus Norwegen die voraussichtlich beste Europäerin im VCM-Feld. Die 29-Jährige wird von der norwegischen Lauflegende Ingrid Kristiansen trainiert und hat sich mit einem starken Halbmarathon von 1:10:50 Stunden in Warschau Selbstvertrauen für einen guten Marathon in Wien geholt.

Oqbe Kibrom hofft auf Premierensieg

Einen spannenden Wettbewerb im Kampf um den Sieg lässt auch das Eliterennen der Männer erwarten. Mehreren Athleten mit voraussichtlich vergleichbarem Leistungsniveau bietet sich die tolle Chance auf einen ersten Sieg bei einem großen internationalen Marathon. Für Oqbe Kibrom, der in seiner Karriere bereits dreimal unter 2:06 Stunden gelaufen ist, ist es der zweite Anlauf auf einen Erfolg in Wien. 2022 lag er im Prater, wo so häufig schon Vorentscheidungen im Ringen um den VCM-Sieg gefallen sind, in Führung und befand sich vermeintlich auf dem Weg zum Erfolg. Allerdings drehte der Kenianer Cosmas Muteti damals in der Schlussphase das Blatt und der heute 28-jährige Kibrom musste sich mit Platz drei zufrieden geben.

Am Sonntag soll es besser laufen, wie er bei der heutigen Pressekonferenz ankündigt. „Ich bin sehr dankbar für die zweite Chance, die ich beim Vienna City Marathon bekomme. Ich glaube, ich bin gut drauf und mir würde ein Tempo von rund 62 bis 62:20 Minuten für die erste Halbmarathon-Hälfte gefallen.“ Der in der Jugend begeisterte Radfahrer hat bereits 14 Marathons bestritten, keinen davon hat er als Sieger beendet – bisher. Sportliche Highlights waren die Olympia-Teilnahme 2021 in Sapporo (34.) sowie gleich drei WM-Teilnahmen mit Platz 16 2022 in Eugene als bestem Ergebnis. Ein Sieger aus Eritrea fehlt bisher in der seit 1984 andauernden Historie von Österreichs bedeutendstem Laufevent. 2024 gewann Kibroms Landsfrau Nazret Weldu.

VCM / Roman Pfeiffer

VCM / Roman Pfeiffer

Zweite Chance in Wien

Auch die beiden Kenianer Stanley Kurgat und Albert Kangogo greifen beim VCM nach ihrer zweiten Chance. Der 26-jährige Kurgat kam im vergangenen Jahr nicht ins Ziel, nachdem er 2024 bereits als Tempomacher VCM-Erfahrung gesammelt hatte. „Mit der Kälte letztes Jahr war es sehr hart, aber heuer wird es besser laufen“, verspricht er.

Der 38-jährige Kangogo lief 2024 als Dritter auf das VCM-Stockerl, Ende des letzten Jahres gelang ihm beim Mersin Marathon in der Türkei mit Platz zwei der beste Marathon seiner langen Karriere mit einer Zeit von 2:07:26 Stunden. Wie für Kibrom wäre es auch für dieses kenianische Duo eine Premiere, sollten sie am Sonntag als Erster die Ziellinie vor dem Burgtheater überqueren.

Delegn zählt auf seine Routine

Ein Sieg beim Vienna City Marathon wäre der größte Moment in den Karrieren auch jener Läufer im Feld, die das Gefühl eines Marathonsiegs bereits kennen. Tafese Delegen lief beim Changsha Marathon 2023 und 2024 sowie beim Macao Marathon 2019 und beim Taiyuan Marathon 2023 als Erster ins Ziel – vier Marathon-Erfolgserlebnisse auf chinesischem Boden. Auch in Europa hat der 36-jährige Äthiopier bereits seine Spuren hinterlassen: Mit Platz fünf beim Sevilla Marathon 2024 in seiner mit Abstand besten Karriereleistung von 2:06:11 Stunden sowie mit Platz drei beim Venedig Marathon 2022 und Platz zwei beim Stockholm Marathon 2019.

Der Kenianer Charles Mneria feierte 2023 gleich zwei Marathonsiege binnen weniger Monate: Im September beim Münster Marathon und im Dezember beim Malaga Marathon. Über den dritten Marathonsieg seiner Karriere bei bisher sechs internationalen Rennen jubelte er 2024 im westfranzösischen La Rochelle. Mneria hat eine kurze, aber bemerkenswerte Vergangenheit in der Stadionleichtathletik und schaffte es 2016, kurz nachdem er die Bronzemedaille bei den Afrikameisterschaften im Crosslauf gewonnen hatte, überraschend ins Olympia-Aufgebot des kenianischen Teams für Rio de Janeiro. Dort scheiterte er jedoch im Rahmen eines historischen Debakels für Kenia im 5.000m-Vorlauf (kein Kenianer qualifizierte sich für den Finallauf) und wechselte nach einer verletzungsbedingten, zweijährigen Pause im Anschluss an die Olympischen Spiele 2016 in den Straßenlauf.

Den internationalen Favoritenkreis auf die Stockerlplätze beim Vienna City Marathon 2026 komplettierten der Vorjahres-Überraschungszweite Mica Cheserek, ein Trainingspartner von VCM-Streckenrekordhalter Samwel Mailu, und Samwel Kiptoo aus Kenia, der zweifache Sieger des Singapur Marathon, Abel Sikowo aus Uganda, sowie der im Marathon noch recht unerfahrene Mogos Tuemay aus Äthiopien. Der 28-Jährige hat unlängst beim Barcelona Marathon seine Landsfrau Fotyen Tesfay zur zweitschnellsten Marathonzeit der Historie bei den Frauen gepact und lief vor einem Jahr in Wien als Dritter auf das Stockerl. 2022 war Tuemay Afrikameister im 10.000m-Lauf.

Wien im Zeichen des Laufsports

Mit 49.000 Anmeldungen feiert der Vienna City Marathon am kommenden Wochenende das größte Laufsportfest in Österreich überhaupt. „Wir freuen uns sehr, so viele Laufbegeisterte aus aller Welt in Wien begrüßen zu dürfen“, so VCM-Geschäftsführer Dominik Konrad.

Die Hauptbewerbe – Vienna City Marathon, Wiener Städtische Halbmarathon und Powerade Staffelmarathon – sind seit Monaten restlos ausgebucht. Neu im Programm ist der Tchibo Coffee Run 10K am Sonntagmorgen, für den die Anmeldung noch geöffnet ist.

VCM News / TK

author: GRR