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25
03
2007

Man kann also sein Gehirn mit seinem Körper trainieren. Was aber hilft es, wenn man versucht, im Kopf fit zu bleiben?

Gut für den Geist – Dr. WEWETZER (Der Tagesspiegel) fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin – Heute: Vorzüge des Gehirn-Joggens

By GRR 0

Bewegung hilft auch dem Geist auf die Sprünge. Wer Älter als 65 ist und mindestens dreimal die Woche Sport für 15 Minuten treibt, dessen Risiko, an geistigem Verfall (Demenz) zu erkranken, sinkt um ein Drittel. Mit diesem Forschungsergebnis traten US-amerikanische Wissenschaftler vor einem Jahr an die Öffentlichkeit. Man kann also sein Gehirn mit seinem Körper trainieren. Was aber hilft es, wenn man versucht, im Kopf fit zu bleiben?

Auch darauf können US-Forscher nun eine Antwort geben. Sherry Willis von der Pennsylvania State University und ihre Mitarbeiter gingen der Frage nach, was ein geistiges Fitness-Studio für Ältere (Durchschnittsalter 73 Jahre) bringt. Ergebnis der zum Jahreswechsel im Fachblatt „Jama“ veröffentlichten Untersuchung: Wer sich dem „kognitiven Training“ unterzog, profitierte davon auch noch fünf Jahre später und kam nach eigener Einschätzung mit seinem Alltag besser zurecht.

Die Forscher hatten ihre 2800 Versuchspersonen in vier Gruppen aufgeteilt. Die erste bekam Gedächtnistraining, die zweite Hilfe für Problemlösungen, die dritte trainierte ihre Schnelligkeit am Computer und die vierte blieb zum Vergleich unbehelligt. Es gab jeweils zehn einstündige Trainingssitzungen, die nach elf und 35 Monaten aufgefrischt wurden.

Trotz der relativ kurzen Übungen war der Effekt lang anhaltend. Dementsprechend euphorisch fiel das Urteil der Forscher aus. „Wenn Sie Bedenken haben, dass Sie später in Ihrem Leben nichts Neues mehr lernen können, dann sollten Sie die beiseiteschieben“, sagt Michael Marsiske, einer der beteiligten Wissenschaftler.

Offen sein für Neues – das ist im Alter nicht nur möglich, sondern geradezu eine Bedingung für geistige Beweglichkeit. Dabei muss es nicht unbedingt ein strenges Gehirntraining sein. „Wichtig ist die intellektuelle Anregung“, sagt Lutz Frölich vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim. Verlassen Sie gewohnte Bahnen, lernen Sie eine Sprache, gehen Sie ins Konzert. „Erlaubt ist, was gefällt“, sagt Matthias Riepe, Psychiater an der Berliner Charité. „Vom Besuch einer Fortbildungsveranstaltung bis zur Lektüre des Tagesspiegels.“

Neben körperlicher Bewegung und geistiger Abwechslung sind auch menschliche Kontakte für die geistige Gesundheit im Alter wichtig. Je dichter das soziale Netz gewebt ist, umso besser.

Natürlich verleihen all diese Dinge keinen absoluten Schutz, das ist auch klar. Und der Psychiater Frölich gibt zu bedenken, dass man möglichst früh damit anfangen sollte, seinen Geist auf Trab zu halten. Bis die ersten Zeichen geistigen Verfalls offenbar werden, hat die Krankheit sich schon etliche Jahre unbemerkt ausgebreitet. „Bricht eine Demenz aus, hat sie schon Zweidrittel ihrer Wegstrecke zurückgelegt“, sagt Frölich. „Und wenn sie erst mal da ist, dann ist es zu spät.“
Frölich hat beobachtet, dass viele Leute erst dann mit dem „Training“ anfangen, wenn die Krankheit schon spürbar ist.
Aber das kann Ihnen jetzt nicht mehr passieren.

Dr. Hartmut Wewetzer leitet das Wissenschaftsressort des Tagesspiegels.
Der TAGESSPIEGEL
Sonntag, dem 7. Januar 2007
Sonntag@Tagesspiegel.de

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