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08
06
2026

Souverän zum Europameistertitel: Hanna Gröber gewinnt den Up & down-Wettbewerb in Kamnik - Foto: European Athletics/Sportida

Deutscher Medaillenglanz bei Regen, Nebel und Sonnenschein – Hanna Gröber und Julia Ehrle gewinnen im Up & Down-Rennen, der EM in Kamnik (Slowenien) 2026 – Wilfried Raatz berichtet

By GRR 0

Überraschungssieg für Gloria Herold im Uphill-Rennen der U20, auch die U20-Girls mit Gold belohnt

 Gleich, ob Regen, dichter Nebel oder strahlender Sonnenschein, die goldgelben Renn-Shirts der deutschen (ausschließlich weiblichen) Athleten leuchteten wie auch die gewonnen Medaillen.

Mit vier Goldmedaillen durch Hanna Gröber, Gloria Herold, Julia Ehrle und den U20-Girls war die Ausbeute selten so umfangreich wie bei den European Athletics Off-Road Running Championships 2026 in Kamnik (Slowenien), die im vernünftiger Weise modifizierten Programm in der zweiten Auflage sowohl Berg- als auch Trailrunning beinhalteten.

Abgerundet wurde das starke Abschneiden der deutschen Mannschaft durch Silber durch Laura Hottenrott und wiederum Julia Ehrle im Uphill-Rennen. Auffällig dabei, dass alle Medaillen auf das Konto der weiblichen Athletinnen gingen, die männlichen Starter trugen mit einem fünften Rang im Uphill-Rennen der Männer als bestem Resultat nicht zur bemerkenswerten Gesamtbilanz bei.

Der Auftakt am Freitag hätte nicht goldener sein können, denn in einem dramatischen Finale holte Gloria Herold in ihrem überhaupt erst zweiten (!) Berglauf ihrer noch jungen Leichtathletik-Karriere zeitgleich mit der Tschechin Anna Kynklova die Goldmedaille. Die 17jährige frühere Eisschnellläuferin tauchte erstmals nachweislich Ende November 2025 als U18-Meisterin bei den Deutschen Crossmeisterschaften in Darmstadt auf, qualifizierte sich als Zweite bei den Berglauf-Titelkämpfen in Breitungen für die EM – und ist nun Berglauf-Europameisterin! Bei Regen und dichtem Nebel jubelte die Tschechin bereits mit hocherhobenen Armen vor dem Ziel, als Gloria im vollen Speed herangeschossen kam.

In einem ersten Ergebnisprotokoll wurde die junge Erfurterin zunächst sogar als alleinige Europameisterin ausgerufen, dann entschied jedoch das Schiedsbericht auf das geteilte Gold. Das Nachsehen hatte bei diesem fesselnden Finale die Titelverteidigerin Julia Ehrle, die mit gut einer halben Minute Rückstand auf der 4 km langen Strecke mit 425 Höhenmetern Dritte wurde. Als Neunte rundete Hannah Lösel den deutschen Erfolg golden ab, denn das Team holte mit 13 Punkten überlegen den Titel vor Frankreich (27) und Italien (33), Abonnementsmeister Groß-Britannien wurde Fünfter.

„Am ersten Anstieg dachte ich: Oh Gott, ich komme da nicht hoch“, zitierte leichtathletik.de Gloria Herold. „Den fand ich schon steil! Aber ich habe mich immer weiter an Julia herangesaugt und irgendwann bin ich vorbeigezogen. Vor dem Ziel war ja dieser kleine Berg und ich habe alles gegeben, auch wenn meine Beine schon schwer waren. Ich dachte mir: Komm, kämpf noch mal! Dann habe ich nur noch gesehen, dass meine Konkurrentin aufgehört hat zu laufen und gegangen ist. Da bin ich nochmal gerannt!“

Die männlichen Kollegen der U20 liefen im Mittelfeld ein und belegten im Teamwettbewerb Rang sieben.

Auf einem klaren Medaillenkurs lief Laura Hottenrott im Frauenrennen über 9 km und 1280 Höhenmeter. Wie entfesselt lief die britische Neucomerin Morven Goodrum der gewiss nicht schwachen Konkurrenz auf und davon und hatte final satte zwei Minuten Vorsprung. Ein höchst engagiertes Rennen lief nach ihrem bereits starken Eindruck beim Alpine Trail Festival in Innsbruck wiederum Laura und hielt den knappen Vorsprung vor der französischen WM-Achten Nélie Clement und durfte über Silber jubeln. „Es war ein brutal hartes Rennen“, fand Laura Hottenrott. „Mit dem matschigen Untergrund, mit den ganzen Steinen und Wurzeln und mit dem Nebel konnte man nichts sehen. Ich bin unglaublich stolz, hier Zweite geworden zu sein!“

Als zweitbeste Deutsche landete Hanna Gröber auf Rang sieben, Madlen Kappeler beendete das Rennen auf Rang 33. Mit einer Mannschaftsmedaille klappte es für Hottenrott und Co. leider nicht, denn mit 42 Punkten wurde zwar die gleiche Punktzahl erreicht, doch die Schweiz holte dank der besser platzierten dritten Läuferin Rang drei hinter Groß-Britannien (18) und Frankreich (28).

Überraschungssieg im U20-Uphill-Wettbewerb durch Gloria Herold (mitte) vor Anna Kynklova (links) und Julia Ehrle, die zwei Tage später den Titel im Uß & down-Wettbewerb gewann. – Foto: European Athletics/ Sportida

Auch bei den Männern durfte das britische Team jubeln, denn der EM-Zweite Jacob Adkin dominierte von Beginn an das Rennen und lief wie schon Teammate Morven zwei Minuten vor der Konkurrenz. Silber holte sich der Schwede Petter Engdahl vor dem Italiener Andrea Elia. Ein starkes Rennen lief der deutsche Berglaufmeister Tobias Ulbrich als Achter. Gewiss enttäuscht war der EM-Uphill-Dritte Lukas Ehrle, der nach einer langen Verletzungspause nicht die überragende Form der letzten beiden Jahre hat und final auf Rang 14 einkam. Mit Julius Ott wurde das deutsche Team Fünfter.

Die 52 km lange Traildistanz mit 2.450 Höhenmetern standen am Samstag auf dem Plan. Während sich der französische Trail-Weltmeister Frédéric Tranchand nach langer Gegenwehr durch den Südtiroler Daniel Pattis mit einem Vier-Minuten-Vorsprung durchsetzen konnte, lief die Schweizerin Judith Wyder ein einsames Rennen an der Spitze mit ähnlich großem Vorsprung wie der Männersieger. Im Mittelfeld landeten die deutschen Starter, eine Mannschaft kam weder bei den Männern noch bei den Frauen zustande. Die Einzelsieger legten zudem auch den Grundstock für die Teamerfolge für Frankreich bzw. die Schweiz.

Sie ist unbestritten eine exzellente Allroundläuferin, vor allem in der Kombination mit Bergauf- und Bergabpassagen. Bei den EM-Titelkämpfen in Annecy 2024 war sie Achte, in Kamnik jubelte sie nach einer exzellenten Vorstellung und eineinhalb Minuten Vorsprung auf die Britin Nancy Scott und die Französin Nélie Clement: Hanna Gröber. Die 29jährige machte am Schlusstag der EM-Berg- und Trail-Titelkämpfen bei endlich sommerlichen Temperaturen beim über 13,1 km und 825 Höhenmetern Up-&down-Wettbewerb schlichtweg das „,das Rennen ihres Lebens“.

„Ein Traum wurde wahr!“ strahlte Hanna Gröber im Livestream in die Kameras. „Das Rennen lief von Anfang an besser, als ich erwartet hatte. Ich hatte von einer Medaille geträumt, aber ich wusste: Es ist harte Konkurrenz da, das Wetter ist heute warm und schwül und es ist eine anspruchsvolle Strecke. Ich war bereit wirklich zu kämpfen!“ Von Beginn an sah man die in Zürich lebende und beim IRC ZRN trainierende Biomedizinerin ist unter den Fittichen ihres neuen Trainers Moritz Keinath auf hohem Niveau laufende Hanna Gröber in der Führungsgruppe.

Schon den ersten Abstieg konnte Hanna Gröber nutzen und baute ihren Vorsprung anschließend stetig aus. „Das hat mich beflügelt! Von da an konnte ich mein Rennen laufen, und darin bin ich immer am besten!“ Der „Rest“ war eine Demonstration vom Feinsten und endete mit einem Triumphzug durch Kamnik.

Zuvor hatte schon Julia Ehrle nach dem „goldenen Freitag“ den nicht minder „goldenen Sonntag“ eingeläutet. Im „Up & Down“ der U20 über 5,7 Kilometer schlug sie zusammen mit der Spanierin Sandra Gonzalez und der Uphill-Europameisterin Anna Kynklova ein hohes Tempo an, aber noch vor der Streckenhälfte hatte sie einen beruhigenden Vorsprung – und brachte diesen souverän ins Ziel. Somit ein weiter internationaler Titel in ihrer reichlich medaillenträchtigen jungen Karriere.

„Wenn man im Jahr davor Weltmeisterin wurde, macht man sich immer selbst am meisten Druck. Bei der WM war es auch ein Up & Down, deshalb habe ich mir vorgenommen, hier etwas zu reißen“, kommentierte die Schwarzwälder Abiturientin ihre Taktik.

Beim Up- & Down-Race der Männer kamen die deutschen Männer mit David Reichl, Julius Ott, Dominik Notz und einem stark eingebrochenen Lukas Ehrle lediglich auf Rang acht. An der Spitze jubelte der Spanier Jan Torella vor dem Schweizer Dominik Rolli und dem erstaunlichen Petter Engdahl über Gold. Die Schweiz stellte hinter den siegreichen Italienern das zweitbeste Team, gefolgt von Spanien, Belgien und Österreich.

Wie schon beim Uphill-Rennen war das U20-Rennen am Finaltag fest in französischer Hand. Basile Astier siegte vor seinem Landsmann Yannick Memneld, der sich im „Uphill“ mit seinem Landsmann Emilien Simoneau den Titel geteilt hatte, die Mannschaftstitel gingen in überlegener Manier an Frankreich.

Das Tricolore-Team war mit 17 Medaillen, darunter acht Goldmedaillen, die überragende Nation vor der Schweiz und Deutschland mit jeweils vier Goldmedaillen, die beim DLV allesamt im Frauenbereich gewonnen wurden.

Wenn man allerdings die Wertung der Top 8-Platzierungen betrachtet, dann zeigt sich das Dilemma für das deutsche Team: Mit 12 Platzierungen rangiert Deutschland lediglich auf Rang sechs, hinter Frankreich (29) belegen die Schweiz (16) und Großbritannien die nächsten Plätze vor Spanien und Italien.

Wilfried Raatz 

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