Pyramiden Halbmarathon - Foto: Veranstalter
Ägypten-Marathon, „Modder-Lauf“, Pyramiden Run. Originelle Rennen am laufenden Band im Land am Nil. Klaus Weidt berichtet.
Was man vor einem Vierteljahrhundert noch für unmöglich gehalten hat, ist in Ägypten inzwischen laufende Wirklichkeit geworden.
Die Ideen überschlagen sich. 1994 war einst ein erster Egyptian Marathon durch deutsche Hilfe ins Leben gerufen worden. Im Januar fand der inzwischen in Luxor zum 33.mal statt. Mit einem „Halben“ und einem 5 km-Einstieg mit Start und Ziel am berühmten Hatschepsut-Tempel.
Das aber war schon der zweite ägyptische Marathon in diesem Jahr. Denn ein Monat später wurde der Kairo-Marathon im Stadtteil Heliopolis gestartet. Seit 2019 ist er im Februar ein unverzichtbarer Bestandteil in der Nil-Metropole und für viele der Höhepunkt eines jahrelangen Trainings.
Jeden Freitag, dem islamischen Sonntag, werden inzwischen fast überall die Schuhe zum Lauftraining geschnürt. Ibrahim Safat heißt der Mann, der sich dafür begeisterte und die „Cairo Runners“ begründete. „Die Lauftreffs sind für mich die schönsten Momente in jeder Woche“ schwärmt er. Noch heute ist es zwar noch immer nicht alltäglich, dass in Ägypten auch die Frauen laufen, doch in den Gruppen der Cairo Runners fühlen sie sich inzwischen gut aufgehoben. Safat ist heute stolz auf die vielen ehrenamtlichen Helfer, die das Joggen unterstützen.
Gab es noch vor drei Jahrzehnten keinerlei Running-Angebote, so überschlagen sie sich heute fast. Jedenfalls in der noch nicht so heißen Jahreszeit. Und das mit den originellsten Ideen, um möglichst viele, auch Neulinge, zu gewinnen. Das sind zum Beispiel zwei Veranstaltungen Ende Mai, die an Originalität sofort die Aufmerksamkeit auf sich zogen.
Der „Tough Mudder Citygate“ war am schnellsten ausgebucht. Ein 5-km-Lauf mit 17 Hindernissen und Startwellen von 9 bis 17 Uhr. Da muss man tatsächlich auch mal durch Modder… Ein „One Run“ im Wadi Degla-Naturschutzgebiet, eins der wohl einzigartigsten Landschaften von Groß-Kairo. Hier kann man unter vier Distanzen wählen: 1 und 5 Kilometer für Einsteiger und Kinder, 10 und 21,2 Kilometer für Trainierte.
Und bevor es dann zwischen Nil und Rotem Meer in der Sommerzeit so richtig heiß wird, bietet das Städtchen Madinaty neben einen Halbmarathon auch kleinere Strecken an. „Freuen Sie sich auf komplett gesperrte Straßen“, wird geworben und auf eine tolle Rennatmosphäre und eine Finisher-Medaille hingewiesen.
Danach ist erstmal Lauf-Pause zwischen Rotem Meer und Mittelmeer. Mit den moderateren Temperaturen aber setzt sich dann die Laufleidenschaft fort. Der El Gouna-Halbmarathon, unweit von Hurghada, lädt wieder auf seine Strecken am Meer und dessen Lagunen ein: 5, 10 und 21 Kilometer sind ausgeschrieben. Die Schüler der deutschen und englischen Schule freuen sich ebenso darauf wie die Urlauber und Einwohner.
Er dürfte nach dem Ägypten-Marathon der älteste Lauf im Land am Nil sein. Wieder waren es damals deutsche Enthusiasten, die das Laufen und seine Wettbewerbe hier ins Leben riefen. Mit Unterstützung der Baufirma Orascom und dem Steigenberger-Hotel starteten sie 2004 den ersten El Gouna-Halbmarathon an den legendären Lagunen. Inzwischen richtet „The TriFactory“ die vielfältigen Läufe alljährlich im November aus, diesmal am Sonnabend, den 21.
Höhepunkt dieser rührigen Agentur und zugleich Jahres-Laufabschluss ist dann wieder der Pyramiden-Halbmarathon in Gizeh am Rande von Kairo. Einmal rund um die ältesten Denkmäler der Geschichte zu rennen, das kann für manchen schon ein Lauf-Lebenstraum sein…
Klaus Weidt
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