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13
08
2026

Mikroskopische Identifizierung verschiedener Tumorzellpopulationen in Sarkommodellen mittels Antikörperfärbung. - Foto: Universität Zürich/UZH

Tumorforschung – Der Krebs in den Knochen – Universität Zürich – UZH – Carole Scheidegger

By GRR 0

Sarkome sind seltene Krebserkrankungen, die überdurchschnittlich häufig bei Kindern und jungen Erwachsenen auftreten. 
Didier Surdez arbeitet an Modellen, die 
die Tumoren möglichst detailliert erfassen. Dies ist die Basis für neue personalisierte Therapien.

Wer es mit Sarkomen aufnimmt, hat sich einen hartnäckigen Gegner ausgesucht. Die bösartigen Tumoren entstehen im Knochen oder im Weichteilgewebe und betreffen vor allem junge Menschen: Bei Kindern und Jugendlichen machen sie rund 20 Prozent aller Tumoren aus, bei Erwachsenen dagegen nur etwa ein Prozent.

3D-Sarkommodell aus Patientenmaterial.  – Foto: Universität Zürich/UZH

 was die Forschung erschwert. Hinzu kommt, dass Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen anders sind als bei Erwachsenen. «Die Veränderungen, die diese Krebsarten verursachen, unterscheiden sich je nach Subtyp. Für jeden einzelnen sind spezifische Behandlungsansätze nötig», sagt Didier Surdez, UZH-Professor, Leiter der Forschungsgruppe für Knochensarkome an der Universitätsklinik Balgrist und Forscher am Nationalen Forschungsschwerpunkt «Children & Cancer».

In den vergangenen Jahren haben zielgerichtete Therapien und Immuntherapien die Krebsmedizin stark verändert. Für viele Betroffene haben sie grosse Fortschritte gebracht, insbesondere bei den häufigsten Krebserkrankungen im Erwachsenenalter. Leider lassen sich die meisten Sarkome, darunter auch jene bei Kindern und jungen Erwachsenen, bislang nicht in gleichem Masse mit diesen neuen Mitteln bekämpfen. Denn diese Tumoren finden oft Wege, dem Immunsystem zu entkommen, oder sie weisen genetische Veränderungen auf, die sich nur schwer gezielt behandeln lassen. Da Sarkome seltene Erkrankungen sind, hat die Pharmaindustrie zudem bisher vergleichsweise wenig in die Entwicklung spezifischer Therapien investiert.

Deshalb setzt die Medizin bei Sarkompatient:innen weiterhin vor allem auf Operationen, Chemotherapie und Bestrahlung. Diese Behandlungen können jedoch Nebenwirkungen verursachen, die die Lebensqualität junger Patient:innen noch lange nach Therapieende beeinträchtigen. Zudem sind sie nicht immer wirksam, insbesondere dann nicht, wenn der Krebs zurückkehrt oder sich auf andere Körperregionen ausgebreitet hat.

Wie sich Krebszellen verändern

Um neue Behandlungsmöglichkeiten für diese Patient:innen zu finden, hat das Team von Didier Surdez ein Forschungsprogramm entwickelt, mit dem es im Labor patientenbasierte Tumormodelle optimiert. Ziel ist es, die biologischen Eigenschaften der ursprünglichen Tumoren möglichst genau zu erfassen. «Tumoren bestehen meist aus verschiedenen Zell­typen. Unsere Modelle bilden einen Teil dieser Komplexität ab und können bei manchen Tumoren auch die dreidimensionalen Wechselwirkungen zwischen den Zellen nachbilden», erklärt Surdez. «Im Labor ist es uns gelungen, solche Modelle für mehrere aggressive Sarkom-Subtypen zu produzieren. Nun nutzen wir sie, um mögliche Wirkstoffe zu testen.» Mit diesem Ansatz konnte das Team bereits eine Klasse von Molekülen identifizieren, die einen bestimmten Sarkom-Subtyp gezielt abtöten kann. Das schafft eine solide wissenschaftliche Grundlage für die weitere Entwicklung und mögliche künftige klinische Studien.

Ab und zu lernen wir Patient:innen und ihre Familien kennen, solche Begegnungen sind jedes Mal extrem berührend.

Didier Surdez
Tumorforscher

Über die Suche nach neuen Medikamenten hinaus sind optimierte Tumormodelle auch wertvoll, um besser zu verstehen, wie sich Tumoren im Lauf der Zeit entwickeln. «Viele bestehende Methoden liefern nur eine Momentaufnahme», sagt der Forscher, «ein einzelnes Bild sagt uns aber nichts über den zeitlichen Verlauf.» Anhand der Modelle können die Forschenden hingegen beobachten, wie sich Krebszellen verändern, miteinander interagieren und sich anpassen. Ein weiteres wichtiges Ziel von Surdez’ Forschung ist es, Hochrisikogruppen unter den Patient:innen anhand genetischer Merkmale zu erkennen – also anhand von Eigenschaften, die sich mit den üblichen klinischen Kriterien wie Tumorgrösse, Vorhandensein von Metastasen oder dem Alter der Betroffenen nicht erfassen lassen. Diese Informationen könnten den Therapieteams helfen, Patient:innen besser einzuordnen und für jede Person die passendste Behandlungsstrategie zu wählen.

Bessere Behandlung ermöglichen

Da Sarkome selten sind, ist die internationale Zusammenarbeit in der Forschung entscheidend. Denn für aussagekräftige Studien braucht es Hunderte Fälle. Dass Forschende über Institutions- und Ländergrenzen hinweg ihre Daten teilen, funktioniere immer besser, sagt Surdez. Es sei wichtig, dass der Nationale Forschungsschwerpunkt «Children & Cancer» nun auch in der Schweiz zusätzlichen Schub gibt. Er selbst leitet den Teilbereich zur Identifizierung neuer Schwachstellen bei Krebserkrankungen im Kindesalter sowie zur besseren Charakterisierung der verschiedenen Zelltypen in diesen Tumoren.

Das Ziel ist klar: den Erkrankten bessere Behandlungen zu ermöglichen. «Ab und zu lernen wir Patient:innen und ihre Familien kennen», sagt Surdez. «Solche Begegnungen sind jedes Mal extrem berührend und zeigen, wofür wir unsere Arbeit tun.» 

author: GRR