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2026

Dr. Rüdiger Grunow - Foto: Archiv Kremer

Statt eines Nachrufs eine etwas ausführlichere Biografie von Dr. Rüdiger Grunow – Dr. Hans-Georg Kremerr

By GRR 0

Am Freitag, den 31. Juli 2026 ist Dr. Rüdiger Grunow im Alter von 86 Jahren im Kreise seiner Familie in Closewitz bei Jena verstorben. In Berlin geboren, kam er als Schüler in Kahla zur Leichtathletik.

Eventuell hätte er ein Weltklasse-Mittel- oder Langstreckenläufer in der DDR werden können. 1954 entdeckte sein Mathematiklehrer in Kahla, Helmut Große, beim außerschulischen Sport, dass Rüdiger Grunow über eine erstaunliche Ausdauerleistungsfähigkeit verfügte.

Schon ein Jahr später ging er für die BSG Chemie Kahla an den Start und stand bei Kreiswaldlaufmeisterschaften mit einem zweiten und dritten Platz erstmals auf dem Treppchen. Als Rüdiger Grunow 1955 mit seinen Eltern nach Wasungen umzog, wurde er beim dortigen Sportverein, der BSG Traktor Wasungen Mitglied. Hier gehörte er zu den Mitbegründern des im gleichen Jahr ins Leben gerufenen „Wasunger Silvesterlaufs“, der heute noch als Meininger Silvesterlauf zu den ältesten seiner Art in Deutschland zählt.

Die Idee entstand auf der Rückfahrt einer Gruppe Wasunger Leichtathleten, darunter Rüdiger Grunow, vom Dreiländerkampf Polen-Belgien-DDR im Oktober 1955 im Jenaer Ernst-Abbe-Stadion. Das Gespräch der Wasunger Leichtathleten, die als Zuschauer auf dem Weg nach Jena waren, drehte sich u. a. um den Silvesterlauf in Sao Paulo, den 1954 der legendäre Emil Zatopek gewonnen hatte. Da kam Rüdiger Grunow auf die fixe Idee, in Wasungen einen Silvesterlauf zu organisieren. Nach Briefen an den Bezirksfachausschuss Leichtathletik, Diskussionen mit der BSG-Leitung und der Erledigung der üblichen Bürokratie, wurde aus Grunows Idee Wirklichkeit und der Wasungen Silvesterlauf wurde 1955 der erste Silvesterlauf in ganz Deutschland.

Nach erfolgreichem Abitur in Meiningen kam Rüdiger Grunow 1957 nach Jena und wurde Mitglied der Leichtathletikabteilung beim SC Motor Jena. Wie damals üblich, erhielt er einen Ausbildungsplatz als Lehrling beim VEB Carl Zeiss Jena. Ein Jahr später bekam seine Biografie einen scharfen Bruch, mit einer politisch motivierten Verurteilung zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe im Zusammenhang mit einem Schauprozess gegen den sogenannten „Eisenberger Kreis“, bei dem 24 Jugendliche zu mehrjährigen Zuchthausstrafen verurteilt wurden. Damit wurde nicht nur die sportliche Entwicklung von Rüdiger Grunow jäh unterbrochen, die er erst 1976 mit dem Start beim IV. GutsMuths-Rennsteiglauf wieder aufnahm.

Bis dahin hatte er, nach Verbüßung eines Großteils seiner Haftstrafe, nur noch seine berufliche und familiäre Entwicklung im Auge. Er konnte im Abendstudium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena erst seinen Ingenieurabschluss, dann bis 1975 im Fernstudium seinen Diplomingenieur für wissenschaftlichen Gerätebau und anschließend sogar noch seine Promotion zum Dr.-Ing. abschließen.

Als wissenschaftlicher Assistent an der Sektion Technologie betreute er 30 wissenschaftliche Arbeiten und konnte auf eine Vielzahl von wissenschaftlichen Veröffentlichungen verweisen. Er hielt 28 Vorträge auf nationalen und internationalen Fachtagungen und sorgte sich um die Überführung von Forschungsleistungen in ca. 80 Betrieben der damaligen DDR

Nach seiner Rennsteiglaufteilnahme war er 1976, also vor 50 Jahren, Mitglied der neu gegründeten Laufgruppe der HSG Uni Jena (heute USV Jena e. V.), dem Gründerverein des Rennsteiglaufs geworden. Die Leidenschaft für den Rennsteiglauf und die Lauferei generell teilte er mit seiner Ehefrau Helga, die auch eine erfolgreiche Läuferin wurde. Er stieg auch gleich als ehrenamtlicher Funktionär des Bereiches Wissenschaft und Öffentlichkeitsarbeit der Rennsteiglauf-Organisationskomitees ein. Als Hobby-Kabarettist entwickelte er unter anderem „Werbeslogans“ für den Rennsteiglauf. Sprüche wie „Je länger – je lieber“ oder „Nur lieben ist schöner“ stammen aus seiner Feder.

Seit 1976 ist Rüdiger Grunow „Europas längstem Crosslauf“ treu geblieben. Insgesamt 39. Rennsteigläufe konnte er erfolgreich absolvieren. Zu seinen schönsten Erlebnissen gehörte der 40. GutsMuths-Rennsteiglauf 2012, als er die Halbmarathonstrecke bei der Aktion „40 laufen zum 40.“ zusammen mit Täve Schur erfolgreich meisterte.

Rüdiger Grunow verschrieb sich zunehmend den Langstreckenläufen. Seine Bestzeit über 100-Kilometer erreichte er 1983 in Grünheide mit 8:43 und seine beste Marathonzeit steht mit 2:56:00 (1984) zu Buche. So in der Laufszene engagiert, ist es nicht verwunderlich, dass er 1977 zu den Mitbegründern des Jenaer Kernberglaufs gehörte. 1982 übernahm er die Funktion eines Vorsitzenden des Bezirksmeilenkomitees Gera und wechselte dann nahtlos 1990 in die Funktion des Laufwarts des Thüringer Leichtathletikverbandes über, was er bis 2007 ausübte. Seit 1997 war Rüdiger Grunow außerdem Mitglied im Präsidium des GutsMuths-Rennsteiglaufs, wo er den USV Jena vertrat. 2001 gründete er in seinem Wohnort den Closewitzer Napoleonlauf. Als Gründer des Saalecups hatte Rüdiger Grunow bis 2008 nicht unwesentlich zur Entwicklung der Laufszene in Jena beigetragen.

Beruflich gab er 1987 seine Stelle als wissenschaftlicher Assistent bei der Jenaer Universität auf, um als technischer Direktor des Stadttheaters Jena an dessen Wiederaufbau mitzuwirken, was allerdings die Wende 1990 verhinderte und eine berufliche Neuorientierung verlangte. Als Repräsentant und Niederlassungsleiter einer Leasing-Firma arbeitet er bis zu deren Insolvenz 1995 und nach kurzer Arbeitslosigkeit als Fachberater und Dozent beim Innovativen Ingenieurbüro Dr. Busch & Partner GmbH Jena bis zum Eintritt ins Rentenalter. Danach übernahm er als Dozent noch mehrere Lehraufträge, widmete sich aber zunehmend seinem schriftstellerischen Hobby.

Neben seinen sportlichen Ambitionen war Rüdiger Grunow der Karneval ans Herz gewachsen, was vielleicht mit seinem zeitweiligen Aufenthalt als Jugendlicher in der Karnevalshochburg Wasungen zusammenhängen könnte. In Jena war er dann seit 1970 Mitglied im Karnevalsklub LNT und von 1977 bis 1985 dessen Vorsitzender bzw. Präsident. 2000 rief er die Jenaer Karnevalsgala ins Leben und war fast 10 Jahre dessen Vorsitzender.

Seine Tätigkeit als Gründer des Kabaretts „Die Jenaer Spaßvögel“ hat Rüdiger Grunow teilweise in seinen Büchern verarbeitet, ebenso wie seine karnevalistischen Aktivitäten, die er über seinen kleinen Eigenverlag herausgab. Auch heimatgeschichtliche und naturkundliche Veröffentlichungen, so über das berühmte Rautal mit seinen Winterlingsvorkommen gehörten dazu.

Im autobiografischen Buch „Der lange Schatten: Leben mit der Staatssicherheit“ verarbeitete er u. a. seine Zeit als politischer Häftling im DDR-Zuchthaus Waldheim. Ebenfalls stark autobiografische Züge trägt Buch: „Wir Kriegskinder: Wie haben die Kinder den II. Weltkrieg und die Nachkriegszeit erlebt? Wie haben sie das Erlebte verarbeitet und welchen Einfluss hatte das für ihr weiteres Leben?“

Auch in seinem letzten Wohnort Closewitz engagierte sich Rüdiger Grunow ehrenamtlich u. a. als Mitglied im Feuerwehrverein Jena-Closewitz e.V. und als Vorsitzender des Gemeindekirchenrates.

Viele Jahre baute er mit seiner Familie sein Wohndomizil in Closewitz, ein großer Vierseitenbauernhof, zu einen kulturellen Zentrum aus, welches mit verschiedenen Veranstaltungsreihen weit über Closewitz hinaus bekannt wurde.

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Helga schloss er sich die letzten Lebensjahre dem Wander- und Sportverein (WSV) ProSeniores an. Trotz schwerer Krebsoperation verließ ihn nie sein Lebensmut und er versuchte regelmäßig bei Wanderungen seinem Körper Kraft zu geben.

Rüdiger Grunows Wirken hinterlässt tiefe Spuren in der Thüringer Lauf- und Karnevalsbewegung, die um ihn trauert, so wie seine ganze Familie.

Dr. Hans-Georg Kreme
Ziegenhainer Str. 77
07749 Jena
Tel.: 03641-363094
WSV ProSeniores e.V.
Vorsitzende
Vereinskonto bei der Flessabank
Wander- und Sportverein ProSeniores e.V.
IBAN: DE97 7933 0111 0002 3408

https://wsv-proseniores.de/

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