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22
07
2026

Baptiste und Sander auf der selektiven Passage bei Segnes auf 2100 m Höhe. - Foto: Wilfried Raatz/wus-media UG

Swissalpine Flims Laax 2026 – Überlegene Sieger und spannende Rennen um die Podestplätze beim inzwischen in Flims Laax im UNESCO Welterbe Sardona angesiedelten legendären Swissalpine. Wilfried Raatz berichtet

By GRR 0

Überlegene Siege auf der 42 km-Distanz und 2600 Höhenmetern für Fabian Stccek und Léa Ducrest

Davos war „vorgestern“, Flims Laax ist der prosperierende Austragungsort für den legendären Swissalpine, der 1986 als erster hochalpine Gebirgslauf auf seinerzeit 67 Kilometern von Andrea Tuffli in der Landschaft Davos ins Leben gerufen wurde.

Bei allen Veränderungen über die Jahre hinweg ist der Name Swissalpine bei aller hochkarätiger Trail-Konkurrenz in vielen Destinationen der Alpen ein „Pfund“ mit besonderer Note.

Mit dem Umzug von Davos nach Flims Laax wusste die Agentur Tuffli Events AG im vergangenen Jahr ein neues Kapitel aufzuschlagen. Schon im zweiten Jahr lässt sich nicht zuletzt durch eine deutlich gestiegene Resonanz eines feststellen:

Der Swissalpine lebt!

Im UNESCO Weltnaturerbe Sardona wird die Entstehung der Alpen sichtbar, kein Wunder also, dass sowohl die Rheinschlucht als auch der türkisblaue Caumasee wie zahlreiche weitere Naturereignisse feste Bestandteil des neuen Swissalpine werden mussten. Nach der Premiere wurden die Strecken „geschliffen“, sodass viele der inzwischen knapp neunhundert Starter voll des Lobes über die landschaftlichen Reize waren, wenngleich die Aussicht auf die umgebenen Gebirgsmassive zeitweise in dichtem Nebel eingetaucht blieben.

„Wir sehen beim Swissalpine in der Destination Flims Laax weiteres Wachstumspotential“, so Livia Schroepfer, die Projektleiterin bei der Agentur Tuffli Events, zum Ende der Veranstaltung. „Wir haben zahlreiche positive Rückmeldungen sowie viele Komplimente für die gute Organisation und den gelungenen Anlass erhalten“. Gewiss der wichtige Rückenwind nach dem zweifellos riskanten Neustart einer Traditionsveranstaltung – zumal aber in einem Weltnaturerbe von herausragender Bedeutung.

Dreh- und Angelpunkt des Swissalpine ist das leider etwas vom Zahn der Zeit befallenen Sportgeländes Prau La Selva, das aus dem Rätoromanischen übersetzt heißt wie etwa „Wiese im Wald“. Während der Kunststoffbelag des Stadions brüchig ist, laden in der Regel Skatepark, Eishalle, Hochseilpark, Minigolf und Tennis zu ganz unterschiedlichen Aktivitäten ein. Am dritten Wochenende im Juli allerdings weitgehend im Pausenmodus, denn der Swissalpine hat Einzug gehalten und ein Eventareal mit Ausstellern und Versorgungseinrichtungen aufgebaut.

Den Auftakt zum Swissalpine bildeten die Kinderläufe und ein Talk des digitalen Laufmagazins Runtimes über das Thema Mentaltraining. Um 5.00 Uhr knallte der erste Startschuss, als 120 Ultraläufer beim K78 auf den Rundkurs mit 4624 Höhenmetern geschickt wurden.

Alleine auf weiter Flur dabei der Berner Ruedi Becker, der die attraktive Strecke zur Rheinschlucht, durch das Hochtal Bargis zum mit 2678 m höchsten Punkt Cassons und dann auf dem K42-Kurs über die Segneshütte, Nagens und Crap Masegn zurück nach Flims im Alleingang in 8:57:39 Stunden zurücklegte. Erst knapp eine Stunde später folgte mit Alain Wälti der erste Verfolger, der allerdings mit dem Handicap leben mussten, schon früh mit einem Stockbruch einen entscheidenden Nachteil hatte. Befand aber mit großer Freude: „Das war mein erster Ultra, sonst laufe ich eher 20 bis 30 km im Wettkampf. Obwohl ich in Chur lebe, hatte ich wirklich keine Zeit, die Strecke auch nur zu Teilen abzulaufen. Aber: Ein sehr schöner Eventl Gerne komme ich im nächsten Jahr wieder!“

Nach Rang vier im Vorjahr rückte der in Bern lebende deutsche Ultraläufer Robert Wiedekind nach 10:40:37 Stunden auf Rang drei vor. Die Münchenerin Rebecca Eder lief mit 11:14:50 die achtschnellste Zeit aller K78-Starter und gewann damit souverän die Frauenwertung, denn die 33jährige hatte fast zwei Stunden Vorsprung auf die Schweizerin Katharina Hediger-Weiss (13:05:38).

Natürlich dominierten im Feld der im zweiten Streckenabschnitt gemeinsam laufenden Swissalpine-Läufer der K78- und K42-Wettbewerbe die Marathonläufer. Stark präsentierte sich Fabian Stocek, der nahe Liberec im Nordböhmischen lebt, aber in den Wintermonaten im Tross der tschechischen Biathleten weltweit unterwegs ist und zudem zu den besten Skibergsteiger des Landes zählt („zu den Olympischen Spielen hat es leider nicht gereicht, da die Konkurrenz sehr stark ist“). In Flims jedenfalls war er letztlich „konkurrenzlos“, denn im zwischenzeitlichen Duell mit dem ersten Verfolger Marcel Strittmatter nutzte er seine Bergab-Qualitäten, um letztlich bei einer Siegerzeit von 4:30:39 Stunden satte dreizehn Minuten Vorsprung im Ziel zu haben.

„Der Swissalpine ist ein super Lauf“, freute sich der Tscheche über seinen Erfolg. Durch seinen Erfolg auf der Kurzdistanz 2025 konnte er übrigens mit einem Freistart ins Rennen gehen. Diesen hat er übrigens für 2027 schon wieder in der Tasche…!

Dem konnte sich Marcel nur anschließen, auch wenn er durch die dichten Nebelfelder in den höher gelegenen Abschnitten die herrliche Landschaft nur teilweise genießen konnte. „Mir kam entgegen, dass die Strecke nicht zu technisch ist“, so der als Buchhalter in Zernez im Engadin arbeitende Trailspezialist, der in strenger Disziplin nur drei Rennen pro Jahr läuft und dabei heuer beim Trail Run Chur und bei den Berlina Ultraks als Zweiter bzw. Achter bereits gut platziert war. Im spannenden Duell um Rang drei setzte sich final Philipp Gygax gegen Walter Manser durch, der als 52jähriger gewiss ein exzellentes Resultat schaffte und weitaus der beste Mastersläufer im Feld war.

Beeindruckend die Leistungen der Topläuferinnen im K42. Die in Fribourg lebende Léa Ducrest zeigte als Achte ihr Können. Nach 5:29:03 Stunden war die 30jährige im Ziel und wurde von ihrem Ehemann Antoine freudig begrüßt. Noch nie war Léa bei einem Klassiker auf dem Podium und konnte deshalb ihr Glück kaum fassen. Ihr Bekenntnis zum Swissalpine bekannte jedenfalls Léa schon vor dem Start, denn sie ging mit dem Veranstaltungsshirt ins Rennen – und dies brachte ihr offenbar Glück. Elf Minuten dahinter schaffte die Dänin Emily Greve Somerset Rang zwei vor der aus Göttingen stammenden Juliana Ruhstrat, die weitere vierzehn Minuten dahinter mit einem glücklichen Lächeln das Ziel auf Prau La Selva erreichte.

Die 28jährige Personalmanagerin im elterlichen Unternehmen sieht sich als Trailläuferin, auch wenn sie zur Vorbereitung auf den Swissalpine auch den (flachen) Hannover-Marathon unter ihre Füße nahm. Kein Wunder also, dass sie mit Ehemann Simon, den sie übrigens vor vier Wochen heiratete, und ihrem ebenfalls leidenschaftlichen gerne laufenden Vater Steven als besonderes Highlight der Saison den Start beim Etappenspektakel Dynavit Transalpine Run, der heuer Ende August von Lenzerheide nach Locarno führt, eingeplant hat.

Beim K23 setzten sich mit Christine Blaser und Luca Heller erfahrene Bergläufer durch, während beim „Schnupperlauf“ K12 vor allem auch Quereinsteiger aus anderen Sportarten ihre Freude beim Traillaufen entdecken konnten.

Verlassen wir die Topplatzierungen und schauen auf interessante Leute im weiten Feld der 800 Starter. So nahm Urs Oberhänsli bereits zum 38. Mal beim Swissalpine teil, treueste Läuferin ist Alice Götschi mit 25 Starts. „Bester Deutscher“ ist hier Matthi Schubien aus Denzlingen mit 13 Starts.

„Immer dabei bleiben“ ist das Rezept von Roland Thommen, der mit 81 Jahren die 23 km lange Strecke mit 923 Höhenmetern in 4:21:05 Stunden absolvierte und sich freudig im Ziel feiern ließ. Oder die im Weinbau tätige Manuela aus Chur, die im letzten Jahr „Blut geleckt“ hatte und diesmal schon die Marathondistanz unter ihre Füße nahm („es geht ja nur 500 Meter höher hinauf!“).

Mit einem weinenden und lachenden Auge verfolgte die in Amsterdam lebende Renee das Rennen, denn eine vor wenigen Wochen erlittene Reizung der Achillessehne verhinderte einen Start, wartete aber geduldig an der Segneshütte auf ihren Lebenspartner Laurence, der sich als Genussläufer aber (eher professionell) in Alaska auf den Swissalpine vorbereitet hatte. Wie jedoch kamen die Beiden gerade auf Flims? „Wir wurden beim Alpine Trail Festival in Innsbruck auf den Swissalpine aufmerksam“, erklärte Renee und versprach, im kommenden Jahr wieder fit und laufbereit nach Flims zurückzukehren.

Mit Freude waren aber auch die beiden deutschen Apothekerinnen Laura und Annalena dabei, doch nicht als Protagonisten auf der Laufstrecke, sondern als Volunteers beim Verpflegungspunkt Foppa. „Wir wurden beim Lauftreff in Chur angesprochen und haben gerne zugesagt“ so die beiden aus Mainz bzw. Bad Schönborn stammenden Läuferinnen, die sich aber erst durch ihre Tätigkeit im Kantonsspital in Chur kennengelernt haben.

Vielleicht sieht man Laura und Annalena im kommenden Jahr wieder beim Swissalpine in Flims Laax, dann aber wie gewiss viele „Wiederholungstäter“ bei der Neuauflage beim Swissalpine. Dann könnten schließlich die eintausend Starter schon 2027 erreicht werden….

Wilfried Raatz

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