Symbolbild - Mini-Marathon der Berliner Schulen - Foto: Horst Milde
Bedeutung von Bewegung und Sport für Kinder und Jugendliche unter besonderer Berücksichtigung Deutschlands im internationalen Vergleich: Aktuelle Studienlage und Evidenz – Dr. Dr. med. Lutz Aderhold
Aktuell: Die 53. Sportministerkonferenz am 19. März 2026 hat die „Initiierung eines nationalen Aktionsplans zur Förderung des Kinder- und Jugendsports“ beschlossen.
Die Sportministerkonferenz identifiziert zunächst fünf prioritäre Handlungsfelder, die sich aus der internationalen Evidenzlage ableiten und die aus Sicht der Sportministerkonferenz eine Grundlage für die Ausarbeitung eines Nationalen Aktionsplanes bilden könnten:
a) Sicherstellung täglicher Bewegungszeit für Kinder und Jugendliche gemäß WHO-Empfehlung
b) Sicherstellung grundlegender Schwimmfähigkeit für jedes Kind
c) Stärkung der Beratung von Eltern und Erziehungsberechtigten zur Bedeutung von Sport und Bewegung für die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
d) Weiterentwicklung eines Monitorings der motorischen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
e) Systematische Talenterkennung und breite Talententwicklung
Jetzt wird es darauf ankommen, diese Vorhaben auch umzusetzen!
Mit Konzepten und Papieren sind wir in Deutschland meistens sehr gut – noch steigerungsfähig sind wir allerdings bei der Umsetzung.
Hierzu mein Übersichtsartikel mit dem o.g. Thema:
Zusammenfassung
Bewegung und Sport stellen zentrale Einflussfaktoren für die körperliche, psychische, soziale und kognitive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen dar. Aktuelle Reviews und Metaanalysen zeigen konsistent positive Effekte regelmäßiger körperlicher Aktivität auf Herz-Kreislauf-Gesundheit, Stoffwechsel, Körperzusammensetzung, motorische Leistungsfähigkeit, psychisches Wohlbefinden sowie schulische Leistungen. Gleichzeitig weisen internationale Daten auf eine weltweite Bewegungsarmut hin. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erfüllen etwa 80 % der Jugendlichen weltweit die Empfehlungen zur körperlichen Aktivität nicht (Guthold et al., 2020). Auch Deutschland weist erhebliche Defizite auf. Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen, dass lediglich etwa ein Viertel der Kinder und Jugendlichen die WHO-Empfehlung von täglich mindestens 60 Minuten moderater bis intensiver körperlicher Aktivität erreicht (Finger et al., 2018). Besonders betroffen sind Mädchen, Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien und ältere Altersgruppen. Im internationalen Vergleich zeigen insbesondere skandinavische Länder günstigere Bewegungsprofile und bessere strukturelle Voraussetzungen für körperliche Aktivität. Die COVID-19-Pandemie hat Bewegungsmangel, Sitzzeiten und psychosoziale Belastungen zusätzlich verstärkt. Der vorliegende Beitrag analysiert die aktuelle Evidenzlage zur Bedeutung von Bewegung und Sport im Kindes- und Jugendalter, bewertet die Situation in Deutschland kritisch und diskutiert gesundheitspolitische Konsequenzen. Die Evidenz spricht eindeutig dafür, Bewegungsförderung als zentrale Public-Health-Strategie zu etablieren.
Einleitung
Körperliche Aktivität ist eine wesentliche Voraussetzung für gesundes Aufwachsen. Bereits im Kindes- und Jugendalter beeinflusst Bewegung zahlreiche biologische, psychologische und soziale Entwicklungsprozesse. Bewegung wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel, die Knochenentwicklung, die Muskelkraft sowie die neurologische und psychosoziale Entwicklung aus (Chaput et al., 2020).
Die WHO empfiehlt Kindern und Jugendlichen im Alter von 5 bis 17 Jahren täglich mindestens 60 Minuten moderater bis intensiver körperlicher Aktivität. Zusätzlich sollen muskel- und knochenstärkende Aktivitäten an mindestens drei Tagen pro Woche erfolgen (Chaput et al., 2020). Dennoch erreichen weltweit etwa 81 % der Jugendlichen diese Empfehlungen nicht (Guthold et al., 2020).
Auch in Deutschland ist Bewegungsmangel weit verbreitet. Nach Daten der KiGGS-Studie erfüllen lediglich 22,4 % der Mädchen und 29,4 % der Jungen die WHO-Empfehlungen (Finger et al., 2018). Gleichzeitig nehmen sitzende Freizeitaktivitäten, Bildschirmzeiten und motorische Defizite zu.
Neben körperlichen Erkrankungen beeinflusst Bewegungsmangel zunehmend auch die psychische Gesundheit. Depressionen, Angststörungen, psychosomatische Beschwerden und soziale Isolation haben bei Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Bewegung und Sport können hierbei wichtige protektive Faktoren darstellen (Rodriguez-Ayllon et al., 2019).
Ziel dieses Beitrags ist die Darstellung der aktuellen Evidenz zur Bedeutung von Bewegung und Sport im Kindes- und Jugendalter unter besonderer Berücksichtigung Deutschlands im internationalen Vergleich.
Hauptteil
Gesundheitliche Wirkungen körperlicher Aktivität
Die gesundheitlichen Wirkungen körperlicher Aktivität bei Kindern und Jugendlichen sind umfassend dokumentiert. Systematische Reviews und Metaanalysen zeigen signifikante positive Effekte auf kardiorespiratorische Fitness, Muskelkraft, Knochengesundheit und metabolische Parameter (Poitras et al., 2018).
Regelmäßige Bewegung reduziert das Risiko für Übergewicht und Adipositas. Körperlich aktive Kinder weisen günstigere Körperfettanteile, bessere Insulinsensitivität und niedrigere Entzündungsmarker auf (Brown et al., 2019). Auch Blutdruck, Lipidstoffwechsel und metabolische Gesundheit profitieren signifikant.
Besonders relevant ist die frühe Prävention chronischer Erkrankungen. Bereits im Kindesalter entstehen Risikofaktoren für spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Adipositas. Körperliche Aktivität besitzt daher hohe Bedeutung für die langfristige Gesundheitsentwicklung.
Darüber hinaus fördert Bewegung die motorische Entwicklung. Koordination, Gleichgewicht, Beweglichkeit und Kraft entwickeln sich insbesondere durch vielfältige Bewegungsreize. Bewegungsmangel kann dagegen motorische Entwicklungsdefizite begünstigen.
Bewegung und psychische Gesundheit
Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hat sich in vielen Ländern verschlechtert. Körperliche Aktivität stellt hierbei einen wichtigen Schutzfaktor dar. Reviews und Metaanalysen zeigen signifikante Zusammenhänge zwischen körperlicher Aktivität und geringerem Risiko für Depressionen, Angststörungen und psychosomatische Beschwerden (Biddle et al., 2019; Rodriguez-Ayllon et al., 2019).
Regelmäßige Bewegung beeinflusst neurobiologische Prozesse wie Neurotransmitterregulation, Neuroplastizität und Stresshormonantworten positiv. Gleichzeitig verbessern Sport und Bewegung Selbstwertgefühl, soziale Integration und Resilienz.
Besonders Teamsportarten fördern soziale Kompetenzen, Kommunikationsfähigkeit und Zugehörigkeitsgefühl. Jugendliche im Vereinssport berichten häufiger über soziale Unterstützung und psychisches Wohlbefinden.
Auch die COVID-19-Pandemie verdeutlichte die Bedeutung körperlicher Aktivität für die psychische Gesundheit. Daten der deutschen COPSY-Studie zeigen Zusammenhänge zwischen reduzierter körperlicher Aktivität und erhöhten psychischen Belastungen während der Pandemie.
Kognitive Effekte und schulische Leistungen
Körperliche Aktivität verbessert auch kognitive Funktionen und schulische Leistungen. Metaanalysen zeigen positive Effekte auf Aufmerksamkeit, exekutive Funktionen, Gedächtnis und Konzentration (Singh et al., 2019).
Physiologisch werden diese Effekte unter anderem durch verbesserte zerebrale Durchblutung, erhöhte Konzentrationen neurotropher Faktoren und verbesserte Neuroplastizität erklärt. Besonders koordinativ anspruchsvolle Bewegungsformen scheinen positive Effekte auf kognitive Prozesse zu besitzen.
Kinder mit höherer körperlicher Aktivität zeigen häufig bessere schulische Leistungen und geringere Konzentrationsprobleme. Bewegungspausen im Unterricht können Aufmerksamkeit und Lernverhalten verbessern.
Internationale Situation
Die internationale Datenlage zeigt eine ausgeprägte Bewegungsarmut bei Kindern und Jugendlichen. Nach WHO-Daten erfüllen weltweit etwa vier von fünf Jugendlichen die Bewegungsempfehlungen nicht (Guthold et al., 2020). Mädchen weisen nahezu überall niedrigere Aktivitätsniveaus auf als Jungen.
Im internationalen Vergleich zeigen insbesondere skandinavische Länder günstigere Ergebnisse. Finnland, Norwegen und Dänemark fördern körperliche Aktivität deutlich stärker über Schulen, aktive Mobilität und kommunale Infrastruktur.
In Finnland gehört tägliche Bewegung stärker zum Schulalltag. Bewegungsfreundliche Schulhöfe, aktive Pausen und sichere Schulwege fördern Alltagsbewegung. Auch der Anteil aktiver Mobilität ist höher als in Deutschland.
Kanada und Australien verfolgen ebenfalls umfassende nationale Strategien zur Bewegungsförderung. Dort werden Bildungspolitik, Stadtplanung und Gesundheitsförderung stärker miteinander verknüpft.
Situation in Deutschland
Deutschland liegt im internationalen Vergleich im Mittelfeld bis unteren Bereich Europas. Nach KiGGS-Daten erfüllen nur etwa ein Viertel der Kinder und Jugendlichen die WHO-Empfehlungen.
Besonders problematisch ist der starke Rückgang körperlicher Aktivität im Jugendalter. Während jüngere Kinder noch vergleichsweise aktiv sind, nimmt die Aktivität ab dem frühen Jugendalter deutlich ab.
Zudem bestehen erhebliche geschlechtsspezifische Unterschiede. Mädchen bewegen sich signifikant weniger als Jungen. Auch soziale Ungleichheit spielt eine zentrale Rolle. Kinder aus sozial benachteiligten Familien oder mit Migrationshintergrund nehmen seltener an organisiertem Sport teil.
Das deutsche „Report Card“-Projekt zur körperlichen Aktivität bewertete Deutschland insgesamt kritisch. Besonders ungünstig wurden allgemeine körperliche Aktivität und hohe Sitzzeiten beurteilt.
Auch strukturelle Probleme erschweren Bewegungsförderung. Hierzu gehören:
- Unterrichtsausfall im Fach Sport
- fehlende Sporthallen
- Lehrkräftemangel
- zunehmende Ganztagsbeschulung
- hohe Bildschirmzeiten
- unzureichende aktive Mobilität
- Bewegungsmangel im urbanen Raum
Während der COVID-19-Pandemie verschlechterte sich die Situation zusätzlich erheblich. Sportvereine, Freizeitangebote und Schulsport waren teilweise über Monate eingeschränkt. Gleichzeitig nahmen Bildschirmzeiten deutlich zu.
Bedeutung des Vereinssports
Sportvereine besitzen in Deutschland traditionell hohe Bedeutung für die Bewegungsförderung. Sie bieten soziale Integration, regelmäßige Bewegungsangebote und langfristige Bindung an körperliche Aktivität.
Allerdings bestehen auch hier soziale Barrieren. Kinder aus einkommensschwachen Familien oder sozial belasteten Regionen nehmen seltener an Vereinssport teil. Mitgliedsbeiträge, fehlende Transportmöglichkeiten oder kulturelle Barrieren können die Teilnahme erschweren.
Zudem kämpfen viele Vereine mit Nachwuchsproblemen, Ehrenamtsmangel und infrastrukturellen Defiziten.
Bewegungsmangel als Public-Health-Problem
Bewegungsmangel entwickelt sich zunehmend zu einem relevanten Public-Health-Problem. Bereits im Kindesalter entstehen gesundheitliche Risiken mit langfristigen Folgen für Morbidität und Mortalität.
Darüber hinaus entstehen erhebliche volkswirtschaftliche Kosten durch spätere chronische Erkrankungen, Produktivitätsverluste und steigende Gesundheitsausgaben.
Die WHO fordert daher umfassende bevölkerungsbezogene Maßnahmen zur Förderung körperlicher Aktivität. Hierzu zählen bewegungsfreundliche Städte, sichere Rad- und Schulwege, tägliche Bewegungszeiten in Schulen sowie niedrigschwellige Sportangebote.
Diskussion
Die Evidenzlage zur Bedeutung von Bewegung und Sport für Kinder und Jugendliche ist außerordentlich konsistent und wissenschaftlich gut abgesichert. Körperliche Aktivität wirkt sich positiv auf nahezu alle relevanten Gesundheitsdimensionen aus – körperlich, psychisch, sozial und kognitiv. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass die positiven Effekte nicht nur kurzfristig auftreten, sondern langfristige Bedeutung für Gesundheit, Bildungsbiografie und Lebensqualität besitzen.
Dennoch zeigt sich weltweit und insbesondere in Deutschland eine erhebliche Diskrepanz zwischen wissenschaftlicher Evidenz und gesellschaftlicher Realität. Trotz eindeutiger gesundheitlicher Vorteile gelingt es bislang nicht, ausreichende Bewegungsniveaus im Kindes- und Jugendalter zu erreichen.
Besonders problematisch ist die frühe Entwicklung gesundheitlicher Ungleichheiten. Kinder aus sozial benachteiligten Familien weisen häufig geringere körperliche Aktivität, höhere Sitzzeiten und schlechtere motorische Fähigkeiten auf. Gleichzeitig sind diese Gruppen häufiger von Adipositas, psychischen Belastungen und chronischen Erkrankungen betroffen. Bewegungsmangel verstärkt somit bestehende gesundheitliche und soziale Ungleichheiten bereits früh im Lebensverlauf.
Der internationale Vergleich verdeutlicht, dass erfolgreiche Bewegungsförderung nicht allein auf individuelles Verhalten reduziert werden darf. Länder wie Finnland oder Norwegen zeigen, dass strukturelle und politische Rahmenbedingungen entscheidend sind. Dort sind tägliche Bewegungszeiten in Schulen, aktive Mobilität und bewegungsfreundliche Infrastruktur stärker etabliert.
Deutschland verfolgt dagegen häufig einen stärker individualisierten Ansatz. Verantwortung wird primär Familien oder einzelnen Kindern zugeschrieben, während strukturelle Voraussetzungen teilweise unzureichend bleiben. Bewegungsförderung müsste jedoch als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden.
Besonders kritisch erscheint die Entwicklung im schulischen Bereich. Schulen besitzen enormes Potenzial, gesundheitliche Chancengleichheit herzustellen, da nahezu alle Kinder erreicht werden können. Dennoch kommt es in Deutschland weiterhin zu Unterrichtsausfällen im Fach Sport, unzureichender Ausstattung und fehlenden Bewegungsräumen. Ganztagsschulen bieten zwar Chancen für mehr Bewegung, gleichzeitig besteht jedoch das Risiko zusätzlicher Sitzzeiten.
Auch die zunehmende Digitalisierung beeinflusst das Bewegungsverhalten erheblich. Bildschirmmedien, soziale Netzwerke und Gaming konkurrieren mit körperlicher Aktivität um Freizeitzeit. Gleichzeitig können digitale Technologien aber auch Chancen bieten. Exergaming, Fitness-Apps oder digitale Bewegungsprogramme könnten insbesondere Jugendliche besser erreichen. Die Evidenz hierzu ist allerdings bislang heterogen.
Die COVID-19-Pandemie wirkte wie ein Verstärker bereits bestehender Probleme. Lockdowns, Schließungen von Sportstätten und eingeschränkter Vereinssport führten zu deutlichen Rückgängen körperlicher Aktivität. Gleichzeitig verschlechterte sich die psychische Gesundheit vieler Kinder und Jugendlicher. Diese Entwicklungen verdeutlichen, wie eng körperliche Aktivität und psychosoziale Gesundheit miteinander verbunden sind.
Ein weiterer zentraler Aspekt betrifft die psychische Gesundheit. Die steigenden Prävalenzen von Depressionen, Angststörungen und psychosomatischen Beschwerden bei Jugendlichen machen deutlich, dass Bewegung stärker als psychische Präventionsmaßnahme verstanden werden sollte. Körperliche Aktivität besitzt hier den Vorteil, kostengünstig, nebenwirkungsarm und breit verfügbar zu sein.
Auch die Bedeutung des Vereinssports verdient besondere Aufmerksamkeit. Sportvereine können soziale Integration, Teilhabe und langfristige Bewegungsgewohnheiten fördern. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass sozial benachteiligte Kinder häufig schlechteren Zugang zu Vereinssport haben. Eine stärkere finanzielle Förderung niedrigschwelliger Angebote wäre daher sinnvoll.
Gesundheitspolitisch erscheint die derzeitige Priorisierung der Bewegungsförderung in Deutschland unzureichend. Während Ernährung, Suchtprävention oder medizinische Versorgung häufig stärker im Fokus stehen, wird Bewegungsförderung bislang nicht als eigenständiges nationales Gesundheitsziel etabliert. Dabei besitzt körperliche Aktivität enorme präventive Potenziale für zahlreiche Erkrankungen.
Aus Public-Health-Perspektive wären mehrere Maßnahmen sinnvoll:
- tägliche Bewegungszeiten in Schulen,
- Ausbau des Schulsports,
- Förderung aktiver Mobilität,
- bewegungsfreundliche Stadtplanung,
- kostenlose oder kostengünstige Sportangebote,
- gezielte Programme für sozial benachteiligte Gruppen,
- stärkere Verknüpfung von Gesundheits-, Bildungs- und Stadtentwicklungspolitik.
Darüber hinaus sollte Bewegungsförderung frühkindlich beginnen. Bereits im Kindergartenalter entwickeln sich Bewegungsverhalten, motorische Kompetenzen und Gesundheitsgewohnheiten. Frühzeitige Interventionen könnten langfristig erhebliche gesundheitliche Vorteile erzielen.
Insgesamt verdeutlicht die Evidenz, dass Bewegungsförderung weit mehr ist als Sportpolitik. Sie betrifft Gesundheits-, Bildungs-, Sozial- und Gesellschaftspolitik gleichermaßen und stellt eine zentrale Zukunftsaufgabe moderner Public-Health-Strategien dar.
Schlussfolgerungen
Bewegung und Sport besitzen fundamentale Bedeutung für die körperliche, psychische, soziale und kognitive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Die aktuelle Evidenz zeigt konsistent erhebliche gesundheitliche Vorteile regelmäßiger körperlicher Aktivität.
Deutschland weist trotz guter wissenschaftlicher Erkenntnisse deutliche Defizite bei der Bewegungsförderung auf. Besonders problematisch sind soziale Ungleichheiten, hohe Sitzzeiten und der starke Rückgang körperlicher Aktivität im Jugendalter.
Internationale Vergleiche zeigen, dass erfolgreiche Bewegungsförderung umfassende strukturelle Maßnahmen erfordert. Bewegungsfreundliche Schulen, sichere aktive Mobilität und niedrigschwellige Sportangebote stellen wesentliche Voraussetzungen dar.
Langfristig sollte Bewegungsförderung als zentrale Public-Health-Strategie verstanden werden. Eine bewegungsfreundlichere Gesellschaft könnte erhebliche gesundheitliche, soziale und volkswirtschaftliche Vorteile erzielen.
Literaturverzeichnis
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World Health Organization. (2024). Physical activity factsheet – Germany 2024. WHO Regional Office for Europe.
Weitere Informationen finden Sie in:
Aderhold L. Laufen! Vom Einsteiger bis zum Ultraläufer. Inkl. Trainingspläne von 10 bis 100 km. München: Elsevier 2. Auflage 2018.
Aderhold L. Klartext Gesundheit! Ernährung – Bewegung – Entspannung – Denken. Die besten Strategien für mehr Gesundheit, Energie und Wohlbefinden. Jena: Vopelius 2024.
Dr. Dr. med. Lutz Aderhold
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