Blog
15
03
2026

Organspendeausweis - Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit

Warum Deutschland die Widerspruchsregelung bei der Organspende braucht – Dr. Dr. med. Lutz Aderhold

By GRR 0

In Deutschland warten tausende schwer kranke Menschen auf ein lebensrettendes Organ. Für viele von ihnen entscheidet die Verfügbarkeit eines Spenderorgans über Leben und Tod.

Dennoch gehört Deutschland seit Jahren zu den Ländern mit einer vergleichsweise niedrigen Organspenderrate. Täglich sterben Menschen, weil kein passendes Organ rechtzeitig gefunden wird. Diese Situation ist nicht nur medizinisch, sondern auch gesellschaftlich nicht hinnehmbar.

Um das Problem wirksam zu lösen, muss die Organspende-Bereitschaft erhöht werden.

Ein entscheidender Schritt dafür ist die Einführung der sogenannten Widerspruchsregelung.

Die aktuelle Situation: Zustimmungslösung mit zu geringen Spenderzahlen

Derzeit gilt in Deutschland die Zustimmungslösung. Das bedeutet, dass Organe nur dann entnommen werden dürfen, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat oder die Angehörigen im Todesfall zustimmen. In der Praxis führt dieses System häufig dazu, dass keine Organspende erfolgt, obwohl viele Menschen grundsätzlich bereit wären zu spenden.
Oft liegt keine dokumentierte Entscheidung vor, und Angehörige müssen in einer emotionalen Ausnahmesituation entscheiden. Aus Unsicherheit oder Überforderung wird dann häufig gegen eine Spende entschieden. Dadurch gehen viele mögliche Organspenden verloren.

Die Widerspruchsregelung als wirksame Lösung

Die Widerspruchsregelung kehrt dieses Prinzip um. Danach gilt jede Person grundsätzlich als Organspenderin oder Organspender, solange sie nicht zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen hat. Wer keine Organe spenden möchte, kann dies jederzeit festlegen. Die Selbstbestimmung bleibt also vollständig erhalten.

Der Unterschied besteht darin, dass eine Entscheidung aktiv getroffen werden muss – entweder für oder gegen die Organspende. Erfahrungen aus vielen europäischen Ländern zeigen, dass dieses System zu deutlich höheren Organspenderzahlen führt. Länder mit Widerspruchsregelung haben im Durchschnitt mehr verfügbare Organe und kürzere Wartelisten. Dadurch können mehr Menschenleben gerettet werden.

Verantwortung der Gesellschaft

Die aktuelle Situation in Deutschland ist unbefriedigend. Jeden Tag sterben drei Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein passendes Spenderorgan erhalten. Zwar stehen über 84 % der Deutschen einer Organspende positiv gegenüber, aber nur etwa 40 % haben einen Organspendeausweis. Diese Diskrepanz zwischen Zustimmung zur Organspende und tatsächlicher Registrierung als Spender*in zeigt, dass das bisherige System nicht funktioniert. Organspende ist nicht nur eine persönliche Entscheidung, sondern auch eine Frage der gesellschaftlichen Solidarität. Jeder Mensch kann plötzlich auf ein Spenderorgan angewiesen sein – durch Krankheit oder Unfall. Gleichzeitig kann jeder nach dem eigenen Tod anderen das Leben retten.

Die Widerspruchsregelung stärkt diese solidarische Verantwortung, ohne jemanden zu zwingen. Sie sorgt lediglich dafür, dass eine Entscheidung getroffen wird und dass die Bereitschaft zur Organspende, die in Umfragen bei vielen Menschen vorhanden ist, auch tatsächlich wirksam wird.

Lehren aus der gescheiterten Reform von 2020

Bereits im Jahr 2020 wurde die Einführung der Widerspruchsregelung im Bundestag diskutiert, scheiterte jedoch knapp. Seitdem hat sich die Lage nicht verbessert – im Gegenteil: Die Zahl der wartenden Patientinnen und Patienten bleibt hoch, während die Zahl der Organspenden niedrig ist.

Eine neue Gesetzesinitiative darf deshalb nicht erneut scheitern. Die Politik ist verpflichtet, Lösungen zu finden, die Leben retten können. Die Widerspruchsregelung ist eine solche Lösung, die sich international bewährt hat und auch in Deutschland dringend gebraucht wird.

Fazit

Die Einführung der Widerspruchsregelung ist kein Eingriff in die Freiheit, sondern ein Schritt zu mehr Verantwortung und Solidarität. Sie respektiert die Entscheidung jedes Einzelnen, erhöht aber gleichzeitig die Chance, dass lebensrettende Organe zur Verfügung stehen.

Wenn wir verhindern wollen, dass weiterhin täglich Menschen sterben, weil kein Organ gefunden wird, müssen wir handeln. Die Widerspruchsregelung bietet eine realistische, bewährte und humane Möglichkeit, die Organspende-Bereitschaft zu erhöhen und mehr Leben zu retten.

Ich habe einen Organspendeausweis, habe die Bereitschaft zur Organspende in meiner Patientenverfügung dokumentiert und habe gerade die Petition „Jetzt Widerspruchsregelung für  Organspenden!“ unterzeichnet.

Ich würde mich sehr freuen, wenn auch Sie dieses Anliegen unterstützen. Je mehr Menschen mitmachen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Erfolg hat. 

Bitte unterzeichnen Sie hier die Petition:

https://weact.campact.de/petitions/jetzt-widerspruchslosung-fur-organspenden?share=023223b2-afcf-4fb4-9632-8a8d85f3b61a&source=mailto_link&utm_medium=recommendation&utm_source=mailto

Dr. Dr. med. Lutz Aderhold

author: GRR