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04
03
2026

Symbolbild - Photo: Victah Sailer@PhotoRun

Adipositas: Global und in Deutschland – Dr. Dr. med. Lutz Aderhold – Welt-Adipositas-Tag am 4.3.2026

By GRR 0

Adipositas – Globale Entwicklung

Kurzfassung: Adipositas hat sich weltweit in den letzten Jahrzehnten stark ausgebreitet und gilt heute als eine der größten Public-Health-Herausforderungen.

Langfristiger Trend

Seit den 1970er-Jahren hat sich der Anteil adipöser Menschen weltweit mehr als verdreifacht.
Betroffen sind alle Weltregionen – nicht mehr nur wohlhabende Länder.

Adipositas nimmt sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern und Jugendlichen zu.

Regionale Muster

  • Hocheinkommensländer: Früher stark betroffen, heute teils Stabilisierung auf hohem Niveau (z. B. Nordamerika, Westeuropa).
  • Niedrig- und Mitteleinkommensländer: Schnellster Anstieg, besonders in Städten (z. B. Südostasien, Naher Osten, Teile Afrikas).
  • Doppelte Krankheitslast: In einigen Ländern existieren Unterernährung und Adipositas gleichzeitig.

Kinder und Jugendliche

  • Weltweit deutlicher Anstieg seit den 1990ern.
  • Adipositas im Kindesalter erhöht das Risiko für:
    • Typ-2-Diabetes
    • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
    • Persistierende Adipositas im Erwachsenenalter

Hauptursachen

  • Kalorienreiche, stark verarbeitete Lebensmittel
  • Zunehmende körperliche Inaktivität
  • Urbanisierung und motorisierter Verkehr
  • Soziale und wirtschaftliche Faktoren

Gesundheitliche Folgen

  • Erhöhtes Risiko für:
    • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
    • Typ-2-Diabetes
    • Bestimmte Krebsarten
  • Hohe Kosten für Gesundheitssysteme und Volkswirtschaften

Internationale Einordnung

Die Weltgesundheitsorganisation stuft Adipositas als globale Epidemie ein und empfiehlt:

  • Prävention durch Ernährungspolitik
  • Förderung von Bewegung
  • Regulierung von Zucker, Fett und Marketing an Kinder

Hier ist ein aktueller Überblick über Adipositas (starkes Übergewicht) in Deutschland bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen – mit Entwicklungen über die Zeit, der aktuellen Situation, Ursachen und politisch-strategischen Handlungsoptionen.

1. Aktuelle Prävalenz und Entwicklung

Kinder und Jugendliche

  • In Deutschland sind ca. 15 % der 3- bis 17-Jährigen übergewichtig, davon rund 6 % adipös bzw. adipös definiert nach BMI-Bezugstabellen (KiGGS Wave 2, 2014–2017).
  • Die Prävalenz von Übergewicht steigt mit dem Alter (z. B. höher bei 14–17-Jährigen).
  • Es gibt soziale Ungleichheiten: Kinder und Jugendliche mit niedrigem sozioökonomischem Status haben deutlich höhere Prävalenzen.
  • Zeitlicher Trend: Langzeitdaten zeigen, dass die Raten von Übergewicht/Adipositas in den letzten Jahrzehnten hoch geblieben oder leicht angestiegen sind; Versichertendaten deuten auf einen Anstieg der Adipositas-Diagnosen bei Kindern seit 2008 hin.

Erwachsene

  • Nach aktuellen Daten gaben etwa 53,5 % der Erwachsenen in Deutschland an, übergewichtig zu sein, und 19 % sind adipös (BMI ≥ 30).
  • Die Prävalenz nimmt mit dem Alter zu und ist in Gruppierungen mit niedriger Bildung deutlich höher.
  • Langzeitbeobachtungen zeigen, dass Adipositas bei Erwachsenen seit Anfang der 2000er-Jahre deutlich zugenommen hat, sowohl insgesamt als auch in einzelnen Altersgruppen.

Trends und internationale Vergleiche

  • Deutschland spiegelt die globale Zunahme von Adipositas wider: Weltweit hat sich die Anzahl stark übergewichtiger Menschen stark erhöht, auch bei Kindern und Jugendlichen – eine Entwicklung, die die WHO als „Adipositas-Epidemie“ beschreibt.

2. Ursachen und Risikofaktoren

Adipositas ist ein multifaktorielles Problem, zu dem gehören u. a.:

  • Ernährungsgewohnheiten: hoher Konsum ultraverarbeiteter Lebensmittel mit hohem Zucker- und Fettgehalt.
  • Bewegungsmangel und sitzende Lebensweise.
  • Sozioökonomische Ungleichheiten: Bildung, Einkommen und Zugang zu gesunder Ernährung beeinflussen stark das Risiko.
  • Frühkindliche Ernährung und Familiengewohnheiten.
  • Umweltfaktoren wie Werbung für ungesunde Lebensmittel, insbesondere an Kinder gerichtet.

3. Gesundheitliche Folgen

Adipositas ist mit zahlreichen chronischen Erkrankungen und Risiken verbunden, u. a.:

  • Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck
  • Gelenkprobleme, Atemstörungen
  • Erhöhtes Risiko für schwere Verläufe bei Infektionskrankheiten
  • Soziale Ausgrenzung (Hänseleien und Mobbing von Kindern)
  • Psychische Belastung

4. Maßnahmen – Was ist zu tun?

Prävention

Früh beginnende Ansätze sind zentral:

  • Gesundheits- und Ernährungsbildung in Kindergärten und Schulen
  • Förderung von Bewegung im Alltag (z. B. Schulwege, Sportangebote)
  • Kostenfreie und gesunde Schulverpflegung kann helfen, Übergewicht zu reduzieren.

Unterstützung und Therapie

  • Primärprävention bei jungen Familien (z. B. Beratung in Schwangerschaft und frühen Lebensjahren)
  • Niedrigschwellige therapeutische Angebote für Menschen mit Adipositas (z. B. verhaltensbasierte Programme)
  • Psychologische Unterstützung, da Adipositas oft mit mentaler Gesundheit verknüpft ist.

Politische Maßnahmen

Fachgesellschaften und Wissenschaftler fordern politische Strategien:

  • Zucker- bzw. Health-Taxen auf stark zuckerhaltige Getränke/Produkte (z. B. Zuckersteuer).
  • Beschränkungen der Werbung für ungesunde Lebensmittel, besonders an Kinder.
  • Steuerliche Förderung gesunder Lebensmittel, Subventionen für frische Lebensmittel.
  • Bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln (z. B. Ampelsystem)
  • Ausbau des Public-Health-Monitorings zur besseren Steuerung von Maßnahmen.

Fazit

Adipositas ist in Deutschland ein anhaltend hohes Gesundheitsproblem mit steigender Prävalenz bei Erwachsenen und einer unverändert hohen Rate bei Kindern. Politische Maßnahmen und Prävention über den gesamten Lebenslauf sind dringend notwendig.

Literatur:

Bundesgesundheitsministerium. (2024). Abschlussbericht Adipositas-Monitoring (AdiMon).

Deutsche Adipositas-Gesellschaft. (2025). Prävalenz von Übergewicht und Adipositas in Deutschland. https://adipositas-gesellschaft.de/ueber-adipositas/praevalenz/

Robert Koch-Institut. (2023). Overweight and obesity.
https://www.rki.de/obesity

Robert Koch-Institut. (2018). Schienkiewitz, A et al. Overweight and obesity among children and adolescents in Germany: KiGGS Wave 2 results and trends. Journal of Health Monitoring, 1.

Mensink G B M et al. (2013). Übergewicht und Adipositas in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt, 56, 786-794.

Statista. (2025). Anstieg von Adipositasdiagnosen unter Kindern und Jugendlichen in Deutschland. https://de.statista.com/

World Health Organization. (2025). Obesity and overweight fact sheet. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/obesity-and-overweight

Schienkiewitz A et al. (2022). Overweight and obesity among adults in Germany – Results from GEDA 2019/2020-EHIS. Journal of Health Monitoring.

Kurth B M et al. (2018). Overweight and obesity among children and adolescents in Germany – Results of KiGGS Wave 2. Journal of Health Monitoring.

StatBase (2024). Prevalence of overweight among adults | Germany. https://statbase.org/data/deu-prevalence-of-overweight-among-adults/

Dr. Dr. med. Lutz Aderhold

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Vorfahrt für die Prävention! Dr. Dr. med. Lutz Aderhold

 

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