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Relevante Gesundheitsstudien für Deutschland Teil 1: Übersicht – Dr. Dr. med. Lutz Aderhold
Hier ist eine aktuelle, strukturierte Übersicht relevanter Gesundheitsstudien und -berichte in Deutschland (Stand 2024/2025) inklusive kurzer Zusammenfassung der Ergebnisse, zentraler Erkenntnisse für Prävention und Handlungsempfehlungen – basierend auf offiziellen Daten und repräsentativen Studien.
1. NAKO-Gesundheitsstudie
Kurzbeschreibung:
Die NAKO-Gesundheitsstudie ist Deutschlands größte Langzeit-Kohortenstudie (≈ 205 000 Teilnehmende, 18 Studienzentren), die seit 2014 Risikofaktoren für Volkskrankheiten erfasst und Lebensstil, Umwelt, Genetik sowie Gesundheitsverläufe longitudinal beobachtet.
Ziel: Erfassung von Risikofaktoren für Volkskrankheiten und Entwicklung von Präventions- und Früherkennungsstrategien.
Wesentliche Befunde:
- Lebensstil & Risiko: Ein gesunder Lebensstil (regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, moderater Alkoholkonsum, Nichtrauchen) ist mit niedrigeren Risikofaktoren (z. B. reduziertem viszeralem Fett) verbunden.
- Körperliche Aktivität: Bewegungsmangel ist weit verbreitet und mit höheren Gesundheitskosten verknüpft; Sport in der Freizeit senkt diese Kosten, körperlich hohe Aktivität bei der Arbeit aber nicht unbedingt.
- Pandemieeffekte: Während Corona sank die körperliche Aktivität, besonders im Home-Office, und die sitzende Lebensweise nahm zu.
- Soziale Determinanten: Niedriger Bildungsstand und geringes Einkommen erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, vor allem bei Frauen.
- Mentale Gesundheit: Pandemie-bezogene Stress-, Angst- und Depressionssymptome nahmen zu, besonders bei Jüngeren und Frauen.
- Weitere Gesundheitsindikatoren: Chronische Schmerzen, kognitive Funktionen und Beteiligung an Screenings sind mit Lebensstil und sozialen Faktoren assoziiert.
Zentrale Ergebnisse:
-
Erfasst breit Lebensstilfaktoren, genetische, soziale und Umweltfaktoren.
- Fokus auf Herz-Kreislauf, Krebs, Diabetes, Atemwege, neurologische und psychische Erkrankungen.
Langfristige Aussagen über Entstehung, Verlauf und Prävention von Krankheiten möglich. www.nako.de
Bewertung:
NAKO liefert umfangreiche, hochwertige epidemiologische Daten zu Lebensstil, Krankheit und Prävention in Deutschland. Durch die große Stichprobe und standardisierte Messmethoden können Risikofaktoren differenziert analysiert werden. Allerdings ist sie beobachtend, d. h. kausale Schlussfolgerungen sind begrenzt. Zudem können Ergebnisse beim Bewegungsverhalten je nach Erhebungsmethode stark variieren (z. B. Fragebogen vs. objektive Messung).
2. RKI – Gesundheit in Deutschland 2025
Art: Fortlaufendes Bevölkerungsmonitoring
Ziel: Laufende repräsentative Erhebung zur körperlichen, psychischen Gesundheit, Gesundheitsverhalten, Versorgungs- und Lebensbedingungen.
Ergebnisse 2024/25:
- Nur noch ~64 % der Erwachsenen bewerten ihre Gesundheit als „gut/ sehr gut“ – Rückgang gegenüber Vorjahren.
- Depressive Symptome bei rund 22 %; über 50 % berichten chronische Erkrankungen.
Deutliche Hinweise für steigende Belastungen, besonders psychisch und chronisch. www.rki.de
Siehe gesonderter Beitrag: https://news.germanroadraces.de/robert-koch-institut-rki-gesundheit-in-deutschland-2025-dr-dr-med-lutz-aderhold/
3. HLS-GER 3 Studie – (Health Literacy Study) Gesundheitskompetenz
Kurzbeschreibung:
Der dritte Health Literacy Survey Germany (HLS-GER 3) erfasst repräsentativ die Gesundheitskompetenz der erwachsenen Bevölkerung (Deutsch: Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden).
Kernbefunde:
- Gesundheitskompetenz niedrig: Rund 55–56 % der deutschen Erwachsenen weisen weiterhin geringe Gesundheitskompetenz auf. Ein leichter positiver Trend im Vergleich zu früheren Erhebungen (Verbesserung ≈ 3 % über fünf Jahre) ist erkennbar.
- Schwierigkeiten im Umgang mit Informationen: Besonders bei Krisen- und Katastropheninformationen bestehen große Defizite.
- Soziale Ungleichheiten: Niedriges Bildungs- und Einkommensniveau sowie chronische Erkrankungen gehen mit besonders ausgeprägten Kompetenzdefiziten einher.
- Regionale Unterschiede: Teilanalysen (z. B. Baden-Württemberg) zeigen über 50 % Personen mit niedriger Gesundheitskompetenz in bestimmten Regionen.
- Bewertung:
HLS-GER 3 zeigt klar strukturelle Herausforderungen im Umgang mit Gesundheitsinformationen. Die Ergebnisse sind repräsentativ und aktuell (2025), was sie für Strategien zur Gesundheitsförderung sehr relevant macht. Eine Limitation ist, dass die Veröffentlichung vollständiger Daten noch in Arbeit ist; bisherige Ergebnisse sind vorläufig. Charité Gesundheitswissenschaften
4. TK-Stressreport 2025
Art: Repräsentative Bevölkerungsbefragung zu Stress
Kernaussagen:
- Etwa 66 % fühlen sich häufig oder gelegentlich stark gestresst.
- Nur 8 % berichten, überhaupt keinen Stress zu erleben.
Stress ist ein dominanter Gesundheits- und Präventionsfaktor im Alltag. Die Techniker
Siehe gesonderter Beitrag: Zunehmende Stressbelastung in der Bevölkerung – erscheint bei: www.laufreport.de
5. DKV-Report 2025 „Wie gesund lebt Deutschland?“
Art: Repräsentative Erhebung zum Gesundheitsverhalten
Wesentliche Ergebnisse:
- Nur 2 % erfüllen alle Kriterien eines gesunden Lebensstils (Bewegung, Ernährung, Stress, Rauchfreiheit, Alkoholverzicht).
- Durchschnittlich sitzen Menschen >10 h/Tag – Höchststand.
- Nur 20 % haben gesunden Stress-Umgang. https://www.dkv.com/downloads/DKV-Report-2025-Bericht.pdf
Siehe gesonderter Beitrag: https://news.germanroadraces.de/neue-studien-zu-gesundheits-und-freizeitverhalten-in-deutschland-teil-1-wie-gesund-lebt-deutschland-dr-dr-med-lutz-aderhold/
6. DAK-Präventionsradar 2025
Art: Schulbasierte Studie zu Gesundheitsverhalten bei Kindern
Schwerpunkte: Ernährung, Bewegung, Lebensgewohnheiten, frühe Prävention
Erkenntnisse:
- Erhebung zeigt differenzierte gesundheitliche Muster von Heranwachsenden.
Wichtige Grundlage für schulische Prävention und Gesundheitsförderung in jungen Lebensjahren. - Mangelnde Gesundheitskompetenz der Schulkinder. DAK Gesundheit Home
Siehe gesonderter Beitrag: https://news.germanroadraces.de/dak-praeventionsradar-84-prozent-der-schulkinder-haben-keine-ausreichende-gesundheitskompetenz-dr-dr-med-lutz-aderhold/
7. Unicef Kinderwohl-Index
Folgend soll eine kompakte Übersicht zum UNICEF „Kinderwohl-Index“ / Child Well-Being-Ranking mit den Ergebnissen für Deutschland, inkl. Bewertung und Fazit vorgenommen werden.
Ergebnisse für Deutschland – UNICEF Child Well-Being-Index
Internationale Rangliste
- Deutschland belegt im UNICEF-Ranking zum Kinderwohl Platz 25 von 43 OECD- und EU-Ländern (Datenbasis 2018 vs. 2022).
Entwicklung im Zeitvergleich
- Im Vergleich zur vorherigen Studie (2020) ist Deutschland deutlich abgerutscht (von Rang 14 auf Rang 25).
Wichtige Indikatoren und Trends in Deutschland
Lebenszufriedenheit
- Der Anteil der 15-jährigen Kinder und Jugendlichen, der mit seinem Leben zufrieden ist, ist gesunken – von etwa 75 % in 2018 auf rund 68 % in 2022.
Bildung / Kompetenzen
- Der Anteil der Kinder mit grundlegenden Lese- und Rechenkompetenzen ist stark gesunken – von 73 % (2018) auf ca. 60 % (2022).
Gesundheit
- Der Anteil übergewichtiger Kinder liegt stabil bei etwa 25 %, ohne deutliche Verbesserung.
Bewertung – Stärken & Schwächen
Stärken
- Deutschland hat weiterhin ein hohes Entwicklungsniveau (z. B. wirtschaftliche und soziale Rahmenbedingungen).
- In einigen Bereichen wie körperlicher Gesundheit und Kindersterblichkeit schneiden wohlhabende Länder insgesamt gut ab.
Schwachstellen
- Schulische Leistungen sind deutlich zurückgegangen.
- Lebenszufriedenheit und mentale Gesundheit von Jugendlichen zeigen Verschlechterungstrends.
- Ungleichheiten zwischen Kindern aus unterschiedlichen sozialen und ökonomischen Verhältnissen bleiben groß.
- Besonders betroffen sind Kinder aus benachteiligten Familien mit schlechteren Startbedingungen (z. B. geringere Unterstützung, weniger Teilhabe, Bildungschancen).
UNICEF-Empfehlungen (Kurzfassung)
UNICEF fordert unter anderem:
- Gezielte Investitionen in Bildung und sozial benachteiligte Kinder.
- Förderung der mentalen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.
- Mehr politische Maßnahmen, um die Chancengleichheit und Unterstützung im Alltag zu verbessern.
Kompakte Schlussfolgerung
Deutschland liegt im „Kinderwohl-Index“ im unteren Mittelfeld der reichen Länder und hat sich in den letzten Jahren in mehreren wichtigen Wohlstands- und Bildungsindikatoren deutlich verschlechtert. Besonders ernste Probleme bestehen bei schulischen Grundkompetenzen, der Lebenszufriedenheit von Kindern und der ungleichen Verteilung von Chancen – trotz guter wirtschaftlicher Ressourcen. UNICEF sieht deshalb hohen politischen Handlungsbedarf, um diese Trends umzudrehen und insbesondere sozial benachteiligte Kinder stärker zu unterstützen.
Siehe gesonderter Beitrag: Unicef Kinderwohl-Index – erscheint bei: www.germanroadraces.de
8. WHO Germany Country Physical Activity Factsheet 2024
Kurzbeschreibung und Schlüsselzahlen:
Das WHO Physical Activity Factsheet Deutschland 2024 liefert einen Überblick über körperliche Aktivität und Politik zur Bewegungsförderung (auf Basis nationaler Daten und vergleichbarer Indikatoren).
Wesentliche Punkte:
- Levels der körperlichen Aktivität: Nur ein geringer Anteil der Erwachsenen erfüllt umfassend die WHO-Empfehlungen (≥ 150 Min. moderater Aktivität/Woche plus Muskeltraining). Schätzungen liegen bei ca. 26–29 % je nach Messdefinition.
- Politische Maßnahmen: Deutschland hat keine vollständige Implementierung der WHO-Leitlinien (z. B. „Sports Club for Health“) in großem Umfang, aber nationale Programme wie „Sport pro Gesundheit“, Fahrradinfrastruktur-Pläne und Programme zur Bewegungsförderung existieren.
- Schwerpunkte: Integration von körperlicher Aktivität in Bildung, Stadt- und Verkehrsplanung und Gesundheitswesen wird betont, jedoch variiert die Umsetzung zwischen Sektoren.
Bewertung:
Der Factsheet-Bericht bietet kontextspezifische Daten und zeigt politische Rahmenbedingungen auf. Allerdings sind direkte zeitnahe Trendanalysen und robustere multivariate Analysen oft nicht enthalten; ergänzende nationale Quellen (z. B. RKI) zeigen teils höhere Schätzungen der aktiven Bevölkerung (~ 45 %, je nach Erhebungsmethode). Weltgesundheitsorganisation
9. Public Health Index (PHI) 2025
Art: Umfassender Report zu Lebensstil-Risikofaktoren für nichtübertragbare Erkrankungen
Kernaussagen:
- Ungesunde Ernährung, Rauchen, Alkohol und Bewegungsmangel werden erneut als Hauptursachen für chronische Erkrankungen benannt.
Deutschland hat im europäischen Vergleich Nachholbedarf in der Präventionspolitik. Deutsches Krebsforschungszentrum
Siehe gesonderter Beitrag: https://www.laufreport.de/training/wissenschaft/medizin-und-wissenschaft.htm
10. OECD – Health at a Glance 2025 (Deutschland)
Kurzprofil & Kontext:
Die jährliche OECD-Publikation vergleicht Gesundheitssysteme, Gesundheitsergebnisse und Risikofaktoren über Mitgliedsstaaten hinweg. Der Deutschland-Teil basiert auf offiziell vergleichbaren Daten.
Zentrale Befunde – Gesundheit und Risikofaktoren
Lebenserwartung: ca. 81,1 Jahre, nahe dem OECD-Durchschnitt.
Selbsteinschätzung schlechter Gesundheit: 10,9 % der Bevölkerung schätzen ihre Gesundheit als „schlecht/ sehr schlecht“, höher als der OECD-Schnitt.
Risikofaktoren:
- Alkoholkonsum deutlich über dem OECD-Durchschnitt (10,6 l vs. 8,5 l).
- Rauchen auf OECD-Durchschnittsniveau (~14,6 %).
- Bewegungsmangel weniger verbreitet als im OECD-Schnitt (15 % vs. 30 %).
- Adipositas etwas unter dem OECD-Durchschnitt (17 % vs. 19 %).
Gesundheitssystem – Zugang und Qualität
Hohe Abdeckung und Zufriedenheit: Fast keine unerfüllten Behandlungsbedarfe, 81 % zufrieden mit Versorgung.
Qualitätsindikatoren:
- Kinderimpfraten und Brustkrebs-Screenings leicht unter dem OECD-Durchschnitt.
- Vermeidbare Krankenhausaufnahmen über OECD-Durchschnitt.
- 30-Tage-Sterblichkeit nach Herzinfarkt höher als in vielen OECD-Ländern.
Insgesamt solide Versorgung, aber Potenziale bei Vorsorge, Koordination & Qualität.
Ressourcen und Ausgaben
Deutschland gibt deutlich mehr für Gesundheit aus (ca. 12,3 % des BIP, über OECD-Durchschnitt) – mit hoher Ausstattung an Personal, Betten und Geräten.
Trotz hoher Ressourcen bleiben Ergebnisse in Prävention und Qualitätsindikatoren mittelmäßig. OECD
11. RKI – Nationale Mental Health Surveillance / Panel „Gesundheit in Deutschland“
Konzept und Zweck:
Das Robert Koch-Institut baut seit 2019 ein kontinuierliches System zur Erfassung psychischer Gesundheit in der Bevölkerung auf („Mental Health Surveillance – MHS“). Ziel ist laufende, zuverlässige Beobachtung psychischer Gesundheit und Risikofaktoren.
Kernergebnisse (2024/25)
Depressive und Angst-Symptome (RKI-Panel):
- ~22 % der Erwachsenen zeigen depressive Symptome (PHQ-9 ≥ 10).
- ~14 % zeigen relevante Symptome von Angststörungen (GAD-7 ≥ 10).
- ~8 % mit moderat-schweren bis schweren Symptomen beider Bereiche.
Selbsteinschätzte Gesundheit (RKI-Panel):
- Nur etwa 64 % schätzen ihre Gesundheit als „gut/ sehr gut“.
- Soziale Ungleichheiten sind deutlich: niedrigere Bildung = schlechtere Gesundheit.
- Jüngere häufiger psychisch belastet, ältere häufiger körperlich eingeschränkt.
Systematische Hinweise:
Das MHS-System soll künftig weitere Indikatoren leisten (z. B. Suizid-Risiko, soziale Unterstützung, Belastende Lebensereignisse) und ist Teil der nationalen nicht-übertragbaren-Krankheiten-Surveillance. Robert Koch-Institut
12. World Happiness Report 2025
Globales Gesamtbild 2025
- Der World Happiness Report bewertet die Lebenszufriedenheit der Bevölkerung weltweit anhand von Umfragedaten.
- Wieder ganz oben: Finnland bleibt das glücklichste Land der Welt, gefolgt von Dänemark, Island und Schweden – also v.a. nordische Länder ganz vorn.
Deutschland im Ranking
- Deutschland belegt Platz 22 von etwa 147 Ländern im World Happiness Report 2025.
- Damit ist Deutschland nicht mehr unter den Top 20 der glücklichsten Nationen.
- Im Vergleich zum Vorjahr hat sich Deutschland leicht verbessert (von Rang 24 auf 22).
Deutschland vs. andere Länder
- Skandinavische Länder dominieren die Spitzengruppe (Plätze 1–4).
- Deutschland liegt hinter vielen kleineren europäischen Staaten (z. B. Niederlande, Luxemburg) und auch hinter einigen OECD-Ländern, aber deutlich vor Ländern wie Frankreich, Spanien oder Italien.
- Im Vergleich zu großen Volkswirtschaften hat Deutschland z. B. die USA überholt (USA Platz 24).
- Deutschland ist im oberen Mittelfeld, aber nicht im Kreis der „glücklichsten“ Länder der Welt.
- Die höchste Lebenszufriedenheit finden sich weiterhin in Nordeuropa.
- Deutschland verbessert sich tendenziell leicht, bleibt jedoch hinter vielen kleineren europäischen Staaten.
Siehe gesonderter Beitrag: World Happiness Report 2025 – erscheint bei www.laufreport.de
13. Work-Life Balance Index 2025
Der Work-Life Balance Index 2025 (oft auch Global Life-Work Balance Index genannt) ist ein internationaler Vergleich, der misst, wie gut verschiedene Länder ein Gleichgewicht zwischen Beruf und Privatleben für Arbeitnehmer ermöglichen. Er wird jährlich von der HR-Plattform Remote erstellt und bewertet etwa 60 große Volkswirtschaften anhand verschiedener Faktoren, darunter: gesetzliche Urlaubstage, Elternzeit, Mindestlohn, Gesundheitsversorgung, Sicherheit, inklusives Arbeitsumfeld, durchschnittliche Arbeitszeit und allgemeine Lebenszufriedenheit. Die Werte werden zu einem Score aus maximal 100 Punkten zusammengefasst.
Wichtigste Ergebnisse 2025
Top-Länder mit bester Balance
- Neuseeland – Bestes Ergebnis weltweit (ca. ~86,9)
- Irland – Spitzenposition in Europa (~81,2)
- Belgien – Rund 75,9
- Deutschland – Rund 74,6
… weitere folgen wie Norwegen, Dänemark, Kanada, Australien, Spanien, Finnland.
Schlusslicht-Länder
- USA – Sehr niedrig (~31,2)
- Nigeria, Ägypten, Bangladesch, Äthiopien – weitere der unteren Plätze.
Wozu dient dieser Index?
Der Index zeigt, wie gut Lebensqualität und Arbeitsanforderungen in einem Land ausbalanciert sind. Er hilft:
Arbeitgebern und Politikern, zu erkennen, wie Arbeitsbedingungen im internationalen Vergleich abschneiden.
Arbeitnehmenden, Länder oder Arbeitsmärkte zu bewerten, die eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben bieten.
Unternehmen, ihre Strategien zur Mitarbeitermotivation, Gesundheit und Zufriedenheit zu verbessern.
Er dient also als Benchmark für Lebensqualität am Arbeitsplatz.
Warum ist das wichtig?
In einer Zeit, in der flexible Arbeitsmodelle, Home-Office, Elternzeit und persönliche Freizeit immer mehr Gewicht bekommen, zeigt der Index:
- dass Work-Life Balance heute für viele Beschäftigte wichtiger ist als Gehalt oder reine Karriereziele, vor allem bei jüngeren Generationen.
- wie soziale, politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen (z. B. Urlaubstage, Mindestlohn, Sicherheit) die Lebensqualität von Beschäftigten beeinflussen.
- wo Handlungsbedarf besteht, z. B. in Ländern mit langen Arbeitszeiten oder wenig gesetzlichem Schutz.
Kurz: Der Index ist ein Maßstab dafür, wie gut ein Arbeits- und Lebensmodell in einem Land funktioniert – und gibt Impulse für Arbeitsmarktpolitik und Unternehmenspraxis weltweit.
Siehe gesonderter Beitrag: Work-Life-Balance Index 2025 – erscheint bei www.laufreport.de
14. Freizeit Monitor 2025 der Stiftung für Zukunftsfragen (Hamburg)
Studienaufbau
- Repräsentative Online-Befragung von über 3.000 Deutschen ab 18 Jahren im Juni 2025.
- Langzeitstudie, die seit über 40 Jahren regelmäßig durchgeführt wird.
Hauptbefunde
1. Freizeit „on demand“ und digital
- Freizeit findet zunehmend nach dem „On-Demand-Prinzip“ statt: Individuell, flexibel, digital verfügbar.
- Medienkonsum dominiert: 98 % nutzen mindestens wöchentlich das Internet, 83 % Fernsehen und Musik, 72 % soziale Medien.
- Lineares Fernsehen, Radio und gedruckte Medien verlieren deutlich an Bedeutung gegenüber Streaming und sozialen Plattformen.
2. Bedeutung von Balance und Erholung
- Persönliche Erholung ist ein zentraler Bestandteil der Freizeit: 62 % bewusstes Faulenzen, 58 % ausschlafen, 73 % Zeit für eigene Gedanken.
- Viele Menschen nutzen Freizeit als Rückzug, Selbstreflexion und Entschleunigung.
3. Sport und Bewegung als starke Trends
- Mehr als die Hälfte der Bevölkerung treibt mindestens einmal pro Woche Sport, ein Rekordwert.
- Bewegung findet zunehmend auch zuhause statt (z. B. über Apps, Streaming).
- Klassische Outdoor-Aktivitäten wie Spazierengehen, Joggen und Schwimmen haben deutlich zugenommen.
4. Soziale Kontakte sinken
- Wöchentliche Treffen mit Freunden, Nachbarn oder Familie gehen zurück.
- Treffen mit Freunden: 20 % (2025) vs. 24 % (2010).
- Großeltern sehen ihre Enkel seltener.
- Öffentliche soziale Aktivitäten (z. B. Kneipenbesuche) sind rückläufig.
5. Traditionelles bleibt stabil
- Buchlesen ist trotz digitaler Konkurrenz konstant beliebt (~35 %).
Zentrale Schlussfolgerung der Studie
Die Freizeit der Deutschen befindet sich in einem Doppeltendenz-Prozess:
- Digitalisierung und Personalisierung gewinnen weiter an Bedeutung: Freizeit ist flexibel, medial geprägt und individuell gestaltbar.
- Gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach analogen, entschleunigten Aktivitäten wie Sport, Naturerlebnissen und bewusster Erholung.
Kritischer Punkt: Soziale Begegnungen außerhalb digitaler Räume treten zurück, was langfristig Auswirkungen auf Gemeinschaftsleben und sozialen Zusammenhalt haben könnte.
Beurteilung
Stärken des Monitors
- Breite, repräsentative Datenbasis (über 3.000 Befragte, Langzeitvergleich).
- Klar erkennbare Trends: Digitalisierung, Selbstfürsorge, Sport als wichtige Freizeitpfeiler.
- Vermittelt ein differenziertes Bild zwischen digitaler Bequemlichkeit und analoger „bewusster Freizeit“.
Kritische Aspekte
- Digitaler Schwerpunkt könnte soziale Isolation verstärken, wenn analoge Kontakte weiter sinken.
- Die Studie zeigt Korrelationen, aber nicht zwangsläufig kausale Gründe (z. B. warum soziale Kontakte sinken).
- Bedeutende Themen wie Nachhaltigkeit im Freizeitverhalten oder Unterschiede nach Altersgruppen werden in der Kurzfassung weniger beleuchtet.
Fazit
Der Freizeit-Monitor 2025 liefert einen klugen Überblick über den Wandel der Freizeitkultur in Deutschland: Er zeigt die wachsende Bedeutung digitaler, flexibler Freizeitformen, aber auch eine gleichzeitige Sehnsucht nach Entschleunigung, Gesundheit und körperlicher Aktivität. Damit illustriert er starke gesellschaftliche Veränderungen, die sowohl Chancen (z. B. individuelle Selbstbestimmung) als auch Risiken (z. B. sinkende reale soziale Begegnungen) bergen.
Siehe gesonderter Beitrag: https://news.germanroadraces.de/neue-studien-zu-gesundheits-und-freizeitverhalten-in-deutschland-teil-2-freizeit-monitor-2025-dr-dr-med-lutz-aderhold/
Weiter geht es in Teil 2: Fazit und Folgerungen
Dr. Dr. med. Lutz Aderhold
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