Leichtathletik-Basisarbeit bedeutet das „mehr“ in einem anspruchsvol-leren frühen Kindertraining. - Foto: privat
Spass und gute Stimmung für „Mehrbewegung“ im Training der Jüngsten – Lothar Pöhlitz*
Alle wissen, dass „Musik-Wunderkinder“ oder Schüler in Sportarten wie z.B. Turnen, Schwimmen, Sportgymnastik oder in den nordischen Skidisziplinen nicht nur einen deutlich höheren Trainingsaufwand bewältigen als Leichtathletik-Kinder, sondern ein Training auch mit höheren Ansprüchen.
Es ist auch bekannt, dass in der Leichtathletik viele begeisterte Kinder gern mehr trainieren würden, am besten siegen wollen, oftmals aber fehlen die Angebote. Leichtathletik-Basisarbeit bedeutet das „mehr“ in einem anspruchsvol-leren frühen Kindertraining. In den Vereinen für die 6-9jährigen und die 10-12jährigen, auch in Sportschulen durch Kids-Coaches mit Fach-Wissen für diese Aufgabe, Bewußtsein und Erfahrung.
Vor allem brauchen Kindertrainer ein Herz und Leidenschaft, schaffen mit auch Spaß und Stimmung die angestrebte „Mehrbewegung“, erziehen und führen trotzdem bestimmend und kompetent zur Zielerfüllung in der Trainingseinheit.
Kids – Coaches suchen auch nach Talenten die siegen wollen
Kinder- und Jugendtraining mit einem hohen Anspruchsniveau ist auch Erziehung zur Disziplin, Pünktlichkeit, zur richtigen Ernährung, zum notwendigen Schlaf, damit das Training auch besser macht.
Oft ist Im Alter von 10-12 Jahren das Talent schon erkannt und man kann der Grundausbildung eine Ausbildungszielrichtung geben. Zur Vorbereitung auf das Nachwuchsleistungstraining sollen ja die notwendigen 10-12 Jahre sinnvoll genutzt werden. Welche der vielen Leichtathletik-Disziplinen es letztendlich wird bestimmen das Talent und die Trainingsinhalte wesentlich.
Eine erfolgreiche, aktive Integration in eine bestehende Gruppe durch Ansprachen und für „Anfänger“ keine langen Erklärungen, sondern vormachen – vor allem wenn es um neue Bewegungstechniken geht. Verschiedene kurze Ausdauerspiele mit Pausen – 10-15 Minuten eine neue Technik vermitteln und probieren lassen – die vom letzten Mal wiederholen – kleine Spielereien oder sich in einem abwechslungsreichen Parcours bewegen. Die neue Grundlagen-Technik, die für die nächste Stunde vorgesehen ist, kann man auch schon einmal vorbereiten. Spaß haben und immer wieder Erfolgserlebnisse schaffen, Lob und Motivation, das sie mit nach Hause nehmen.
Kids-Coaches mit Leidenschaft für Talentarbeit
Sie wissen auch, nur wenn erkannte Talente 10-12 Jahren systematisch aufgebaut und begleitet werden und eine gute Grundausbildung erhalten, haben sie eine Chance eines Tages oben anzukommen. Natürlich müssen sie auf diesem langen Weg den Spaß und die Leidenschaft für ein immer anspruchsvolleres Training behalten. Der Kinder-Trainer trägt dafür eine große Verantwortung. Die Ausbildungsstufe um die „10-12“ ist für die Zukunft, auch zur Spezialstreckenfindung wichtig.
Die gute Stimmung und Motivation, auch der Einzelnen, hat positive Effekte und führt zu intensiverem Training, zu stärkeren körperliche Reizen und höheren Trainingswirkungen.
Erfolgserlebnisse, immer besseres Können, Wissen, Glauben und Überzeugungen geben Sicherheit, schützen vor Misserfolgen und ermöglichen die Grenzen zu verschieben. Ausbleibende Leistungsfortschritte führen zu Desinteresse und Lustlosigkeit
Spaß im Training bedeutet nie Leichtsinn, deshalb ist das pädagogische Einfühlungsvermögen vorrangig, die Erklärung neuer Übungen, Korrekturen und die schrittweise Erlernung müssen beherrschtes „Handwerk“ sein.
Der Trainer ist Persönlichkeit und Vorbild zugleich, geht mit allen korrekt um, motiviert, lobt und kritisiert, ohne zu verletzen. Sie müssen früh lehren das es in im Laufen auch um Siege und Niederlagen geht. Dabei kommt der Rolle der Niederlagen – als Teil des Sports und des Lebens – eine besondere Bedeutung zu. Und wenn er es gut macht „lieben sie ihn sogar“, zumindest ist das meine Erfahrung.
Kein Erwachsenentraining mit den Jüngsten – die individuelle Fitness ohne Beschwerden bestimmt die Belastung. Dabei ist eine Differenzierung in Früh- und Spätentwickler wichtig. Ausbildungsprinzip: Mit den Trainingsinhalten die Anforderung unmerklich steigern
Die Einbeziehung von hilfsbereiten Eltern in bestimmte Organisationsformen, wie die Organisation einer Weihnachtsfeier, die Verwaltung der Teamkasse oder als Begleiter ins Trainingslager ist sehr hilfreich.
Eine Kinder-Grundausbildung zielt auf die Förderung ihrer Fitness, allgemeinen Koordination, ihrer Beweglichkeit, der Grund-Schnelligkeit und der allgemeinen Ausdauer. In dieser Zeit zeigen sich schon die Ehrgeizigen, mehr schnelligkeitsveranlagten Schnelligkeits- oder mehr Ausdauer-Typen, trotzdem bitte keine Extreme.
Am besten möglichst bald 4x kindgerechtes Training, vielleicht mit diesen Inhalten
1.TE Einlaufarbeit lehren – Schnelligkeit – Unterdistanz
2.TE Ausdauerschwerpunkt – Ausdauerspiele – gemeinsamer,Waldlauf oder Geländelauf
3.TE Technik-Schwerpunkt – Erlernung der Techniken der aktuellen Trainingsübungen / Lauftechnik / Steigerungs- und Tempowechselläufe / Rasentraining
4.TE Athletik / Gymnastik – kleine Sprünge – Schlagball – 2-3 x eine Rasenrunde
In diesem Alter darf man sich nicht von den im Prinzip schon leistungsfähigeren Frühentwicklern „blenden“ lassen. Im Lauf haben ehrgeizige, fleißige Spätentwickler, besonders in den Lang-streckendisziplinen sehr gute Chancen für eine erfolgreiche, wenn vielleicht auch etwas spätere Karriere.
Gebt den Frühentwicklern die Chance, wenn sie möchten, für ihre Stärke auch etwas mehr zu tun als die anderen. Talenterkennung erfolgt im Training. Talente entwickeln sich bei gleichem Training innerhalb einer Gruppe schneller, und sie sollten dann auch schon mehr dürfen.
Zu beachten ist das in Verbindung mit z.B. Wachstumsschüben in diesem Altersbereich auch bei Talenten Stagnationszeiten nicht auszuschließen sind.
Neben guten Gesamtkörperproportionen (Körpergröße der Eltern beachten) sind die Laufschnelligkeit, gute Schnellkraftfähigkeiten, eine gute Beweglichkeit- und Bewegungskoordination, gute Ausdauerfähigkeiten (Test am besten im Wald in einem 2000 – 3000 m Trainingslauf) und eine gute Lernfähigkeit wichtige Beurteilungskriterien für die Talententwicklung. Ohne eine entsprechende Leistungsbereitschaft und eine gewisse Intelligenz um die gleichermaßen wichtigen schulischen Aufgaben „nebenbei“ zu lösen, ist eine Talententwicklung undenkbar.
- Schwerpunkte eines allgemein-vielseitigen, anspruchsvolleren Basistrainings sind:
- eine allgemein – vielseitige Ausbildung
- koordinativ-technische Ausbildung (Technikerwerbstraining in leichtathletischen Disziplinen,
- Hürdenlauf, in allen Trainings-übungen, im Lauf – ABC und in anderen, genutzten Sportarten)
- Beweglichkeitsentwicklung, Lauftechnik
- Konditionelle Ausbildung, zunehmende Wiederholungszahlen, in der Erhöhung der Anzahl der Trainingseinheiten, in der Verlängerung der Übungszeit in den Trainingseinheiten, allgemeine Aus-dauer, Ganzkörperkraft, Bewegungsschnelligkeit
- Schnelligkeitsorientierte Ausbildung (Zeitabschnitt bis zum Ende der biologischen Reife ist besonders günstig), durch schnelle Spiele, Schnelligkeitstraining, schnelle Bewegungshandlungen in der Übungsausführung – ohne auf das Ausdauertraining zu verzichten
- Der Leistungsfortschritt wird bestimmt von der Anzahl und der Qualität der Übungseinheiten.
Wunderkinder werden nicht geboren, sie beginnen früh und beschäftigen sich täglich mehrere Stunden mit ihrem „Hobby“, auch mit ihren Schwächen. Talentfortschritte werden auch im Ergebnis der Lernintensität manifest.
Für diejenigen die nun schon etwas länger durch das Grundlagentraining stärker geworden sind werden zwei Lauftrainingseinheiten angeboten, die nicht nur das Bewußtsein stärken das sie nun Läufer werden, sondern auch zum richtigen Training hinführen sollen:
Natürlich beginnt alles mit Einlaufen – Gymnastik – Koordinationsübungen und 3 – 4 x 60 m Steigerungsläufen, dem folgt:
2 – 3 x (2-3 x 200m) – dabei die ersten oder letzten 50 m schnell + dazwischen 150 m im mittleren Tempo – Serienpausen 4-5 Minuten
Fahrtspiel oder Bahntraining mit 5 – 6 x 2 Minuten (wenn möglich mit Trainerbegleitung) im individuell-mittleren Dauerlauftempo – auch schneller – und 2 Minuten Trabpausen „vorwärts“.
F A Z I T
Die in den letzten Jahren zu beobachtende „Verjüngung im Höchstleistungsalter von Läufern“ lässt auf einen früheren Beginn eines leistungsorientierten Trainings, als auch auf eine Steigerung der Effizienz des Kinder- und Jugendtrainings in anderen Ländern schließen.
Leistungsentwicklungsraten werden mehr als früher von verbesserten „frühen Bewegungen der Kids“ bestimmt.
Lothar Pöhlitz
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*Lothar Pöhlitz – seit 1957 Dipl.- Sportlehrer für Leistungssport / Sportwissen-schaftler / 1971- 1979 Leiter des Wissenschaftlichen Zentrums Lauf der DDR / Trainer, SC Chemie Halle / Nachwuchs-Verbandstrainer, Sprinttrainer TSV Bayer LEV, / Trainer Dortmund / DLV-Bundestrainer Lauf 1980 – 1998 / Teamleiter Marathon / Straßenlauf / 3x Olympia-Trainer für Deutschland /
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