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07
01
2026

Die ersten schwarzen Champions. Von Jack Johnson bis Malaika Mihambo: 125 Jahre Rassismus im Sport. Hildesheim 2025: Arete Verlag. 240 S.; 26,- € - Cover: ARETE

Über die ersten schwarzen Champions im Sport: 35 Biografien von Jesse Owens bis Malaika Mihambo … ARETE Verlag – Prof. Dr. Detlef Kuhlmann

By GRR 0

Im Sport sind alle gleich. Im Sport sind alle willkommen. Sport verbindet. Sport schafft Gemeinschaft – mehr noch: „Sport ist der Hort für viele junge Deutsche mit dunkler Hautfarbe, Rassismus zu trotzen und Diskriminierung zu überwinden“.

Das schreibt Herausgeber und Autor Hartmut Scherzer, international aktive Sportreporter-Legende aus Frankfurt, schon in seiner Einleitung (Titel: „Black People – Schwarze Menschen“), und der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Weikert, erklärt in seinem Vorwort, wofür der deutsche Sport steht:

„Für eine Gemeinschaft, die niemanden ausgrenzt, niemanden zurücklässt, sondern an jeder Stelle die Integration fördert und damit Geschichten wie jene, die dieses Buch bietet, einerseits ermöglicht, andererseits aber auch – so meine Hoffnung – irgendwann überflüssig macht“.

Das aufwendig gestaltete Kompendium im Hochglanzformat enthält insgesamt 35 Biografien prominenter schwarzer Sportlerinnen und Sportler, nicht nur aus Deutschland. Wir können ihren Weg in den Sport mitverfolgen bis hin zu ihren größten Erfolgen wie dem Gewinn olympischer Medaillen oder Weltmeistertitel. Wir erfahren aber auch, welche (diskriminierenden) Hürden sie jeweils dabei überwinden mussten und welche Kräfte der Sport für das Leben außerhalb der Arenen bei ihnen freigesetzt hat. Aufgeschrieben haben die Stories zehn ebenso prominente Journalisten (wie Sportchef Anno Hecker von der FAZ) und zwei Fachjournalistinnen (wie Doris Henkel für Tennis).

Gegliedert sind die bebilderten Beiträge, die kaum mehr als etwa acht Seiten umfassen, zunächst nach Sportarten von Autorennen (hier: Lewis Hamilton) über Leichtathletik (hier u.a. Jesse Owens und Wilma Rudolph) bis Eisschnelllauf (hier: Erin Jackson).

Es folgt ein Kapitel unter der Überschrift „Die ersten schwarzen deutschen Champions“ mit den Biografien von Dennis Schröder, Erwin Kostedde, Jérome Boateng, Steffi Jones, Assad Nouhoum, Charles Friedek, Malaika Mihambo und Mariam Jamanka, bevor zum Schluss „Rebellen gegen Rassismus“ vorgestellt werden – darunter: die beiden US-amerikanischen Sprinter John Carlos und Tommie Smith mit ihrer weltbekannten „Black Power“-Haltung anlässlich ihrer Siegerehrung bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexico-City.

Ein forsches Fazit mit offener Frage: Diese Buchvorstellung erscheint in einem Organ der Laufbewegung. Deshalb darf die Frage erlaubt sein, warum es in dem bemerkenswerten Werk von Hartmut Scherzer keine einzige Biografie von jenen schwarzen Läuferinnen und Läufern gibt, die seit Jahren und Jahrzehnten die Langstrecken- bzw. Marathonszene weltweit dominieren. Mindestens zwei Vermutungen liegen nahe:

Einerseits könnte das – mehr oder weniger unbeabsichtigt – den sportartbezogenen Präferenzen des Herausgebers geschuldet sein, der sich dem Boxen und dem Fußball besonders eng verbunden fühlt und so die Laufszene schlicht ausgeblendet wurde … Andererseits könnte die „Fehlanzeige“ auch damit zusammenhängen, dass Rassismus in der modernen Laufbewegung keine Rolle (mehr) spielt.

Doch das zu beurteilen steht im Grunde zuerst und einzig all den schwarzen Aktiven zu, die hier (hoffentlich längst) „heimisch“ geworden sind …

Hartmut Scherzer (Hrsg.): Die ersten schwarzen Champions. Von Jack Johnson bis Malaika Mihambo: 125 Jahre Rassismus im Sport. Hildesheim 2025: Arete Verlag. 240 S.; 26,- €

Prof. Dr. Detlef Kuhlmann  

… war bis 2023 Leiter des Arbeitsbereichs Sport und Erziehung am Institut für Sportwissenschaft der Leibniz Universität Hannover und hat im Jahre 1990 zusammen mit Horst Milde den Berliner Literatur-Marathon begründet, den er seitdem moderiert. Für German Road Races stellt er gelegentlich neue Laufbücher vor und erinnert an „Klassiker“. Zu seinen neueren (Lauf-) Publikationen gehören:

Kuhlmann, D. (Hrsg.): „… auf den letzten Metern“. Momente des Zieleinlaufs. (Mit einem Vorwort von Katrin Müller-Hohenstein). Hildesheim 2021: Arete Verlag. 200 S.; 18,- €; ISBN 978-3-96423-058-4

Kuhlmann, D., Pieper, H. & Schulze Forsthövel, U. (Hrsg.): Die sportlich heiteren und politisch gescheiterten Olympischen Spiele München ’72. Zum Gedenken an Walther Tröger. Hildesheim 2023: Arete Verlag. 210 S.; 22,- €; ISBN 978-3-06423-112-3

Lesetipp – Mit Wolfgang W. Schüler laufend lyrisch unterwegs: Gedichte eines Jahres als „Übergänge“ vorgelegt – Prof. Dr. Detlef Kuhlmann

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author: GRR