Rita Süssmuth bei der Rennsteiglaufpressekonferenz 1994, rechts der Chef des MDR-Thüringen, Kurt Morneweg, links der Präsident des GutsMuths-Rennsteiglaufvereins, Hans-Georg Kremer - Foto: privat
Schirmherrin des Rennsteiglaufs von 1994 verstorben – Dr. Hans-Georg Kremer
Die Politische Wende 1990 in der DDR brachte für den GutsMuths-Rennsteiglauf eine Vielzahl von Problemen. Die Teilnehmerzahlen waren 1991 mit 5020 Zieleinläufen auf den niedrigsten Stand seit 1977.
Dies bedeutete finanziell, dass der Lauf ohne Zuschüsse des Landes Thüringen und großzügige Sponsoren nicht überlebt hätte. Der zahlenmäßig geringe Personalbestand der Rennsteiglauforganisation konnte durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen abgesichert werden. Bis 1994 konnte die Teilnehmerzahl auf fast 9.000 gesteigert werden, was aber an der Aufnahme neuer Lauf und Wanderstrecken lag.
Die Aufnahme des Halbmarathons und der 17km Wanderstrecke erwiesen sich als Glücksfälle für den Lauf. Die Traditionsstrecken /Supermarathon und Marathon) entwickelten sich sogar rückläufig. Zu den Hauptgründen gehörte, dass es nicht gelang, anteilig mehr Läuferinnen und Läufer aus den alten Bundesländern zu gewinnen. Mit etwas über 2500 stellte diese Zielgruppe etwa ein Drittel. Die verschiedensten Werbemaßnahmen, auf die jetzt hier nicht eingegangen werden soll, brachten nur bedingt Zuwächse, wenn auch die Presse besonders in den Läuferzeitschriften, wie Laufzeit, Spiridon und Condition ausgesprochen wohlwollend war.
Der Vizepräsident des GutsMuths-Rennsteiglaufvereins schlug daher vor, für den Lauf eine bundesweit bekannte Persönlichkeit aus der Politik als Schirmherren bzw. Schirmherrin zu gewinnen. Über seine Funktion im Verband Thüringer Wirtschaft gelang es ihm tatsächlich die Bundestagspräsidentin, Frau Prof. Dr. Rita Süssmuth, als Schirmherrin zu gewinnen. Sie kam dann auch zu einer Pressekonferenz in Vorbereitung des Laufs, sagte aber zum Lauftermin ihre Teilnahme ab
Ihr Grußwort an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lautete:
„Seit 22 Jahren macht der GutsMuths-Rennsteiglauf im Naturpark Thüringer Wald mit vielen Laufwettkämpfen und Wanderungen seinem Namen alle Ehre. Die Einheit und Harmonie von Leistungssport, Breitensport und Freizeitwanderungen hat den Rennsteiglauf zu einem beliebten Sportereignis gemacht. Die Rekordteilnehmerzahl von 10.000 Menschen in diesem Jahr zeigt, daß für jeden etwas dabei ist und die Veranstaltungen oft von ganzen Familien, der Verwandtschaft und Freundeskreisen wahrgenommen werden. Ich freue mich insbesondere darüber, daß am Halbmarathon auch behinderte Menschen teilnehmen und Höchstleistungen vollbringen werden.
Sicherlich kommt der Erfolg einer solchen Großveranstaltung ganz besonders daher, daß „Dabeisein alles ist“. Jeder sucht auf andere Weise eine persönliche Herausforderung: Einige streben nach einem allerersten Durchhalten, viele erhoffen sich nach langer Vorbereitung eine neue persönliche Bestzeit, manche wollen sich bei Wanderungen erholen und die Natur erleben. Alle Teilnehmer und Zuschauer schließlich lernen den Naturpark Thüringer Wald kennen und genießen die spannende und kameradschaftliche Atmosphäre des Laufes.
Ein mehrstündiger Lauf über die Marathonstrecke oder gar 66,5 km mit großen Höhenunterschieden erfordert neben großer körperlicher Leistungsfähigkeit vor allem eine starke Willenskraft. Auch wir Politiker haben solche Marathonerfahrungen: Marathonsitzungen, die einen langen Atem erfordern, oder Marathonwahlkämpfe, für die jeder großes Durchhaltevermögen braucht. In der Politik ist es wie beim Rennsteiglauf: es gibt Höhen und Tiefen, und wer ans Ziel kommen will, braucht Stehvermögen. Im Training sind die Riesendistanzen der Rennsteigläufe unerreichbar, doch das Gefühl der Gemeinsamkeit gibt Kraft und Mut, sorgt für die richtige Stimmung und unterwegs hilft der Ansporn durch Zuschauer, Betreuer und nicht zuletzt der anderen Läuferinnen und Läufer. Ich bin sicher, daß aus solchen Begegnungen und Sportkontakten schon viele dauerhafte Freundschaften entstanden sind.
Ich wünsche allen Aktiven und Lauffreunden, daß sie über den Sport hinaus die vielfältigen Möglichkeiten nutzen, interessante Gespräche zu führen und nicht zuletzt bleibende Eindrücke vom Höhenweg auf dem Kamm des Thüringer Waldes in einer einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft mitnehmen. Mein besonderer Dank gilt den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Betreuern, die durch ihr großes Engagement sehr zum Gelingen des Rennsteiglaufes beitragen.“
Inwieweit diese Schirmherrschaft dazu beigetragen hat, dass der Rennsteiglauf über die Grenzen der ostdeutschen Bundesländer hinaus bekannt wurde bleibt zu hinterfragen. Die Zahl der Zieleinläufe stieg 1995 lediglich auf der Halbmarathonstrecke um 400 signifikant.
Auf jeden Fall wurden bei den kommenden Läufen Thüringer Minister oder Ministerpräsidenten bzw. –präsidentinnen als Schirmherren gewonnen, die auch bis heute tatsächlich am Lauftag anwesend sind und sogar teilweise selber mitgelaufen oder gewandert sind.
Dr. Hans-Georg Kremer
Ziegenhainer Str. 77
07749 Jena
Tel.: 03641-363094
WSV ProSeniores e.V.
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