Hallen-Staatsmeister 2026 (Wien) - Foto: © ÖLV/@amri.sports
ÖLV – Hallen-Staatsmeisterschaften: Hürdensprinter Diessl und Strametz stark, vier Athleten schaffen Doppel-Gold
An diesem Wochenende fanden in der Sport Arena Wien die Leichtathletik-Hallen-Staatsmeisterschaften statt, auch am zweiten Tag zeigten die besten heimischen Leichtathleten ausgezeichnete Leistungen.
Karin Strametz und Enzo Diessl zeigten exzellente Rennen über die 60m Hürden, Kevin Kamenschak, Caroline Bredlinger, Niklas Strohmayer-Dangl und Endiorass Kingley holten jeweils zwei Einzeltitel.
Strametz mit starker Vorstellung, Bredlinger doppelt mit zweitem Gold nach
Hürden-Ass Karin Strametz (SU Leibnitz) konnte locker in ihre Rennen gehen, sie hatte das Hallen-WM-Limit nach einer bisher starken Saison bereits in der Tasche. Die Steirerin zeigte auch heute wieder zwei tolle Läufe, in Vorlauf waren es 8,11s, im Finale blieb die Uhr dann sogar bei 8,05s stehen, ihrer zweitschnellsten Zeit in diesem Winter. Damit konnte die 27-Jährige ihren fünften Hallentitel in Serie anschreiben und scheint für Torun gerüstet. Sehr spannend war der Kampf um Silber, in dem sich Isabelle Engel (SU Leibnitz) gegen Geburtstagskind Lena Lackner (ATSV Linz LA) mit 8,45s zu 8,50s knapp durchsetzen konnte.
Karin Strametz: „In Richtung WM bin ich sicher auf einem guten Weg, die Form stimmt. Die beiden Läufe heute waren sicher gut, aber nicht perfekt, aber ich weiß an welchen kleinen Dingen ich noch arbeiten muss. Manchmal bin ich etwas zu nah an den Hürden, daher verliere ich dann bei der Überquerung ein wenig Zeit. Zuerst freue ich mich aber über den Titel, der ist immer viel wert.“

Zwölf Mal ohne Unterbrechung hatte Susanne Gogl-Walli (TGW Zehnkampf Union) den Hallentitel über die 400m gewonnen, heuer wurde sie nach Oberschenkel-Verletzung nicht rechtzeitig fit und sagte ihren Start in Wien nach dem Abschlusstraining kurzfristig ab. So wurde über die zwei Stadionrunden eine neue Meisterin gekürt, und das wurde in direkten Zweikampf zwischen zwei niederösterreichischen 400m-Hürdenspezialistinnen entschieden. Lena Pressler (Union St.Pölten) begann wie erwartet sehr schnell und setzte sich rasch in Führung, nach 150m schien sie jedoch kurz zu zögern und Anja Dlauhy (ULC Riverside Mödling) schob sich außen vorbei. In der letzten Kurve attackierte Pressler noch einmal, die zwei Jahre jüngere Konkurrentin hielt aber dagegen und durfte im Ziel über ihren ersten Titel bei Hallen-Staatsmeisterschaften jubeln. Auch die gelaufenen Zeiten können sich sehen lassen, 54,29s (PB) zu 54,40s (SB) lautete das Endergebnis. Als Dritte konnte Elisabeth Golger (KLC) die 400m mit 55,98s beenden.
Anja Dlauhy: „Ich wollte heuer in der Halle unter 54,50s laufen, das ist mir heute endlich gelungen. Letzte Woche bin ich zu schnell angegangen, heute war es zu Beginn etwas langsamer, dadurch hatte ich am Ende noch mehr Kraft. Die Entscheidung nach der ersten Runde nach vorne zu gehen fiel intuitiv und in der Zielkurve wollte ich Lena keinesfalls überholen lassen. Heute habe ich alles richtig gemacht, ich freue mich riesig über den Titel, aber noch mehr über die tolle Zeit.“

Auf die gestrigen 3.000m hatte Lotte Seiler (KSV Alutechnik) verzichtet, sie wollte sich voll auf die 1500m konzentrieren. Doch sie hatte sehr starke Konkurrenz bekommen, denn 800m-Meisterin Caroline Bredlinger (Laufteam Bgld Eisenstadt) hatte sich etwas überraschend gegen einen Start über die 400m entschieden. Die Steirerin startete gleich stark und lief vorneweg, die Burgenländerin blieb aber dran. In der vorletzten Runde schob sich Bredlinger dann nach vorne und konnte so zum ersten Mal zwei Titel an einem Staatsmeisterschaftswochenende feiern. Nach starken 4:16,31min blieb die Uhr stehen, was neuen Landesrekord und Rang 6 in der ewigen heimischen Bestenliste bedeutete. Mit Silber wurde Seiler für ihre Leistung von 4:22,69min belohnt, Katharina Pesendorfer (SVS LA) setzte sich in einem harten Fight um Bronze mit 4:25,33min durch.
Caroline Bredlinger: „Es hat sich sehr gut angefühlt und überraschend viel Spaß gemacht. Ich habe fast ein wenig ein schlechtes Gewissen, mich so lange an Lotte angehängt zu haben. Ich bin ganz locker in den Lauf gegangen, weil ich ja fast keine Vergleichswerte hatte. Die Attacke habe ich aus dem Bauch heraus entschieden. Jetzt mein erstes Doppelgold in diesen beiden Bewerben zu holen ist schon sehr cool, es war ja eine relativ spontane Entscheidung heute über 1500m zu starten. In Richtung Hallen-WM stimmt die Form jedenfalls.“

Im Dreisprung musste Titelverteidigerin Viktoria Straczek-Helios (DSG Wien) die Hallensaison wegen Erkrankung auslassen, so kam es zu einem Duell Angel Osasiemen Osaro (SKV Feuerwehr Wien) gegen die dreifache Meisterin Jana Schnabel (ULC Linz Oberbank). Die Oberösterreicherin lag zuerst mit 11,74m voran, in Runde 5 übernahm die Wienerin nach mehreren weiten, aber ungültigen Sprüngen mit 12,04m die Führung. Schnabel kam im letzten Durchgang zwar mit 11,95m noch einmal näher heran, Osaro darf sich aber mit erst 17 Jahren jetzt jüngste Siegerin dieser Staatsmeisterschaften nennen. Bronze ging diesmal nach Oberösterreich, Corinna Marica (PSV Wels Leichtathletik) sprang heute 11,48m.
Angel Osaro: „Ich war schon etwas nervös vor dem Wettkampf, aber es war eine sehr positive Aufregung und eine gute Spannung. Es waren extrem gute Sprünge dabei, die leider übertreten waren, aber es war sicher mein bester Wettkampf überhaupt. Der Titel bedeutet mir sehr viel, es ist ja mein erster, ich bin überglücklich.“

2024 und 2025 hatte Christiane Krifka (SVS-LA) im Hochsprung der Frauen triumphiert, auch heute war die junge Niederösterreicherin klare Favoritin. Von 1,63m bis 1,77m übersprang sie alle Höhen gleich im ersten Versuch, dann wurden 1,82 aufgelegt. Auch diese Höhe schaffte die 19-Jährige heute, womit sie eine neue persönliche Bestleistung aufstellte und ihren Titel verteidigte. Auch dahinter glich die weitere Reihung jener des Vorjahres, Lea Germey (SV-Reutte LA) wurde für 1,74m wieder mit Silber belohnt, Bronze ging mit 1,71m an Mehrkampfspezialistin Angela Förster (Union Salzburg LA).
Christiane Krifka: „Es läuft aktuell sehr gut bei mir, der Trainerwechsel zu meinem Vater im Hochsprung hat sehr gut funktioniert. Mir macht es auch Spaß wieder in mehreren Disziplinen zu starten. Heute hatte ich zwischendurch eine kleine Unsicherheit im Anlauf, das konnten wir aber gut korrigieren. Ich habe derzeit sehr viel Freude dabei und es läuft besser als ich es mir erträumt hatte.“
Den letzten Bewerb dieser Meisterschaften, die 4x200m gewann die Union Riverside Mödling in der Besetzung Wohlrab, Dlauhy, Müller, Wirobisch in einer Zeit von 1:39,96min.

Kevin Kamenschak, Endiorass Kingley und Niklas Strohmayer-Dangl mit zweitem Gold, Diessl wieder mit WM-Limit, verzichtet aber auf einen Start in Torun
Enzo Diessl (SU Leibnitz) hatte in dieser Hallensaison schon ausgezeichnete Rennen über 60m Hürden gezeigt und blieb bereits drei Mal unter dem direkten Hallen-WM-Limit von 7,65s. Auch für heute hatte er sich wieder schnelle Zeiten vorgenommen, vor allem auf den ersten beiden Hürden sah er noch Steigerungspotential. Der Steirer kam im Vorlauf auf eine Zeit von 7,71s, im Finale steigerte sich der Leibnitzer auf 7,65 und hatte damit wieder genau die WM-Norm erreicht. Anschließend gab der 21-Jährige aber den Verzicht auf einen Start in Torun bekannt, die Freiluft-EM in Birmingham im August steht bei ihm heuer im Vordergrund. Sein Vereinskollege Philipp Pichler mit 8,08s und etwas überraschend Jonas Unruh (DSG Wien) mit 8,23s (PB) standen mit Diessl auf dem Siegespodest.
Enzo Diessl: „Die zwei Läufe heute haben sich recht flüssig angefühlt, eigentlich schneller als es die Zeiten dann gezeigt haben. Ich hatte in dieser Hallen-Saison zwar eine gute Konstanz, es hat aber der Ausreißer nach oben gefehlt. Ich bin also nicht dort wo ich es mir wünsche und die Hallen-WM ist erst in drei Wochen. Das ist viel Zeit, die wir dann für die Freiluft-Saison verlieren. Daher haben wir uns gegen einen Hallen-WM-Start entschieden und fokussieren uns ganz auf mein großes Ziel Freiluft-EM, wo ich ins Finale kommen will.“

Letztes Jahr musste Niklas Strohmayer-Dangl (LT Bgld Eisenstadt) die 400m kurzfristig absagen, er hatte in der Nacht zuvor Fieber bekommen. Diesmal war die Verfassung des Burgenländers aber ausgezeichnet, gestern hatte er ja schon die 200m mit neuer persönlicher Bestleistung gewonnen. Auch über die zwei Hallenrunden waren ihm in diesem Winter schon ausgezeichnete Läufe gelungen, bis auf zwei Zehntel hatte er sich an den Österreichischen Rekord herangeschoben. Der 23-Jährige ließ an seiner Vorherrschaft über die 400m auch heute keine Zweifel aufkommen und lag nach 46,74s im Ziel deutlich voran. Samuel Lengauer (TGW Zehnkampf Union) verbesserte sich mit 48,27s im Vergleich zum Vorjahr um eine Position auf Rang 2, Michael Gantner (ULC Dornbirn) vervollständigte mit 48,40s das Podest.
Niklas Strohmayer-Dangl: „Mit meiner Hallensaison bin ich sehr zufrieden, auch der heutige Lauf hat gut gepasst. Ich konnte mein Niveau auf allen Distanzen steigern, was mich sehr zuversichtlich für mein großes Ziel Freiluft-EM Birmingham über 400m Hürden stimmt. Meine neue Trainingsgruppe in den Niederlanden ist sehr vorteilhaft für mich, weil mich die anderen starken Athleten einfach jeden Tag mitreißen.“

2024 hatte Kevin Kamenschak (ATSV Linz LA) über 1500m den Titel schon einmal geholt, auch diesmal hatte die Konkurrenz nicht wirklich eine Chance gegen ihn. Der junge Oberösterreicher hielt sich die ersten drei Runden im Windschatten von Tobias Rattinger (LAC BMD Amateure Steyr), ging dann vorbei und lief solo in 3:44,06min zum zweiten Gold an diesem Wochenende. Hinter dem 22-Jährigen gab es dieselbe Reihung wie gestern über die doppelte Distanz, Rattinger wurde mit 3:53,33min wieder Zweiter, Dritter wurde wieder Bernhard Schmid (SVS LA) mit 3:58,37min.
Kevin Kamenschak: „Wir haben unseren Plan, dass Tobias die ersten 550m Tempo auf 3:45 macht sehr gut umgesetzt. Ich wollte dann das Tempo steigern, der 3000er von gestern steckte mir aber noch etwas in den Knochen, darum ging es nicht schneller. Aber Doppelstaatsmeister hört sich schon richtig geil an.“

Für ihn selber überraschend hatte Endiorass Kingley (TGW Zehnkampf Union) gestern schon den Weitsprung gewonnen, heute ging es um die Titelverteidigung im Dreisprung. Bereits mit dem ersten Versuch auf 14,83m setzte sich der Oberösterreicher an die Spitze und behielt diese Position auch bis zum Ende des Wettkampfes. Somit konnte sich der 23-Jährige WM-Finalist über seinen fünften Hallen-Titel in Serie freuen. Felix Schultschik (DSG Wien) steigerte sich im Laufe des Wettkampfes bis auf 14,61m, musste sich aber wie schon im Vorjahr wieder mit Silber begnügen. Bronze ging etwas überraschend an Siebenkampf-Staatsmeister Alexander Heinz (TGW Zehnkampf Union), der bei 13,84m in der Sandkiste landete.
Endiorass Kingley: „Ich wollte im Hinblick auf die Freiluftsaison einfach nichts riskieren. In den letzten Wochen hatte ich ja Probleme mit dem Sprunggelenk, das habe ich heute aber nicht gespürt. Ich hätte nur weitere Versuche gemacht, wenn mich Felix überholt hätte, so war ich aber auf Sicherheit bedacht.“

Im Hochsprung ist Lionel-Afan Strasser (Union Riverside Mödling) in Österreich weiterhin nicht zu schlagen, auch diesmal war ihm Gold nicht zu nehmen. Der Niederösterreicher übersprang heute 2,10m, was für ihn den fünften Titel in Serie bedeutet. Erstmals Silber holte Andreas Gamsjäger (ProTeam Vienna) mit 2,03m, Andreas Steinmetzt (SVS LA) durfte sich mit 1,94m Bronze umhängen lassen.
Die abschließende Staffel ging in1:31,32 min an die DSG Wien (Margaryan/Malischnig/Mayer/Weilharter).

Links
Fotos © ÖLV / @amri.sports)
Livestreams auf streamster.tv (auch on-demand abrufbar):
TV-Beiträge von den Staatsmeisterschaften werden am Sonntag, 8.3. um 08:45 auf ORF 1 in der Sendung Sportbild und am Dienstag, 10.3. um 20:15 auf ORF Sport+ gesendet.
Hallen-Staatsmeister 2026 (Wien)
Frauen
Sonntag
400m: Anja Dlauhy (ULC Riverside Mödling) 54,29s
1500m: Caroline Bredlinger (Laufteam Bgld Eisenstadt) 4:16,31min
4x200m: ULC Riverside Mödling 1:39,96min
60m Hürden: Karin Strametz (SU Leibnitz) 8,05s
Hochsprung: Christiane Krifka (SVS-LA) 1,82m
Dreisprung: Angel Osasiemen Osaro (SKV Feuerwehr Wien) 12,04m
Männer
Sonntag
400m: Niklas Strohmayer-Dangl (LT Bgld Eisenstadt) 46,74s
1500m: Kevin Kamenschak (ATSV Linz LA) 3:44,06min
4x200m: DSG Wien 1:31,32min
60m Hürden: Enzo Diessl (SU Leibnitz) 7,65s
Hochsprung: Lionel-Afan Strasser (ULC Riverside Mödling) 2,10m
Dreisprung: Endiorass Kingley (TGW Zehnkampf Union) 14,83m
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