Symbolbild - Photo: Victah Sailer@PhotoRun
Glück ist lernbar – eine philosophische Betrachtung – Freitag, der 20.3., ist Weltglückstag, der von der UN deklariert wurde (International Day of Happiness). – Dr. Dr. med. Lutz Aderhold
Der Satz „Glück ist Haben – Lieben – Sein“ wird Erich Fromm (Deutscher Psychoanalytiker und Philosoph, 1900-1980) zugeschrieben.
Er stammt nicht als wörtliches Zitat aus einem einzelnen Satz von ihm, sondern ist eine verkürzte Zusammenfassung seiner humanistischen Philosophie – vor allem aus Werken wie „Haben oder Sein“ und „Die Kunst des Liebens“. Fromm beschreibt dort Glück als das Gleichgewicht von materieller Sicherheit (Haben), Beziehungsfähigkeit (Lieben) und authentischer Selbstverwirklichung (Sein).
1. Woher stammt die Idee?
Der Dreiklang Haben – Lieben – Sein lässt sich vor allem auf zwei zentrale Werke von Erich Fromm zurückführen:
„Haben oder Sein“ (1976)
Fromm unterscheidet zwei grundlegende Lebensweisen:
- Haben: Besitz, Kontrolle, Sicherheit durch Dinge
- Sein: Lebendigkeit, Authentizität, inneres Wachstum
Er kritisiert eine Gesellschaft, die Glück fast ausschließlich über Haben definiert, und plädiert für das Sein als eigentliche Quelle von Sinn und Zufriedenheit.
„Die Kunst des Liebens“ (1956)
Hier beschreibt Fromm Lieben nicht als Gefühl, sondern als aktive Fähigkeit:
- Fürsorge
- Verantwortung
- Achtung
- Erkenntnis
Liebe ist bei ihm eine Tätigkeit des Seins, keine Besitzform („Ich habe dich“).
Er kritisiert eine Gesellschaft, die Glück fast ausschließlich über Haben definiert, und plädiert für das Sein als eigentliche Quelle von Sinn und Zufriedenheit.
„Die Kunst des Liebens“ (1956)
Hier beschreibt Fromm Lieben nicht als Gefühl, sondern als aktive Fähigkeit:
- Fürsorge
- Verantwortung
- Achtung
- Erkenntnis
Liebe ist bei ihm eine Tätigkeit des Seins, keine Besitzform („Ich habe dich“).
2. Warum genau diese drei Begriffe?
Fromm selbst formuliert sie nicht als feste Trias, aber viele Interpreten fassen seine Anthropologie so zusammen:
- Haben als materielle Grundlage, Sicherheit (notwendig, aber nicht hinreichend)
- Lieben als gelingende Beziehung zur Welt und zu anderen
- Sein als Selbstverwirklichung, Lebendigkeit, Freiheit
Glück entsteht nicht durch Verzicht auf Haben, sondern durch seine Einordnung unter Lieben und Sein.
3. Häufige Missverständnisse
„Fromm war gegen Besitz.“
Nein. Er war gegen Besitz als Identität.
„Liebe ist bei Fromm Romantik.“
Nein. Liebe ist Praxis und Haltung, keine Emotion allein.
„Sein bedeutet Rückzug oder Spiritualismus.“
Nein. Sein heißt aktiv, wach, verantwortlich leben.
4. Warum wird der Satz oft als Zitat verwendet?
Weil er:
- eingängig ist,
- Fromms Denken gut verdichtet,
- oft in Pädagogik, Psychologie und Theologie genutzt wird.
Er ist also eine didaktische Kurzformel, kein wörtliches Zitat.
Hier ist eine Einordnung von „Haben – Lieben – Sein“ aus Sicht der modernen Glücksforschung:
1. Drei Ebenen des Glücks (moderne Psychologie)
Die heutige Glücksforschung unterscheidet meist drei zentrale Dimensionen – erstaunlich nah an Fromm:
Haben – Lebensumstände
- Einkommen (ab einem gewissen Niveau),
- Gesundheit,
- Sicherheit,
- Wohnsituation.
Forschungsergebnis:
Mehr Haben steigert das Glück nur bis zu einer Schwelle. Danach tritt hedonische Adaption ein (Gewöhnungseffekt).
Entspricht Fromms Kritik am reinen Haben.
Lieben – Beziehungen (soziale Eingebundenheit)
- Partnerschaft,
- Freundschaften,
- Familie,
- Zugehörigkeit.
Zentrale Erkenntnis:
Gute Beziehungen sind der stärkste Einzelprädiktor für langfristiges Glück. Gegenseitige Wertschätzung und Unterstützung sind wichtige Faktoren. Andere Menschen glücklich zu machen ist wahrscheinlich die schnellste Möglichkeit, selbst Glück zu erfahren.
Sein – Sinn und Selbstverwirklichung
- Sinnhaftigkeit (Purpose),
- Autonomie,
- Kompetenz,
- Flow-Erleben.
Begriffe aus der Forschung:
- Eudaimonisches Glück (Aristoteles – moderne Psychologie)
- Self-Determination Theory (Deci und Ryan)
Glück entsteht, wenn wir „wir selbst sein können“ und unser Leben als sinnvoll erleben.
2. Hedonisch vs. eudaimonisch
| Hedonisch | Eudaimonisch |
| Lust, Genuss | Sinn, Wachstum |
| Kurzfristig | Langfristig |
| Konsumorientiert | Tätigkeitsorientiert |
Fromms „Haben“ ≈ hedonisch
Fromms „Sein und Lieben“ ≈ eudaimonisch
Die Forschung zeigt:
Langfristiges Wohlbefinden ist überwiegend eudaimonisch.
3. Was gilt heute als gesichert:
- Geld macht glücklich – aber nur begrenzt,
- Beziehungen sind entscheidender als Status,
- Sinn schützt vor Depression und Burnout,
- Selbstwirksamkeit erhöht Lebenszufriedenheit.
Glück ist kein Zustand, sondern ein gelebter Prozess.
4. Moderne Kurzformel (psychologisch)
Man könnte Fromm heute so übersetzen:
Glück = ausreichende Ressourcen + tragende Beziehungen + sinnvolles Selbstsein
Oder noch kürzer:
Sicherheit – Verbundenheit – Sinn
5. Warum Fromm heute wieder aktuell ist
- Steigende Einsamkeit trotz Wohlstand,
- Burnout trotz Erfolg,
- Sinnkrisen trotz Freiheit.
Genau das hatte Fromm prognostiziert.
6. Weitere kurze Tipps zur Steigerung von Glück und Wohlbefinden:
- Übe Dankbarkeit und Vergeben.
- Probleme sind nur Herausforderungen.
- Sehe Fehlschläge als Chance und Lernprozess.
- Bewege dich – bevorzugt in der Natur.
- Gönne dir kleine Alltagsurlaube.
Fazit:
Gück ist im Sinne der „Positiven Psychologie“ lernbar/trainierbar und hängt in erster Linie von unseren Einstellungen und unserem Verhalten sowie der Umwelt und den Rahmenbedingungen (Epigenetik) ab. Die Genetik (Glücksveranlagung) spielt eine geringere Rolle. Wenn Sie mehr dazu wissen wollen, was Sie selbst tun können und wie Glück und Zufriedenheit neurobiologisch entsteht, dann schauen Sie in mein Buch:
Aderhold L. Klartext Gesundheit! Ernährung – Bewegung – Entspannung – Denken. Die besten Strategien für mehr Gesundheit, Energie und Wohlbefinden. Jena: Vopelius 2024.
Dr. Dr. med. Lutz Aderhold
Warum Deutschland die Widerspruchsregelung bei der Organspende braucht – Dr. Dr. med. Lutz Aderhold
Adipositas: Global und in Deutschland – Dr. Dr. med. Lutz Aderhold – Welt-Adipositas-Tag am 4.3.2026
EN