First Berlin Half Marathon, Berlin 1984 – Photo: Horst Milde
Der Berliner Halbmarathon (am 29.3.2026) – eine Erfolgsgeschichte mit vielen Hindernissen. Jetzt ein Highlight der nationalen und internationalen Laufszene.
Aus den „kleinen Bruder“ des BERLIN-MARATHON ist ein „erwachsenes“ Highlight der nationalen und internationalen Laufszene geworden – Zwei Europarekorde durch Carsten Eich und Fabian Roncero stehen an der Spitze honoriger Sieger
Im Ursprung gedacht als Generalprobe für den BERLIN-MARATHON ist der Halbmarathon längst aus dem Schatten des Marathons herausgetreten und mit inzwischen über 40.000 Teilnehmern aus 135 Nationen zu einem Spektakel der besonderen Art geworden.
Der Lauf über die exakt 21.0975 km ist ein Lauf für alle … für Läufer, Inlineskater, Rollstuhlfahrer, Handbiker und am Vortag auch für Kinder auf kürzeren Distanzen geworden.
Wie die Abbott World Marathon Majors im Marathon ist der GENERALI BERLINER HALBMARATHON
seit 2024 Mitglied der europäischen SuperHalfs Serie, was gewiss die Attraktivität des Laufs noch erhöht.
Die Streckenrekorde von Eric Kiptanui (Kenia/ 58:42) und Fotyen Tesfay (Äthiopien/ 1:03:35) unterstreichen den hohen Stellenwert der Veranstaltung, die 1984 zusammen mit dem 10 km Lauf im
Tiergarten und dem AVON Frauenlauf im Prinzip als Ergänzung für den Marathon ursprünglich ins Leben gerufen wurde.
Offenbar waren die Marathon-Organisatoren des SCC Berlins mit dem Race-Direktor Horst Milde an der Spitze im Jahr 1984 besonders kreativ, denn die drei Läufe haben sich zu attraktiven „Aushängeschildern“ Berlins entwickelt und sind nach wie vor überaus populär. So ist aus dem 10 kmLauf im Tiergarten die Adidas Runners City-Night, aus dem AVON Frauenlauf der Vitamin Well Frauenlauf als fester Bestandteil der Berliner Laufszene geworden.
Die 1984 installierten Läufe sind Meilensteine des Berliner Laufsports, die sicherlich notwendig waren, um den Laufsport in Berlin in der langen Tradition als Laufhochburg auf hohem Niveau weiter zu entwickeln.
Blicken wir zurück auf die bewegte Geschichte des Berliner Halbmarathons, der erstmals am 2. September 1984 stattfand, zunächst erst mit einer langsamen, später aber mit einer rasanten Entwicklung der Teilnehmerzahlen und heute die mit Abstand größte Laufveranstaltung über die 21,0975 km-Distanz in Deutschland ist.
Die Teilnehmer – kurz nach dem Start – am Alexanderplatz – Foto: Horst Milde
Die ursprünglich vier Wochen vor dem Berlin-Marathon konzipierte „Die Generalprobe“ wurde zunächst wie übrigens auch der Berlin-Marathon mit Start und Ziel im Mommsen-Stadion durchgeführt, der Heimstatt des SCC Berlin. Später erfolgte ein Wechsel des Starts auf den Messedamm (an der inzwischen abgerissenen) Deutschlandhalle. Nach dem Mauerfall gab es ab 1990 wechselnde Start- und Zielorte bzw. Streckenverläufe durch die Stadt.
Auch der Berliner Halbmarathon hatte, nicht zuletzt nach seiner Verlegung in die Innenstadt, stets mit den eher widerwilligen Genehmigungen der Ordnungsbehörden zu kämpfen, die das Primat des Autos auf den Straßen in den Vordergrund stellten.
Ähnlich wie der Marathon musste sich auch der Berliner Halbmarathon in seiner historischen Entwicklung mehrmals neu erfinden: So wechselten die Start- und Zielorte innerhalb Berlins wie auch der Termin innerhalb des Kalenderjahres, denn der Halbmarathon wurde einmal im Frühling, einmal im Herbst durchgeführt. Die Teilnehmerzahlen lagen zunächst knapp unter 1.000, später von Jahr zu Jahr kontinuierlich auf über 2.000.
Der in Berlin stationierte britische Soldat Bernie Dowson gewann 1984 die Premiere in 1:06:51 Stunden, bei den Frauen die Berlinerin Angelika Brandt in 1:22:45, die übrigens 1977 auch schon Siegerin beim BERLIN-MARATHON war.
Ganz ähnlich wie der BERLIN-MARATHON war auch der Halbmarathon bis in das Jahr 1989 in der Spitze eher eine lokale Angelegenheit. Der für die Neuköllner Sportfreunde (NSF) startende Ingo Sensburg gewann von 1985 bis 1988 den Lauf, seine Siegerzeit 1986 in 1:06:33 Stunden war bis 1989 auch Streckenrekord.

Ingo Sensburg (NSF), der vierfache Sieger – Foto: privat
Mit Kerstin Preßler gewann übrigens auch eine Läuferin des NSF Berlin. Ihre 1985 erreichte Siegerzeit von 1:15:44 Stunden war bis 1990 ebenfalls Streckenrekord.
1990 firmierte der „Bezirksfachausschuss Leichtathletik Berlin des DTSB der DDR“ mit Stefan Senkel an der Spitze seinen bisherigen „Friedenslauf“ in Ost-Berlin in einen Halbmarathon um und startete diesen am 1. September 1990 in der Karl-Marx-Allee mit Streckenteilen auch durch West-Berlin.
Dadurch strich der SCC seinen Herbsttermin für den Halbmarathon. Da sich die „Friedenslauf“ Organisatoren aus wirtschaftlichen Gründen nicht in der Lage sahen, den Lauf weiterhin zu organisieren, kam der SCC schon 1991 als Organisator, übrigens mit Stefan Senkel, wieder ins Spiel.
Mit dem „Friedenslauf“ Emblem wurde der Halbmarathon des SCC am 1. September 1991 mit Start
der Karl-Marx-Allee weiter durchgeführt.
Die Ausschreibung des „Bezirksfachausschuss Leichtathletik Berlin des DTSB der DDR“ mit dem Logo des Friedenslaufes – Foto: Horst Milde
Ab 1992 wurde der Termin der Veranstaltung vom Herbst in das Frühjahr verlegt, da es sinnvoller schien, diese nun immer größer werdende Laufveranstaltung im Frühjahr zu organisieren und den BERLIN-MARATHON weiterhin im Herbst zu belassen.
Freilich gab es einige Randnotizen, die verdeutlichen, dass auch beim Halbmarathon nicht alles glatt lief. So flogen 1993 auf dem großen Parkplatz in der Alexanderstraße die Umkleide- und Organisationszelte durch einen starken Windstoß durch die Luft, sodass die nahe gelegene Feuerwache dank der engagierten Mithilfe von Albrecht Broemme – dem Leiter der Berliner Feuerwehr – kurzfristig für die Organisation einsprang,
Oder 1994 „saß“ man durch eine Fehllieferung auf der 10fachen Menge der benötigten Bananen, die kurzfristig an nahe gelegene Altenheime und den Berliner Zoo weitergegeben werden konnten.
In den nächsten Jahren konnte man die an der Ecke Alexanderstraße befindliche Kongresshalle für die
Organisation nutzen. Start- und Zielorte mussten jedoch mehrfach wegen Bauarbeiten wechseln.
Während der BERLIN-MARATHON 1992 schon über 13.000 Finisher verzeichnete, blieb die Resonanz auf der halben Distanz mit 2000 Finishern weit hinter den Erwartungen zurück. Im Fokus stand für die
Lauf-Community nur der BERLIN-MARATHON. Erst im Jahre 2003 erreichte der Berliner Halbmarathon
10.998 Teilnehmer.
Die Laufstrecke war mit dem Boulevard „Unter den Linden“ mit Durchlauf durch das Brandenburger Tor, der Siegessäule, dem Charlottenburger Schloss, Kurfürstendamm, Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und „Checkpoint Charlie“ und dem Ziel in der Alexanderstraße absolut attraktiv. Später zog der Lauf dann endgültig in die Karl-Marx-Allee mit Start und Ziel um.

Start in der Karl-Marx-Allee – Foto: Horst Milde
Nach der Wiedervereinigung entwickelten sich die Siegerzeiten kräftig: Stephan Freigang (LC Cottbus) siegte 1990 in 1:01:14, Carsten Eich (Leipzig) 1993 mit der Europarekordzeit von 1:00:34 Stunden. Wäre der Berliner Halbmarathon einen Tag früher gestartet, dann wäre Eich sogar Weltrekord gelaufen, denn der Kenianer Moses Tanui legte am Vortag mit 59:47 Minuten die Messlatte auf eine Endzeit von unter einer Stunde.
Carsten Eich (Leipzig) 1993 mit der Europarekordzeit von 1:00:34 Stunden – links oben in der Ecke der Ausschreibung von 1999 – Foto: Horst Milde
Auch bei den Frauen purzelten die Zeiten: Kathrin Weßel (SCC Berlin) lief zunächst 1994 1:10:47, ehe die Streckenrekorde durch die Belgierin Marleen Renders auf 1:10:04 (1998) und die Kenianerin Joyce Chepchumba auf 1:08:22 (2000) verbessert wurden.
Nach Carsten Eich sorgte 2001 der Spanier Fabian Roncero für den zweiten Europarekord mit 59:52 Minuten und schaffte damit auch medial den Durchbruch für den Berliner Halbmarathon in der
internationalen Szene.
Der Spanier Fabian Roncero – rechts oben in der Ecke der Ausschreibung von 2003 – lief 2001 neuen Europarekord in Berlin – Foto: Horst Milde
Mit dem Berliner Halbmarathon hatte der SCC Berlin neben dem BERLIN-MARATHON ein weiteres
internationales Ass im Ärmel der Laufveranstaltungen. Bereits 1997 hatte man mit der Einführung eines Inlineskating-Wettbewerbs Neuland betreten, der noch im gleichen Jahr auch beim BERLIN MARATHON mit großem Erfolg eingeführt wurde. Damit wurde einmal mehr Berlin zum Trendsetter der internationalen Laufszene.
Wegen diverser Baumaßnahmen wurden Start und Ziel an die Schloßbrücke (2004) und in die KarlMarx-Allee (2011 bis 2018) verlegt, inzwischen gibt es ein ähnliches Start- und Ziel-Areal wie beim Marathon und dem Durchlauf durch das Brandenburger Tor.
Ab 2002 gewannen bei den Männern ausschließlich Läufer aus Kenia (20), bzw. Äthiopien (3), die letzten deutschen Sieger waren Carsten Eich (1993), bei den Frauen Sabrina Mockenhaupt (2009).

Amanal Petros – Foto: SCC EVENTS / Jean-Marc Wiesner
2025 sorgte zudem Amanal Petros mit dem neuen deutschen Halbmarathonrekord in 59.31 Minuten für ein besonderes Ausrufezeichen.
Horst Milde
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