Blog
04
07
2026

Heinrich Popow - Foto: DBS-Mika Volkmann

75 Jahre DBS: Zwischen paralympischer Begeisterung und Kampf um Teilhabe – Deutscher Behindertensportverband e.V.

By GRR 0

Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) blickt am 4. Juli auf seinen 75. Geburtstag zurück.

Und wie relevant das Wirken des an Mitgliedern größten Behindertensportverbands der Welt ist, zeigt neben der Begeisterung rund um Paralympische Spiele auch ein Blick auf eine aktuelle Studie der Aktion Mensch zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Bemerkenswert ist, dass Sportvereinen der größte Stellenwert beigemessen wird, wenn es um gesellschaftlichen Zusammenhalt geht – insbesondere von Menschen mit Behinderung. Das unterstreicht die Wichtigkeit des Engagements des DBS für Teilhabe und Inklusion auch über das Jubiläumsjahr hinaus.

Gegründet wurde der DBS 1951 in Bad Godesberg als „Arbeitsgemeinschaft Deutscher Versehrtensport“ (ADV), 24 Jahre später wurde aus dem zwischenzeitlich in Deutscher Versehrtensportverband e. V. umbenannten Verein dann am 5. Juli 1975 der Deutsche Behindertensportverband. Die Paralympischen Spiele sind die Kür, der große Höhepunkt, dem die Athletinnen und Athleten des Team D Paralympics entgegenfiebern. Doch neben dem Leistungssport sind auch der Breiten-, Präventions- und Rehabilitationssport wichtige Standbeine des DBS. Aus seinen Wurzeln als Versehrtensportverband ist eine Organisation gewachsen, die das gesamte Spektrum des Sports für Menschen mit Behinderung abdeckt.

„Zum 75-jährigen Jubiläum gratuliere ich dem Deutschen Behindertensportverband sehr herzlich. Seit Jahrzehnten leistet der DBS herausragende Arbeit, indem er Menschen mit Behinderung den Zugang zum Breiten- und Leistungssport ermöglicht. Durch sein unermüdliches Engagement unterstützt der DBS nicht nur sportliche Höchstleistungen im paralympischen Spitzensport, sondern auch ein gleichberechtigtes Miteinander in unserer Gesellschaft. Ich danke dem Verband für diesen unschätzbaren Beitrag zur Inklusion und ebenso für die unermüdliche Stärkung des paralympischen Gedankens. Für die Zukunft und die kommenden sportlichen Großereignisse wünsche ich dem DBS und seinen Athletinnen und Athleten weiterhin viel Erfolg und die Energie, um auch in den nächsten Jahrzehnten Sportgeschichte zu schreiben. Mit unserer Bewerbung um Paralympische und Olympische Spiele wollen wir die Begeisterung für den paralympischen Sport weiter stärken und nachhaltige Impulse für Inklusion und Teilhabe setzen. Ich freue mich darauf, diesen Weg gemeinsam mit dem DBS zu gestalten!“ sagt Dr. Christiane Schenderlein, Staatsministerin für Sport und Ehrenamt.

Welchen Stellenwert der Sport und auch Sportvereine insbesondere für Menschen mit Behinderung haben, zeigt eine aktuelle Studie der Aktion Mensch zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sportvereinen wird das größte Potenzial im Hinblick auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt zugesprochen – während es bei Menschen ohne Behinderung 72 Prozent angeben, sind es bei Menschen mit Behinderung sogar 79 Prozent. Das ist jeweils deutlich mehr als etwa bei Gewerkschaften (53% der Menschen ohne Behinderung bzw. 52% der Menschen mit Behinderung), der öffentlichen Verwaltung (44 bzw. 38%), der Kirche (31 bzw. 34%) oder Parteien (34 bzw. 22%).

„Engagieren uns dafür, dass das Sporttreiben für Menschen mit Behinderung keine Ausnahme ist“

Der Deutsche Behindertensportverband sieht sich auch durch diese Ergebnisse darin bestärkt, weiterhin einen Schwerpunkt seines Engagements darauf zu legen, dass Menschen mit Behinderung einen besseren Zugang zum Sport erhalten und es noch viel mehr möglichst wohnortnahe Angebote gibt. Darauf zielen insbesondere Projekte wie die SportWoche für Alle, das Inklusionsmobil, das Handbuch Behindertensport oder die Online-Plattform parasport.de mit Vereins- und Sportarten-Finder ab. „Gemeinsam mit unseren Landes- und Fachverbänden sowie den über 6.100 Vereinen engagieren wir uns tagtäglich dafür, dass das Sporttreiben für Menschen mit Behinderung keine Ausnahme ist, sondern zur Selbstverständlichkeit wird. Dafür haben wir in den vergangenen Jahren viele wichtige Weichenstellungen vorgenommen und sehen uns mit unseren vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden sowie unseren Partnern und Unterstützern auf einem guten Weg“, sagt DBS-Präsident Hans-Jörg Michels.

Auch mit Blick auf die Gleichrangigkeit von olympischem und paralympischem Sport seien wichtige Schritte erfolgt. „Wenn wir gleiche Chancen und gleiche Leistungsbedingungen schaffen wollen, müssen die Belange des paralympischen Sports verbindlich in den Strukturen und Systemen verankert werden. Vor allem auch die deutsche Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele wird an der Frage gemessen: Welches Sport- und Gesellschaftsbild verkörpert dieses Land? Eine Sportförderung, die den paralympischen Sport gleichberechtigt integriert, ist ein Glaubwürdigkeitsfaktor. Es zeigt, dass Deutschland Leistung, Vielfalt und Inklusion gemeinsam denkt“, sagt Michels.

Von größter Bedeutung bleibt die Sichtbarkeit. Es ist gelungen, den Sport von Menschen mit Behinderung stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu führen – insbesondere bei den Paralympischen Spielen, doch in den vergangenen Jahren vermehrt auch außerhalb der Paralympics. Daneben darf nicht vergessen werden, wo der Kern des DBS liegt: im Breitensport, im Rehabilitations- und Präventionssport sowie bei der Jugend und der Förderung des sportlichen Nachwuchses. Noch immer ist der DBS mit rund 67.000 zertifizierten Angeboten bundesweit der größte Leistungserbringer für Rehabilitationssport. So entfällt ein Großteil der aktuell gut 512.000 Mitglieder des DBS auf die Säule des Rehasports.

„Wir müssen die vielfältigen Barrieren abbauen, die Teilhabe am Sport derzeit noch verhindern“

Doch wenn nicht einmal jeder zweite Mensch mit Behinderung Sport treibt, unterstreicht das den Handlungsbedarf für die gesamte Gesellschaft. „In der Praxis scheitert das Sporttreiben häufig nicht am fehlenden Willen, sondern an den fehlenden Möglichkeiten. 17 Jahre nach der Ratifizierung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen darf es in Deutschland keine Glückssache mehr sein, ob Menschen mit Behinderung Sport treiben können. Ziel muss es sein, dem Bewegungsmangel entgegenzuwirken – mit allen positiven Folgen für Gesundheit und Mobilität. Wir müssen die vielfältigen Barrieren abbauen, die Teilhabe am Sport derzeit noch verhindern. Dafür haben wir in den vergangenen 75 Jahren gekämpft – und darum werden wir auch in Zukunft kämpfen“, betont Hans-Jörg Michels.

75 Jahre nach seiner Gründung ist der DBS weiter der größte gemeinwohlorientierte Verband in Deutschland für den Sport von Menschen mit Behinderung und für den Rehabilitationssport. Idriss Gonschinska, Vorstandsvorsitzender des DBS: „Auf das Erreichte in den vergangenen 75 Jahren können wir stolz sein und erhalten für unser Wirken viel Zuspruch. Gleichzeitig erleben wir, dass Teilhabe und Sichtbarkeit noch keine Selbstverständlichkeit sind. Deswegen werden wir unsere Stimme auch künftig erheben und uns mit größter Überzeugung dafür einsetzen, die Voraussetzungen zu verbessern, damit Menschen mit Behinderung sportlich aktiv sein können.“


Hier gibt es einen Überblick über die verschiedenen Kommunikations-Kanäle des DBS.

Deutscher Behindertensportverband e.V.
National Paralympic Committee Germany
Im Hause der Gold-Kraemer-Stiftung
Tulpenweg 2-4
50226 Frechen

 

author: GRR