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Start des ersten AVON Frauenlaufes auf der Strasse des 17. Juni - Foto: Forum für Sportgeschichte - Marathoneum

Berliner Frauenlauf 1984 – 2026: Von AVON bis VITAMIN WELL – Deutschlands grösster Charity-Lauf gegen Brustkrebs – Horst Milde

By GRR 0

Am 16. Mai 2026 findet der VITAMIN WELL Frauenlauf Berlin statt. Deutschlands grösster Charity-Lauf gegen Brustkrebs

Im Jahr 1984 waren die Organisatoren des BERLIN-MARATHON besonders initiativ und gründungsfreudig: So erlebte am 31. Mai 1984 der „1. AVON-Frauenlauf 10 km im Tiergarten“ seine Uraufführung, schon vorher am 15. April 1984 erblickte der „10 km Lauf im Tiergarten (18. Volkslauf)“  das Licht der Welt und am 2. September 1984 begann die Serie des Berliner Halbmarathon.

Alles zum Ärger der anderen Berliner Leichtathletikvereine, denn der SCC verliess sein angestammtes Gelände im Grunewald und Charlottenburg  und zog in die Innenstadt Berlins (West).

Diese drei Läufe haben alle eine sehr positive Entwicklung hinter sich und haben sich zu Aushängeschildern des Berliner Leichtathletik-Verbandes (BLV) und der Stadt Berlin gemacht. Sie heißen jetzt „VITAMIN WELL Frauenlauf Berlin“, „GENERALI BERLINER HALBMARATHON“ und „adidas Runners City-Night Berlin 10 km“ (auf dem Kurfürstendamm).

Vom AVON-Frauenlauf 10 km im Tiergarten 1984 zum VITAMIN WELL Frauenlauf Berlin 2026

Am 31. Mai 1984 – Himmelfahrt und ironischerweise am „Vatertag“ – feierte der AVON Berliner Frauenlauf seine Premiere in Berlin (West) – auf der Straße des 17. Juni – mit dem Brandenburger Tor im Hintergrund  – noch verdeckt von der Berliner Mauer.

645 Läuferinnen standen an der Startlinie – auch einige verkleidete männliche „Spaßvögel“ waren darunter – eine 5 km Distanz für Anfängerinnen und ein 10 Kilometer Lauf wurden angeboten.

Die erste Ausschreibung für den AVON Frauenlauf am 31.Mai 1984 – Foto: Horst Milde 

An den Volksläufen und Marathonläufen waren Frauen bisher unterdurchschnittlich beteiligt, ein reiner Frauenlauf sollte Mädchen und Frauen motivieren und animieren sich auch dem Laufsport zu widmen.

Nicht unbekannt war in der Öffentlichkeit, daß weltweit sich Frauenläufe entwickelten, insbesondere in den USA. Das Kosmetikunternehmen AVON förderte diese Entwicklung, dabei war Katherine Switzer das Aushängeschild von AVON, die die Entwicklung vorantrieb.

Sie lief am 19. April 1967 unerkannt zunächst – als Frau – beim legendären Boston Marathon mit, was verboten war. Der Race Director Jock Semple erkannte sie aber unterwegs und wollte sie rausfeuern, das wurde aber durch ihren Begleiter – der Boxer war – verhindert. Die Bilderfolge dieses Schlagaustauschs ist legendär. Katherine Switzer lief durch – und wurde eine Ikone des Laufsports. Sie gewann später auch den New York City Marathon und stieg bei AVON als Direktorin ein, um den weiblichen Laufsport zu entwickeln und zu intensivieren.

Ich traf sie 1983 beim New York City Marathon und sprach sie an, ob sie nicht AVON überzeugen könnte einen derartigen Frauenlauf auch in Berlin (West) zu sponsern.

Das gelang, wie man weiß. Katherine Switzer kam nach Berlin und fand den Tiergarten – und die Strasse des 17. Juni – als ein ideales Laufgebiet. Katherine Switzer kam dann später oft zu den verschiedensten Anlässen nach Berlin, oft mit ihrem Mann dem Historiker Roger Robinson, als Ikone zu repräsentieren, zum BERLIN-MARATHON oder selbst um als Teilnehmerin am Frauenlauf teilzunehmen. Direkt kam sie auch zu unserer Bäckerei-Konditorei am Tempelhofer Damm in Tempelhof und schwärmte dann später in ihrem Buch über den Kuchen, der ihr bei uns angeboten und serviert wurde,

Von Anfang an waren auch bekannte Läuferinnen beim AVON Frauenlauf als „Aushängeschilder“ mit am Start.

So gewann 1984 Charlotte Teske vor Christa Vahlensieck den 10 Kilometerlauf, beide gehörten damals zur Weltklasse.

Katherine Switzer und Horst Milde beim Training im Tiergarten an der Löwen Brücke – Foto: Bildarchiv Forum für Sportgeschichte

Zum AVON Frauenlauf gehörte auch das gesellschaftliche Umfeld, es gab einige Male ein Abendessen im Hotel Interconti für die Frauen, das Läuferinnen-Forum in der Freien Universität Berlin (FU Berlin) und das kostenlose Lauftrainingsprogramm mit Übungsleitern in allen Berliner Bezirken, schon Wochen vor dem Lauftermin.

Tagelang packte  – erinnere ich mich – eine Mitarbeiterin von AVON in unserer Garage grossse Tüten mit vielen  Produkten und Erzeugnissen von AVON für die Teilnehmerinnen, die sie als Präsent erhielten.

In den Anfangsjahren gab es auch „böse Briefe“ von Männern, die sich darüber beschwerten, daß die Frauen jetzt einen eigenen Lauf haben

Die Teilnehmerinnenzahlen stiegen – auch durch Teilnahme von Schülerinnen von Berliner Schulen – die nach dem Vorbild des Mini-Marathon beim BERLIN-MARATHON – die sich klassenweise an dem Lauf beteiligten und sich natürlich über die die diversen Kosmetika von AVON freuten.

Im Zusammenhang mit dem Frauenlauf muß auch erwähnt werden, dass der SCC hier nichts unterließ um neue Wege zur Werbung für den Frauenlaufsport zu suchen und zu finden: Ab dem 17. Februar 1986 wurde, in Zusammenarbeit mit dem LSB Berlin, an 12 Treffpunkten in Berlin (West) eine kostenloses Trainingsangebot für Mädchen und Frauen installiert. Diese Angebote an Mädchen und Frauen hielten sich über eine Lange Zeit, sie wurden geleitet von ehrenamtlichen arbeitenden Frauen. Nach der Wiedervereinigung wurde das Angebot auch auf den Ostteil Berlins ausgedehnt.

AVON war ein großzügiger Sponsor, denn alle Teilnehmerinnen erhielten – neben Medaille und Urkunde – jeweils auch eine große Tüte mit Kosmetikprodukten der Firma. Ich erinnere mich, dass eine Mitarbeiterin von AVON Deutschland einige Tage lang in unserer Garage die grosse Tüte von AVON mit den begehrten Kosmetikprodukten und einem AVON-T-shirt füllte.

Die drei besten Läuferinnen konnten Preise der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) in Empfang nehmen und die Siegerin der Premiere von 1984 in Berlin  gewann die Teilnahme am Internationalen AVON-Marathon am 23. September 1984 in Paris.

In den Anfangsjahren gab es auch „böse Briefe“ von Männern, die sich darüber beschwerten, daß die Frauen jetzt einen eigenen Lauf haben. Es gab aber auch eine Zeit ohne Sponsor AVON.

Nach dem Vorbild von Oslo und deren Grethe-Waitz-Lauf mit über 40.000 Teilnehmerinnen wollten wir nur noch einen 5 km Lauf (statt der 10 km) einführen, aber es blieb bei diesem einen Versuch, die Läuferinnen wollten „ihren“ 10 km Lauf wieder.

Auch Start und Ziel wechselten, es gab für einige Jahre als Start- und Zielort die John-Foster-Dulles-Allee an der Kongresshalle. Aber durch die steigenden Teilnehmerinnenzahl gezwungen, kehrte man zum ursprünglichen Startort auf die Strasse des 17. Juni zurück.

Auch die Streckenvarianten wechselten, John Kunkeler als Streckenscout, fand immer ansprechendere Strecken durch den Tiergarten, auch durch Umbau entstanden breitere Wege auf den dann auch gelaufen werden konnte.

Das Forum für Sportgeschichte Berlin Marathoneum  hat inzwischen eine reichhaltige Sammlung von Exponaten der AVON-Laufhistorie sammeln können. Dr. David Martin, ein intimer Kenner der US-Laufentwicklung, des AVON Engagements und auch von Katherine Switzer persönlich, übereignete dem Museum herausragende Erinnerungsstücke und Dokumente aus der Anfangszeit des Frauenlaufsports.

Beim Jubiläum der 25. Auflage des ,Avon Running Berliner Frauenlauf’ 2009 gab es eine Rekordbeteiligung von rund 13.000 Frauen und Mädchen.

International existieren schon lange viele große Frauenläufe – zum Beispiel in Oslo und Dublin oder auch in Marokko sowie natürlich in den USA, wo der Freihofer’s Run for Women in Albany (New York) auch schon zum 40. Mal stattfand.

Die Geschichte der AVON-Frauenläufe in den USA begann am 19. März 1978 in Atlanta/USA, Georgia.  In Atlanta deswegen, weil dort das US-Kosmetik-Unternehmen AVON seinen Hauptsitz hat, es eine Hochburg des Laufens war und sich dort viele Helfer für die Organisation fanden.

Die AVON Initiativen und Aktivitäten auf dem Gebiet der Etablierung der weltweiten Frauenläufe mündete in der Aufnahme des Frauen-Marathons bei den Olympischen Spielen in Los Angeles.

„Die Entwicklung zeigt, dass sich unser Engagement in Berlin gelohnt hat. Immer mehr Frauen erkennen, dass man durch das Laufen ein anderes, besseres Lebensgefühl bekommt“ so die Berliner Organisatoren um Horst Milde.

Die erste Siegerin in Berlin 1984 war Deutschlands beste Marathonläuferin Charlotte Teske vom ASC Darmstadt, sie lief 33:27 über die 10 km und gewann vor Christa Vahlensieck (Barmer TV) in 33.37 und Birgit Lennartz (ASV St. Augustin) in 35:37.

Birgit Lennartz gewann 1984  – als Dritte – diese KPM Vase – Foto: Gerd Steins, Berlin.

In Zusammenarbeit mit Sponsoren haben die Berliner Veranstalter vom SCC jahrelang viel Werbung für den Frauenlauf betrieben. „Dieser Lauf hat eine phänomenale Entwicklung gemacht und ist zugleich eine Motivation. Ich kenne Frauen, die eigentlich nie bei einem Wettkampf starten – aber beim Frauenlauf in Berlin sind sie dabei“, erzählte die frühere Weltklasseläuferin Kathrin Weßel. Die Berlinerin hat das 10-km-Rennen zweimal gewonnen.

Mit 645 Läuferinnen wurde 1984 der erste Berliner AVON-Frauenlauf gestartet. Doch viele Jahre stagnierte das Rennen mit Teilnehmerzahlen von unter 1.500 Frauen. 1995 versuchte man in Berlin etwas Neues mit Grete Waitz aus Norwegen, strich das sportliche Rennen über 10 km und setzte ausschließlich auf einen 5-km-Lauf ohne Wettkampfcharakter. Der WOW Effekt sollte helfen „Wellness of Women“.

 

Die WOW Medaille des 1. Events – Foto: Gerd Steins, Berlin

Das Experiment, kopiert vom größten Frauenlauf der Welt in Oslo, wo jährlich über 40.000 Läuferinnen am Start waren, scheiterte, die Berlinerinnen wollten sich auch beweisen und „Zeiten laufen“ so Horst Milde.

Die Urkunde des 1. AVON Frauenlaufes in Berlin – Foto: Horst Milde

Schon ein Jahr später war der 10-km-Lauf in Berlin wieder im Programm, und die Läuferinnen kamen zurück. Doch erst bei der 14. Auflage 1997 wurde erstmals die Zahl von 2.000 Frauen und Mädchen erreicht. Weitere zwei Jahre später gab es einen echten Aufwärtstrend, als sich die Teilnehmerzahl mit 4.362 fast verdoppelt hatte. Und sie stieg in den Folgejahren weiter deutlich.

Deutschlands größter Charity-Frauenlauf mit wechselnden Sponsoren.

Die Corona-Pandemie machte die Durchführung des Laufevents in den Jahren 2020 und 21 unmöglich. Nach dieser Durststrecke erfolgte im Mai 2022 mit frischem Schwung und neuem Titelsponsor KoRo der Neustart des Events „for Women only“.

Der KoRo Frauenlauf Berlin galt als größter Charity-Frauenlauf Deutschlands gegen Brustkrebs. Das Engagement im Kampf gegen den Krebs steht im Mittelpunkt – ebenso wie die gemeinsame Freude an der Laufbewegung.

Für SCC Events als Organisator, mit dem neuen Sponsor VITAMIN WELL Frauenlauf,  ist die Geschichte der Entwicklung des Frauenlaufes seit 1984  in Berlin noch nicht zu Ende geschrieben. Sie gilt es weiter zu entwickeln, um noch mehr Frauen und Mädchen zu motivieren sich für den Laufsport zu engagieren und damit Lebensfreude zu gewinnen.

Die Idee trägt Früchte, denn immer mehr Frauen beteiligen sich jetzt auch am Berliner Halbmarathon und auch beim BERLIN-MARATHON sind die Frauen im  „Vormarsch“

Horst Milde 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

author: GRR