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2026

Laura Hottenrott macht zusammen mit dem späteren M45-Meister Johannes Hillebrand Tempo, während Hanna Gröber (im Hintergrund mit weißer Mütze) in Wartestellung läuft. - Foto: Wilfried Raatz / wus-media UG

Um Berglauftitel 2026 in der Thüringer Rhön – Hanna Gröber krönt ihre starke Frühlingsform mit dem DM-Titel, während Tobias Ulbrich um den Titel Spurtsieger wurde – Spannende Entscheidungen um die Berglauf-Meistertitel am Pleß in der Thüringer Rhön – von Wilfried Raatz

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Selten war man in Athletenkreisen so uneinig wie selten über die Einordnung der Deutschen Berglauf-Meisterschaften 2026 auf den Pleß in Breitungen an der Werra.

Forststraßenlauf mit etwas Trail, Berglauf ohne selektive Höhendifferenz der Kategorie leicht, die Beurteilungen jedenfalls fielen je nach Stimmungs- bzw. Ergebnislage von „superschön“, „hart“, „selektiv“ bis vernichtend „hat mit Berglauf wenig zu tun“ aus.

Eines ist klar, die Steigungen (sprich) Höhenmeter in der Thüringer Rhön sind überschaubar wie andernorts auch im Mittelgebirge, die Streckenauswahl jedoch ist das Geschick des jeweiligen örtlichen Veranstalters, gewiss aber auch dem Genehmigungswillen der Forstbehörden unterworfen. Beim SV Lauftreff Breitungen hat man unter der Regie des umtriebigen Jan Matthes alles unternommen, um nach 2019 mit der Ausrichtung der Berglauf-Titelkämpfe auf den Pleß erneut eine würdige Meisterschaft zu gestalten. Eine präparierte Trailpassage und die legendäre Hirschwand wurden zur Schlüsselstelle der 17. Auflage des „Pleß-Vulkan-Bergtrail“ mit integrierten Titelkämpfen.

Heftiger Wetterumschwung mit Hagel und starkem Wind machte am frühen Morgen der Veranstaltung so manchen guten Vorsatz zunichte, deshalb war Improvisation gefragt – und letztlich musste auch der gesetzte Zeitplan merklich verändert werden. „Die Herausforderungen waren erheblich, aber: bei Schönwetter kann jeder veranstalten. Ich denke, dass wir aber im Sinne der Gesundheit alles gelöst haben“, so Jan Matthes vor der abschließenden Siegerehrung.

Fakt letztlich: Die Strecken mit dem „Vulkan Hard“ über 13 km und 750 Höhenmetern bzw. dem Vulkan Medium“ über 7,2 km und 415 für den Nachwuchs und die älteren Mastersläufer waren nicht zuletzt durch die Witterungseinflüsse absolut meisterschaftswürdig und mit Hanna Gröber, Tobias Ulbrich, Julia Ehrle und Tom Knauer setzten sich auch wahre Meister ihres Metiers durch, die im rechten Moment die Leistung mit bestem Erfolg abrufen konnten und mit Gewißheit die deutschen Farben bei den Europameisterschaften Anfang Juni im slowenischen Kamnik vertreten werden. Über die weiteren Nominierungen entscheiden letztlich Ergebnisse bei internationalen Rennen wie in Naturns und Innsbruck.

Hinsichtlich der EM in Kamnik (5. -7. Juni) jedenfalls sollte sich Hanna Gröber die wenigsten Gedanken machen müssen. Die in Zürich lebende und beim IRC ZRN trainierende Biomedizinerin ist unter den Fittichen ihres neuen Trainers Moritz Keinath derzeit in einer exzellenten Verfassung, die ihre zuletzt erzielten Leistungen bei den Halbmarathonmeisterschaften in Frankfurt mit persönlicher Bestleistung von 1:13:07 und dem Sieg beim als Nominierungskriterium geltenden Ötzi-Trailrun in Naturns (Südtirol) bestätigen.

Erstmals hatte sie im Januar und Februar auch ein Höhentrainingslager im südafrikanischen Dullstroom absolviert. „Einerseits bin ich froh, dass Laura und Nadine gelaufen sind und mächtig Druck gemacht haben, andererseits habe ich in der ersten Ergänzungsrunde schon gelitten, um an den beiden dran bleiben zu können. Wir haben in Deutschland schon gute Läuferinnen, damit wir in Kamnik endlich wieder eine Teammedaille holen können!“ So die für LAV Stadtwerke Tübingen startende mit Blick auf die Konkurrenz mit Laura Hottenrott und Nadine Hübel.

In der Tat, die erst kurzfristig nachgemeldeten Laura Hottenrott und die überraschend starke Nadine Hübel, machten im Anlauf zur Ergänzungsrunde mächtig Druck, sodass die im Vorfeld angesichts der Meldelisten favorisierten Hanna Gröber sich eher in der Verfolgerrolle sah. „Ich hatte mit meinem Trainer abgesprochen, dass ich anfangs nicht zu früh pacen sollte. In der zweiten Runde konnte ich dann vor allem beim Downhill einen Vorsprung herauslaufen!“

Nach dem finalen Aufstieg auf Forstwegen und Betonplatten stürmte die 29jährige zum zweiten Meistertitel nach 2024, als sie in Zell-Unterharmersbach ihre erste nationale Meisterschaft gewinnen konnte. Mit 57:49 Minuten lag sie final eine Minute vor Laura Hottenrott und der dichtauf folgenden Nadine Hübel.

„Der Start war eigentlich nicht geplant und erst nach meinem Ausstieg in Hannover ein Thema geworden. Für ein Meisterschaftsrennen ist dies natürlich keinesfalls eine optimale Vorbereitung. Durch die Straßenorientierung im Frühjahr sind die ersten Bergläufe immer recht zäh, das habe ich schon im Vorjahr erfahren müssen. Ich bin froh, dass ich als Zweite zumindest den geforderten Leistungsnachweis für die EM abliefern konnte“, so eine sichtlich aufgeräumte Laura Hottenrott im Ziel. Im vergangenen Jahr hatte sie mit Siegen beim Zermatt-Marathon, bei den Eiger-Trails und vor allem beim Jungfrau-Marathon eine herausragende zweite Saisonhälfte hingelegt, bis zu den Europameisterschaften wird Laura allerdings noch eine Menge Arbeit haben, um die in Breitungen offenbarten Defizite bei den Übergängen von Forstwegen auf Trails und umgekehrt zu beseitigen „Da habe ich sehr viel verloren“, gestand sie selbstkritisch ein.

Nur acht Sekunden dahinter folgte bereits Nadine Hübel, die mit diesem furiosen Auftritt nicht nur Rang drei der Overall-Wertung belegte, sondern zugleich auch die W40-Kategorie gewann. „Nach meinem Skiunfall im vergangenen Jahr habe ich lange ein Aufbautraining gemacht und bin natürlich sehr zufrieden, dass der erste Wettkampf so geklappt hat!“ freute sich Nadine Hübel. „Meine Stärken liegen in der Vielfalt mit Up- und Down-Passagen, obwohl ich bei der ersten Abwärtspassage dachte, das kann heute nichts werden!“ Und blickt mit Vorfreude auf die Highlights in den kommenden Wochen und Monaten mit Starts am Rennsteig, beim Zugspitz Ultratrail und beim Eiger E35.

Die weitere Reihenfolge wird hingegen bestimmt von Erwartbarem und Überraschendem Mit Kerstin Bertsch stellte sich die deutsche Meisterin von 2019 in einer starken Form vor und wurde Gesamtvierte – und W35-Meisterin. „Leider wieder eine Holzmedaille“, zeigte sich die routinierte Allroundläuferin mit einer Vorliebe für Berg- und Trailläufe dennoch etwas unzufrieden.

Maja Betz im Dress des SC Ostheim kennen eher diejenigen, die polysportiv unterwegs sind. Und dort nämlich ist die 28jährige ein Ass. Seit fünf Jahren schwimmt das Ausdauertalent aus der Rhön als Profisportlerin in der Triathlon- und Duathlonszene auf einer Erfolgswelle, an der Spitze stehen dabei die Vize-Weltmeisterschaft auf der Duathlon-Langdistanz sowie zahlreiche deutsche Titel auf Lang- und Mitteldistanzen. Aber auch im Berglauf wusste Maja schon erste Meriten zu sammeln, als sie im WMRA Youth Cup der U18 die deutschen Farben trug. In 1:02:16 wurde sie Fünfte und lag dabei vor der versierten Berg- und Trailläuferin Lena Ritzel, bevor Antonia Horn im Trikot des SV Lauftreff Breitungen als Siebte ihr Heimspiel zu einem bemerkenswerten Erfolg feiern durfte.

Nach Rang 15 im Vertical-Wettbewerb der Weltmeisterschaften 2025 im spanischen Canfranc durfte Tobias Ulbrich als erster Titelanwärter genannt werden, wenngleich mit Dominik Notz ein ebenbürtiger Konkurrent an der Startlinie stand. Im Duell Novice (Ulbrich) gegen Routinier (Notz) stand es selbst noch auf dem finalen Plattenweg im Schatten des 20 Meter hohen Pleßturmes unentschieden, ehe die Spurtstärke des jungen Landshuters den Ausschlag über den Meistertitel gab. „Deutscher Meister in meinem erst dritten Berglauf“, freute sich Tobias Ulbrich über den nächsten Coup.

„Es gab Phasen, da war Tobi stärker und Phasen, bei denen ich besser zurechtkam“, erläuterte Dominik das Renngeschehen über die dreizehn Kilometer. Bei einer Siegerzeit von 50:37 trennten beide lediglich vier Sekunden. Tobias und Dominik hatten sich schon frühzeitig (zunächst noch mit dem Rennsteig-Ass Marcel Bräutigam) an die Spitze gesetzt, in der Verfolgung war mit Maximilian Zeus der Meister der Jahre 2017, 2018 und 2021 der erfahrenste Bergläufer schon „alleine auf weiter Flur“. Und hielt diese Position mit einem Rückstand von einer Minute auf das Spitzenduo, das übrigens schon in der kommenden Woche beim Innsbruck Alpine Trailrun Festival erneut aufeinander treffen wird.

In der Verfolgung dominierte die Trikotfarbe rot der SG Wenden, denn auf den Rängen vier, sechs und acht liefen Frederik Jonas Wehner (52:29), Manuel Schräder (53:02) und Fabian Jenne (53:39) ins Ziel und holten für das laufstarke Team aus dem Sauerland einen weiteren Langstreckentitel. Dazwischen schoben sich mit Philipp Stuckhardt (Fünfter) und dem U23-Meister Arvid Lösel (Siebter) zwei erfahrene Bergläufer, die auch bereits auf internationale Einsätze blicken können. Beide wussten auch als Leader ihrer Vereine Laufteam Kassel bzw. LG Region Karlsruhe als Overall-Zweite und -Dritte zu überzeugen, die Karlsruher zudem in gleicher Besetzung auch U23-Meister.

Wie selten zuvor dominierte der SSC Hanau-Rodenbach auch bei den Mannschaften. Die Frauen sicherten sich den Titel vor der LG Allgäu und dem SC Ostheim, die Masters-Frauen zudem auch in der Wertung W35-45. Bei den bei den U20-Junioren gab es sogar einen Doppelsieg für den berglaufaffinen Verein mit den Plätzen 1 und 2.

Blicken wir nun in der gebotenen Breite auf die besten Jugendlichen, die mit den älteren Masters auf der „Medium“-Distanz 7,2 km zu absolvieren hatten, die tückische Schleife mit der Hirschwand blieb außen vor. Die beiden SSC-Talente Tom Knauer und Tim Völker dominierten das Feld nach Belieben und schafften mit 29:45 (Tom) bzw. 30:09 (Tim) den Doppelsieg. Der Dritte Matteo Bianchin „Duellierte“ sich schon mit Julia Ehrle um den dritten Rang im Gesamteinlauf, der mit einer Sekunde Vorsprung für den jungen Dresdner in 30:56 Minuten endete.

Um es vorweg zu sagen, Julia genoss die männliche Begleitung, auch wenn sie als haushohe Favoritin der U20-Girls zugab, dass es „anstrengend“ gewesen sei. Doch keineswegs bezüglich ihrer weiblichen Konkurrentinnen, die lagen mit Gloria Herold und Hannah Lösel auf den weiteren Medaillenrängen schon mit vier Minuten Rückstand weit zurück. Für Julia war es eine rasche Gripsgymnastik, ehe die Zahl 16 in ihrer aktuellen Titelsammlung, darunter schon der dritte in 2026, zusammengezählt war. „Für mich lief es heute sehr gut. Mir hat die Strecke sehr gut gefallen, vor allem der kleine Trailbereich!“

Für die Weltmeisterin von Canfranc geht es in der Folgewoche schon um die nächsten Herausforderungen, doch sind diese mit Pädagogik/ Psychologie, Deutsch, Mathematik und Religion keineswegs mit Laufschuhen zu bewältigen, sondern hier bestimmt das BaWü-Kultusministerium den Takt. Und die sportliche Zukunft? Natürlich Kamnik, wo es gilt den EM-Titel zu verteidigen. Und auf der Bahn stehen immerhin auch Europameisterschaften an. „Ich muss schauen, ob es die 3000 m oder die 5000 m sein werden!“ Oder auch beides?

Aber eines jedenfalls sollte den Kritikern ins Stammbuch geschrieben werden, denn der „reine“ Berglauf steckt angesichts der weitaus populären Trail-Events in einer existenziellen Krise. Ob und wie überhaupt der Berglauf eine Zukunft hat, das liegt aber auch in der Hand der internationalen Leichtathletik-Verbände, die unbestritten der Taktgeber für die nahe Zukunft sind.

Und national wird es von Jahr zu Jahr schwieriger, geeignete Interessenten für die Ausrichtung zu finden, wenn zudem die Titelkämpfe an einem gut platzierten Termin nicht nur Meisterschaftscharakter, sondern auch eine gewisse Qualifikation für Welt- und Europameisterschaften darstellen sollen.

Wilfried Raatz

R5K-Tour beim ADAC Marathon Hannover 2026 – Vanessa Mikitenko und Jonas Kulgemeyer siegen im Alleingang – Luise Brzoska erneut bärenstark – Wilfried Raatz

 

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