Symbolbild - Ditaji Kambundji bei ihrem ISTAF-Sieg im Sommer 2025 im Berliner Olympiastadion. - Foto: Camera4/ISTAF
Schweizer Team greift an der Hallen-WM 2026 in Torun nach Medaillen – Swiss Athletics
Die Hallen-WM von Freitag bis Sonntag in Torun (POL) ist der krönende Abschluss der Indoorsaison 2026.
Die Schweiz schickt dort ein starkes Team von 13 Athletinnen und Athleten ins Rennen, von denen deren drei in der Jahres-Weltbestenliste in den Top 3 figurieren und sich berechtigte Hoffnungen auf einen Medaillengewinn machen können. Die Zielsetzung von Swiss Athletics sind mindestens zwei Medaillen.
Torun, da war doch was? Wer sich für die internationale Leichtathletik interessiert, der kommt am Namen der polnischen Stadt nicht vorbei. Einerseits findet in der «Arena Torun» jedes Jahr ein Hallenmeeting der World Indoor Tour statt, andererseits war der Ort 2021 die Bühne für die unter Corona-Bedingungen durchgeführte Hallen-EM, an der die Schweiz dank der 60-m-Sprinterin Ajla Del Ponte (US Ascona) und der Stabhochspringerin Angelica Moser (LC Zürich) zwei Europameistertitel feiern durfte. Ein für die nationale Leichtathletik historischer Erfolg!
Ajla Del Ponte: fünf Jahre nach EM-Gold wieder in Torun
Die beiden damaligen Siegerinnen gehören auch fünf Jahre später dem Schweizer Team an. Aussergewöhnlich ist dies im Fall von Ajla Del Ponte, die schwierige, von gesundheitlichen Sorgen geprägte Jahre hinter sich hat, und es mit beeindruckendem Durchhaltewillen geschafft hat, zu alter Stärke zurückzufinden. Im Final der Hallen-SM Ende Februar in St. Gallen, die für die WM-Selektionen der Trials-Wettkampf waren, lief sie in 7,15 Sekunden mit der drittbesten Zeit ihrer Karriere auf den 2. Platz und qualifizierte sich damit erstmals seit der WM 2022 in Eugene (USA) als Einzelathletin für eine internationale Meisterschaft. Die schnellste Schweizer 60-m-Sprinterin dieser Saison ist Léonie Pointet (CA Riviera), die den SM-Final in 7,12 Sekunden mit persönlicher Bestzeit gewann und damit in der ewigen Schweizer Bestenliste an die 4. Position vorrückte. Sie steigt in Torun erstmals in ihrer Karriere an einer Hallen-WM in die Startblöcke.
Angelica Moser feierte seit ihrem Triumph 2021 je einen EM-Titel im Freien (2024 in Rom) und in der Halle (2025 in Apeldoorn). Nachdem sie in den letzten Wochen zuerst von einer Fussverletzung und dann von einer Hamstring-Zerrung gebremst worden ist, ist sie inzwischen voll «im Saft» und reist mit einer Saisonbestleistung von 4,66 m an. Moser hat schon oft an internationalen Grossanlässen im entscheidenden Moment «zugeschlagen» und auch am Sonntag ist ihr – nach Bronze vor einem Jahr an der Hallen-WM in Nanjing (CHN) – eine Spitzenplatzierung zuzutrauen. Der Stress einer Qualifikation bleibt den Stabhochspringerinnen wie an einer Hallen-WM üblich erspart. Alle Teilnehmerinnen stehen direkt im Final.
Simon Ehammer Nummer 2 der Welt in diesem Jahr
Simon Ehammer (TV Teufen) tritt am Freitagmorgen als Zweiter der Jahres-Weltbestenliste zum Siebenkampf an, hinter dem US-Amerikaner Peyton Bair, der an der WM nicht am Start ist. Der Schweizer Rekordhalter hat mit Torun noch eine Rechnung offen. An der Hallen-EM 2021 lag er auf Podestkurs, ehe ein Nuller im Stabhochsprung seine Medaillenträume zunichtemachte. Nach vielversprechenden Leistungen in den letzten Wochen – unter anderem unterbot er zweimal die WM-Limite über 60 m Hürden und hat im Weitsprung eine Saisonbestmarke von 8,12 m – tritt Ehammer voller Selbstvertrauen zu seinem nächsten Grossanlass an. Läuft alles nach Plan, sollte sein Schweizer Rekord von 6506 Punkten fallen. In diesem Fall wäre auch der Europarekord des Norwegers Sander Skotheim (6558), der in Torun nicht am Start ist, nicht mehr weit weg.
Die Mehrkämpferin Annik Kälin (AJ TV Landquart) bestreitet ausschliesslich den Weitsprung. Letztes Jahr gewann sie sowohl an der Hallen-EM in Apeldoorn (mit Schweizer Rekord 6,90 m) als auch an der Hallen-WM in Nanjing sensationell die Silbermedaille. Gelingt ihr der Wettkampf wunschgemäss, gehört sie im Final vom Sonntag (Qualifikationswettkampf gibt es keinen) erneut zum Kreis der Medaillenanwärterinnen.
Weltmeisterin Ditaji Kambundji will wieder ganz nach vorne
Mit einem gesunden Selbstvertrauen kann auch Ditaji Kambundji (STB) der WM entgegenblicken. Die Hürdenläuferin, die im September mit ihrem Gold-Triumph an der WM in Tokio (JPN) Schweizer Sportgeschichte geschrieben hat, zeigte in den vergangenen Wochen konstante Leistungen auf hohem Niveau und kann eine Saisonbestzeit von 7,78 Sekunden vorweisen. Einzig die Weltrekordhalterin Devynne Charlton von den Bahamas ist die 60 m Hürden in diesem Jahr schneller gelaufen (7,77). Nach ihrem Silber-Coup in Nanjing will die Hallen-Europameisterin und -Europarekordhalterin einmal mehr nach den Medaillen greifen.
Larissa Bertényi (LC Brühl, PB 8,06) kommt über 60 m Hürden ebenso zu ihrer Feuertaufe an einer Hallen-WM wie Fabio Kobelt (STV Kriessern, PB 7,75).
Audrey Werro: 2025 auf Platz 4 – und jetzt?
Über 800 m ist die Schweiz dank Audrey Werro (CA Belfaux) und Valentina Rosamilia (BTV Aarau) mit zwei Läuferinnen vertreten, die in diesem Winter so schnell sind wie noch nie. Werro stellte zweimal einen Schweizer Hallenrekord auf und ist mit 1:57,27 Minuten die Nummer 2 der Welt in dieser Saison. Nach Platz 4 in Nanjing, nur 1 Hundertstel hinter Bronze, bietet sich ihr eine gute Chance, ihre erste Medaille an einem Grossanlass bei den Aktiven zu gewinnen. Rosamilia verbesserte ihren Bestwert im Final der Hallen-SM auf 1:59,81 Minuten, womit sie indoor die zweitschnellste Schweizerin aller Zeiten ist.
Bei den Männern vertritt Ivan Pelizza (LC Zürich) über 800 m die Schweizer Farben. Er ist hinter André Bucher der zweitschnellste Schweizer aller Zeiten über die vier Bahnrunden. Über 1500 m kommt die Schweizer Rekordhalterin Joceline Wind (Biel/Bienne) Athletics zu ihrem dritten Auftritt an einer Hallen-WM, derweil Delia Sclabas (Gerbersport) ihre Premiere erlebt.
Mindestens zwei Medaillen sind das Ziel
Mit 13 Athletinnen und Athleten ist das Schweizer Team etwas grösser als 2025 in Nanjing (12) und 2024 in Glasgow (11). Die Delegation ist jedoch nicht nur gross, sondern auch ambitioniert, wie Philipp Bandi, Chef Leistungssport von Swiss Athletics, sagt. «Die selektionierten Athletinnen und Athleten haben in den letzten Wochen alle mit sehr guten Leistungen überzeugt. Nun gilt es, diese beim wichtigsten Wettkampf der Hallensaison zu bestätigen und ich bin überzeugt, dass ihnen dies gelingen wird. Wir haben mehrere Trümpfe im Team, die realistische Chancen auf eine Spitzenplatzierung haben. Unser Ziel ist es, mindestens zwei Medaillen zu gewinnen.»
Live im Schweizer Fernsehen
Swiss Athletics wird auf Instagram und Facebook sowie auf der Verbandswebsite ausführlich über das Schweizer Team in Torun berichten. Das Schweizer Fernsehen (SRF, RTS, RSI) überträgt alle drei Wettkampftage live im TV oder online. Bilder der Schweizer Athletinnen und Athleten gibt es täglich auf der Website von Athletix.
Eine Übersicht der Schweizer Einsätze an der Hallen-WM folgt im Verlauf der Woche auf der Website von Swiss Athletics.
Torun (POL). Hallen-WM (20. bis 22. März 2026). Die Selektionen von Swiss Athletics. Männer. 800 m: Ivan Pelizza (LC Zürich). 60 m Hürden: Fabio Kobelt (STV Kriessern). Siebenkampf: Simon Ehammer (TV Teufen). – Frauen. 60 m: Ajla Del Ponte (US Ascona), Léonie Pointet (CA Riviera). 800 m: Valentina Rosamilia (BTV Aarau), Audrey Werro (CA Belfaux). 1500 m: Delia Sclabas (Gerbersport), Joceline Wind (Biel/Bienne Athletics). 60 m Hürden: Larissa Bertényi (LC Brühl), Ditaji Kambundji (STB). Stab: Angelica Moser (LC Zürich). Weit: Annik Kälin (AJ TV Landquart).
Link zu den Grossanlass-Statistiken von Swiss Athletics
Swiss Athletics – fre
EN