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17
03
2026

Kremer

Vor 50 Jahren beim Rennsteiglauf (II) – Gerhard König verstorben – Dr. Hans-Georg Kremer

By GRR 0

In dem Buch „50 Jahre Rennsteiglauf – Vom Abenteuer zum Massenlauf“ wurde versucht, die Geschichte des Rennsteiglaufs aus der Sicht der Teilnehmer und der Organisatoren wiederzugeben.

Was zu kurz oder garnicht vorkommt sind die Vertreter der Medien, d. h. die Journalisten und Fotografen. Diese haben gerade in den Anfangsjahren einen wesentlichen Anteil, dass der GutsMuths-Rennsteiglauf in der ganzen DDR so populär wurde. Ende der 1990er Jahre wurde in einer wissenschaftlichen Studie schon mal eine Auswertung der Autoren vorgenommen, die Artikel über den Rennsteiglauf geschrieben hatten.

Weit über 200 Namen tauchen darin auf, wovon allerdings die Mehrzahl nur mit einem oder zwei Beiträgen verzeichnet sind. Ein Spitzenreiter war und ist es sicher auch heute noch, Uwe Jentzsch aus Weimar, was aber auch daran lag, dass er eine Zeit lang für Nachrichtendienste tätig war. Seine Meldungen dafür wurden teilweise mit Nennung seines Namens veröffentlicht.

Aus den ersten „Rennsteiglaufjahren“ gibt es aus zentralen Medien die Namen Kühne, Kluge, Kirkam, Fischer und Sakuth, die als Autorennamen mehrfach erscheinen.

Nicht befasst hat sich bis jetzt Jemand mit der Frage, welche Bildautoren, d. h. Fotografen beim Rennsteiglauf agiert haben bzw. welche Fotos vom Rennsteiglauf von welchen Autoren in die zentral herausgegebenen Printmedien gelangten. Soweit überhaupt gekennzeichnet, tauchen da z. B. Namen wie Anslinger, Dressel, Fromm, Kroh und Kuphal auf.

Ein besonders aktiver Fotograf war Gerhard König (Zella-Mehlis/Meiningen), der in diesem Jahr seinen 50 Einsatz beim Rennsteiglauf hätte feiern können. Dank eines Fotos des damaligen Jenaer Sportstudenten und Rennsteigläufer Wolfgang Müller, können wir nachweisen, dass Gerhard König schon 1976 beim Rennsteiglauf tätig war. Er hätte also als Rennsteiglauffotograf in diesem Jahr sein „50jährges“ feiern können.

Jetzt erreichte uns die traurige Nachricht, dass Gerhard König (Jg. 1939) seinen 50. Rennsteiglaufeinsatz nicht mehr erleben wird. Anfang März ist er verstorben.

Der Nachruf im „Freien Wort“ (Suhl) verweist darauf, dass Gerhard König 1974 als „Hobby-Fotograf“ zur Sportfotografie gekommen ist. Anfangs widmete er sich nur an den Wochenenden diesem Metier, häufig mit dem „Hobby-Journalisten“ Werner Bache. Vom Beruf war er Qualitätskontrolleur in einem Zella-Mehliser Betrieb, was sich auch auf die Auswahl seiner Fotos niederschlug, wo er immer Wert auf hohe Qualität legte.

Die sportlichen Erfolge der Wintersportler seiner Region brachten es mit sich, dass er vor allem in diesen Sportarten fast keine große Veranstaltung ausließ. Auch beim Rennsteiglauf, besonders nach 1990 verpasste er nicht nur keinen Lauf, sondern war auch bei vielen Pressekonferenzen und anderen Terminen des Rennsteiglaufvereins und seiner Organisatoren ein gern gesehener Gast. Selbst kleine Anlässe waren ihm nicht zu schade, die Kamera umzuhängen und mit seiner Gründlichkeit hochwertige Fotos zu schießen.

So war er sogar bei einem Vortrag von Peter Latzel 2023 im Suhler Waffenmuseum dabei, als dieser in einen Vortrag über die Entwicklung der „Zeiterfassungs- und Zieltechnik beim Rennsteiglauf zu DDR-Zeiten“ erzählte.

Peter Latzel (links) und Gerhard König (rechts) im Suhler Waffenmuseum 2023 nach dem Vortrag. –  Foto H. Kremer

Viele seiner Rennsteiglauffotos trugen zur Legendenbildung des „größten Crosslaufs Europas“ bei.

Hier eins seiner berühmten Fotos vom Rennsteiglauf 1985 unter der Überschrift „Erschöpft“. (Entnommen dem Rennsteiglaufbuch „Faszination Rennsteiglauf“)

Eigentlich hätte er verdient, dass seine besten Rennsteiglauffotos in einem Bildband veröffentlicht würden. Hoffentlich bleibt sein Foto-Archiv für zukünftige Veröffentlichungen erhalten.

Dr. Hans-Georg Kremer – Ziegenhainer Str. 77 – 07749 Jena – Tel.: 03641-363094

 

 

 

author: GRR