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2026

Haile Gebrselassie gewann dreimal in Folge, von 2008 bis 2010, in Dubai. - Foto: Victah Sailer

25. Dubai-Marathon am Sonntag: Ein Trendsetter für die gesamte Region – Jörg Wenig

By GRR 0

Ein City-Marathon in einem Wüsten-Emirat? Das klang vor der Jahrtausendwende wie eine Geschichte aus 1001 Nacht.

Doch die Veranstalter des Dubai-Marathons machten aus einem vermeintlichen Märchen eine ganz reale Erfolgs-Story. Das Rennen in Dubai wurde zu einem Trendsetter für die gesamte Region. Der Laufsport entwickelte sich in der Folge in Ländern, in denen man dies nie für möglich gehalten hätte.

Heute finden auf der arabischen Halbinsel in den Wintermonaten eine Reihe von hochklassigen Straßenrennen auf meist sehr schnellen Strecken statt. Der Dubai-Marathon ist nach wie vor der größte und schnellste Lauf der Region über die 42,195 km.

Wie bei vielen anderen, bedeutenden Laufveranstaltungen werden in Dubai neben der Marathon-Distanz parallel Rennen über kürzere Strecken angeboten. Am Sonntag stehen auch Läufe über 10 km und 4 km auf dem Programm. Hatte die Premiere der Veranstaltung im Jahr 2000 insgesamt 1.800 Teilnehmer, war es zuletzt rund das Zehnfache.

Doch es ist nicht die breite Masse, mit der der Dubai-Marathon immer wieder für Schlagzeilen sorgte.

Das Rennen nahm vor allem spitzensportlich eine atemberaubende Entwicklung. In den ersten Jahren hatte sich dies allerdings noch nicht abgezeichnet. Die Ergebnisse waren alles andere als erstklassig. Die Siegzeiten bewegten sich zumeist in Zeitbereichen von deutlich über 2:10:00 bei den Männern beziehungsweise über 2:35:00 bei den Frauen. Aber im Sommer 2007 wurde alles anders in Dubai: Der aus Irland stammende Chef-Organisator Peter Connerton gab die Verpflichtung von Super-Star Haile Gebrselassie bekannt. Dass der Ausnahmeläufer aus Äthiopien in Dubai Marathon laufen würde, war an sich schon eine Sensation.

Tigist Ketema siegte als Debütantin vor zwei Jahren mit einem Streckenrekord. – Foto: Giancarlo Colombo

Doch Gebrselassie wollte noch viel mehr: er ging auf Weltrekord-Jagd. Und das gleich drei Jahre in Folge, denn der Dubai-Marathon hatte mit dem Superstar einen Mehrjahres-Vertrag abgeschlossen.

Zum Weltrekord reichte es dann aber nicht ganz für Haile Gebrselassie. 2008 war er auf der superflachen Strecke zu schnell losgelaufen und wurde am Ende müde, so dass er die Marke um 27 Sekunden verpasste. Allerdings hatte er den Streckenrekord mit einer Siegzeit von 2:04:53 Stunden gleich um fast fünf Minuten verbessert und gezeigt, dass in Dubai tatsächlich der Weltrekord gebrochen werden kann. 2009 lag er lange auf Rekordkurs, doch ein Unwetter machte ihm im letzten Teil des Rennens einen Strich durch die Rechnung. Beim dritten Versuch im Jahr 2010 war Haile Gebrselassie nicht mehr in entsprechender Form.

Aber auch ohne Weltrekord war mit dem Dubai-Marathon plötzlich ein ganz neues Rennen in die Gruppe der traditionell schnellsten und hochklassigsten Marathonläufe vorgedrungen. Die Veranstalter in den Vereinigten Arabischen Emiraten brachten mit ihrer Initiative frischen Wind in die vermeintlich geordnete Welt des Elite-Marathonlaufes und sie brachten die Organisatoren der gerade erst gegründeten World Marathon Majors-Serie ziemlich ins Schwitzen.

In den Jahren nach Haile Gebrselassie setzte sich der Aufschwung des Dubai-Marathons fort.

Immer wieder produzierte das Rennen spektakuläre Ergebnisse. 2012 blieben erstmals auf einer rekord-konformen Strecke vier Läufer unter 2:05:00 Stunden, zehn unter 2:07:00 und 17 unter 2:10:00 sowie drei Frauen unter 2:20:00. 2014 lief der damals erst 18-Jährige Tsegaye Mekonnen (Äthiopien) zu einem spektakulären Debüt-Sieg und erzielte dabei mit 2:04:32 einen inoffiziellen Junioren-Weltrekord (offizielle Weltrekorde im Marathon werden im Juniorenbereich nicht geführt).

2018 liefen sieben Männer Zeiten von unter 2:05 und vier Frauen blieben unter 2:20 Stunden, was zum damaligen Zeitpunkt jeweils einmalig war in der Geschichte des Marathonlaufes. Ein Jahr später triumphierte die damals noch relativ unbekannte Ruth Chepngetich (Kenia) in 2:17:08 und erzielte zu jenem Zeitpunkt die drittschnellste je gelaufene Zeit. Bei den Männern gelang im gleichen Rennen dem Debütanten Getaneh Molla (Äthiopien) ein spektakulärer Durchbruch: Er triumphierte in 2:03:34 und erzielte damit ebenfalls einen Streckenrekord, der sogar heute noch steht.

Es sind immer wieder Debütanten aus Äthiopien, die in Dubai für Furore sorgen und die vielleicht schnellste Strecke der Welt (der Höhenunterschied zwischen dem niedrigsten und höchsten Punkt beträgt nur wenige Meter) als Sprungbrett in die Weltklasse nutzen. Das Männerrennen gewannen zuletzt fünfmal in Folge Marathon-Neulinge. Bei den Frauen gab es vor zwei Jahren ein spektakuläres Debüt: 2024 triumphierte Tigist Ketema (Äthiopien) in der weiterhin gültigen Streckenrekordzeit von 2:16:07 und erzielte einen inoffiziellen Debüt-Weltrekord, der noch nicht unterboten wurde.

Der Dubai-Marathon wird in den frühen Morgenstunden bei in der Regel kühlen Temperaturen gestartet. – Foto: Veranstalter

Mehrere Dubai-Sieger liefen danach zu ganz großen Triumphen. So wurde Lelisa Desisa 2019 Marathon-Weltmeister und sein äthiopischer Landsmann Tamirat Tola 2024 Olympiasieger über die klassische Distanz.

Der Dubai-Marathon hat sich in der Liste der schnellsten City-Marathonrennen weit oben etabliert.

In dieser Statistik wird der Durchschnitt der schnellsten zehn je bei einem Rennen gelaufenen Zeiten gewertet. Mit 2:04:02,5 beziehungsweise 2:18:23,2 Stunden steht der Dubai-Marathon bei Männern und Frauen jeweils auf dem sechsten Platz.

Die schnellsten zehn Zeiten beim Dubai-Marathon

MÄNNER
2:03:34 Getaneh Molla ETH 2019
2:03:40 Herpassa Negasa ETH 2019
2:04:00 Mosinet Geremew ETH 2018
2:04:02 Leul Gebresilase ETH 2018
2:04:06 Tamirat Tola ETH 2018
2:04:06 Asefa Mengstu ETH 2018
2:04:08 Sisay Lemma ETH 2018
2:04:11 Tamirat Tola ETH 2017
2:04:15 Brhanu Legese ETH 2018
2:04:23 Ayele Abshero ETH 2012

FRAUEN
2:16:07 Tigist Ketema ETH 2024
2.17:08 Ruth Chepngetich KEN 2019
2:17:41 Worknesh Degefa ETH 2019
2:18:09 Ruti Aga ETH 2024
2:18:27 Bedatu Hirpa ETH 2025
2:18:32 Dera Dida ETH 2025
2:19:17 Roza Dereje ETH 2018
2:19:30 Feyse Tadese ETH 2018
2:19:29 Dera Dida ETH 2024
2:19:31 Aselefech Mergia ETH 2012

Jörg Wenig

 

author: GRR