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20
01
2026

Symbolfoto: Foto; Jiro Mochizuki@Photo Run - Victah Sailer

Deutschsprachige Sportkulturen – Deutschland, Österreich und Schweiz Teil 2: Helmut Digel, Andreas Weber unter Mitarbeit von Albrecht Hummel – sport-nachgedacht.de – Prof. Dr. Helmut Digel

By GRR 0

Sportberichterstattung – Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender weisen in ihrer Sportberichterstattung erhebliche Unterschiede auf.

Rechteerwerb und Verteilung der Rechte

Der Erwerb und die Verteilung teurer Übertragungsrechte variieren zwischen den Sendern sehr stark. Lokale Marktbedingungen (Konkurrenz durch Pay-TV) und gesetzliche Regelungen haben dabei einen unterschiedlichen Einfluss.

ARD und ZDF teilen sich in Deutschland oft die Rechte für Großereignisse (z. B. Fußball-Weltmeisterschaften, Olympische Spiele) und verhandeln diese gemeinsam. Sie konkurrieren dabei mit Pay-TV-Anbietern[1] und privaten Free-TV-Sendern.

In Österreich und der Schweiz spielen die öffentliche-rechtlichen Sender (ORF bzw. SRF) eine zentralere Rolle im nationalen Rechteerwerb, wobei jedoch auch hier in jüngster Zeit die Konkurrenz durch private Anbieter zunimmt (z.B. ServusTV, Sky in Österreich; Blue Sport und My Sports in der Schweiz). Beispielsweise hat die SRG seit 2022 keine Rechte mehr an der Nationalen Eishockey-Liga. Damit hat der SRF alle Live- Übertragungsrechte im Schweizer Eishockey für die nächsten zehn Jahre verloren. Die „Liga“ vergab das Rechte-Paket für Liveübertragungen einschließlich Wiederverwertungsrechten für die Jahre 2027 bis 2035 an den Telecom-Anbieter Sunrise. Live wird das nationale Eishockey auf dem eigenen Bezahlsender My Sports ausgestrahlt. Gleichzeitig werden ausgewählte Inhalte an private Nicht-Bezahl-Sender wie Blick-TV, 3+ oder TV24. Die SRG hat weiterhin die Rechte an der Eishockey Nationalmannschaft sowie am internationalen Eishockey in Davos, dem „Spengler-Cup“.
Programmschemata und Formate

Die Struktur der Sportsendungen unterscheidet sich durch die jeweiligen Hauptformate:

ARD: Die „Sportschau“ am Samstagabend ist das traditionelle Format mit den Highlights der 1. und 2. Fußball-Bundesliga.

ZDF: „Das aktuelle Sportstudio“ am Samstagabend, das stärker auf Hintergrundberichte und Talk-Gäste setzt.

ORF: „Sport aktuell“ als Nachrichtenblock. Der ORF ist bekannt für seine umfangreichen Live-Übertragungen von Ski-Rennen und anderen Events (oft auf ORF 1 und dem Spartensender ORF Sport +).

SRF: „Sport aktuell“ als tägliches Sportmagazin und umfassende Live-Berichterstattung, die stark die schweizer Sportpersönlichkeiten und Ligen in den Vordergrund rückt. Dies geschieht über eine längere Live-Sendung am Sonntagabend mit Publikum und einem Gast vor Ort – das „Sport-Panorama“. Ähnliche Formate gibt es auch in der französischsprechenden Westschweiz und der italienischsprechenden Südschweiz.

In der Schweiz läuft aktuell eine Kampagne zur Volksabstimmung im März 2026 zur sogenannten „Halbierungsinitiative“. Dabei soll der obligatorische Beitrag der schweizer Haushalte für die SRG SSR halbiert werden, von heute CHF 335- pro Haushalt auf CHF 200. Dagegen stellt sich eine breite Front aus dem Sport, angeführt von Swiss Olympic und den großen nationalen Sportverbänden, welche eine einschneidende Reduktion bei den Übertragungen sowie bei der Produktion von Sportinhalten erwarten  (Quelle: „SRG halbiert, Sport verliert“ – Kampagne des Sports Swiss Olympic)

Finanzielle und politische Rahmenbedingungen

Die Diskussion über die Kosten der Sportrechte und den Umfang der Sportberichterstattung wird in allen drei Ländern geführt, hat aber unterschiedliche Schwerpunkte, die durch die jeweilige Medienpolitik und den Umfang der Rundfunkgebühren beeinflusst werden. Der Versorgungsauftrag, auch Randsportarten zu berücksichtigen, ist allen dreien gemein, wird aber in der Praxis unterschiedlich umgesetzt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die öffentlich-rechtliche Sportberichterstattung in jedem Land stark von der nationalen Sportidentität und den traditionell populärsten Sportarten geprägt ist.

Budgets für Sportrechte und Sportproduktionen

Die genauen Budgets für Sportrechte und -produktionen der öffentlich-rechtlichen Sender sind aufgrund der Vertraulichkeit von Lizenzverträgen nicht vollständig transparent. Es lassen sich jedoch Schätzungen und offizielle Angaben zu den Gesamtaufwendungen heranziehen.

Der weitaus größte Kostenblock sind die Übertragungsrechte; die eigentlichen Produktionskosten (Personal, Technik) sind der zweitgrößte.

Die deutschen Sender haben den größten Etat, was auf den größten Medienmarkt Europas und den intensiven Wettbewerb mit privaten Anbietern zurückzuführen ist.

Die Kosten für die Produktion der Sportübertragungen (Personal, Technik, Übertragungswagen, Studios) sind neben dem Erwerb von Sportrechten der zweitgrößte Kostenfaktor, der sich vor allem in der Qualität der Sportberichterstattung widerspiegelt.

Alle vier Sender – ARD/ZDF, ORF und SRF – arbeiten bei Großereignissen oder nationalen Schlüsselproduktionen (z. B. Ski-Alpin Live, Fußball-Highlights) mit einem sehr hohen technischen und personellen Standard, der international wettbewerbsfähig ist. Bei großen Live-Events werden eigene Ü-Wagen, umfangreiche Kameraausstattung (Super-Slow-Motion), Grafikanalysen und große Teams vor Ort eingesetzt. Die Erwartungshaltung des gebührenzahlenden Publikums ist in allen Ländern hoch, was die Sender zu aufwendigen und teilweise auch zu technisch exzellenten Produktionen zwingt. Der Hauptunterschied der drei Sender liegt diesbezüglich im Umfang und der Tiefe der Berichterstattung und in der Kompetenz und Auswahl des journalistischen beziehungsweise kommunikativen Personals.

ARD und ZDF weisen in Bezug auf das Personal mit Abstand den größten Aufwand auf. Bei Großereignissen (Olympische Spiele, Fußball-WM) entsenden die beiden Sender die größten Korrespondenten-, Technik- und Produktionsteams. Sie erbringen im täglichen Wechsel eine Übertragungsleistung, die von den kleineren Teams des ORF und des SRF täglich mit einem weit geringeren Personalaufwand zu erbringen sind. Der große Aufwand von ARD/ZDF ist nicht nur auf das Live- Ereignis beschränkt, sondern umfasst umfangreiche Vor- und Nachberichterstattung, mobile Studios, Hintergrundfeatures und die Bespielung der digitalen Kanäle (sportschau.de, Mediatheken), was einen riesigen Pool an Reportern, Redakteuren, Experten und Technikern bindet. Bei ihren Eigenproduktionen sind die absoluten Kosten pro Sendeminute sehr hoch, da sie den größten Stab an festangestellten und freien Mitarbeitern sowie die komplexeste Logistik unterhalten.

ORF und SRF weisen ähnliche Strukturen und Merkmale der Vor- und Nachberichterstattung auf. Allerdings findet dies alles in einem kleineren Format statt.

ORF (Österreich) und SRF (Schweiz) weisen eine wesentlich geringere Personalstärke auf. Das Personal ist jedoch sehr effizient im Verhältnis zur Marktgröße. Beide Sender konzentrieren den personellen Aufwand auf die nationalrelevanten Ereignisse. Besonders hoch ist dieser Aufwand bei der Übertragung von Ereignissen des Skiweltcups. Hier ist der technische Aufwand als Host Broadcaster oft vergleichbar mit dem deutschen Standard, da dies das nationale Prestigeprojekt der beiden Sender ist. Bei großen internationalen Turnieren, abgesehen von den Spielen der jeweiligen Nationalmannschaften, entsenden ORF und SRF kleinere Teams als ARD und ZDF und verwenden meist das „Weltbild“ („World Feed“). Dies wird durch das eigene Studio und lokale Kommentatoren ergänzt. Auf diese Weise werden Kosten gespart.

Nach Angaben der SRG decken die durchschnittlichen Einnahmen aus TV-Werbung und Sponsoring nur 10 bis 20 Prozent der Vollkosten für Rechte, Produktion und Ausstrahlung ab. (Quelle: Sport | SRG SSR). ORF und ARD/ZDF weisen ähnliche Probleme in ihrer Einnahmesituation auf.

Sportpresse

Die Sportpresse in Deutschland, Österreich und der Schweiz weist ebenfalls sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten auf.

In allen drei Ländern ist Fußball der beliebteste Sport und dominiert die Berichterstattung. Alle drei Länder haben eine Mischung aus Printmedien, Online-Plattformen und Fernsehsendern, die sich auf Sportberichterstattung spezialisiert haben. Großereignisse wie die Olympischen Spiele oder die Fußball-Weltmeisterschaft werden in allen Ländern umfassend behandelt.

In Deutschland gibt es eine sehr große Anzahl an Sportmedien, sowohl auf lokaler, regionaler als auch nationaler Ebene. Die Fußball-Bundesliga zieht dabei die höchste Aufmerksamkeit auf sich.

In Österreich ist die Sportberichterstattung oft stärker auf nationale Sportereignisse fokussiert, insbesondere auf den Fußball und Wintersportarten.

Die Sportpresse der Schweiz hat einen mehrsprachigen Ansatz (Deutsch, Französisch, Italienisch) und deckt mehrere Sportarten ab, wobei Eishockey und Fußball ebenfalls prominent sind.Die Mehrsprachigkeit der Sportpresse in der Schweiz hat einen erheblichen Einfluss auf die Zielgruppenansprache.

Die Schweiz hat vier offizielle Sprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch), was bedeutet, dass die Sportpresse in verschiedenen Regionen unterschiedliche Sprachen verwendet.

Journalisten passen ihre Berichterstattung an die kulturellen und sprachlichen Gegebenheiten der jeweiligen Region an, was die Leserbindung erhöht.

In verschiedenen Sprachregionen gibt es unterschiedliche sportliche Vorlieben. Zum Beispiel ist Eishockey in der Westschweiz (französischsprachig) sehr beliebt, während Fußball in der Deutschschweiz dominiert . Die Leser fühlen sich oft stärker mit Inhalten verbunden, die in ihrer Muttersprache verfasst sind und lokale Athleten oder Sportereignisse thematisieren. Die Verwendung der jeweiligen Sprache kann eine tiefere emotionale Verbindung zur Zielgruppe herstellen, insbesondere in Bezug auf nationale oder regionale Erfolge. Die Mehrsprachigkeit beeinflusst auch, welche Plattformen bevorzugt werden. Online-Medien können mehrsprachige Inhalte anbieten, während Printmedien oft auf eine Sprache beschränkt sind. Unterschiedliche Medien können unterschiedliche Reichweiten und Zielgruppen haben. Online-Plattformen, die mehrsprachige Inhalte anbieten, können eine breitere Leserschaft ansprechen. Unternehmen müssen ihre Werbestrategien an die verschiedenen sprachlichen Zielgruppen anpassen, um effektiv kommunizieren zu können. Regionale Sponsoren Sponsoren können eher in ihrer eigenen Sprachregion aktiv werden, was die Sportberichterstattung weiter regionalisiert.

Fachorgane Sport – spezifische Sportpresseorgane und Fachmagazine in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Deutschland: „Sport Bild“: eines der bekanntesten Sportmagazine, das umfassende Berichterstattung über Fußball, Motorsport und andere Sportarten bietet. „Kicker“: ein Fachmagazin, das sich auf Fußball spezialisiert hat, besonders auf die Bundesliga und internationale Wettbewerbe. „Fußball International“: ein Magazin, das sich auf internationale Fußballberichterstattung konzentriert.

Österreich:„Kronen Zeitung“ („Krone Sport“): eine der größten Tageszeitungen mit einem starken Sportteil, der sich auf Fußball und Wintersport konzentriert.„Sportmagazin“: ein Magazin, das umfassende Berichterstattung über verschiedene Sportarten, mit einem Fokus auf nationale Athleten und Ereignisse bietet. „Österreichischer Fußball-Verband (ÖFV): ein Fachmagazin, das sich auf den österreichischen Fußball und seine Entwicklung konzentriert.

Schweiz: „Sport Schweiz“: ein umfassendes Sportmagazin, das über verschiedene Sportarten berichtet, einschließlich Fußball, Eishockey und Wintersport. „Die Schweizer Illustrierte – Sport“: Teil der Schweizer Illustrierten, bietet Sportberichterstattung und -analysen zu verschiedenen Sportarten. „Eishockey News“: eine spezialisierte Berichterstattung über Eishockey, das in der Schweiz sehr populär ist.

Die Sportpresse in Deutschland, Österreich und der Schweiz bietet somit eine Vielzahl von Publikationen, die sich auf verschiedene Sportarten und Zielgruppen konzentrieren. Diese Organe sind mit entscheidend für das Interesse an Sport in den jeweiligen Ländern.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Sports

Um den gesamtwirtschaftlichen Beitrag der „Querschnittsmaterie Sport“ zu messen, gibt es seit zwei Jahrzehnten ein so genanntes europäisches „Satelliten Konto Sport“. Mit ihm werden nicht nur die Tätigkeiten der Vereine und der Betrieb von Sportanlagen erfasst, sondern alle Wirtschaftsbereiche, die mit dem Sport verbunden sind, wie beispielsweise die Sportartikel-Produktion, der Sporthandel, die Bauwirtschaft, das Unterrichtswesen und das Gesundheitswesen.

Betrachten wir das Satelliten Konto der drei Länder, so kann Österreich als eindeutiger Europameister in Sachen Sportwirtschaft bezeichnet werden. Die Sportwirtschaft Österreichs generiert eine „Brutto-Wertschöpfung“ von 17,1 Milliarden € und ist damit für 5,75 % des österreichischen Bruttoinlandprodukts (BIP) verantwortlich. Damit liegt die Wertschöpfung des Sports höher als jene der Bauwirtschaft. Die Beherbergung und Gastronomie profitieren mit 3,9 Milliarden € Wertschöpfung am stärksten vom Sport. Der Kernbereich des Sports, also die Tätigkeit der Vereine, die Aktivitäten von Profisportlern und Trainern sowie der Betrieb von Sportanlagen liegen mit 920 Millionen € an sechster Stelle. Im Sportsektor werden 357.000 Arbeitsplätze ausgewiesen, die für ein Steueraufkommen von 8,4 Milliarden € sorgen. In der Kategorie „ehrenamtliches Engagement“ weist der Sport mit 29,8 % den höchsten Anteil auf, gefolgt von den Rettungsdiensten 22 %, der Kunst, Kultur und Unterhaltung 21,5 % und der Religion und Kirche 20,0 % (Quelle: Sportaustria 2023).

Für das Berichtsjahr 2022 ergaben sich für Deutschland folgende wirtschaftliche Kennzahlen: Beitrag zum BIP 2,1 %, Beitrag zur „Brutto-Wertschöpfung“ 2,2 %, Beitrag zur Beschäftigung 2,6 %, Konsum per privaten Haushalte 4,4 %, Beitrag zum Aufkommen einer „Nettogüter-Steuer“ 2,9 % und Beitrag zur Produktion 2, 1 %. Während der Pandemie hatte der Sport einen Anteilsverlust von 0,4 %. Im Jahr 2022 betrug das Bruttoinlandsprodukt, das durch den Sport erzeugt wurde, 82,5 Milliarden €. Den höchsten Anteil hat dabei der Konsum der privaten Haushalte mit 74,8 % gefolgt vom Konsum des Staates mit 18,3 %, der Konsum der Sportvereine und Verbände mit 3,2 % und Ausrüstungsinvestitionen mit 0,9 %. Der Beitrag des Sports zur Beschäftigung betrug im Jahr 2022 1,2 Millionen Personen, was einer Quote von 2,6 % entspricht.

Unterschiede im Bereich des Schulsports, der Sportwissenschaft und der Sportlehrerausbildung

Die Unterschiede im Schulsport, in der Sportwissenschaft und in der Sportlehrerausbildung zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz sind komplex und liegen vor allem in den historischen Traditionen und in den zum Teil sehr unterschiedlichen politischen Rahmenbedingungen begründet. Die Auswirkungen der deutschen Teilung unter den Bedingungen des Kalten Krieges (1948–1990) spielen dabei eine bedeutende Rolle mit gravierenden Auswirkungen.

Der relativ neue Begriff „Schulsport“ bekommt seine Kontur in Relation zum außerschulischen Sport und durch seine Bindung an fachaufsichtliche, dienstaufsichtliche und versicherungsrechtliche Regelungen der Institution Schule. Inhaltlich umfasst der Schulsport den Sportunterricht (i.d.R. 3 Stunden je Woche), die außerunterrichtlichen Sportangebote wie z.B. im Rahmen des schulischen Ganztagsangebotes, mehrtägige Veranstaltungen mit sportlichen Schwerpunkten, z.B. Winter- oder Wassersport, besondere Bewegungsangebote in den anderen Fächern, Bewegungs-Pausen und die Schulsport-Wettbewerbe auf unterschiedlichen Ebenen (z.B. die „Bundesjugendspiele“ und „Jugend Trainiert für Olympia und Paralympics“).

Das Verhältnis von Schulsport und außerschulischem Sport ist steuerungsbedürftig und steuerungspflichtig. Das wird im gegenwärtigen Prozess des Ausbaus der Ganztagsschule in den deutschen Ländern deutlich.

In Deutschland liegt die Bildungshoheit bei den Kultusbehörden der 16 Bundesländer. Für die materielle Absicherung des Schulsports sind die jeweiligen Schulträger (i.d.R. die Kommunen bzw. Landkreise) zuständig. Dies führt zu Unterschieden in den Lehrplänen, bei der Stundenzahl und den verpflichtenden Inhalten (z. B. Schwimmunterricht, Sportartenkanon) auf den einzelnen Schulstufen und in den unterschiedlichen Bildungsgängen eines insgesamt gegliederten Schulsystems.

In der Primarstufe sind oft die Bereiche Leichtathletik, Turnen (Gymnastik), Spiele und Schwimmen obligatorisch. In der Sekundarstufe kommen weitere Felder wie Gesundheitsförderung und Fitness hinzu.

Die inhaltliche Konzeption des Unterrichtsfaches wurde zunächst sehr stark durch die Strukturen des fachlich weitgefassten deutschen Turnens und der deutschen Gymnastik geprägt (GutsMuths; Jahn; Spieß). Nach 1918 fanden verstärkt reformpädagogische Ansätze Eingang in den Turnunterricht. Das „Natürliche Turnen“ wurde vor allem in Österreich als Gegenentwurf zum reglementierten Turnen propagiert (Gaulhofer; Streicher). In den 1920er Jahren setzten sich – nicht zuletzt durch das Wirken der Deutschen Hochschule für Leibesübungen (DHfL) in Berlin – konzeptionell eine sportartbezogene, athletisch ausgerichtete „Körperliche Grundausbildung“ in den Schulen durch (Meusel; Krümmel). Modifiziert wurde diese Konzeption in der BRD und in der DDR bis in die 1960er Jahre praktisch umgesetzt, reformiert und viele Jahre durch eine pädagogisch reflektierte und didaktisch gefilterte Sportarten-Didaktik mit kanonisierten Schulsportarten geprägt. Es bestand ein gewisser Konsens darin, dass Leichtathletik, Turnen und Gymnastik, Sportspiele und Kleine Spiele, Schwimmen sowie Schneesport und auch Zweikämpfe (Ringen, Judo) Inhaltsbereiche des Sportunterrichts sind.

Dieser inhaltliche und methodische Sportbezug des Unterrichtsfaches geriet in der BRD Ende der 1960er Jahre durch eine sogenannte „Linke -Sportkritik“ in eine kurzfristige „Krise“ r, r– weitgehend akademische – und in den Köpfen einiger Apologeten – insbesondere aus n Ländern – Der Sport wurde von diesen als Verdoppelung der Arbeitswelt und als eine Formkapitalistischer Ausbeutung gedeutet und die Sportkultur wurde als deformierte Bewegungskultur des Spätkapitalismus eingeordnet, die durch eine neue Bewegungskultur abzulösen sei. Die Sportartenorientierung im Schulsport galt als affirmativ, instrumentalistisch und vor allem als pädagogisch anspruchslos. Die pädagogischen Ansprüche wurden hochgeschraubt, ohne auf deren Realisierbarkeit zu achten.

Die Kritik der „Neuen Linken“ verebbte relativ schnell, doch war sie nicht folgenlos für die weitere Schulsportentwicklung in der BRD.

Gegenwärtig verfügt der deutsche Schulsport über keine ernstzunehmende Beratungs- und Betreuungswissenschaft und für die Sportlehrkräftebildung existiert keine orientierungsstiftende, konstruktiv- synthetisierende Berufswissenschaft.

Neue Bezeichnungen für das Unterrichtsfach Sport wie „Sportstudies“ oder „Sportwissenschaft“ wurden ernsthaft vorgeschlagen. Die defizitären Entwicklungen im Bereich der körperlichen und sportlichen Leistungsfähigkeit im Kindes- und Jugendalter werden seit vielen Jahren belegt. Es sind soziale Tatsachen, aus denen noch keine angemessenen Schlussfolgerungen gezogen wurden.

In den Ländern der BRD galt seit 1949 bis ca. 1970 die Fachbezeichnung „Leibeserziehung“ und in der DDR hieß das Unterrichtsfach anfänglich „Körpererziehung (1949-1955). Die Fachbezeichnung „Turnen“ wurde 1955 eingeführt und besaß bis 1965 Gültigkeit. Der sogenannte „Turnbeschluss“ von1955 in der DDR war Ausdruck einer patriotischen Neuausrichtung des Faches und Resultat der damaligen Wiederbewaffnung in beiden deutschen Staaten. Die Sprache des Unterrichts änderte sich durch die Einführung der Kommandosprache der NVA, spezielle Wurfgeräte wurden (wieder) eingeführt (Stil-Handgranate, Splitter-Handgranate) und wehrsportliche Wettbewerbsformate fanden Eingang in den Schulbetrieb.

Zu Beginn der 1960er Jahre setzte im Bildungswesen der DDR eine neue Form der Sportorientierung ein, die in der Gesetzgebung von 1965 ihren formalen Abschluss fand. In der Folge dieser – bislang immer noch unzureichend erforschten Entwicklung – wurde erstmals im deutschsprachigen Raum und in Europa ein Unterrichtsfach mit der Bezeichnung „Sport“ belegt. Diese Bezeichnung betraf alle Klassenstufen und Schulformen. Mit ca. fünfjähriger Verzögerung wurde in den Ländern der BRD dieser Entwicklung in der DDR gefolgt.

Die Entwicklungen des deutschen Schulsports zu einem – wie es häufig heißt – „Hauptkrisenherd“ resultieren nicht zuletzt aus einem (west-)deutschen Sonderweg in den letzten Jahrzehnten. Dieser Sonderweg wird gut erkennbar im Vergleich mit führenden Sportnationen des demokratischen Westens, der politischen Wertschätzung des Schulsports und dessen Verankerung in einer selbstverständlichen Ganztagsschule. Die Aufgaben sind zwischen Bund und Ländern aufgeteilt, wobei die Länder bei der Ausgestaltung eine wesentliche Rolle spielen. Die geschichtliche Entwicklung des Turnunterrichts hatte lange einen prägenden Einfluss. Heute liegt der Fokus stärker auf einem breiteren Verständnis von Bewegung, Gesundheitsförderung und sozialen Kompetenzen.

In der Schweiz liegt die Verantwortung für den Sportunterricht bei den 26 Kantonen. Die Unterschiede können je nach Kanton sehr groß sein. Im Sportangebot des Schulsports dominiert traditionell das Turnen (im Sinne der Gymnastik und Vielseitigkeit) stärker als in Deutschland. Der Schulsport ist in der Schweiz trotz der Bildungshoheit der Kantone auf Bundes-Ebene seit 1987 geregelt. In der obligatorischen Schulzeit von der 1. bis zur 9. Klasse (Primarstufe und Sekundarstufe I) gilt das 3-Stunden-Obligatorium sowie auch im Gymnasium auf der Sekundarstufe II. Dieses Obligatorium wird in der politischen Debatte aber immer wieder thematisiert, da die Kantone und Gemeinden für die Kosten der Umsetzung dieses Obligatoriums aufkommen müssen, jedoch keine Finanzmittel des Bundes dafür erhalten. (Quelle: Obligatorischer Sportunterricht)

Historische Bedingtheit und heutige Relevanz

Die historischen Wurzeln der Leibesübungen haben die modernen Schulfächer in allen drei Ländern geprägt. In Deutschland war es das Jahn`sche Turnen mit einem besonderen Fokus auf Disziplin, vaterländische Erziehung und militärische Ertüchtigung. Nach 1945 gab es in Deutschland zwei unterschiedliche Konzeptionen der Leibeserziehung und der Körperkultur. In der BRD kam es zu einer Ausrichtung auf eine Sportpädagogik mit gesundheitspädagogischen Aspekten. Ein starker Fokus wurde auf Sportarten und deren didaktische Konzeption gelegt.

Die Pädagogen Karl Gaulhofer und Margarete Streicher hatten eine herausragende Bedeutung für den Schulsport in Österreich, indem sie die Reformbewegung des „Natürlichen Turnens“ ins Leben riefen und maßgeblich prägten. Sie entwickelten einen Gegenentwurf zum traditionellen, stark reglementierten und oft starren „Deutschen Turnen“ des 19. Jahrhunderts. Ihr Ansatz, der unter anderem als „Gymnastik auf allen Vieren“ bekannt war, betonte natürliche Bewegungsformen und eine ganzheitliche Körpererfahrung.

Ihr gemeinsames Werk „Grundzüge des österreichischen Schulturnens“ (erstmals 1922 erschienen) wurde zu einer fundamentalen Schrift und prägte Generationen von österreichischen Turnlehrern und den Lehrplan der Schulen. Die von ihnen propagierten Prinzipien der Leibeserziehung hatten einen langanhaltenden Einfluss auf die Entwicklung des österreichischen Schulsports und trugen zur Etablierung modernerer, pädagogisch fundierterer Bewegungskonzepte bei. In Anerkennung ihres großen Reformwerks wurde 1969 die Gaulhofer-Streicher-Gedenkstiftung und der -Preis an der Universität Wien gestiftet, um ihr Erbe in der Sportpädagogik zu würdigen.

In Österreich wurde das Fach sehr lange noch als Turnunterricht oder Leibeserziehung bezeichnet. Die historischen Einflüsse reichen von deutschem Turnen über den englischen Sport und die schwedische Gymnastik, doch besonders geprägt wurde das Fach durch das „Natürliche Turnen“. Heute wird in Österreich der Fokus auf den modernen Begriff „Bewegung und Sport“ mit einem stärkeren Fokus auf die Sportwissenschaft, die Akzeptanz durch alle und den Gesundheitsaspekt gelegt.

In der Schweiz ist der Schulsport ähnlich wie in Österreich und Deutschland stark durch die Turnbewegung geprägt gewesen. Doch kam es frühzeitig zu einer Ausrichtung auf die Betonung des Breiten- und Freizeitsports. Dies zeigt sich beispielsweise auf Bundesebene, als im Zuge der Totalrevision des „Bundesgesetz(es) zur Förderung des Sportes“ im Jahr 2013 der Begriff „Turnen“ durch den Begriff “Bewegung“ ersetzt wurde. So heißt die aktuelle gesetzliche Grundlage der Sportförderung in der Schweiz „Bundesgesetz über die Förderung von Sport und Bewegung“; während sie von 1972 bis 2012 „Bundesgesetz über die Förderung von Turnen und Sport“ hieß. Quelle: SR 415.0 – Bundesgesetz vom 17. März 1972 über die Förderung von Turnen und Sport | Fedlex)

Der Vergleich der wöchentlichen Pflichtstunden für „Sport“ bzw. „Bewegung und Sport“ ist aufgrund der föderalen Schulsysteme in allen drei Ländern komplex, da die genauen Stundentafeln von Bundesland (Deutschland/Österreich) oder Kanton (Schweiz) abhängen.

Allerdings lässt sich eine klare Tendenz zu einem gemeinsamen Mindeststandard von drei Wochenstunden erkennen, wobei dieser in Deutschland in höheren Klassen oft unterschritten wird. In der Schweiz ist das „Obligatorium“ klar definiert: Die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) sieht für die gesamte obligatorische Schulzeit (Primarstufe und Sekundarstufe I) mindestens drei Lektionen Sportunterricht pro Woche vor. Fast alle Kantone halten diese Vorgabe ein. In Österreich sieht der Regellehrplan für das Fach „Bewegung und Sport“ (BuS) für die Pflichtschule (Volksschule, Mittelschule, AHS-Unterstufe) ebenfalls drei Wochenstunden vor. Österreich und die Schweiz verfolgen damit konsequenter das Ziel, Kinder und Jugendliche in der wichtigsten Wachstumsphase durchgängig drei Stunden pro Woche in Bewegung zu halten.

In Deutschland ist die Situation am uneinheitlichsten, da jedes der 16 Bundesländer eine eigene Stundentafel hat. In vielen Bundesländern (z. B. Bayern ab der 2. Klasse) sind 3 Stunden vorgesehen, in anderen oft nur 2 Stunden. Die Empfehlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und der Kultusministerkonferenz (KMK) lautet jedoch 3 Stunden pro Woche. Während in den unteren Klassen (5./6. Klasse) oft noch 3 Stunden gehalten werden, reduziert sich die Zahl in der Mittelstufe (ab ca. 7. Klasse) an vielen Gymnasien und anderen Schulformen auf 2 Stunden pro Woche. Dies wird oft als Unterschreitung des pädagogischen und gesundheitlichen Mindestmaßes kritisiert.

Fazit: Die historische Dominanz des „Turnens“ als Mittel zur nationalen Erziehung (insbesondere in Preußen/Deutschland und in Folge in Österreich) hat in allen Ländern Spuren hinterlassen, wurde aber nach 1945 durch die moderne Sportpädagogik ersetzt, die soziale, personale und gesundheitliche Ziele in den Vordergrund stellt. Die Unterschiede bleiben heute primär in der föderalen Ausgestaltung der Lehrpläne und im Sportartenkanon sichtbar.

Unterschiede in der Sportlehrerausbildung

Die Ausbildung der Sportlehrer ist eng an das jeweilige Hochschul- und Bildungssystem gekoppelt, das sich in den drei Ländern grundlegend unterscheidet.

In Deutschland findet die Ausbildung zum Sportlehrer in der Regel an Universitäten in sog. Lehramtsstudiengängen statt. Es gibt dabei eine klare Trennung zwischen zwei bzw. drei Fächern (Sport +1weiteres Hauptfach bzw. 2 Zweitfächer). Die Dauer ist in der Regel auf Bachelor (3 Jahre) und darauf aufbauend Master (4 Jahre) aufgeteilt, gefolgt von einem 18–24-monatigen „Referendariat“ (Vorbereitungsdienst). Das Studium zeichnet sich durch hohe akademische Anforderungen in der Sportwissenschaft (Didaktik, Pädagogik, Psychologie, Soziologie, Sportmedizin, Biomechanik, Trainingswissenschaft, …) und sportpraktische Anforderungen aus (Vielseitigkeit und Beherrschen eines vorgegebenen Sportartenkanons).

In Österreich findet die Ausbildung der Sportlehrer an „Bundes Sport Akademien“, heute primär an „Pädagogischen Hochschulen“ und Universitäten statt und führt zum

Lehramtsabschluss, „Bewegung und Sport“. Ähnlich wie in Deutschland ist das Studium mehrphasig angelegt (theoretische Ausbildung, Praxisphase). Allerdings gibt es landesspezifische Besonderheiten in Bezug auf die Dauer und Organisation der Praxisausbildung.

In der Schweiz erfolgt die didaktische und fachliche Ausbildung an „Pädagogischen Hochschulen“ (PH) für die Primarstufe und die fachliche Ausbildung an Universitäten/Eidgenössischen Hochschulen (ETH und EHSM) für die Sekundarstufen. Die Ausbildung ist modular aufgebaut, wobei die didaktische Lehrbefähigung ausschließlich durch die PHs erfolgt, sowohl für die Primar- wie auch für die Sekundarstufe.

Die Schweiz ist bekannt für ihre dualen Bildungssysteme und hat eine starke Trainer- und Weiterbildungskultur, die eng mit dem Schulsport und dem Vereinssport verzahnt ist. Es gibt klare Äquivalenzprüfungen für ausländische Diplome.

Fazit: Alle drei Länder haben eine Akademisierung des Sportlehrerberufs vollzogen (weg von reinen Turnlehrer-Ausbildungen). Die zentralen Unterschiede liegen in der föderalen Organisation, der Ausbildungsdauer und der Verzahnung von Theorie und Praxis innerhalb der jeweiligen nationalen Bildungssysteme.

Sportwissenschaft in den drei Ländern

Die universitäre Fachwissenschaft „Sportwissenschaft(en)“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz weist trotz vieler Gemeinsamkeiten im Rahmen des Bologna-Prozesses (Bachelor/Master) einige spezifische Unterschiede auf. Diese betreffen hauptsächlich die Struktur der Hochschullandschaft, die Studienorganisation und teilweise die Schwerpunktsetzung.

In Deutschland ist die Hochschullandschaft sehr vielfältig mit großen Universitäten (stark forschungsorientiert) und Fachhochschulen (FH) bzw. Hochschulen für „Angewandte Wissenschaften“ (HAW), die stärker praxisorientiert sind.

Das Lehramt wird meist als Zwei-Fach-Bachelor/Master of Education organisiert. Der Sportlehrerberuf ist der traditionell wichtigste Beschäftigungssektor.

Das Studium der Sportwissenschaft als Gesamtfach und von speziellen Master- und Bachelorprogrammen zum Beispiel für Sportjournalismus, Sportmanagement, Gesundheitsmanagement wird über vier bzw. sechssemestrige Studiengänge organisiert. Es wird dabei eine breite Palette an Spezialisierungen angeboten (z. B. Sportmedizin, Sportmanagement, Prävention/Rehabilitation, Trainingswissenschaft, Sportinformatik) mit einem starken Fokus auf die Forschung.

An vielen Universitäten ist eine Sporteingangsprüfung (Eignungsprüfung) für die Zulassung zum Studium notwendig.

In Österreich nehmen die staatlichen Universitäten (z. B. Wien, Graz, Innsbruck, Salzburg) traditionell einen hohen Stellenwert in der universitären Sportwissenschaft ein. Daneben gibt es auch private Universitäten.

Die Studienstruktur wird durch Bachelor (6 Semester) und Master (4 Semester) Studiengänge geprägt. Sie sind auffällig stark auf die Bewegung und Trainingswissenschaft sowie auf die Sportmedizin und auf Prävention ausgerichtet. Die Entwicklung der österreichischen Sportwissenschaft wurde teilweise auch durch Experten aus der ehemaligen DDR geprägt. In der Regel ist eine Zulassungsprüfung zum Nachweis der sportlichen Eignung erforderlich. Auswärtige Eignungsprüfungen werden meist nicht anerkannt.

Die Hochschullandschaft der Schweiz ist eher kleiner und überschaubarer (z. B. Universität Basel, ETH Zürich, EPFL Lausanne, Universität Bern, Universität Lausanne). Die „Eidgenössische Hochschule für Sport Magglingen“ (EHSM) nimmt eine zentrale, spezifische Stellung ein und bietet einen praxis- und berufsorientierten „Bachelor of Sports Science“ (Fachhochschul-Studiengang). Die pädagogischen Hochschulen sind ebenfalls Fachhochschulen, da sie berufsbefähigend sein sollen, jedoch im Gegensatz zu Universitäten keine Doktorate vergeben können.

Die standardisierte Dauer für Bachelor (3 Jahre) und Master (2 Jahre) Studiengänge ist weit verbreitet. Die Organisation er Studiengänge ist vergleichsweise mit klaren „Deadlines“ strenger als in Deutschland und in Österreich. Die Schweiz etablierte im Vergleich zu Österreich und Deutschland die Sportwissenschaft sehr viel später als akademisches Fach. Heute wird Wert auf eine interdisziplinäre Grundlage gelegt (Kerncurriculum), oft mit Schwerpunkten wie Spitzensport (speziell SM), Trainingswissenschaft und Sportmanagement.

Für die Studiengänge der Sportwissenschaft an der EHSM muss Mehrsprachigkeit gewährleistet sein (Deutsch und Französisch). Die Betreuungsverhältnisse sind oft besser aufgrund der kleineren Hochschulen und Fachhochschulen, welche durch die Kantone finanziert werden.

Kaderstrukturen im Olympischem Sport

Die Sportnationen Deutschland, Österreich und die Schweiz unterscheiden sich in ihren Kaderstrukturen durch unterschiedliche Zentralisierungsgrade, in der finanziellen Unterstützung durch verschiedene Förderkonzepte und bei den Prämien für internationale Erfolge durch leicht abweichende Summen.

Die Kaderstrukturen in Deutschland sind föderal geprägt. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) koordiniert die Spitzenverbände und die Kaderathleten über verschiedene Stufen (A-, B-, C-, D/C-Kader). Entscheidend für die Förderung sind die Olympiastützpunkte, die als zentrale Leistungszentren fungieren.

Die Stiftung Deutsche Sporthilfe ist die zentrale Säule der Athletenförderung. Athleten mit WM-Medaillen in olympischen Disziplinen erhalten zusätzlich zur Basis-Förderung monatlich eine „Mercedes-Benz Elite-Förderung“. Die Prämien für Olympische Medaillen betragen in Deutschland 30.000 Euro für Gold (erhöht für 2026), 20.000 Euro für Silber (erhöht für 2026) und 10.000 Euro für Bronze.

Die Strukturen in Österreich sind zentralisierter als in Deutschland. Die österreichische Sporthilfe und das Sportministerium arbeiten eng zusammen, um Athleten gezielt zu fördern. Die „Bundes-Sport GmbH“ verwaltet die Förderung der Leistungszentren. Die Förderung erfolgt durch das Sportministerium und die österreichische Sporthilfe. Die Mittel sind im Vergleich zu anderen Nationen ähnlich, variieren jedoch je nach Sportart. Für Gold, Silber und Bronze bei Olympischen Spielen werden 17.000 Euro (in Goldmünzen), 13.000 Euro (in Goldmünzen), 11.000 Euro (in Goldmünzen) ausgelobt.

Die Dachorganisation Swiss Olympic modernisierte ihre Strukturen in den letzten Jahren und arbeitet mit den Kantonen und Fachverbänden eng zusammen. Die Förderung wird oft als effizient, allerdings auch als teuer pro Medaille eingestuft. Die Grundfinanzierung der Athleten basiert oft auf einer Kombination aus staatlicher Förderung, Sporthilfe-Stipendien und Sponsorengeldern.

Die Athleten erhalten Unterstützung durch Swiss Olympic und private Stiftungen.

Gewinnprämien werden bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen ausbezahlt. Bei Olympischen Spielen wird für die gewonnene Goldmedaille 40.000 CHF gewährt.

Die Prämien werden in der Regel von den nationalen Sporthilfe-Organisationen oder ähnlichen Institutionen gezahlt und nicht direkt vom Staat oder dem IOC (Internationales Olympisches Komitee).

Die Prämien für Weltmeisterschaften variieren stark je nach Sportart und Verband, aber auch hier zahlt die Deutsche Sporthilfe gestaffelte Prämien. In der Schweiz und Österreich gibt es ähnliche Regelungen, die von den jeweiligen Verbänden und der Sporthilfe umgesetzt werden.

Anti-Dopingstrukturen

Die Anti-Doping-Strukturen in der Schweiz, Österreich und Deutschland ähneln sich stark, da alle drei Länder den „Welt-Anti-Doping-Code“ (WADA-Code) anwenden und eng mit der Dachorganisation WADA zusammenarbeiten. Die Hauptunterschiede liegen in den nationalen rechtlichen Ausgestaltungen und den spezifischen Statistiken zu Fällen und Kontrollen.

Alle drei Länder verfügen über unabhängige „Nationale Anti-Doping Agenturen“ (NADA Deutschland, NADA Austria, Antidoping Schweiz), die für die Umsetzung der Dopingbekämpfung zuständig sind.

In Deutschland erfolgt die Bekämpfung auf Basis des „Anti-Doping-Gesetz(es)“ (ADG) von 2015, das strafrechtliche Dopingtatbestände umfasst.

Auch in Österreich existiert ein eigenes „Anti-Doping-Bundesgesetz“ (ADBG 2021), das die rechtliche Grundlage bildet.

In der Schweiz bilden die Grundlage das „Sportförderungsgesetz“ sowie sportrechtliche Regelwerke, die durch „Swiss Sport Integrity“ umgesetzt werden.

Die nationalen Agenturen veröffentlichen jährliche Berichte über ihre Aktivitäten. Die Zahlen variieren von Land zu Land. Österreich führte im Jahre 2024 insgesamt 2900 Dopingkontrollen durch und hatte dabei sieben positive Fälle aufzuweisen.

Ein Trend in allen drei Ländern, im Einklang mit WADA-Vorgaben, ist die Zunahme von Kontrollen außerhalb von Wettkämpfen (Out-of-Competition, OOC), da diese oft effektiver sind, um chronische Dopingpraktiken aufzudecken.

Im Jahr 2023 wurden z. B. in Österreich von 2.344 Proben 1.735 OOC-Proben (davon 1.283 Urin- und 452 Blutproben) und 609 IC-Proben genommen, was einen Anstieg der OOC-Kontrollen zeigt.Der Anteil der OOC-Proben hat sich von 22 % (1995) auf aktuell knapp 70 % erhöht.

Die NADA Deutschland legt ebenfalls einen starken Fokus auf unangekündigte Trainingskontrollen. Genaue Aufschlüsselungen sind im jeweiligen Jahresbericht zu finden.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass alle drei Länder gut koordinierte und robuste Anti-Doping-Systeme etabliert haben, die den internationalen Standards entsprechen und eine intensive regionale Zusammenarbeit pflegen.

Schlussbemerkungen

Bei einer vertiefenden und zeitlich aufwändigeren Analyse der drei Sportkulturen lassen sich vermutlich noch weitere Besonderheiten für die jeweiligen Kulturen aufzeigen. Für ein besseres Verständnis der Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Sportkulturen in den drei deutschsprachigen Ländern wäre eine systematischere Erforschung wünschenswert. Der hier vorliegende Essay könnte dafür eine anregende Grundlage sein.

Letzte Bearbeitung: 16.1.2025

[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird gelegentlich auf „gendergerechte“ Sprachformen – männlich weiblich, divers – verzichtet. Bei allen Bezeichnungen, die personenbezogen sind, meint die gewählte Formulierung i.d.R. alle Geschlechter, auch wenn überwiegend die männliche Form steht.

Prof. Dr. Helmut Digel
Eberhard Karls Universität Tübingen
Institut für Sportwissenschaft
Wilhelmstr. 124 – 72074 Tübingen – Germany
Mobil: +49 162 2903512 – Tel. 00498641 6997330

 

 

Deutschsprachige Sportkulturen – Deutschland, Österreich und Schweiz Teil 1: Helmut Digel, Andreas Weber unter Mitarbeit von Albrecht Hummel – sport-nachgedacht.de – Prof. Dr. Helmut Digel

Winter-Olympia im Blickfeld – Cortina 1956 – Zwei „Ossis“ retteten die Olympischen Winterspiele – Von Marco Michels – sport-nachgedacht.de – Prof. Dr. Helmut Digel

 

Anarchie in Großbritannien: Gastbeitrag – Den Sport auf der Suche nach Wachstum aufpeppen – ED WARNER – sport-nachgedacht.de – Prof. Dr. Helmut Digel

 

author: GRR