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22
01
2011

Somit waren am Ende die Leistungen der Frauen höher einzuschätzen als das im Vorfeld groß herausgestellte Rennen der Männer.

12. Standard Chartered Dubai Marathon am 21. Januar 2011 – Hailes Erben konnten kaum überzeugen: Kiptanui beendet in Dubai den Lauf nach gut 30 km auch ohne rote Flagge – Impressionen von Helmut Winter

By GRR 0

Die hohen Erwartungen an ein schnelles Rennen bei den Männern wurden am Ende nicht erfüllt, während bei den Frauen die Zeiten und die Leistungsdichte erfreulich hoch waren. Nur ganze drei Sekunden fehlten der Siegerin, Asselefech Mergia Medessa (ETH), am Streckenrekord ihrer Landsfrau Berhane Adere, die selbst im Rennen war, dieses aber nicht beendete.

Nach der Bronzemedaille beim WM-Marathon in Berlin gab es mit 2:22:45 ein weiteres Highlight in der Karriere der Äthioperin, die morgen 26 Jahre alt wird. Mit ihrer Halbmarathonzeit von 67:22 ist sie sicher jetzt eine Kandidatin für eine Zeit unter 2:20. Aktuell plant sie beim London-Marathon im April an den Start zu gehen. Auf den Plätzen Lydia Cheromei (KEN) 2:23:01 und die „Schwedin" Isabella Andersson in 2:23:41, eine deutliche Verbesserung des Landesrekords.

Somit waren am Ende die Leistungen der Frauen höher einzuschätzen als das im Vorfeld groß herausgestellte Rennen der Männer. Aber auch nach dem 21. Januar 2011 behält Haile nicht nur seinen Weltrekord sondern auch alle seine Bestmarken in Dubai. Dabei hatte es im Rennen der Männer bis vor der Schlussphase recht verheißungsvoll ausgesehen, zumindest Hailes Dubaier Streckenrekord (2:04:53) war in Gefahr. Nach dem Start auf einer Autobahnabfahrt, der aus einer weiteren „Begradigung" der Strecke resultierte, legte man nach einem moderaten ersten km in 3:03 zu und brachte das Tempo schnell in Regionen einer Endzeit von 2:05:30, was auch im Vorfeld zumindest aus Ausgangszeit gehandelt wurde.

Somit lag man auch perfekt im Plan, da man nach 14:42, 29:38, 44:48, 59:28 für die ersten 5km-Abschnitte so gut wie exakt die geplanten 1:02:45 für die ersten Hälfte lief. Bis hier war noch eine Gruppe von etwa 10 Läufern incl. einem Tempomacher zusammen. Und in relativ geringen Abständen folgten weitere Kleingruppen und Einzelläufer, alle im Regime unter 2:10.

An der Spitze wurde nun das Tempo weiter erhöht, in km-Splits, die deutlich unter 3 Minuten lagen, erreichte man 25 km in 1:14:13 und 30 km nach 1:28:49; d.h. 5km-Abschnitte in 14:45 und 14:36. Vor 30 km stieg mit Stephen Kibet der letzte Tempomacher aus dem Lauf aus, und Topfavorit Eliud Kiptanui war nun allein mit dem im Vorfeld gar nicht für einen vorderen Platz ins Auge gefassten David Barmasai in Front, dessen Startnummer 18 und eine Bestzeit von 2:10:31 (allerdings in der Höhe Nairobis) diesen Verlauf kaum erwarten ließ.

Kiptanui wollte nun offensichtlich eine Vorentscheidung herbeiführen und erhöhte noch einmal das Tempo. Nach einem Split von 2:55 zur 30 km Marke, lief man 2:54 für den nächsten km, und mit 1:31:43 bei 31 km war man mittlerweile auf Kurs von deutlich unter 2:05 (Haile lief hier 1:31:51 bei seinem ersten Weltrekord von 2:04:26). Dann jedoch blieb Kiptanui völlig unvermittelt stehen.

Warum er ausstieg, ist von ähnlichen Irritationen begleitet, wie seine Tempomacherdienste im Dezember 2010 in Fukuoka, wo er naiv und kurzfristig meinte, auch als Pacemaker ein Rennen zu gewinnen. In Dubai war diesmal noch nicht einmal ein Kampfrichter mit einer Flagge von Nöten, sein Rennen zu beenden.

Barmasai, in Dubai bei seinem ersten „richtigen" Marathon, war über dieses „Geschenk" sichtlich irritiert, hatte aber durch die Tempoverschärfung soviel Vorsprung vor den Verfolgern Wendimu und Cheruiyot, dass sich ein Alleingang anbot. Barmasai berichtete nach dem Lauf über den starken (Gegen-)Wind, der kam zwar auf, war aber nach sachlicher Einschätzung kaum der Grund für den massiven Leistungseinbruch. Da sind eher das Leistungspotential als auch die übermäßige Luftfeuchtigkeit bei Temperaturen um etwa 20°C zu nennen.

Nach etwas Nieselregen vor dem Start, hörte der Regen während des Laufs ganz auf (am Nachmittag regnete es dann aber in Strömen, da war die Veranstaltung aber lange zu Ende). Kurzum, der km-Schnitt nach 32 km mit 2:57 war noch auf Kurs zu einer Weltklassezeit, dann wurde der wackere Kenianer aber sichtbar langsamer. 3:05, 3:06, 3:07, bei 35 km in 1:43:55 sah es immer noch gut aus, aber dann wurde es noch schlimmer.

Zu den Splits ab 38 km in 3:20, 3:24, 3:18, 3:38 ist wenig anzumerken, dies kostete eine deutlich bessere Zeit im Ziel. 2:07:18 sind zwar neue Jahresweltbestzeit, das hat aber so früh im Jahr noch wenig zu sagen und ist für die Ansprüche Dubais eher enttäuschend. Barmasai hatte dabei das Glück, dass es seinen Verfolgern nicht anders erging, Evans Cheruiyot wurde in 2:08:17 Zweiter und der Abonnement-Dritte Eshetu Wendimu erzielte 2:08:54. In Dubai lohnt sich aber vom Preisgeld auch ein 3. Platz mit 50.000 $. Und noch 10000 $ gab es für eine Zeit von 2:13:39 von Alebachew Debas als Zehnter.

Durch die Zeiten von Barmasai und Cheruiyot konnte sich Dubai beim Zehnermittel der schnellsten Strecke um einen Rang verbessern und liegt nun wieder vor Frankfurt auf Rang 8. Bei den erhofften schnellen Zeiten wäre hier aber wesentlich mehr möglich gewesen, aktuell wachsen auch in Dubai im Jahre eins nach Haile die Bäume nicht in den Himmel. Dazu ist anzumerken, dass in wichtigen Belangen in Dubai kaum Fortschritte zu sehen waren.

14.000 Teilnehmer waren vom Veranstalter benannt worden. Da kann man lange um solche Zahlen streiten, die Finisherzahlen sagen mehr: ca. 1.000 im Marathon, 4.200 über 10 km, im 3 Fun-Run waren geschätzte 1.000 dabei.

Auch bei der TV-Übertragung hinkt man wieder weit hinter den Standards zurück. Zu viele Aufnahmen aus dem Helikopter und eine völlig erratische Bildführung machen ein Verfolgen des sportlichen Ablaufs so gut wie unmöglich. Da bleibt für die kommenden Jahre noch einiges für die Veranstalter zu tun. Erfreulich der deutlich zu erkennende Zuwachs des Zuschauerinteresses, nicht nur im Start- und Zielbereich in der Media City Dubais sondern auch auf der langen Geraden finden sich mittlerweile erfreulich viele Interessierte ein.

Und der eigentliche Gewinner war wieder einmal der Laufsport, dessen Völker verbindende Komponente kaum deutlicher zu Tage tritt als bei dieser Veranstaltung in der arabischen Wüste.

Dem kann auch dieser Lauf aus der „Retorte" wenig anhaben. Keep on running, Dubai!

Helmut  Winter


Splits (Spitze Männer)

3:03, 2:52, 2:56, 2:57, 2:56  –  14:42  5 km

3:01, 2:56, 3:00, 2:58, 3:02  –  29:38  10 km

3:04, 3:00, 2:59, 2:59, 3:01  –  44:38  15 km

3:06, 2:47, 3:01, 2:59, 2:59  –  59:28  20 km

 Halbmarathon:  1:02:46

2:59, 2:59, 2:59, 2:54, 2:58  –  1:14:13  25 km

2:56, 2:55, 2:56, 2:57, 2:55  –  1:28:49  30 km

2:54, 2:57, 3:05, 3:06, 3:07  –  1:43:55  35 km

3:09, 3:12, 3:10, 3:20, 3:24  –  2:00:08  40 km

3:18, 3:38

Marathon2:07:18

 

 

Leading Results

Men
Place  name /country  time/prize in US$
1    David BARMASAI, KEN, 2.07.18 250k
2   Evans CHERUYIOT, KEN 2.08.17 100k
3   Eshetu WENDIMU, ETH  2.08.54   50k
4  Deressa CHIMSA, ETH  2.09.08   25k
5  Stephen KOSGEI (Stephen Kosgei Kibet), KEN 2.09.27    15k
6  Berhanu BEKELE, ETH 2.09.54   14k
7  Emanuel SAMAL, KEN 2.10.27   13k
8  Adil ANANNI, MOR  2.11.15   12k
9  Dereje TESFAYE, ETH 2.13.26   11k
10  Alebachaw DEBAS, ETH 2.13.39   10k

Women
1    Aselefech MERGIA, ETH 2:22:45 250k
2   Lydia CHEROMEI, KEN 2.23.01 100k
3   Isabella ANDERSSON, SWE, 2.23.41   50k
4   Atsede HABTAMU, ETH 2.24.26    25k
5  Atsede BAYISA, ETH 2.25.08   15k
6  Diana CHEPKEMOI, KEN 2.26.53   14k
7  Genet GETANEH, ETH 2.27.13   13k
8  Werknesh KIDANE, ETH 2.27.15   12k
9  Helena KIROP, KEN  2.27.41   11k
10  Feysa BORU, ETH  2.30.23   10k

author: GRR

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